Montag, 16. Februar 2015

Berlinale und so. :-)

Mittlerweile weiß man wohl ganz gut, dass ich ein Filmfreak bin. Und auch in naher Zukunft werden Filme eine große Rolle in meinem Leben spielen. :-) Und ich freue mich riesig darauf, das dann im kommenden Frühjahr verkünden zu dürfen, was ich angestellt habe in Sachen Film.

Die Berlinale ist nun vorbei und es war ganz toll. :-) Ich bin gar nicht so auf Promi-Watching gegangen, also zu den Hotspots der Promis, obwohl ich wirklich ganz gerne gucken gehe, aber es hat offenbar ausgereicht einfach mal auf dem Kudamm spazieren zu gehen und dann liefen mir Christiane Paul, Katy Karrenbauer innerhalb von 5 Minuten über den Weg. Ok, das ist wirklich nicht die ganz große Prominenz, aber es kommt ja noch besser.

Doch von ganz Anfang an: Ganz am Anfang der Berlinale wurde ich auf eine Party mitgenommen, auf so eine PRE-Berlinale-Party und befand mich plötzlich in einem Raum wieder mit Detlev Buck, Meret Becker, Stefan Kornaske und anderen Leuten, die verdächtig wichtig aussahen, die ich aber nicht erkannt habe oder nicht auf meinem Radar waren. Ich lese halt NICHT die ganzen Klatschblätter wie "Closer" "InStyle"oder wie die alle heißen. Außer, wenn ich beim Frisör bin und dann lache ich mich kaputt über die ganzen Schlagzeilen wie: "Schicksalsliebe - was er/sie bis jetzt verschwiegen hat!"

Stefan Konarske war übrigens ein Higlight für mich, denn ich hatte ihn ja schon erkannt, aber mich nicht getraut ihn anzusprechen - ja, auch ich kann sehr schüchtern sein und ich bin von Natur aus schüchtern, obwohl mir das ja fast keiner das abnimmt.. Aber ich bin es wirklich. Ehrlich.

Lustig war auf der Party: Ich guck mir einen Typen an und der Typ guckt zurück und wir so unisono:"WAS? Du hier?" Fun Fact: Den Typen habe ich im November 2014 auf der Entwicklungshilfetagung der Bundesregierung in Berlin kennengelernt und wir stellten damals zu unserer Verblüffung in Gespräch fest, dass wir aus dem gleichen KAFF kommen und er mit meiner Großcousine zur Schule ging. Und dann standen wir uns wieder auf einer Veranstaltung gegenüber mitten in Berlin und haben uns erst mal doof angeglotzt. :-D

Da es im Raum erstens sehr laut war und auch sehr warm waren, gingen wir mal kurz vor die Türe an an die frische Luft und dann stand da Stefan Konarske, der sich mit einer Frau unterhielt, mit der ich mich vorhin schon unterhalten habe. Die hat mich dann ihm vorgestellt und er stellt sich mich vor mit: "Stefan." Ich: "Stefan und weiter?" Er etwas schüchtern: "Konarske." Ich: "AHH, der aus dem Tatort Dortmund, stimmts?"  Er: "Jup." Ich nun nicht mehr so schüchtern: "Ich hab dich vorhin schon erkannt, aber mich nicht getraut dich anzusprechen." Auf seinem Gesicht machte sich Verblüffung bereit: "Wieso denn nicht?" "Ähem, ich find es immer so doof, wenn man fragt: "Entschuldigung, sind Sie nicht…?" Daraufhin musste er auch lachen:"Stimmt auch wieder." Und dann fand ich mich in einer kleinen Unterhaltung mit ihm wieder und kann nur sagen: Stefan Kornaske ist irre nett. Und er hat eine noch bessere Lache als im Tatort.

Entschuldigt den Sabberanfall. Man möge ihn mir verzeihen so als Tatort-Fan.

Detlef Buck war auch da, den ich aber nicht angesprochen habe, nur mal gefragt habe, ob er den Weg frei machen kann. Er stand nämlich direkt vor dem Klo.

Meret Becker ist übrigens wahnsinnig ätherisch mit ganz tollen Augen. Sie kam kurz, bevor ich beschlossen habe, dass es ein schöner Abend ist und ich nun gehen werde, was ich auch getan habe.

Und was hab ich eigentlich so filmmässig auf der Berlinale angeschaut? "Elser" von Oliver Hirschbiegel. Ich sag's euch, Hirschbiegel hat es geschafft, einen Film hinzuknallen, der erstklassig erzählt ist und von vorne bis hinten einen erstklassigen Cast hat. Achja - wie war das mit der Barrierefreiheit auf der Berlinale? Die Filme haben meistens deutsche oder englische Untertitel. :-)

Und so konnte ich mir "Elser" mit englischen Untertitel angucken. Johann von Bülow spielt erstklassig, aber  wirklich grandios ist Simon Licht als tief bösartiger SS-Offizier. So böse, dass es einen schaudert.

Katharina Schüttler hat mich irgendwie bisschen genervt, obwohl sie auch fantastisch ist. Ich vermute aber, dass es daran liegt, dass ich sie in "Simon och ekarna", "Unsere Mütter, Unsere Väter" und eben in "Elser" in sehr ähnlichen Rollen gesehen habe und ihre Rollen sich ziemlich geähnelt haben - es war einfach in der Darstellung kein Unterschied zu sehen. Vielleicht bin ich auch zu hart zu ihr? Sie hat wirklich gut gespielt, muss ich sagen. Aber hätte man mir eine Szene aus einem Film gezeigt, dann wäre es schwierig gewesen zu sagen, zu welchem Film die Szene gehört.

Der Hauptdarsteller Christian Friedel hat mich wirklich sehr vom Hocker gerissen. Sein Elser ist so vielschichtig angelegt und zutiefst menschlich, abgeklärt und dennoch verliert er irgendwie nie die Hoffnung in den Zeiten der Herabwürdigung der Menschlichkeit und bietet den Nazis in den Verhörern ganz aufrecht die Stirn. Die beste Szene im Film? Der Tango.

Es ist eine symbolisch tiefe Verneigung vor der Person Elsers, dass der Film den Kinostart am 09. April 2015 haben wird, denn Elser wurde am 09. April 1945 kurz vor Kriegesende auf Anordnung Hitlers erschossen. Schaut euch den Film an, er ist es wert!

Letzten Freitag war ich auf der Premiere des Films: "Was heißt hier Ende?" über den deutschen Filmkritiker Michael Althen auf Einladung. Plötzlich stand da Ulrich Matthes neben meiner Begleitung und wir fingen an zu plaudern. Ich sagte ihm, wie gut er mir im Tatort "Im Schmerz geboren" mit ihm gefallen hat. Und er hat sich darüber gefreut und es war wirklich sehr nett mit ihm. Und er kann auch freundlich gucken. ;-)

Später kam dann noch Iris Berben auf meine Begleitung zugeschwebt. Ja, wirklich zugeschwebt. Und ich dachte: "Meine Güte, was ist diese Frau schön!" Mit ihr konnte ich mich auch kurz unterhalten und sie ist nicht nur schön, sondern auch wahnsinnig nett. Wenn ich mal in ihrem Alter bin, dann möchte ich bitte auch so sagenhaft gut aussehen!

Später auf der Aftershow-Party lief mir eine Frau über den Weg, die ich als Caroline Link identifziert habe - die Regisseurin von "Jenseits der Stille"! Und ich habe allen meinen Mut zusammengenommen und ihr gesagt, dass der Film für immer zu meinen Top-5 der Filme gehört und sie damit einen enorm wichtigen Beitrag für uns Gehörlose geleistet hat. :-) Darüber hat sie sich auch gefreut.

Hier noch der Blogbeitrag zu "Jenseits der Stille" - http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2011/07/jenseits-der-stille.html

Aber mein Superhiglight war definitv Tom Tykwer - ich hab ihn mit großen Augen angeschaut und mich einfach den ganzen Abend nicht getraut: "Hallo" zu sagen. Als er nach draußen gegangen ist, bin ihm hinterher und hab ihn angesprochen: "Hallo, Sie sind doch Tom Tykwer, gell? Ich wollte nur sagen, dass ich "Lola rennt" sehr liebe." Und dann plauderten wir über den Film und übers Filme machen und so. :-) Und dann musste er gehen und hat mich umarmt zum Abschied.

Und ich dachte mir nur: "Wow. Tom Tykwer." Ein ganz toller Typ, total unkompliziert und sehr lässig.

Später lief mir noch Max Raabe über den Weg, wofür mir eine Freundin von mir schrieb: "WAS? Du sitzt an einem Tisch mit Max Raabe? ARRRGL. Ich will auch!!!"

Das war also meine Berlinale. Nächstes Jahr gern wieder.


Montag, 2. Februar 2015

Schreckliche "behinderte" Schauspieler.

Taucht in einem Film eine Rolle auf, die eine Behinderung hat, dann kann man zu 98% davon ausgehen, dass

a) Es spielt ein Nichtbehinderter die Rolle mit Behinderung. 
b) Sitzt die Rolle im Rollstuhl, dann kann man so gut wie sicher sein, dass die Person suizidale Absichten hat.
c) gesagt wird, dass man lieber tot wäre als behindert zu sein.
d) gesagt wird, dass es ja so schwierig sein muss für das Umfeld. 
e) Es wird sehr oft eine Wunderheillung gezeigt. 

Es ist nichts anderes als Blackfacing, was da betrieben wird, wenn ein Nichtbehinderter eine Rolle mit Behinderung spielt. Früher war es in Hollywood gang und gäbe, dass Weiße Schauspieler Schwarze in Filmen gespielt habe - das muss nicht unbedingt bedeuten, dass die Rolle des Schwarzen automatisch lächerlich dargestellt wird, denn Blackfacing wird heute noch verharmlost mit: "Aber Blackfacing ist doch, wenn Schwarze als tölpelhaft und doof dargestellt werden." 

Blackfacing ist mehr als das. Blackfacing bedeutete auch schon immer: "Wir halten Weiße für bessere Schauspieler als ihr. Ihr könnt das einfach nicht, was Weiße können. Nicht mal sich selbst spielen, Und Schwarze Menschen gibt es nicht in unserer Mitte - Wir kennen einfach keine Schwarzen Menschen. Ihr könnt nichts. Und es interessiert uns einen Scheißdreck, was Schwarze von dieser Rolle halten würden, wenn sie es unter uns geben würde." 

In einem Satz zusammengefasst: Man blendet das Vorhandensein einer Minderheit aus, weil man die Minderheit nicht in der Mitte der Gesellschaft haben will und die Darstellung sowie Meinung der Minderheit scheißegal ist.

Ein Beispiel für Blackfacing in Deutschland? Oh, mir fallen viele ein: Nehmen wir mal die "Wetten, dass"-Wette mit "Jim Knopf und Lukas." Da wurde dazu aufgerufen, sich wie die beiden anzuziehen und sich das Gesicht schwarz anzumalen. Dazu gibt es eine sehr gute Stellungsnahme des Bundes der Schwarzen Menschen in Deutschland: http://isdonline.de/offener-brief-an-die-zdf-wetten-dass-redaktion-schockiert-ueber-die-saalwette-der-sendung-in-augsburg-14-12-2013/

Didi Hallervorden, den ich übrigens jüngst gesehen habe bei einer Deutschlandpremiere eines Filmes, musste sich völlig zu Recht 2012 Blackfacing vorwerfen lassen, da er an seinem Schlosstheater die Rolle eines Schwarzen mit einem Weißen besetzen ließ, der sich das Gesicht schwarz angemalt hat. Auf die berechtigten Vorwürfe rechtfertigte sich das Theater damit: "Der übliche Spielplan der deutschsprachrigen Bühnen würde die Festanstellung eines Schwarzen Darstellers kaum gestatten."

Diese Rechtfertigung ist sehr lächerlich. Wir haben doch in Deutschland genügend Schwarze Schauspieler, die dafür in Frage kommen und auch schon sehr viel Theatererfahrung haben. Auf Anhieb fallen mir ohne NACHDENKEN gleich zwei Schwarze Schauspieler ein: Pierre Sanoussi-Bliss und Peter Pearce ein.

Was hat Blackfacing nun denn genau mit der Darstellung von Menschen mit Behinderung durch Nichtbehinderte zu tun? Es steckt genau das gleiche menschenfeindliche System dahinter, denn die Besetzung der Rolle mit Behinderung durch einen Nichtbehinderten wird so oft damit begründet: "Leider konnten wir keinen Menschen mit Behinderung für die Rolle nehmen, da der übliche Ablauf an einem Filmset dies nicht zulässt."

Fällt euch jetzt was auf? Es ist systematische Ausblendung und Unterdrückung einer Minderheit und es ist völlig egal, ob man nun von Schwarzen Schauspielern oder Menschen mit Behinderung spricht.

Dabei hätte gerade der Film bzw. das Fernsehen die Aufgabe, Vielfalt abzubilden, damit das Signal in von Inklusion in die Gesellschaft transportiert werden kann.

Falsche Darstellung von Menschen mit Behinderungen in Filmen durch nichtbehinderte Schauspieler, schaden nämlich der Inklusion, da dadurch erst recht Berühungsängste entstehen.

Ich erlebe das auch ziemlich oft am eigenen Leib, wenn ich neue Bekanntschaften mache, fragen 90% der Menschen immer:"Wieso kannst du als Gehörlose so gut sprechen? Neulich war ein Gehörloser im Fernsehen und der hat nicht gesprochen - der konnte überhaupt nicht kommunizieren."

Und das ist schon so eine Art Siphyusarbeit, wenn man dann die Vorurteile und falsche Botschafen des Fernsehens aus dem Weg räumen muss und wieder mal Aufklärungsarbeit leisten muss. Und sehr oft kommt dann zurück: "Ach so ist das! Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mich nicht so dumm verhalten/nicht so unwohl gefühlt gegenüber Gehörlosen."

Wie wollen wir als Gesellschaft inklusiv leben und handeln, wenn das Fernsehen ständig durch die falsche Besetzung und Darstellung zeigt, dass Menschen mit Behinderung mitten in unserer Mitte gar keinen Platz haben und nicht mal sich selbst spielen können?

Denkt mal darüber nach. Ich könnte diesen Blogeintrag noch viel länger gestalten, ich werde dies in zwei Teile splitten, auch wenn das ungünstig sein mag an dieser Stelle. Aber es geht darum, zu fragen, warum es in Ordnung ist, wenn Nichtbehinderte Rollen mit Behinderung spielen, obwohl sie nie wissen werden, wie es ist behindert zu sein und das Leben aus der richtig echten Perspektive eines Menschen mit Behinderung zu sehen.

Auch das ist das Problem von diesen Sendungen: "Ich setz mich mal in den Rollstuhl, tu mal so als wär ich blind/gehörlos für einen Tag/Woche." Sie tun nur so, sie bekommen nur einen winzigen Bruchteil mit, aber nicht die Realität. Die Realität ist anders. Und sie ist härter. Und das liegt an unserer Gesellschaft. Nicht an der Behinderung.

Denkt mal darüber nach - welches Signal ihr aussenden wollt, wenn ihr es akzeptabel findet, dass Menschen mit Behinderung im Fernsehen von Nichtbehinderten gespielt werden und falsch dargestellt werden. Inklusion ist nicht, wenn es egal ist, dass Nichtbehinderte Schauspieler Menschen mit Behinderung spielen, sondern Inklusion ist, wenn Menschen mit Behinderung sich selbst spielen und auch mal eine Rolle spielen, ohne dass die Behinderung als "Beipackzettel" mit aufgeführt wird.

Christine Urspruch hat im September 2013 gesagt: "Ich möchte auch mal Rollen spielen, wo meine Behinderung keine Rolle spielt. Also ganz ohne Beipackzettel. "

Ich habe sie dafür nach der Veranstaltung gedrückt, weil ich sie einfach toll finde. Und in der Serie "Dr. Klein" hat sie ja auch sehr gut gezeigt, dass Menschen mit Behinderung auch Rollen spielen können, ohne dass die Behinderung großartig im Vordergrund steht.

Im zweiten Teil von "Schrecklich behinderte Schauspieler" werde ich noch ausführlicher auf die Thematik eingehen, denn ich will keine schrecklich "behinderte" Schauspieler mehr in Rollen mit Behinderung sehen im Fernsehen und Kino.

P.S. Mit Schrecklich "behinderte" Schauspieler meine ich, dass ich es schrecklich finde, dass Schauspieler mit Behinderung so behindert werden, so dass es keine echte Vielfalt abgebildet werden in Filmen. "Behindert" steht hier in Anführungsstrichen, womit ausdrücklich unterstrichen wird, dass ich es nicht als Schimpfwort verwende, da ich es unmöglich finde, wenn man behindert als Schimpfwort verwendet.