Freitag, 24. März 2017

Sandmännchen mit Gebärdensprache - aber nur im Internet!

Wer kennt dieses Abendritual in unzähligen Haushalten mit Kindern nicht? "Nach dem Sandmännchen geht es ins Bett!"

Auch ich saß als Kind in meiner Hängeschaukel, welche in den 80ern wirklich zu fast jedem Haushalt gehörte und nuckelte an meinem Kabagetränk bei meinem abendlichen Einschlafritual mit dem Sandmännchen. Natürlich kam das damals ohne Untertitel und ohne Gebärdensprache - davon war nur zu träumen damals.

Ich habe es aber trotzdem gerne angeschaut, weil die Bildersprache von Sandmännchen schon immer sehr visuell war und darauf stehen auch gehörlose Kinder vor allem.

Im November 2016 kam dann die Meldung, dass das Sändmänchen nun mit Gebärdensprache gezeigt wird. Gute Nachricht, könnte man meinen, aber wie so oft steckt eben der Teufel auch im Detail:

Das Sandmännchen mit Gebärdensprache wird nur im Internet gezeigt, das heißt man versteckt das Angebot mit Gebärdensprache im Internet.

Was sollen bitte gehörlose Kinder daraus lernen? Gebärdensprache ist nicht gut genug für das Fernsehen?

Und wie sollen bitte hörende Kinder mitbekommen, dass es eben auch Gebärdensprache gibt? In meinen Augen verschenkt man hier eine großartige Chance für inklusives Fernsehen von hörenden und gehörlosen Kindern: Gehörlose Kinder lernen, dass die Gebärdensprache ernst genommen wird und hörende Kinder lernen, dass es die Gebärdensprache gibt.

Was auch ein wichtiger Faktor ist, der für die Ausstrahlung der Gebärdensprache im TV spricht und essentiell ist: Gerade für das Verständnis der Gebärdensprache ist es sehr wichtig, dass die Übertragung ruckelfrei passiert und da ist nun mal das Fernsehen das Medium der ersten Wahl, denn wenn wir mal auf den Bandbreitenausbau in Deutschland gucken, vor allem auf dem Land, sieht man, wie wenig das Internet in vielen Gebieten Deutschlands noch geeignet ist für das Medium Gebärdensprache.
(UPDATE per Einschieber am 28. März zur Brandbeite in Deutschland: Die Leute von Netzpolitik haben sehr genau aufgedröselt, wie düster es wirklich um den Empfang von Brandbreite in Deutschland aussieht: https://netzpolitik.org/2017/breitband-in-deutschland-bitte-warten/)

Schon gar nicht als Internetfernsehen.

Das will man aber beim RBB nicht einsehen - hier kann man die Einstellung des RBB nachlesen:










Damit ich es richtig verstehe: Beim RBB Fernsehen ist man also der Ansicht, dass man mehr Menschen die Möglichkeit gibt zu fernsehen wie sie es wollen, indem man die Gebärdensprache nur im Internet anbietet?

Meiner Meinung nach macht es der RBB hier sehr einfach: Man versteckt das Angebot in Gebärdensprache, welches man finanziert - nach einer Weile lässt man das Programm auslaufen mit der Begründung: Das wurde zu wenig angeklickt. Und zack kann man es sich zugute halten:"Wir haben es ja mal versucht, hat nur keinen interessiert."

Ein wirklich konsequentes Bekenntnis zum barrierefreien Sandmännchen wäre, wenn man Sandmännchen direkt im Fernsehen mit Gebärdensprache zeigt.

Alles andere ist gar kein Fortschritt. Gehörlose sind doch nicht in der Bringschuld, dass SIE aufrüsten/umziehen müssen, wenn sie das Angebot mit Gebärdensprache nur durch das Internet können.

Das Fernsehen hier ist in der Bringschuld - Barrierefreiheit muss direkt über die Fernbedienung des Fernsehers verfügbar sein und nicht über das "Sonderangebot" in Gebärdensprache in der Mediathek. Es ist wirklich noch ein langer Weg bis dahin, bis wirklich alle Haushalte einen Fernseher haben, der smart genug ist, um auf die Mediathek zugreifen zu können.

Die Haltung des RBB ist wirklich schlimm, denn im Grund genommen ist die Aussage, wenn man diese auf Hörende übertragt, so: "Wir bieten zwar im Fernsehen das normale Bild an, aber halt keinen Ton an - ihr müsst schon ins Internet gehen, um Ton, wie ihr ihn braucht, zuschalten zu können."

Dabei könnte man alles aus einer Hand anbieten. Mit Hörenden würde das Fernsehen nie herumspringen, aber mit Gehörlosen macht man das.

Und das ist eben keine Inklusion, auch wenn man sich dieses Ettiket draufpappt und sich dafür feiern will wie der RBB und andere Fernsehsender, sondern das ist Exklusion.

Für bewusst ausgeführte Exklusion gibt es von mir halt kein Lob, sondern eben: #Slowclap:


via GIPHY

1 Kommentar:

  1. Hallo Jule,
    ich kann dir nur beipflichten, dass die Logik der Sendeverantwortlichen nicht überzeugt. Und wenn sie es so machen würde, dass die Gebärden-Version auf einem Sender kommt, dann wär doch das auch ok. In meinem Dorf wäre Fernsehen über Internet auch illusorisch
    Ich habe diesen Beitrag auf meiner Wanderung durch die Welt der Bücherblogs verlinkt.
    Grüße
    Daniela

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