Mittwoch, 22. November 2017

Falsch verstandene Inklusion ist ein Problem

Vor allem, wenn Sozialverbände wie der SoVD (Sozialverband Deutschland) einen Inklusionspreis verleihen, der dann an falsche Personen geht.

So geschehen dieses Jahr: Der SoVD Inklusionspreis geht an Til Schweiger und Michael Stich.

Kann man machen, ist aber eine falsche Auszeichnung in Sachen Inklusion, weil die Projekte der beiden gar nichts mit Inklusion zu tun haben.

Til Schweigers Flüchtlingsarbeit fällt ganz klar unter Integration und die Arbeit der Michael-Stich-Stiftung für HIV-positive Menschen ist eine gesundheitspolitische Leistung.

Muss man heutzutage einem Sozialverband noch den Unterschied zwischen Inklusion und Integration erklären?

Integration bezeichnet die Aufnahme von Menschen in ein bestehendes System, was für Menschen mit Migrationshintergrund steht, die ja aus einem anderen Land/Kulturkeis kommen, d.h. sie sind nicht von Anfang im System, sondern kommen hinzu. Natürlich gibt es auch Migranten, die in Deutschland geboren sind, aber die wachsen in der Regel in beiden Kulturen auf. Wir können natürlich darüber diskutieren, wie weit die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund gelungen ist oder nicht. Es ist nun mal so, dass Integration der Begriff ist für die Einbeziehung der Menschen mit Migrationshintergrund in eine für sie fremde Gesellschaft ist.

Menschen mit Behinderung dagegen sind von Anfang an da in einem System/Gesellschaft und werden in der Regel aussortiert aus der Gesellschaft in Sonderwelten. Und dann wundert man sich, dass das Zusammenführen dieser Welten später nicht funktioniert, weil beide Welten sich nicht kennen - wie soll das auch gehen bei dieser Apartheid? Der Begriff Inklusion will diesen ausgrenzenden Zustand beenden und steht für gemeinsame Lebensräume von Anfang von Menschen mit Behinderung und Nichtbehinderten. Diese Normalität brauchen wir. Wir können es uns gesellschaftlich nicht leisten, dieses Potential durch Ausgrenzung zu verschleudern.

Wenn man beide Begriffe miteinander vermengt, dann verwässert man die Ausgangslage, womit niemandem geholfen ist.

Nochmal zusammmengefasst: Mit Inklusion wird die selbstverständliche Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens als gleichberechtigte Bürger/innen bezeichnet und zwar von Anfang an - es meint also gleichberechtigte Teilhabe!

Bei der Diskussion über die Integration von Menschen mit Behinderung, welche man früher betrieben hat und heute noch betreibt, konzentriert man sich darauf, wie man aus der "Ausgrenzung" von Menschen mit Behinderung Berühungspunkte mit nichtbehinderten Menschen schaffen kann. Darum ist Integration sehr oft falsch verstandene Inklusion - nicht überall, wo Inklusion drauf steht, ist auch wirklich Inklusion darauf, sondern da findet sich oft Integration.

Die Inklusion steht nämlich für den Weg Ausgrenzungen von Anfang an zu vermeiden, indem man von Anfang an gemeinsame Lebensräume hat in allen Bereichen.

Zurück zum Inklusionspreis des SoVD: Wenn man sich mal durchliest, wer so alles zu den Gewinnern gehört, kann man nur den Kopf schütteln, dass nicht mal der Sozialverband Deutschland den Unterschied zwischen Inklusion und Integration kennt.

Aber wir sind ja hier in Deutschland, ne? Deutschland kassierte bei der Staatenprüfung 2015 in Sachen UN-Behindertenrechtskonvention, also in Sachen Inklusion eine glatte 5 notentechnisch. Für 2019 wird es nicht besser aussehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Falls es nicht klappt zu kommentieren, kann man mir eine E-mail unter der Mailadresse im Blog hinterlassen - derzeit scheint Blogger damit Probleme zu haben. :-( P.S. Beleidigende und unsachliche Kommentare werden nicht freigeschaltet.