Donnerstag, 11. Juli 2013

Das Video von der WIRED-APP ist nun auch online verfügbar!

Im Herbst 2011 kam ja die deutsche ERSTAUSGABE der WIRED heraus, wo ich dann die Ehre hatte im Heft als auch in der APP dazu aufgeführt zu werden. :-)

Die Zusammenarbeit mit dem WIRED-Team und das Fotoshooting über den Dächern von München war schon etwas tolles, woran ich gerne zurückdenke.

Mehr hier in diesem Blogeintrag: http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2011/09/im-wired.html

In der APP der WIRED taucht auch meine Freundin Kassanda Wedel auf, die übrigens eine wunderbare Schauspielerin und Tänzerin ist. Erst Mitte Mai habe ich sie im Theaterstück "Anirara" des Deutschen Gehörlosentheaters bewundert, aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe mir übrigens damals beim Sitzen im Englischen Garten mit Kassandra eine Zecke eingefangen.

Nun hab ich das Video in den Tiefen des Internets herausgegraben. :-)

Wired: Julia Probst from Eva Schulz on Vimeo.


Ich hatte vor dem Dreh des Videos eine mehrmonatige Pause in Gebärdensprache hinter mir, es ist wirklich so, dass man nach einer Pause etwas Schwierigkeiten hat sich wieder in der kompletten Gebärdensprache zurechtzufinden hat. So nach 10-15 Minuten spielt sich das aber weiter ein.

Im Video rede ich über meine Beziehung zur deutschen Gebärdensprache, über die Gebärdennamen von Merkel, Lafontaine und Mercedes. ;-)

Noch eine kleine Ankündigung: Das Blog hier wird neu gestaltet. Ich freue mich schon auf das neue Design.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Olympia kann losgehen! :-)

"Hä?!" wird sich jetzt wohl manch einer denken, "die waren doch gerade erst!" Ja, das waren sie! Die olympischen Sommerspiele von London 2012 und die Paralympics waren ein wunderbares Sommermärchen. Vor allem die Paralympics erfuhren so hohen Zuspruch wie noch nie in ihrer Geschichte.

Diesen Sommer stehen nun wieder olympische Spiele vor der Türe - die Deaflympics!

Das sind die olympischen Spiele der Gehörlosen. Viele Leute denken, dass die Gehörlosen bei den Paralympics starten, weil da doch alle Menschen mit Behinderungen starten, aber das ist so so nicht richtig.

Es gibt die Paralympics für Sportler mit Behinderung, dann die Special Olympics für Sportler mit Lernschwierigkeiten, dann die Deaflympics für Gehörlose/Schwerhörige.

Die Deaflympics gibt es übrigens bereits seit 1924, sind also viel älter als die Paralympics. 1924 bei den ersten Spielen in Paris waren keine deutschen Athleten dabei, aber seit 1928 in Amsterdam gehört Deutschland aber zu den regelmässig teilnehmenden Ländern

Vom 26. Juli bis zum 04. August 2013 werden in Sofia, Bulgarien Gehörlose aus aller Welt um die Medaillen wetteifern.

Die Deaflympics waren schon oft Blogthema in meinem Blog:

Gehörlose haben ihre eigenen olympischen Spiele! 

158 Athleten treten demnächst an für Deutschland! 

Deaflympics - Olympische Spiele abseits der Medien

Paralympics versus Deaflympics

Ausbeute bei den Deaflympics 2009


Aber nun zur grundsätzlichen Frage, warum Gehörlose nicht bei den Paralympics mitmachen, das wird hier in diesem Blogeintrag sehr ausführlich erklärt:

Die Sache mit den Deaflympics

Ich hab mir gedacht, ich stell jetzt einfach mal ein paar Sportler vor, die bei den Deaflympics starten werden und fange heute mit der Tischtennis - Nationalmannschaft der Gehörlosen an, die dort starten werden.

Der Videoclip ist sehr interessant, unter anderem wird dort die Frage erklärt, welche Informationen den gehörlosen Sportlern eigentlich verloren gehen beim Tischtennis. Die Information trifft auch auf die anderen Ballsportarten zu.

Tischtennis ohne Ton - die gehörlose Nationalmannschaft - natürlich mit Untertitel!


Dienstag, 2. Juli 2013

Phoenix zeigt ab dem 8. Juli keine Gebärdensprachdolmetscher mehr im TV.

Ich habe gern und oft auf Twitter auf die Nachrichtensendungen wie "Tagesschau" und "heute journal" auf Phoenix hingewiesen in der Hoffnung, dass Nichtbehinderte Menschen die Schönheit der Gebärdensprache für sich entdecken und darüber hinaus sensibilisiert werden für die fehlende Barrierefreiheit für gehörlose und schwerhörige Menschen.

Das ist mir das eine oder das andere Mal gelungen. Ich hab mich da echt immer gefreut, wenn ich da eine positive Rückmeldung bekommen habe. Oft lauteten sie so: "Man kann echt in der Gebärdensprache alles sagen? Krass." Oder: "Da kann man auch so schön die Zwischentöne zwischen den Zeilen in die Gebärdensprache übertragen."

Von daher war gut und wichtig, dass Phoenix die Nachrichten mit Gebärdensprache gezeigt hat, außerdem war es ein Alleinstellungsmerkmal von Phoenix.

War? Genau. Ab dem 8. Juli ist das alles Geschichte laut der Pressemitteilung von Phoenix, die man hier findet: http://presse.phoenix.de/news/pressemitteilungen/2013/06/20130628_PM_Untertitelungen/20130628_PM_Untertitelungen.phtml

Phoenix verzichtet also alleine und freiwillig auf ein Alleinstellungsmerkmal - kein anderer deutscher TV-Sender hat dies angeboten.

Und wie finde ich das? Beschissen und extrem kurzsichtig gedacht von Phoenix.

In Deutschland leben 80tausend Gehörlose. Die meisten Gehörlosen haben Probleme komplizierte Sachverhältnisse in der Schriftsprache zu verstehen, wozu ja bekanntlich die Nachrichten gehören. Über die Vermittlung der Informationen in Gebärdensprache verstehen sie die dargebotenen Informationen in den Nachrichtensendungen.

Damit ist schon mal klar, dass die Pressemitteilung ein Widerspruch in sich ist - angefangen bei der Überschrift: "Phoenix weitet Angebot für Gehörlose und Hörgeschädigte aus."

Nein, eben nicht. Ihr baut eurer Angebot für uns Gehörlose ab, indem ihr die Nachrichten nicht mehr in Gebärdensprache zeigt. Im übrigen sind die Untertitel im deutschen Fernsehen leider immer noch nicht 1:1, so dass viele Informationen verloren gehen, weil man eben nicht auf das Scrollverfahren setzt so wie es die Schweizer, Engländer und Amerikaner tun.

Kurz gesagt: Ihr kommt eurem Bildungsauftrag nicht mehr nach durch die Streichung.

Die "Tagesschau" und das"heutejournal" kommen bereits auf ARD und ZDF mit Untertiteln, womit klar sein sollte, dass ihr eurer Angebot nicht wirklich ausbaut. Das gleiche gilt auch für "Günter Jauch", "Maybritt Illner" und "Presseclub." Allerdings sind die Untertitel dort sehr oft wirklich sehr schlecht und nicht wirklich 1:1.

Es ist wirklich so, dass wir Gehörlosen uns wirklich ganz überfahren fühlen von dieser Entscheidung von Phoenix, die wir nicht im geringsten nachvollziehen können.

Aber hallelulja, wir dürfen ja nicht klagen, sondern sollten dankbar sein, dass ihr das TV-Duell von Merkel und Steinbrück mit Gebärdensprache zeigt, gell?

Auch zeigt der Schritt von Phoenix, dass die Rundfunkgebühren in Höhe von 6 €, die wir Gehörlose, Schwerhörige und Blinde seit dem 01.01.2013 zahlen müssen, nicht sinnvoll verwendet werden.

Sinnvoll wäre es: Die Gebärdensprachdolmetscher bleiben und werden ausgebaut, die Untertitel werden zusätzlich eingeführt bei Phoenix!

Was ich auch noch sehr schön finden würde und was sicherlich auch dabei helfen würde, die Augen der Gesellschaft für die Belange von Gehörlosen und Schwerhörigen zu öffnen: Die Gebärdensprachdolmetscher sollten einfach direkt bei ARD und ZDF zu sehen sein und nicht auf einem Spartensender.

Am 14. Juni 2013 war übrigens die Demo der Gehörlosen in Berlin für 100% Barrierefreiheit und Teilhabe in allen Lebensbereichen. Begonnen hat sie am Bundestag. Die Anzahl der Gehörlosen beliefen sich auf 12.000.

Nur: Es gab keine großen Presseberichte darüber und auch keine großen Fernsehberichte darüber. Dabei liefen 12tausend Gehörlose durch Berlin und zeigten ihre Vielfalt und ihren Unmut darüber, dass  Deutschland die UN-Behindertenkonvention nicht umsetzt.

Man könnte also zynischerweise sagen: Die Reaktion der Fernsehsender auf die Demo war die Abschaffung der Dolmetscher. Aus der Politik kam übrigens auch keine großartige Reaktion, aber das ist ein eigener Blogeintrag wert.

Ich bin gespannt, ob Phoenix wirklich an der Streichung der Dolmetscher festhält oder die eigene Entscheidung noch mal überdenkt.