Dienstag, 10. März 2015

Verstehen Sie Gebärdensprache?

Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie die Gebärdensprache als eine sehr schöne Sprache empfinden und Sie diese auch gerne können würden, richtig? :-)

Es stimmt, die Gebärdensprache ist eine der schönsten Sprachen der Welt und nicht gerade einfach zu erlernen.

Quizfrage: Was ist das? Ein Typ, der wie verrückt mit den Händen herumfuchtelt und dabei grimassiert wie ein Neandertaler?

Der hörende Schauspieler, der im Film "Verstehen Sie die Béliers?" einen Gehörlosen spielt.

Weitere Quizfrage: Was ist das? Eine Frau, die unkontrollliert mit den Händen herumzappelt, als würde man sie mit Stromschlägen traktieren?

Die hörende Schauspielerin, die im Film "Verstehen Sie die Béliers?" eine Gehörlose spielt.

Die Story von "Verstehen Sie die Béliers?" geht so: Die Bauernfamilie Bélier sind eine ganz normale Familie, die auf dem Wochenmarkt ihren selbstgemachten Käse verkauft. Bis auf die 16jährige Tochter Paula sind alle gehörlos. "Amtssprache" der Beliers ist die Gebärdensprache. Paula ist die die Dolmetscherin ihrer Familie und übersetzt auf dem Markt für ihre Eltern. Auch in der Schule oder beim Arzt muss sie für ihre Eltern übersetzen -  auch dass ihre Eltern vorerst Sexverbot haben. So läuft das Leben der Familie Béliers ganz normal, bis Paulas Gesangstalent entdeckt wird und sie nach Paris gehen soll - räumlich weg von ihrer Familie.

(An dieser Stelle, die dicke und fette Anmerkung: Ich habe den Film nicht gesehen und werde ihn auch nicht sehen. Mir hat es gereicht, den Trailer zu sehen, um die Fehler aufzuzählen. Klingt jetzt zwar bockig, aber warum soll ich einen Film anschauen, wenn der Trailer schon tausend Fehler enthalten hat? Und der Trailer selbst hat keine Untertitel, obwohl es im Film über Gehörlose geht. Wir vom Deafmag haben den Trailer untertiteln lassen.)

Hier geht es zum Filmtrailer "Verstehen Sie die Béliers?" mit den Untertiteln by DeafMag: http://blog.deafmagazine.de/?p=432


Ui, was für eine innovative Story! Das hat es jetzt noch nicht gegeben, echt jetzt! So ähnlich haben wohl die Produzenten der Filmfirma anhands des Drehbuchs gedacht.

Doch - der Plot ähnelt dem Film "Jenseits der Stille" von 1996 sehr: In Laras Familie sind alle außer Lara gehörlos, die "Amtssprache" der Familie ist Gebärdensprache. Und Lara muss für ihre Eltern auf der Bank die Gespräche übersetzen oder die Gespräche mit Laras Lehrerin. Eines Tages bekommt Lara eine Klarinette geschenkt und ihr musikalisches Talent wird entdeckt, was für die Eltern befremdlich ist. Auch wird dieser Weg Lara weg von ihrer Familie führen - also räumlich.

Interssante Ähnlichkeiten, nicht wahr? Und sehr augenöffnend, denn es ist kein Zufall, das Hörende sehr auf die Musik fixiert sind, ohne es zu wissen. Ich bekomme es ja immer wieder mit, denn die Lieblingsfrage der Hörenden, wenn sie mitbekommen, dass ich gehörlos bin ist: "Aber was ist mit der Musik? Vermisst du sie nicht?" Blogeintrag hierzu: "Die Lieblingsfrage aller Hörenden dreht sich um die Musik"

An dieser Stelle sei mir die Frage erlaubt, warum man Geschichten über Gehörlose aus hörender Sicht immer mit Musik verbinden muss. Ich bin übrigens nicht die einzige, die sich diese Frage stellt - Artikel aus dem Guardian:

La Famille Bélier is yet another cinematic insult to the deaf community

Bei "Jenseits der Stille" funktioniert dieser Plot aber aus vielen verschiedenen Gründen: Die gehörlosen Rollen im Film werden alle von echten Gehörlosen gespielt. Die Geschichte konzentiert sich nicht auf das vermeintliche Defizit des Nichthörens, sondern es geht um die Beziehung eines Kindes zu ihren Eltern und ich finde, das "Jenseits der Stille" sehr klar gemacht hat, dass Gehörlose eben so wie du und ich sind. Und es wird mehr als eine Geschichte erzählt: Da wäre zu einem die schwierige Beziehung des Vaters zu seiner Familie aufgrund seiner Gehörlosigkeit und die Mutter als sein Rettungsanker. Und die Tante als Laras großes Vorbild in Sachen Musik, die Laras Talent auch fördert. Und es ist die Mutter, die mit ihrer Klugheit und Sanftheit dem Vater erklärt, dass er seine Tochter so akzeptieren muss, wie sie ist: hörend. Auch wird in einer Szene mehr als andedeutet, wie froh Lara ist, dass die kleine Schwester auch hören kann…

"Jenseits der Stille" ist ein starker Film, der sich keine Minute über Gehörlose lustig macht oder allzu belehrend vorkommt. Und vor allem ist er authentisch. Und wir Menschen lieben authentische Darstellungen, weil wir uns damit identifizieren können. Hier ein Blogeintrag mit interessanten Fakten zum Film und den Darstellern, ua. hat man am Set in 3 verschiedenen Gebärdensprachen kommuniziert: http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2011/07/jenseits-der-stille.html

Und hier eine meiner Lieblingsszenen aus "Jenseits der Stille" - achtet mal darauf, wie man ganz beiläufig eingebaut hat, wie man z.b. "klingelt": https://www.youtube.com/watch?v=-DgnbQCnsVI&spfreload=10

Mit der Darstellung der Gehörlosen von "Verstehen Sie die Béliers?" kann ich mich keine Sekunde lang identifizieren. Ich muss nur in die Gesichter der hörenden Schauspielern sehen, um zu wisssen, dass sie nicht gehörlos sind. Auch habe ich gelesen, dass die hörenden Darsteller 6 Monate lang Gebärdensprache gelernt haben sollen für den Film. Davon ist aber nichts zu merken. Auch ist die Bewerbung des Vaters als Bürgermeister der Stadt eher so eine Nebengeschichte, die plötzlich versickert und offenbar nur für den Gag:"Warum sollten die Leuten keinen Gehörlosen zum Bügermeister wählen? Sie haben doch auch einen Idioten gewählt." gedacht war. Die Gebärdensprache wurde im Film sehr offenkundig ins Lächerliche gezogen und mehrfach war lediglich nur Gezappel zu sehen, welches irgendetwas darstellen sollte in Gebärdensprache.

Die Schönheit der Gebärdensprache hat diese Verzerrung in ein undefinierbares Gezappel nicht verdient. Und es zeigt Hörenden ein völlig falsches Bild von der Kreativität, der Ironie und der Kraft der Gebärdensprache. Und vor allem erzeugt es ein falsches Bild von Gehörlosen. Und was soll die Aussage sein? So stellen sich Hörende vor, wie es wäre gehörlos zu sein und sich per Gebärdensprache zu verständigen?

Was viele Hörende nicht wissen und es auch für sie nicht vorstellbar ist, aber es ist wirklich so: Wenn ich irgendwo unterwegs bin und ich sehe zufällig einen Unbekannten, der in dem Moment nicht spricht oder nicht gebärdet, dann merke ich aber trotzdem an der Art, wie die Person schaut, dass sie gehörlos ist. Und wenn sich dann unsere Blicke treffen, dann kommen wir meistens immer sofort ins Gespräch, denn wir haben durch unseren Scanner entdeckt, dass wir eine gemeinsame Verbundenheit haben: Die Gehörlosigkeit und die Gebärdensprache.

Diesen Ausdruck in den Augen können Hörende einfach nicht kopieren, weil es nun mal nicht möglich ist. Auch nicht von Schauspielern, denn ich kenne bisher keinen einzigen Hörenden Schauspieler, der es geschafft hat, einen Gehörlosen authentisch zu spielen.

Noch ein interessanter wichtiger Punkt: Der Film "Jenseits der Stille" spielt 1996. Damals gab es noch viel weniger Gebärdensprachdolmetscher als heute, weswgen "CODAS" (Child(ren) of Deaf Adults) häufig als Gebärdensprachdolmetscher für ihre Eltern fungiert haben. Diese Praxis des Dolmetschens lehnen aber heute die Gehörlosen alle ab für ihre hörenden Kindern, weil sie nicht wollen, dass die Kinder mit "erwachsenen" Dingen belästigt werden und daher zu schnell erwachsen werden, weil sie so früh Verantwortung übernehmen müssen.

Der Film "Verstehen Sie die Béliers?" diskriminiert Gehörlose gleich mehrfach.

Wir haben jetzt 2015 und die Filmschaffenden scheinen sich nicht ausgiebig mit der Materie der Gehörlosen beschäftig zu haben, sonst wüssten sie davon, dass es heutzutage verpönt ist unter Gehörlosen, CODAS als Dolmetscher einzusetzen. Weiterhin haben die Filmschaffenden es einfach übersehen, dass es großartige gehörlose Schauspieler gibt - sogar in Frankreich selbst!

Alle gehörlosen Rollen im Film werden von Hörenden gespielt. Das ist eine ganz offenkundige Diskriminierung. Man nimmt Gehörlosen das Recht weg, sich selbst zu spielen.

Emanuelle Laborit, welche in "Jenseits der Stille" die Mutter spielt, ist selbst gehörlos und mehrfach ausgezeichnet worden. Ich frage mich wirklich, warum man sie nicht für die Rolle der gehörlosen Mutter besetzt hat? Es ist wirklich so: Hörende Schauspieler nehmen gehörlosen Schauspielern die Jobs weg, in dem sie die gehörlosen Rollen bekommen und es nicht schaffen, die Rolle authentisch zu spielen.

Die Frage sei mir erlaubt: Warum wird es immer noch toleriert, dass es okay, ist dass Hörende Gehörlose spielen und über diese Art darüber bestimmen, wie Gehörlose von der Außenwelt wahrgenommen werden?

Susan Sarandon sagte bei der goldenen Kamera, dass Film eine wichtige Aufgabe hat und Filmschaffende sich dessen bewusst sein sollten, wen sie oder was sie darstellen und vor allem die Realität nicht verzerren sollten. Weiterhin sprach sich Sarandon sich noch energisch gegen Diskriminierung im Filmbusiness aus. Und damit hat sie Recht. Nichtbehinderte Schauspieler, die Menschen mit Behinderung spielen, diskriminieren Menschen mit Behinderung. So einfach ist das.

Wir haben nicht zu wenige gehörlose Schauspieler, sondern wir haben eigentlich genügend gehörlose Schauspieler weltweit. Die bekanntesten sind natürlich:
Marlee Matlin aus "Gottes vergessene Kinder", "The West Wing", "The L-Word", "Switched at Birth"
Emanuelle Laborit ("Jenseits der Stille", "StilleLiebe", "Die stumme Herzogin")
Howie Seago (Jenseits der Stille, "Hunter", "Star Trek" "A permant Grave)

Wenn ich jetzt noch mehr aufzählen würde, dann würde das den Blogeintrag zu lang werden.

In Amerika gibt es eine interessante Bewegung unter den gehörlosen Filmschaffenden, denn in dem Film "Medeas" spielt eine Hörende die Rolle einer Gehörlosen. Und die Darstellung ist natürlich sehr falsch, weswegen sie die gehörlosen Filmschaffenden in Amerika unter dem Hashtag #deaftalent zusammengetan haben.

Lydia Callis, die Gebärdensprachdolmetscherin aus New York, die wegen des Sturmes Sandy berühmt wurde, unterstützt diese Bewegung auch und hat einen Artikel für die HuffPo geschrieben:
"Lets see more #deaftalent in Hollywood!"

Schaut mal rein unter dem Hashtag #deaftalent und beim Twitteraccount: @deaftalent vorbei und bei Youtube: https://www.youtube.com/channel/UC_-dD1cD8AshwGuVAwpfOxQ Dazu gibt es dieses schöne Bild:
(Bildbeschreibung - Dort steht: DEAF PEOPLE HAVE THE RIGHT TO REPRESENT THEMSELVES. DEAF ROLES ARE MEANT FOR DEAF ACTORS.)

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. So ist es. :-)

P.S. Am 15. März habe ich zufällig den Film in Berlin gesehen, da er im Kino direkt um die Ecke von mir mit OMU kam. Und nach dem Schauen des Films war noch noch entsetzer als zuvor, weil der Film genau die Eindrücke aus dem Trailer regelrecht zementiert hat.

Der Film ist einfach nur eine Katastrophe.


Kommentare:

  1. Danke. Was ich als Hörender bereits vermutet hatte, hast du mir bestätigt. Ich werde mir den Film nicht anschauen, dafür aber Jenseits der Stille, wenn er mal wieder läuft.

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  2. auch von mir ein großes Danke!

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  3. So ist es leider mit vielen Dingen. Hörende spielen Gehörlose, Menschen ohne Behinderung spielen Menschen mit Behinderung, Heterosexuelle spielen Homosexuelle oder gar Transsexuelle (siehe Dallas Byer Club. Ein gutes Beispiel jedoch wäre Transamerica- war aber auch kein Blockbuster...)

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  4. "Verstehen Sie die Béliers?" ist in meinen Augen gefällig-gefühlvolle Komödie um Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen.

    Der zentrale Konflikt der Geschichte entwickelt sich, als Paulas Musiklehrer ihr Gesangstalent entdeckt: Sie soll sich auf die Aufnahmeprüfung an einer Pariser Musikschule vorbereiten, doch Paula winkt ab. Schließlich muss sie sich um die Organisation des Familienalltags kümmern - dafür braucht sie Gebärdensprache, keine Sangeskünste. Aber je mehr sie ihre Stimme findet, desto mehr verliebt sich Paula in die Musik.

    Letztlich bleibt die Tatsache, dass die Eltern nicht hören können, während Paula ihre Stimme und ihren Weg finden muss, eine recht einfach gestrickte Metapher für den Prozess der Ablösung eines Kindes von seinen Eltern. In der zweiten Hälfte des Films geht es ein wenig mehr in die Tiefe. Paulas tastendes Suchen nach ihrem Platz in der Welt schildert "Verstehen Sie die Béliers?" mit genauso tief empfundener Empathie wie den Schmerz des Loslassens und Abschiednehmens auf Seiten von Paulas Eltern.

    Besonders eine Szene trifft einen mitten ins Herz und veranschaulicht gnadenlos den unbarmherzigen Kontrast, der die Gehörlosen von der hörenden Welt trennt: Der Zuschauer wird in die Rolle von Paulas gehörloser Familie versetzt und steht plötzlich ohne Ton dar. Wie soll das junge Mädchen mit dem großen Traum von der Gesangskarriere ihren Eltern ihre große Leidenschaft näherbringen, wenn sie ihre großartige Stimme doch nicht hören können? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und findet erst in der abschließenden Szene eine Antwort. Hier singt Paula den passenden Chanson »Je vole« dieser gibt dem Film ein effektiv-emotionales Finale, in der die Welt der gehörlosen Familie und ihrer singenden Tochter hoch emotionales zusammengeführt werden. In dem Sie ihren Gesang mit der Gebärdensprache sehr gut verbindet.....

    Sicher die Gebärdensprache im Film ist überzogen und stellenweise nicht ganz realistisch aber es ist eine Komödie .... dennoch gerade mit Hilfe der
    komödiantischen Momente wird der Zuschauer immer wieder von der ernsten Thematik gefesselt und zugleich unterhalten.

    "Verstehen Sie die Béliers?" kann und darf man nicht mit „Jenseits der Stille vergleichen, den beide Filme haben eine ganz unterschiedliche Konzeption.......

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  5. Hm, ich habe den Film vor einiger Zeit gesehen und dachte, "schön, diesen Film können Gehörlose dann ohne Untertitel sehen". War wohl leider ein Fehlschluss. Mir stieß bei der Handlung sauer auf, dass die Tochter genötigt wurde, auf dem Markt mitzuarbeiten - zu übersetzen - und erst gehen durfte, als dafür ein Ersatz, ich glaube es war die neue Freundin des Sohnes, gefunden wurde. Damit wurde ja gesagt, dass es den Eltern nicht um die Tochter als Mensch, sondern um die Tochter als Mitarbeiterin geht. Ich hätte mir auch gewünscht, dass in diesem Falle eine Suche nach Lösungen stattgefunden hätte und etwa ein Dolmetscher gefunden worden wäre, so dass man hätte aufzeigen können, dass hörende Kinder von Gehörlosen eben nicht zeitlebens der Eltern als Dolmetscher für diese arbeiten müssen und damit ihr eigenes Leben hinten anstellen müssen.
    Die Lösung in dem Film fand ich auch seltsam, weil damit die neue Freundin des Sohnes ja die alte Rolle der Tochter übernahm. Also wenn die beiden sich trennen würde, wäre die Freundin in der Bredouille - weiter die Eltern ihres Ex-Freundes unterstützen oder sie wieder hilflos zurücklassen.
    Positiv sind mir die Kommentare auf youtube zum Lied am Ende des Films aufgefallen (youtube-Suche: Je vole Belliers): Da schrieben sehr viele Zuschauer, dass sie es klasse fänden, wenn alle Lieder mit Gebärden aufgeföhrt wurden, weil sie so das Lied viel vielschichter wahrnehmen konnten. Schade ist es nun, wenn dies gar keine echten oder "verwaschene" Gebärden waren.
    ich persönlich finde, dass man in der Schule begleitend über alle Schuljahre Blindenschrift und Gebärdensprache lernen sollte, damit man sich einerseits auch mit Gehörlosen auf der Straße verständigen kann und nicht hilflos vor solchen Situationen steht (was, wenn ein gehörloses Kind seine Eltern im Gedränge verliert?), und andererseits auch weniger Angst vor Verlust oder Verminderung des Seh- oder Hörsinns hätte. Wie viele Menschen schreien ihre älteren Verwandten an, wenn diese schlechter hören können oder wie viele Menschen ziehen sich zurück, wenn Sehkraft oder Gehör im Alter nachlassen, so dass sie weniger Kontakt mit anderen Menschen haben oder sich weniger beschäftigen können (Filme, Bücher.
    Wir haben das mit meiner Oma erlebt: Sie verlor im Alter einen Großteil ihres Sehsinnes und das führte zu Rückzug und Frust ihrerseits und Überforderung unsererseits, weil wir ständig bei Erwähnung von Dingen, die man sehen konnten (Filmen, Naturbeobachtungen, neuer Kleidung, Geburststagskarten an sie etc.) mit dem Satz "ich kann das doch nicht sehen" frustriert wurden. Nach und nach schränke man so seine Kommunikation mit ihr leider immer mehr ein, weil auf beiden Seiten Frust entstand, der sicher teilweise vermeidbar gewesen wäre, wenn sie Braille hätte lesen können und damit weiter lesen und kreuzworträtseln und wir eine Kommunikaitonsform gefunden hätten, die sie nicht dauernd frustrierte. So beschränkte sie sich in den letzten 3 Jahren weitgehend auf im Bett Liegen und Radiohören, abgesehen von wenigen "Pflichtausflügen", die wir ihr auferlegten, damit sie "auch mal raus kam". Das war für beide Seiten sicher nicht die optimale Lösung, aber es war sehr schwierig, den richtigen Ansprechpartner für diese Probleme zu finden (heute wäre es durch das Interent sicher viel einfacher, aber die Situation entstand kurz nach 2000).

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