Mittwoch, 30. Mai 2012

Barrierefreie Filme müssen eine Selbstverständlichkeit werden.

Anfang Dezember 2011 bin ich von Dorothee Bär (CSU), einer Bundestagsabgeordneten gefragt worden, ob ich ihr behilflich bin bei dem Antrag der Regierung für mehr barrierefreie Filmangebote. Dieser Bitte bin ich sehr gern nach gekommen und habe ihr eine kleine Aufzählung geliefert, was dringend notwendig ist.

Unter anderem sagte ich, dass es dringend notwendig seie, dass die Filmförderungsanstalten in ihren Förderrichtlinien verpflichtende Richtlinien zur Barrierefreiheit aufnehmen, da es so oft passiert, dass deutschsprachige Filme ohne deutsche Untertitel und/oder Audiodeskription auf den Markt kommen, obwohl diese von den Filmförderungsanstalten gefördert werden.

Dieser Bitte bin ich gerne nachgekommen und so hat Dorothee dann am 01.12.2011 eine Rede im Bundestag gehalten, die man hier nachlesen kann:  http://www.cducsu.de/Titel__reden/TabID__1/SubTabID__2/InhaltTypID__2/InhaltID__20652/Inhalte.aspx 

In dem Antrag von Dorothee Bär (CSU) ist auch zum Teil meine Stimme zu hören, da sie meine aufgezählten Punkte in ihren Antrag aufgenommen hat. So ist also meine Stimme im Bundestag zu Protokoll gegeben worden. Danke, Dorothee! :-)

Dieser Antrag wurde dann sehr begrüßt vom Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Herrn Hüppe:
http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,28229/ticket,g_a_s_t

Und jetzt bewegt sich tatsächlich etwas! Die Filmförderungsrichtlinien werden voraussichtlich diesen Herbst so überarbeitet werden, so dass sie verpflichtende Richtlinien zur Barrierefreiheit aufnehmen. Da fällt dann ein ganz wichtiger Meckerpunkt von mir weg. :-) *freu* Ich freue mich schon darauf, dass ich beim Kauf von deutschsprachigen DVD's mehrheitlich nicht mehr enttäuscht auf die Information blicken werde: "Keine deutschen Untertitel" und auch keine enttäuschte E-Mail mehr schreiben muss an die Filmgesellschaft mit der Bitte, dass man in der Zukunft doch bitte an hochwertige 1:1 Untertitel für die 80.tausend Gehörlose und 16 Mio. Schwerhörige in Deutschland denken möge.

Hier ist die Pressemitteilung dazu:
 http://www.vprt.de/thema/medienordnung/gesellschaftliche-verantwortung/barrierefreiheit/content/kulturausschuss-des-bun

Die Nebeninformationen, welche Anträge zur Barrierefreiheit abgelehnt worden sind, sind ebenfalls auch sehr interessant.

Dennoch ist die Pressemitteilung der Bundesregierung sehr interessant: http://www.bundestag.de/presse/pressemitteilungen/2012/pm_1205253.html

Ein Lob an die Bundesregierung und die Politik, dass sie erkannt hat, wie wichtig Barrierefreiheit ist und sich vermehrt damit beschäftigt ! :-) *freu*

Die FFA (Filmförderungsanstalt) hat also, wie oben schon erwähnt, erklärt, dass sie die Aufnahme der verpflichtenden Richtlinie zur Barrierefreiheit kurzfristig umsetzbar hält und diese Richtlinie ab Herbst wirksam sein soll. Ein gutes Signal ist auch, dass der Deutsche Filmförderungsfonds (DFF) ebenfalls auch verpflichtende Richtlinien zur Barrierefreiheit aufnehmen will, damit das Angebot an barrierefreien Filmangeboten weiter ausgebaut werden kann.

Zusätzlich wolle man prüfen, wie man Kinos barrierefrei ausgestattet werden müssen, um barrierefreie Filmangebote vorführen zu können, was ich sehr begrüße!

Ich möchte in diesem Punkt die Regierung darum bitten, dass man die Brandschutzverordnungen so weit überprüft, sodass mehr als 1 Rollstuhlfahrer den Kinosaal nutzen kann und so dafür sorgen, dass Rollstuhlfahrer auch in Gruppen einen Film anschauen können. Raul Krauthausen kann als Rollstuhlfahrer von einer unendlichen Story mit einer Kinokette ein Lied davon singen wie viele andere Rollstuhlfahrer in Deutschland auch, wenn man so eine Story wie diese in seinem Blog mit:verfolgt hat: http://raul.de/leben-mit-behinderung/auser-rand-und-brandschutz/

Und was die kleinen Kinohäuser angeht: Man müsste dann dafür sorgen, dass es nach eigenem Budget der Kinohäuser geht, sprich: Eine große Kinokette kann aus der eigenen Portokasse für Barrierefreiheit sorgen. Wenn die große Kinokette nicht barrierefrei sein will, dann will sie eben nicht für alle zugänglich sein, dann gehen eben die Besucher in ein kleines Kinohaus, welches dank Subventionen dank schmalem Budget für alle zugänglich sind. Das wäre der beste Weg, um die Wichtigkeit von Barrierefreiheit zu unterstreichen.

Ich bin gespannt, wann wir nicht mehr über Barriererfreiheit und Inklusion reden müssen, sondern es als eine Selbstverständlichkeit im Alltag ansehen, denn Barrierefreiheit und Inklusion sind für alle da.

P.S. Ab 2013 müssen Blinde, Gehörlose und Schwerhörige 6 € Gez-Gebühren zahlen, obwohl das Angebot im Fall der Gehörlosen bei aktuell 14,6% Untertitel liegt, wobei die Qualität der Untertitel oft nicht zufriednestellend sind und längst nicht alle Mediatheken der Fernsehanstalten barrierefrei sind. *seufz* Ich würde mir daher an dieser Stelle wünschen, dass man die GEZ-Gebühren an dieser Stelle für Schwerbehinderte kippt und weiterhin eine Gebührbefreiung hat.

Die BBC hat ein sehr viel kleineres Budget als die öffentlich-rechtlichen hier und schafft es trotzdem barrierefrei zu agieren und können daher auch aus gutem Grund den vollen Beitrag von Gehörlosen und Schwerhörigen in England fordern.

Wenn das ZDF 30 Millionen für ein neues Nachrichtenstudio und für die Champions League etwas um die 50 Mio und die ARD für die Boxübertragungen 54 Mio € springen lässt, dann stellt sich die Frage: Warum in aller Welt sollen Schwerbehinderte 6 Euro bezahlen, wenn das Geld schon längst vorhanden ist, aber nicht in Barrierefreiheit investiert wird?

ARD zahlt 54 Mio € für Boxen vom 04.03.2011 Nebeninformation: Der Vertrag der ARD mit der Sauerland Event GMBH beginnt am 01.Januar 2013. Genau an dem Tag, an dem die neuen GEZ-Gebühren gültig werden... Honi soit qui mal y pense!

Das ZDF Nachrichtenstudio kostete 30 Millionen Euro.

Das ZDF zahlt für die Champions-League 54 Mio laut Weltonline für die CL

Schauen wir mal, wohin uns die Zukunft  führen wird!

UPDATE von 12:40 Uhr: Eine Möglichkeit, wie man Kinos für Gehörlose und Schwerhörige barrierefrei gestalten könnte, wäre zum Beispiel die Untertitelbrille von Sony, die ich hier schon mal vorgestellt habe: http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2011/08/sony-stellt-untertitel-brille-vor.html



Montag, 28. Mai 2012

Barrierefreiheit muss eine Selbstverständlichkeit werden!

Wenn man sich mit dem Thema Barrierefreiheit auseinander setzt, dann kommt man unweigerlich zu der Frage: "Wodurch entsteht eigentlich die NICHT-Barrierefreiheit in Deutschland?" und die Antwort darauf ist: "Durch die Aussortierungspolitik der Menschen mit Behinderungen aus der Gesellschaft."

Die Aussortierungspolitik hat dafür gesorgt, dass es in Deutschland kein normales Miteinander gibt von Nichtbehinderten und Menschen mit Behinderungen, wodurch die fehlenden Reibungspunkten die Barrieren in den Köpfen entstehen. Ein Kind, welches mit einem Freund aufwächst, welcher eine Behinderung hat, lernt nicht, dass Behinderte nicht in unsere Gesellschaft gehören, sondern lernt, dass sie wie jeder andere zur Gesellschaft gehören.

Als Obama neulich davon sprach, dass er durch seine Töchter gelernt habe, dass es für sie völlig egal ist, ob die Eltern ihrer Freunde gleichgeschlechtlich sind oder nicht, da sie durch den Umgang mit deren Kinder damit aufgewachsen sind, dass es andere Formen von Eltern gibt. Obama hat laut den Medien gesagt: "Sie würden nicht im Leisesten darauf kommen, dass diese Eltern anders behandelt werden als andere."

Und das wünsche ich mir für Deutschland: Die zukünftigen Generationen von Menschen mit Behinderungen und Nichtbehinderten sollen an diesen Punkt kommen, wo es egal ist, ob jemand behindert ist oder nicht, weil die Bedingungen genau gleich sind für alle. Eine Gesellschaft, wo wir alle gemeinsam leben und arbeiten können, ist eine inklusive Gesellschaft.

Wenn die Aussortierungspolitik vor vielen Jahren in Deutschland die Gesellschaft dazu gebracht hat, dass Menschen mit Behinderungen am Rand der Gesellschaft leben und deren Menschenrechte mißachtet werden, dann muss die Politik dafür sorgen, dass der Kurs wieder korrigiert wird. Auch die Politik macht Fehler und auch sie hat das Recht darauf, ihre Fehler zu korrigieren.

Es gibt doch auch eine Debatte über eine neue Integrationspolitik von Menschen mit Migrationshintergrund und damit meine ich nicht die Debatte, die Sarrazin angestoßen hat, sondern einfach den Punkt, dass ich bei den ganzen Debatten über die Intregation von Menschen mit Migrationshintergrund eins vor allem vermisst habe: Warum wird auch nicht so leidenschaftlich über die Integration von Menschen mit Behinderungen debattiert?

Oder nehmen wir mal die Debatte über das Urheberrecht oder über ACTA. Dort wird es als selbstverständlich angesehen, dass man die Rahmenbedingungen für das betreffende Feld neu justiert werden müssen, weil sich die Gesellschaft bzw. die Zeiten sich geändert haben..

Aber, wenn es denn um Behindertenpolitik geht, vergisst man leider auch den wichtigen Punkt, dass eben die Aussortierungspolitik dazu geführt hat, dass wir mehrheitlich dort stehen, wo wir stehen: Am Rand der Gesellschaft. Recht zu bekommen, auch wenn im Recht ist, ist in Deutschland schon fast die übliche Praxis, wenn man behindert ist. Natürlich gilt das auch für Hartz-Empfänger oder andere Fälle.

Im Rahmen der Behindertenpolitik werden dann auch Stimmen laut, die sagen, dass Barrierefreiheit und Inklusion durch die Gemeinschaft passieren muss, nicht durch Gesetze. Wie kann man denn Barrierefreiheit und Inklusion vorleben, wenn die Situation so ist wie in Deutschland? Oder anders gefragt: Was hat denn genau dafür gesorgt, dass es kaum Berührungspunkte gibt zwischen Menschen mit Behinderungen und Nichtbehinderten? Genau, der Staat. Und der Staat kann auch wieder dafür sorgen, dass sich beide Seiten aufeinander bewegen und sich annähern, so dass eine bunte viefältige inklusive Gesellschaft wahr wird.

Erst durch das Zusammenleben, also durch die Inklusion von Anfang an, werden die Barrieren in den Köpfen verschwinden, da der soziale Lernfaktor unheimlich groß ist. Ein Beispiel von vielen: Ein Kind, dass ganz selbstverständlich behinderte Kindergartenfreunde, Schulfreunde und Unifreunde hat, wird vielleicht mal Architekt, der nicht erst daran erinnert werden muss, dass Gebäude barrierefrei sein müssen, sondern es wird selbstverständlich sein. So selbstverständlich, dass man sich an den Kopf schlägt und fragt: "Wieso war das früher schon nicht so?"

Ja, Inklusion von klein und Anfang an kostet alles Geld, aber an so einem Beispiel kann man sehen, wieviel Geld dann wiederum eingespart werden kann, wenn gelernt worden ist, dass barrierefreie Gebäude für alle da sind, wenn man mal auf den demographischen Wandel blickt und man Gebäude nicht erst nachträglich für teureres Geld barrierefrei umbauen muss.

Die UN-Behindertenrechtskonvention ist in Deutschland gültiges Recht seit 2009, seit dem 26. März 2009. In Deutschland leben fast 10 Millionen Menschen mit Behinderungten laut dem Statischen Bundesamt. Quelle: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2011/05/PD11_187_227.html

Und deren Menschenrechte werden jeden Tag verletzt. Und das ist eine Entwicklung, die von der Politik selbst versursacht worden ist. Und Politiker sind auch Mitmenschen, Mitbürger. Die Politik, das sind wir alle. Aber eine Gemeinschaft, die nicht weiß, wie sie mit Menschen mit Behinderungen umgehen soll, weil sie sie nicht aufgeklärt ist, braucht zwei Sachen: Inklusion und Gesetze.

Durch die Inklusion werden die Barrieren im Kopf abgebaut durch die Aufklärung nebenbei und es entsteht Barrierefreiheit.

Da kommen wir zu einem zweiten Punkt: Um die bisherige fehlende Barrierefreiheit und Inklusion zu beseitigen, braucht es eine Überprüfung der Gesetze. Gesetze helfen und sind auch Aufklärungshelfer zur Orientierung der Menschen. Der erschreckend schwache Nationale Aktionsplan der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen wurde völlig zu Recht von den Behindertenverbänden und von vielen Behinderten arg kritisiert.

Gerade in der Behindertenpolitik müssen die Gesetze neu justiert werden, damit wir zur einer Gesellschaft werden, in der die Rahmenbedingungen für alle gleich sind. Eine inklusive Gesellschaft.

Und ich möchte hier ausdrücklich Christiane Link vom Behindertenparkplatz.de loben, die ein Manifest geschrieben hat, was sich hier alles in Deutschland ändern müsste:

  • 1. Ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz mit Schadensersatzanspruch und Anspruch auf Beseitigung mit Klagerecht im Falle eines Verstoßes. Das Gesetz muss alle Lebensbereiche abdecken und private Einrichtungen einschließen. Ziel muss sein, dass kein behinderter Mensch aufgrund seiner Behinderung, einen schlechteren Service bekommt als ein nicht behinderter Mensch. Das schließt z.B. den Anspruch ein, Assistenzhunde überall hin mitnehmen zu dürfen.
  • 2. Ein Masterplan zur schulischen Integration behinderter Kinder mit einem Anspruch auf angemessene Förderung und Assistenz muss her. Derzeit gehen 80 Prozent aller behinderter Kinder auf Sonderschulen. Die meisten behinderten und nicht behinderten Kinder würden davon profitieren, wenn sie gemeinsam zur Schule gehen würden. Kinder, die nicht im Klassenverband unterrichtet werden können, müssen alternative Angebote bekommen.
  • 3. Eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrages, die die Fernsehanstalten zu einer vollständigen Untertitelung ihres Programms verpflichtet, wie es bereits in den USA oder Großbritannien der Fall ist, muss her. Zugleich sind Vorgaben zu definieren, was die Audiodiskription und die Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache angeht. Die Einhaltung muss durch staatliche Stellen überprüft und ggf. geahndet werden.
  • 4. Das Recht auf selbstbestimmtes Leben muss in Gesetzen festgeschrieben werden. Dafür bedarf es eines Anspruchs auf persönliche Assistenz (z.B. Pflege, Kommunikationshilfe etc.) im Bedarfsfall unabhängig vom persönlichen Einkommen oder des Einkommens der Familie.
  • 5. Die Antragstellung für Hilfsmittel und Assistenz im Berufsleben ist viel zu kompliziert und langwierig. Das führt dazu, dass behinderte Menschen große Hürden haben, überhaupt arbeiten zu gehen. Es findet ein Verschiebebahnhof zwischen Kostenträgern statt und es wird einem ständig signalisiert, dass man besser nicht arbeiten sollte. Es sollte eine zentrale Stelle geschaffen werden, über die sämtliche Anträge laufen. Der Topf, aus dem Assistenz gezahlt wird, darf nicht gedeckelt werden.
  • 6. Deutschland braucht Maßnahmen und Programme, um die bisherige Sozialisation und Ausgrenzung behinderter Menschen zu überwinden. Dafür bedarf es Geld und die Bereitschaft aller, etwas ändern zu wollen. Das geht nicht ohne die Behindertenverbände, die sich mehrheitlich entscheiden müssen, ob sie Freizeitvereine sind und bleiben wollen, oder ob sie nicht doch politische Interessenverbände sind. Dazu gehört dann eine professionelle Kommunikation nach außen und eine klare politische Zielrichtung.
  • 7. Es müssen ordentliche Statistiken geführt werden, was die Inklusion behinderter Menschen angeht. Nur so kann überhaupt analysiert werden, wo die Probleme liegen. Wieviele Sportvereine haben behinderte Mitglieder? Wie viele Bewerber mit Behinderung hat ein Großkonzern? Wieviele stellt er davon ein? Wieviele behinderte Menschen nehmen an staatlich finanzierten Programmen / Veranstaltungen / etc. teil? Erreichen wir die Gruppe überhaupt?
  • 8. Das Strafrecht muss dringend reformiert werden. Kein Strafmaß darf geringer ausfallen, nur weil das Opfer eine Behinderung hat. Stattdessen muss der etwaigen Diskriminierung des Opfers aufgrund der Behinderung stärker Rechnung getragen werden.
  • 9. Der Zugang zu Bildung und Information ist auch für behinderte Menschen ein Grundrecht. Deshalb muss in Gesetzen sichergestellt werden, dass jeder Mensch Informationen in einer für ihn zugänglichen Form (z.B. elektronisch, in Gebärdensprache, Braille etc.) erhält – sowohl im staatlichen als auch im privatwirtschaftlichen Bereich.
  • 10. Die Erfolge sind jährlich zu überprüfen und in einem Bericht der Bundesregierung und aller Landesregierungen dezidiert darzulegen.

Ich glaube an das Gute im Menschen, aber ich glaube nicht daran, dass die Gemeinschaft durch Freiwilligkeit für 100% Barrierefreiheit und Inklusion ohne Gesetze sorgen kann. Ein Beispiel: "Im Rundfunkstaatsvertrag steht: "Die Sender sollen durch den vermehrten Ausbau ihrer barrierefreien Angebote dafür sorgen, dass..." Dort steht nicht verpflichtend geschrieben, dass für Barrierefreiheit gesorgt werden müssen. Der freiwilligen Aufforderung kommen die Sender nur zögerlich nach. Ab 2013 sollen Blinde, Gehörlose und Schwerhörige 6 Euro GEZ-GEbühren zahlen müssen. Aktuell liegt liegt die Untertitel-Quote bei 14,6 %. Im Fall der Gehörlosen und Schwerhörigen hat man zwar schon zugesichert, dass man das Angebot ausbauen werde, jedoch ist die Qualität oft nicht zufriedenstellend und das Angebot auch noch nicht ausreichend genug, so dass das dafür eine Bezahlung gerechtfertigt ist.

Ich habe hier im Interview mit MedienMittWeida unter anderem erklärt, dass die Fernsehsender und viele Medien davon keine Ahnung haben, dass ein barrierefreies Angebot in höchster Qualität eine langfristige Investition in die eigene Zukunft und damit auch in den Ruf ist.

Nun aber zu dem Punkt, um den sich die Kernfrage dreht: Warum ist es so selbstverständlich, dass für eine Krankheit dem Patienten ein Rezept verschrieben wird und der sich dann daran zu halten hat, wenn er gesund werden will, aber was, wenn ein Rezept nicht funktioniert in seiner jetzigen Form? In der Bankenkrise hat man auch Konjunkturpakete verabschiedet, die nicht funktioniert haben. Funktioniert ein Rezept nicht, dann muss man sich ein anders Rezept überlegen und ggf. auch über den Tellerrand ins Ausland schauen: "Was machen die besser?"

Das Ausland hat nun mal in Sachen Barrierefreiheit und Inklusion uns in Deutschland sehr viel mehr voraus und sie haben eins erkannt: Barrierefreiheit und Inklusion erreicht man nicht durch Nächstenliebe. 

Ich wünsche mir, dass es in naher Zukunft so ist, dass wir nur noch eine leise Ahnung haben, dass dass inklusive Miteinander in unserer Gesellschaft in allen Lebenschichten nicht immer so war.

P.S. Wo ich schon bei Obama war, kann ich auch ruhig noch ein anderes politische erfolgreiche Beispiel anführen, welches mir grad in die Hände fiel: Die norwegische Frauenqote! Auf Spon gibt es einen sehr guten Artikel dazu.http://www.spiegel.de/politik/ausland/in-norwegen-funktioniert-die-frauenquote-in-aufsichtsraeten-a-831693.html

Der Zwang dort zur Frauenquote hat erstaunliche Resultate gebracht und den Beweis, dass der gesetzliche Zwang funktioniert und alle davon profitieren. Wie viele andere Menschen mit Behinderungen denke ich das gleiche von so einem echten Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik in Deutschland, welches mit den beschriebenen Punkten von Christiane eingeläutet werden würde.

Dienstag, 22. Mai 2012

Das Fernsehen und die Inklusion

Heute wurde ich auf den Trailer in der ARD zum Fernsehfilm am Mittwoch aufmerksam, denn der Titel hieß doch tatsächlich: "Inklusion - gemeinsam sind wir stark."

Oh, hat das Fernsehen Menschen mit Behinderung(en) tatsächlich entdeckt, da sich ja dieses Jahr am 05.05.2012 der "Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung(en)" zum 20. Mal gejährt hat?

In Deutschland liegen wir in Sachen Barrierefreiheit und Inklusion etwa 30-40 Jahre zurück, wenn man mal in die USA oder einfach nur nach Großbritannien guckt, gern auch noch in weitere europäische Länder. Es ist nämlich so: 80% der behinderten Kinder mit Behinderung(en) besuchen Regelschulen, 20% gehen auf Sonderschulen in Europa. In Deutschland ist es genau umgekehrt. Quelle: (Monitorsendung von 07.04.2011 - der Link dazu ist tot. Scheiß-Depublizierungsverfahren.) Zur dieser Sendung habe ich schon mal gebloggt:

Der Monitor-Bericht und meine Gedanken dazu vom 09.April 2011. Da blogge ich über meine eigene Inklusion, die ich erlebt habe.

Ich hab da mal nachgeschaut, wie der Inhalt der Sendung so ist auf der Hompage der ARD und hier ist die Beschreibung dazu: "Inklusion - Gemeinsam sind wir anders." Ausgestrahlt wird das übrigens am Mittwoch, den 23.05.2012 mit Untertitel für Schwerhörige und Gehörlose sowie Audiodeskription für Blinde.

Interessanterweise förderten meine Recherchen nach dem Film noch 2 andere Fakten über den Film zutage: Er scheint schon mal im Fernsehen gelaufen zu sein, wenn man die Sendungsinfo des Bayerischen Rundfunks über den Film anschaut: http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/inklusion/index.html, denn dort steht unter der Überschrift: Stand 14.11.2011..

Und dort steht auch was interessantes über die "behinderten" Hauptrollen im Film - eine Rollstuhlfahrerin und ein Junge mit geistiger Behinderung im Teenageralter. Sie werden nämlich gespielt von den Newcomern Paula Kroh und Max von der Groeben laut der Seite.

Gut, dann schmeiße ich halt mal Google an und gehe meinem Verdacht nach, ob die beiden eben NICHT die gleiche Behinderung haben wie im Film. Und voila: Sie sind es nicht.

Max(milian) von der Groeben hat Anfang des Jahres eine Gastrolle in "Alles was zählt" gespielt., er hat übrigens auch schon einen eigenen Wikipedia-Eintrag, den man hier findet: Maximilian Graf von der Groeben. Keine geistige Behinderung. Ein ganz normaler Teenager.

Google ich weiter nach Paula Kroh, komme ich vor allem auf diese Seite: http://www.castingdb.eu/paula-kroh/de/

Für die Hauptrolle in "Inklusion - Gemeinsam sind wir anders" sind beide übrigens für den Günther Strack Young Talent Award nominiert, der am 31.Mai 2012 verliehen wird.

Leonardo di Caprio hat übrigens auch mit 19 einen Jungen mit geistiger Behinderung wahnsinnig gut in "Irgendwo in Iowa" dargestellt. Aber da ging's auch nicht hauptsächlich über Menschen mit Behinderung(en). Ich zweifele auch nicht daran, dass ein wirklich herausragender Schauspieler wie diCaprio oder Dustin Hoffmann jemanden mit einer geistigen Behinderung spielen kann, aber es kommt eben auf den Film an. Ich kann es mir vorstellen, dass es zur der Zeit von "RainMan" 1988 keinen geeigneten verfügbaren geistig Behinderten beim Casting gab. Oder vielleicht hat  man sich auch die Mühe nicht gemacht, das ist natürlich auch eine Möglichkeit. Aber in den USA und in anderen Ländern werden "behinderte" Rollen viel selbstverständlicher von Behinderten besetzt als hierzulande.

Bei körperlichen Behinderungen sehe ich das etwas anders und da werden mir die meisten Menschen mit körperlicher Behinderung zustimmen. Wenn ich z.B. auf Twitter lese, dass Raul Krauthausen oder Christiane Link nur lächeln können über die Darstellung von Rollstuhlfahrern im TV, da z.b. die Küche in der Wohnung des Rollstuhlfahrers ganz eindeutig nicht rollstuhlgerecht ist, dann spielt das vor allem im deutschen TV.

Ich habe in diesem Blogeintrag auch schon lange darüber nachgedacht, warum man in dem Film "Die Schreie der Vergessenen" die gehörlose Hautrolle an das Topmodel Barbara Meier vergeben hat. Die Kritiken meiner gehörlosen Freunde an dem Film waren nicht besonders gut, da sie nicht wie eine echte Gehörlose aufgetreten ist. Bei Gehörlosen gibt es etwas interessantes: Man erkennt sich vor allem an den Augen. Wenn ich unterwegs bin irgendwo in Deutschland oder im Ausland und ich sehe jemanden, der NICHT redet oder gebärdet in die Augen, dann macht es dort "klick" und wir erkennen einander, dass wir gehörlos sind. Dieses Phänomen kennt jeder Gehörlose. Es ist einfach eine DNA in unseren Augen und CODAs (Children of Deaf Adults) können auch diese Information in den Augen tragen, sie wären am ehesten noch in der Lage eine gehörlose Rolle im Fernsehen zu spielen. Aber gut, den langen und ausführlichen Blogeintrag gibt es dazu hier, weshalb gehörlose Rollen im Fernsehen nie von hörenden Darstellern gespielt werden können und warum das deutsche Fernsehen sehr mutlos ist in solchen Dingen:

http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2011/10/falsche-darstellung-von-gehorlosen-in.html vom 10. Oktober 2011

Nun - ich werde mir den Film anschauen, aber vorab stelle ich schon mal fest: Ich finde es ein Unding, dass es im Deutschen Fernsehen kaum echte Behinderte zu sehen sind in einer Serie oder in einem Spielfilm. Man setzt lieber immer "gesunde" oder besser und genauer formuliert: nichtbehinderte Schauspieler ein, die dann die "Behinderung" verkörpern sollen. Okay, in Marienhof gab es einen behinderten Seriendarsteller im Rollstuhl. Aber sonst? Mir fällt da auf Anhieb nichts vergleichbares im deutschen Fernsehen ein.

Mit "gesund" ist gemeint: Nichtbehinderte, also Menschen ohne eine sichtbare Behinderung. Ich verwende jetzt auch einfach die zutreffende Bezeichnung "nichtbehindert", weil sie den Kern der Sache besser trifft als "gesund" und auch niemanden verletzt.

Und wenn man ganz genau sein will: "Menschen ohne äußerlich sichtbare Behinderung.".

Und es ist wirklich noch ein Unding mehr, wenn man in einem Film, wo es um Inklusion und um Menschen mit Behinderungen geht, dann die Hauptrolle nicht mit echten Behinderten besetzt, denn das wäre nämlich wirkliche Inklusion gewesen!

Es wird nämlich zu festhalten: Es wird über uns Behinderte gesprochen oder geschauspielert anstatt mit uns über uns. Das ist die Norm und sie führt zu falschen Darstellungen. Es wird an der Zeit, dass die Realität mal im Fernsehen stattfindet und sie ist viel vielfältiger und sicherlich kein Schock für den Zuschauer, denn ich glaube nicht, dass der Zuschauer so dumm ist und mit Samthandschuhen angefasst werden beziehungsweise "Behindertenkitsch" pur im TV sehen will in der Form von nichtbehinderten Schauspielern.

Update vom 29. Oktober 2012:  Ich habe erfahren, dass dieser unerträgliche Film, der absolut keine Auszeichnung oder sonst irgendwelche Fördergelder verdient hat, doch tatsächlich ausgezeichnet worden ist - mit dem ABU Prize in Seoul. Als bestes Tv-Drama.

http://tellux-gruppe.de/telluxfilm/index.php/fiktional/fiktional-eintrag/197-inklusion

Es ist ein Drama, dass das Fernehen so unwissend ist, wenn es um so sensible Themen handelt, wo man unbedingt korrekt und sachgemäß aufklären muss.

Sonntag, 20. Mai 2012

Special Olympics in München!

Nach dem verlorenen  CL-Finale dahoam in München steht dort bereits das nächste sportliche Hochereignis vor der Haustüre: Die Special Olympics! Aber was ist das denn überhaupt?

Es sind die olympischen Spiele der Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung. Längst nicht so bekannt wie die Paralympics, wo Menschen mit körperlicher Behinderung starten. Aber da gibt es noch eine Ausnahme: Für die Gehörlosen gibt es die Deaflympics, da Gehörlose sich nicht als körperbehindert zählen, sondern als sprachliche Minderheit. Sprich: Sie können alles außer hören - ihnen fehlen beim Sport nur die akkustischen Informationen. Aber dazu habe ich ja schon mal hier alles erklärt, es lohnt sich auf das Label "Deaflympics" zu klicken und diesen Blogeintrag zu lesen: Die Sache mit den Deaflympics! 

Hier ist die offizielle Homepage der Special Olympics: http://www.specialolympics.de/

Der Eid der Special Olympics:  "Lasst mich gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann,  so lasst mich mutig mein Bestes geben."

In München starten also morgen die "Special Olympics". Und der Bayerische Rundfunk zeigt sich mal wieder außergewöhnlich mutig: Sie berichten dazu und lassen die Sportler SELBST in ihrem eigenen Blog zu Wort kommen auf ihrer Seite. Die Einträge der Sportler werden nicht verändert, sie bleiben ganz genauso.

Das ist sehr bemerkenswert. Auf der re:publica hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit Uli Köppen, die gefragt hat, ob ich in meinem Blog darüber berichten könne. Selbstverständlich tue ich das und sogar sehr gerne, denn mir gefällt die Idee dieser Berichterstattung verdammt gut.

Hier geht's lang zum Blog des BR: "Blickwechsel  - Athleten bloggen über ihre Spiele". Die deutschen Athleten, die dort bloggen, treten als Judoka, Leichtathlet oder als Schwimmer an. Es lohnt sich echt mal einen Blick in ihr Blog werfen! Ich bin begeistert vom MUT des Bayerischen Rundfunks, der sowas auf die Beine gestellt hat. Überhaupt ist der BR in letzter Zeit erstaunlich innovativ, wenn man nur mal an die neue Sendung "RUNDSHOW" im Spätabendprogramm denkt.

Hier ist der ein Nebenbericht des BR, der als offizieller Medienpartner der Special Olympics tätig ist: "Ein Hauch von Olympia!"  Dort kann man auch nachschauen, welche Länder so mit machen bei den Special Olympcis und wann im TV was von den Spielen zu sehen ist.

In München werden also vom 20. bis zum 26. Mai Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung um die Medaillen kämpfen und dabei zeigen, was sie so alles sportlich darauf haben! Wundert euch also nicht, wenn ihr in München mehr Menschen mit Behinderungen als sonst "normalerweise" seht. Vielleicht habt ihr dann ja dem Olympiasieger der Special Olympics zugenickt? ;-)

Der Bundespräsident Joachim Gauck ist übrigens Schirmherr der Special Olympics. Gauck ist übrigens auch Schirmherr der Blindenfußballbundesliga.

Was auch interessant ist: Ohne die Kennedy Familie gäbe es die Special Olympics gar nicht, denn sie wurden auf Betreiben von Eunice Kennedy-Shriver eingeführt. Ihre ältere Schwester Rosemary Kennedy war laut eines Befundes geistig behindert, was heute aber etwas umstritten ist. Aber das ändert dennoch nichts an der Tatsache, dass Eunice Kennedy-Shriver zur Gründungsmutter der Special Olympics wurde.

Ich bin gespannt auf die Berichterstattung und auf die weiteren Blogeinträge der Sportler. Meine Finger werden also ganz sicher zur Fernbedienung wandern und mich mitfiebern lassen!


Freitag, 18. Mai 2012

Zwei Ankündigungen

Für die Heinrich-Böll-Stiftung habe ich einen Artikel über die fehlende Barrierefreiheit in Deutschland für gehörlose und schwerhörige Menschen verfasst, welcher in der Schriftenreihe "Öffentlichkeit im Wandel - Medien, Internet und Journalismus" veröffentlicht wurde.

Das kann man sich hier bestellen und/oder als PDF herunterladen: http://www.boell.de/publikationen/publikationen-publikation-journalismus-neue-medien-oeffentlichkeit-im-wandel.html

Außerdem war ich Gastchefredakteurin bei den "Dresdner Neueste Nachrichten" zum Thema Barrierefreiheit und ich schrieb unter anderem einen Leitartikel: "Wir werden alle von Barrierefreiheit profitieren." 

Die Formulierung dort im Artikel an dieser Stelle:"Kaum ein Gesunder weiß, wie sich das Leben in Deutschland gestaltet, wenn man gehörlos, blind, taubblind ist oder im Rollstuhl sitzt." ist mein Fehler, weil ich beim Abnicken des Artikels nicht gründlich genug war und den so abgenickt habe.

In meiner Rohfassung stand: "In Deutschland leben 9,8 Millionen Menschen mit Behinderungen – wie sieht das Leben in Deutschland aus, wenn man gehörlos, blind, taubblind ist oder im Rollstuhl sitzt?"

Man kann hier also eher mir einen Vorwurf machen als der Zeitung, weil es mir auffallen hätten müssen, da es eben nicht dem "normalen" Menschen auffällt, dass die Formulierung unzutreffend ist.

Behinderte empfinden sich nicht als krank. So einfach ist das. :-)

Aber dennoch: Es ist schöne Ausgabe geworden bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" geworden.

Ich durfte da unter anderem über Martin Zierold und Athina Lange berichten, zwei andere Personen, die ich befragt habe, sind leider rausgeflogen. *seufz*

http://www.dnn-online.de/web/dnn/politik/detail/-/specific/Martin-Zierold-ist-taub-und-sitzt-fuer-die-Gruenen-in-Berlin-in-einer-Bezirksverordnetenversammlung-1122074366

Der Artikel über Athina ist leider noch nicht online, aber in der Printfassung gibt's auf jeden Fall alles rund um die Barrierefreiheit zu lesen! Ich habe grad im PDF-Dokument gemerkt, dass da "Gebärdendolmetscher" steht. Das habe ich so nicht geschrieben. Korrekterweise heißt es "Gebärdensprachdolmetscher.", wie ich es ja immer wieder betone.

Schon schade, dass da der Eindruck entsteht, dass ich selbst den  falschen Begriff benutzt habe, was ich natürlich nie tun würde!

Aber ansonsten bin ich wirklich stolz auf die Ausgabe und den Mut der "Dresdner Neuesten Nachrichten". und die Arbeit  und  Zusammenarbeit mit dem Team dort hat mir sehr viel Spaß gemacht. :-)

Donnerstag, 17. Mai 2012

Das muss mal zum Cochlear Implantat gesagt werden!


Ein sehr beliebtes Streitthema ist das Cochlear Implantat, eine Hörprothese. Und Wikipedia erklärt's ganz gut, was das eigentlich ist:  http://de.wikipedia.org/wiki/Cochlear_Implant

Und heute gab es mal wieder einen Fernsehbericht über die verschiedenen Hörgerätemodelle und natürlich wird auch das Cochlear Implantat thematisiert. Und im Bericht gibt es sehr viele haarsträubende Fehler, die sich da reingeschlichen haben.

Ich versuche mal einfach in einem Blogeintrag eine Zusammenfassung zu machen, wie meine Position zu dem Cochlear Implantat und der heutigen Diskussion auf Twitter:

Bei Servicezeit "ZIBB" auf RBB erzählt Enno Park, auch bekannt als @ennomane mit seinem Blog www.ennomane.de von seiner Versorgung beidseitig mit dem Cochlear Implantat, aber dazu komme ich gleich sprechen.

In der Sendung ist auch ein Arzt anwesend, nämlich Prof. Dr. Arneborg Ernst, der am Unfallkrankenhaus Berlin offenbar in der HNO-Abteilung tätig ist. Soweit so gut, aber wenn man sich mal die Sendung anhört und mitansehen muss, dass ein Professor (!) für HNO Gehörlose und die damit verbundene Gehörlosigkeit als etwas furchtbares darstellt. So verwendet er z.B. den Begriff "Gehörlosensprache." für die Gebärdensprache.

Es zeugt sehr von der Unkenntnis von Dr. Ernst, wenn er "Gehörlosensprache" als Begriff für die Gebärdensprache verwendet und das im Fernsehen. Die Gebärdensprache ist im übrigen eine vollwertige und anerkannte Sprache und das sogar in Deutschland.

Dann behauptet er unter anderem noch, dass die Mehrheit der gehörlosen Eltern ihren gehörlosen Kindern das Cochlear Implantat einsetzen lassen, damit sie bessere Lebenschancen haben.

So EINFACH, wie er es darstellt, ist es nun mal nicht. Ich beobachte diesen Trend auch, aber es stimmt nicht, dass die Mehrheit der gehörlosen Eltern diesem Trend folgen. Der Grund, warum es diesen Trend gibt, ist ein ganz anderer und viel trauriger: Die fehlende Barrierefreiheit für Gehörlose und Schwerhörige  in Deutschland und der damit verbundene Zwang zum Cochlear Implantat. damit es ihre Kinder es einmal besser im Leben haben. Sie handeln genauso wie normale Eltern, die einfach nur das Beste für ihre Kinder wollen. Sie haben einfach im Leben lernen müssen, dass Deutschland nicht barrierefrei ist und sie keine Wahlfreiheit haben, wenn es um ihr Wohl oder um das ihrer Kinder geht.

Es gibt einfach keine komplette Barrierefreiheit für Gehörlose und Schwerhörige in Deutschland, dies fängt ganz früh im Leben mit der Unterbringung im Kindergarten und mit der Einschulung und hört NICHT bei der Berufswahl auf. Der soziale Druck auf Gehörlose, was das Cochlear Implantat angeht, ist also sehr hoch.

Eine echte Wahlfreiheit wäre es, wenn die Bedingungen so wären: "Mein Kind hat mit oder ohne Cochlear Implantat genau die gleichen Chancen im Leben wie alle anderen,weil die Bedingungen nämlich für alle gleich sind." Hier könnte ich auch noch das Beispiel der Inklusion anführen - hier wäre es zum Beispiel echte Wahlfreiheit, wenn Eltern sich frei darüber entscheiden könnten, auf welche Schule sie ihr Kind schicken wollen, sei es eine Regelschule oder eine Gehörlosenschule. Die meisten Eltern, egal ob gehörlos oder hörend, entscheiden sich derzeit immer mehr für den Besuch einer Regelschule für ihr Kind, was aber nicht hauptsächlich daran liegt, dass die Inklusion in Deutschland endlich eingeführt werden soll an den Schulen, sondern weil die Bildungspolitik für Gehörlose und Schwerhörige einfach schlecht ist. Es wird unter anderem sehr viel vereinfacht und wichtige Sachen einfach weggelassen, aber das Hauptproblem ist noch ein anderes.

Ich könnte jetzt hier sehr viele Beispiele aufführen, aber ich werde einfach ein paar Blogeinträge von mir hier verlinken zum Thema Cochlear Implantat, damit man besser verstehen kann, warum ich der Meinung bin, dass die Berichterstattung in den Medien über das Cochlear Implantat die dringend notwendige Barrierefreiheit und Inklusion für Gehörlose und Schwerhörige verschleppt bzw. vernachlässigt wird.

Ich fange mal mit dieser Erzählung über das Hauptproblem der Bildungspolitik für Gehörlose und Schwerhörige an, die immer exakt gleich abläuft,wenn Hörende mitbekommen, dass ich gehörlos bin. Das Thema ist sowieso sehr spannend und man wird alles mögliche gefragt. Früher habe ich lang und breit  Auskunft gestanden, aber heute mach ich es in der Regel so, dass ich eine kurze Zusammenfassung gebe und dann einfach die Adresse meines Blogs weitergebe, was schon sehr lässig ist. Und mit dieser Handlung stelle ich auch klar, dass ich zwar gehörlos bin, aber es eben nicht das einzig Interessante ist an mir und ich mich nicht ausschließlich darüber identifiziere, aber nun es geht los.

Irgendwann nach den ersten Erklärungen kommt man auf die Schule zu sprechen:"Ah, du warst auch auf einer Gehörlosenschule, da wird alles in Gebärdensprache unterrichtet, oder? Ich find ja die Gebärdensprache ja so schön." Ich muss dann innerlich erst mal immer grinsen, weil es wirklich im Regelfall zu 90% so eingeleitet wird und die Annahme grundverkehrt ist, was ich dann auch sage::"Die Lehrer an den Schulen für Gehörlose können zu 90% die Gebärdensprache nicht. Die Kinder werden also lautsprachlich unterrichtet und müssen alles von den lippen ablesen." Der Blick dann ist immer sehr ungläubig und geschockt zugleich, was sich auch mit diesem Ausruf artikuliert: "ABER..... das geht doch gar nicht, das ist doch unlogisch.." Da nicke ich auch immer: "Ja, das ist unlogisch. Die Mehrheit der Gehörlosen hat als Muttersprache  die deutsche Gebärdensprache." "Und warum müssen die Lehrer keine Gebärdensprache können?" An diesem Punkt setze ich zu einer Erkärung an: "Es ist keine Vorschrift im Studium der Hörgeschädigtenpädagogik. In Deutschland kann man dies an den Universitäten Hamburg, Köln, Heidelberg, München und Berlin studieren. Nur an der letzteren Universität ist es Vorschrift, dass man am Ende des Studiums einen Nachweis über Gebärdensprachkenntnisse erbringen muss. Außerdem herrscht schon seit Jahren die Meinung, dass es in ein paar Jahren sowieso keine Gehörlose mehr gibt, da alle das Cochlear Implantat eingesetzt bekommen und damit die Gebrädensprache sowieso ausstirbt."

Dieser Umstand, dass gehörlose Kinder an ihren Schulen als Unterrichtssprache Lautsprache haben anstatt der Gebärdensprache, sorgt auch für die schlechtere Kompetenz in der Schriftkompetenz, denn um den Zugang zu einer Sprache zu haben, muss man alles mitbekommen im Unterricht. Natürlich gibt es auch viele Gehörlose wie ich, die keine Probleme haben sich schriftlich und mündlich auszudrücken. Aber wir sind wirklich eine Minderheit unter den Gehörlosen. An Schwerhörigenschulen wird übrigens zwar meistens oral unterrichtet, aber man geht dort auch immer über in Gebärdensprache zu unterrichten - an meiner Schwerhörigenschule in München ist Gebärdensprache dort mittlerweile erlaubt. Früher war sie dort  verboten, weswegen ich die Gebärdensprache auch erst mit 17 gelernt habe.

Dann kommen wir zu den Schwerhörigen. Sie sind vom Hörstatus her genau zwischen Gehörlosen und Hörenden. Zu ihnen kann man die Gruppe der Spätertaubten zählen, die die Hörfähigkeit nach dem 6. Lebensjahr verloren haben. Die meisten Schwerhörigen und Gehörlosen finden keinen Zugang zur Welt der Gehörlosen, weil sie sich nicht zugehörig fühlen, da dort nun mal die "Amtssprache" Gebärdensprache ist. Auch ich hatte am Anfang so meine Schwierigkeiten, da meine Muttersprache die deutsche Sprache in Wort und Schrift ist, aber ich schätze die Gebärdensprache und die Gehörlosenkultur auch sehr, auch wenn ich mit einigen Dingen dort nicht einverstanden bin, aber das ist einfach normal.

Angesprochen auf meinen Hörstatus als Trägerin eines Cochlear Implantats sage ich immer:"Ohne das Cochlear Implantat bin ich gehörlos, mit schwerhörig, aber von der kulturellen Identität eher hörend."

Was ich damit genau meine? Es ist einfach so, dass Gehörlosigkeit nicht einfach eine Behinderung ist, sondern dazu auch die Zugehörigkeit zu einer sprachlichen Minderheit gehört mit einer eigenen Sprache, mit einer eigenen Kultur wie Gebärdensprachtheater, Gebärdensprachpoesie und sogar eigenen olympischen Spielen, den Deaflympics! Das hat keine andere Behinderung.

Und ich bin immer wieder sehr gerne Gast in dieser Welt, ich tauche gerne ein und bleibe gerne dort für ein paar Stunden, paar Tage zu Besuch, aber dann reicht's mir irgendwann, weil ich mich in der hörenden Welt zuhause fühle, weil sich mein Leben nun mal zu 95% in der hörenden Welt abspielt.

Zurück zum ZIBB-Bericht mit Ennomane: Dann taucht er ab der 8:12 Min. auf und in der Einblendung steht: "...gehörlos seit über 20 Jahren." Das mit den 38 Jahren laut Enno im Einspieler wird wohl aus dem OFF gesagt. Im eingespielten Informationstext steht da also "gehörlos" drinnen, etwas was ich als unzutreffend empfinde, denn wenn jemand mit 18 Jahren sein Gehör verliert, dann zählt man ihn medizinisch gesehen zu den Spätertaubten! Es hätte also im Text korrekterweise "spätertaubt" oder "schwerhörig" heißen müssen, damit den Leuten klar ist, dass sie es hier nicht mit dem typischen Gehörlosen zu tun haben, da die Aussprache von Enno einfach zu sauber ist. Ich sage es hier gerne noch mal ganz deutlich: Ich meine damit NICHT, dass es nur Gehörlose ins TV schaffen sollten, die NICHT sauber sprechen.

Etwas nebensächlicher Aspekt, aber dennoch auch wichtig: Kein Gehörloser wird sich mit Enno Park's Auftritt identifizieren können und ihn als gehörlos empfinden, da er es nicht ist als Spätertaubter/Schwerhöriger.

Was ich damit sagen will: Ich bin für eine korrekte Verwendung der Begriffe in den Medien und ganz besonders dann, wenn es um Menschen mit Behinderung geht. Und gerade bei Gehörlosen ist es wichtig, dass deren Bild in den Medien stimmt. Noch wichtiger ist es aber, dass das Cochlear Implantat realistisch dargestellt wird. Ich will einfach, dass die Dinge korrekt dargestellt werden.

Spätertaubte zählen de faktisch zu den Schwerhörigen, denn sie finden in der Regel nur schwer Zugang zur der Welt der Gehörlosen und fühlen sich nicht zugehörig dort. Natürlich gibt es aber auch Ausnahmen, da kenne ich sogar welche!

Aber Enno hat immer gesagt, er habe sich in der Gehörlosenwelt noch nie daheim gefühlt, also stimmt es schon, wenn ich ihn zu den Spätertaubten zähle. Wikipedia hat übrigens einen interessanten Eintrag dazu, der auch seine gute Artikulationsfähigkeit erklärt: "Spätertaubung bezeichnet den Verlust der Hörfähigkeit nach  dem Erwerb der Sprache,  also etwa nach dem 5. oder 6. Lebensjahr. Ein vorheriger Verlust wird "Gehörlosigkeit" genannt. Ein Spätertaubter hat im Gegensatz zu gehörlosen Menschen bereits eine gewisse Kenntnis von sowie einen umfangreichen Wortschatz. Er hat die Lautsprache ganz normal über das Gehör erlernt. Je nach Alter der Ertaubung ist das Sprachbild bereits gut ausgereift, so zieht der Gehörverlust nicht automatisch den Sprachverlust nach sich. Die Betroffenen sollten jedoch nach Möglichkeit die Lautsprache so oft wie möglich nutzen, damit die Artikulationsfähigkeit sowie der Aussprache erhalten bleibt. Spätertaubte werden plötzlich aus der Welt der Hörenden ausgeschlossen und fühlen sich meist auch nach Jahren immer noch nicht der Welt der Hörbehinderten zugehörig. Sie müssen die Kommunikationsmöglichkeiten der Hörbehinderten erlernen und verfügen über kein restliches Hörvermögen. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sp%C3%A4tertaubung

Ein Hörender, der sich diesen Bericht ansieht, dazu die falschen Fakten von Dr. Prof (!) Ernst im Kopf hat, denkt sich bei Ennos Anblick: "Ah, er spricht so schön sauber.  Das kommt sicherlich alles dadurch, dass er sich mit dem Cochlear Implantat wieder so gut hören kann." Das ist aber nicht so. Gehörlose können auch eine gute Aussprache ohne das Cochlear Implantat haben, wenn sie denn regelmässig einen Logopäden haben oder gute eingestellte Hörgeräte tragen. Oder einfach eine gewisse Sprachbegabung haben.

Und man kann nicht einfach einen Ertaubten im Fernsehen zeigen und so zeigen, wie gut das Cochlear Implantat beim Spracherwerb nützt, denn die gute Artikulationsfähhigkeit war ja schon VOR der Operation vorhanden. Das sind zwei paar Dinge, die man getrennt voneinander betrachten muss.

Ertaubte Menschen sind nun mal eine ganze andere Spezies und aufgrund ihrer Hörbiographie ideale Kandidaten für das Implantat, da das Gehirn nun mal die Höreindrucke schon abgespeichert hat auf der Festplatte, was überhaupt nicht vergleichbar ist mit der Leistung eines "gehörlosen" Hirnes eines Menschen, der von Geburt an gehörlos ist und nun durch das Cochlear Implantat komplett bei NULL anfängt beim Hörenlernen und vor allem bei der Kontrolle der eigenen Aussprache.

Merkt ihr was? Das Bild kann sehr verzerrend überkommen im Fernsehen, wenn man es so gemacht hat wie der RBB in Servicezeit und wenn man keine Ahnung hat von der Materie.

Meiner Meinung nach bekommt das Cochlear Implantat sowieso viel zu viel Aufmerksamkeit in den Medien und wird als Wunderheilmittel gefeiert, was ich gefährlich finde. Ein Cochlear Implantat hilft nämlich immer nur genau einem Gehörlosen und der Erfolg damit ist nicht garantiert. Außerdem ist bei der Versorgung nicht die Garantie in petto, dass das Kind damit gut klarkommen wird und normalhörend und sprechend wird - es gibt da Bombenerfolge und eben keine solche Bombenerfolge, weil jeder Mensch mit seiner Hörbiographie halt individuell ist. Von den Bombenerfolgen ausgehend kann man nicht pauschalisieren, dass das CI jedem hilft, aber leider wird genau das suggestiert.

Und das so wichtige Thema Barrierefreiheit kommt in den Medien leider kaum vor und ich kann das offen bemängeln. Ich würde mir einfach wünschen, dass das Thema Barrierefreiheit und Inklusion genausoviel Sendezeit im Fernsehen bekommt wie das Cochlear Implantat. Und solange das Cochlear Implantat immer noch gefeiert wird, wünsche ich mir einfach eine realistische Darstellung dessen. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich bin nicht komplett dagegen und auch nicht komplett dafür, weil ich immer der Meinung bin, dass es auf die Hörbiographie ankommt, ob die Person damit Erfolg haben wird. Spätertaubte haben übrigens den größten Erfolg damit, weil sie meistens alles aus ihren Hörgeräten und später aus dem Cochlear Implantat herauskitzeln.

So und jetzt darf man 3 x raten, wem ich mehrmals eindringlich zum Cochlear Implantat geraten habe? Genau, dem Enno Park. Und es freut mich wirklich, dass er so gut damit klarkommt, weil es mir einfach klar war, dass es genau das richtige ist für ihn.

Aber ich finde seine Einstellung zur Protethik einfach falsch. Und das kann mir keiner verbieten.

Aber was mir AUCH wichtig ist, zu betonen: Es ist egal, ob jemand schwerhörig, spätertaubt, gehörlos, Träger eines Cochlear Implantat ist, denn wir sitzen alle im gleichen Boot und haben alle das gleiche Ziel vor den Augen. Und um dieses Ziel zu erreichen, ist es auch unter anderem wichtig, dass unsere Bedürfnisse in den Medien korrekt dargestellt werden.

Ich werde immer für Barrierefreiheit und Inklusion kämpfen, solange ich Lust dazu habe. Und in meinen Augen gehört nun mal auch dazu, dass man Kritik ausübt, wenn man weiß, dass in den Medien etwas falsch dargestellt worden ist.

Ich hoffe, dass ich damit nun mehr als sonst klarmachen konnte, weshalb ich mich heute so über die Darstellung von Enno Park und Prof. Dr. Ernst im Fernsehen aufgeregt habe.

Und hier sind die versprochenen verschiedenen Blogeinträge von mir, wo ich mich zum Cochlear Implantat geäußert habe:

Zwei Ohren für Paul - Kritik an der Mainpost aufgrund Reklame vom 27. Mai 2011

Cochlear Implantat-Zwang für gehörlose Kinder? vom 11. Oktober 2011

My last 5 cents zu "CI-Zwang für gehörlose Kinder?  vom 09. September 2011. Dort gibt's interessante Links.

In aller Freundschaft die Pistole auf die Brust vom 21. April 2011 - da wurde in der Serie ganz schön Werbung für das Cochlear Implantat betrieben.

CI-Werbefilm auf You-Tube gefunden vom 23. September 2009

TV-Bericht über das Cochlear Implantat  vom 29. April 2010 - hier gibt es hochinteressante Zahlen zur gigantischen Industrie der Cochlear-Implantationsfirmen!

Ein Brief an die bayerische Sozialministerin Haderthauer - hier habe ich noch ein paar interessante Zahlen zur CI-Industrie!

Ich denke, es lohnt sich, wenn man einfach mal auf das Label "Cochlear Implantat" hier im Blog klickt.

Ich hab übrigens noch die klitzekleine Information vergessen, dass sich beim Cochlear Implantat sich um eine größere Operation am Kopf handelt, was dann so aussieht:

Cochlear Implantat-Operation Teil 1

Cochlear Implantat-Operation Teil 2

Cochlear Implantat Operation Teil 3

Und noch ein Video, wie man da im Schädel rumbohrt: http://www.youtube.com/watch?v=I0Z3eKNw2vc&feature=related

Achja, man stelle sich diese Operation an den Köpfen von Babies vor, denn heutzutage werden gehörlose Kinder schon im Alter von 8 Monaten operiert. Das spricht schon für einen sehr großen Reparaturzwang an Menschen mit Behinderungen, besonders bei Gehörlosen, anstatt endlich mal die UN-Behindertenrechtskonvention der Menschen mit Behinderungen in Deutschland zu gründlich zu umsetzen.

Der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung ist erschreckend schwach, weil man hier zu sehr auf den Willen zur Reparatur setzt und außerdem die Kosten scheucht.

Passend dazu verlinke ich mal die Geschichte dazu, wie ich zum Cochlear Implantat kam:

Vorbericht zu meinem Standpunkt zur Bionik vom 09. Januar 2012

Mein Bericht zur Bionik- Teil 2  vom 11.Februar 2012

Mein Bericht zur Bionik - Teil 3


Viel Spaß, ihr habt jetzt nun jede Menge zum Lesen und falls das schon wieder oder nochmal untergegangen sein sollte: Mir geht es um eine korrekte Darstellung in den Medien und um Barrierefreiheit und Inklusion für alle.

Danke für's Lesen. P.S. Heute Abend kommt die zweite Staffel von Sherlock Holmes mit Untertitel im TV! :-)

Samstag, 12. Mai 2012

Gehören wir auch dazu?

Auf der re:publica habe ich ja kurz nach dem Lob, dass die Bundesregierung mir durch den Regierungssprecher Herrn Seibert ausgesprochen hat, folgenden Inhalt auf Twitter verbreitet:

(Bildbeschreibung für (nicht nur) für blinde Follower: Dort ist der Screenshot des Teweets vom 04. Mai 2012 zu sehen und dort steht: "Der YouTube-Kanal der Bundesregierung ist übrigens nicht #barrierefrei. Es fehlen #Untertitel, ob wohl die Einbindung easy ist. #rp12)

Über diese Problematik der fehlenden Barrierefreiheit auf dem YouTube-Kanal der Bundesreghabe ich schon mal jüngst gebloggt, nämlich hier: 

In diesem Blogeintrag hab ich mal anhand verschiedener Beispiele aufgezeigt, wie wenig barrierefrei der Kanal ist, wenn man mal mit dem Kanal des Oval Office vergleicht."

Und am heutigen Regenwettertag habe ich mal aus purer Langweile beim YouTube-Kanal der Bundesregierung vorbeigeguckt und musste überrascht 2 Dinge feststellen: Die Woche der Bundeskanzlerin ist nämlich ab sofort mit deutschen Untertitel verfügbar! Auch dieser Film im YouTube-Kanal über die Integration von Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt ist mit Untertitel: Ein tolles Team - Behinderte und Nichtbehinderte arbeiten gut zusammen Da darf Herr Hüppe ein paar wahre Worte sprechen, die aber leider eher ungehört verhallen werden, da seine Worte nicht so eine Reichweite wie die der Kanzlerin haben, aber darauf komme ich nachher gleich zu sprechen.

Sehr schön, ich würde mir noch wünschen, dass der Videopodcast der Kanzlerin ab sofort auch auf YouTube verfügbar ist, denn dann müsste ich ihn mir nicht immer herunterladen, wenn ich ihn mir mit Untertitel anschauen will, sondern kann ganz simpel auf das rote CC-Feld klicken. Ich glaube, dass da inzwischen jemand von der  Regierung mein Blog ganz interessiert mit verfolgt und das Bürgerwissen da anzapft. :-D 

Hier mal ein Screenshot auf der Homepage der Bundeskanzlerin, damit man mal sieht, wie umständlich der Weg zum Video mit Untertitel ist, wo es auf YouTube viel einfacher geht: 

Ich fand eben einen interessanten Tipp heraus, wie man ganz einfach die Videos anschauen kann, ohne isch was herunterladen zu müssen: Einfach per URL-Link des Videos direkt im VLC-Player abspielen lassen. Trotzdem favorisiere ich immer noch die elegante YouTube-Lösung mit dem CC-Feld.

Leider sind alle anderen Videos nicht mit Untertitel im You-Kanal der Bundesregierung mit Untertitel verfügbar, was sehr schade ist, da die Einbindung der Untertitel wirklich sehr easy ist auf YouTube. 

In einem Punkt ist der Wochenrückblick der Bundeskanzlerin vom 04.05.2012 noch ziemlich interessant, denn ab der Minute 3:29 spricht Merkel zum 10. Seniorentag zum demografischen Wandel und man sieht im Hintergrund die Leinwand, wo das Gesagte der Bundeskanzlerin per Schriftdolmetscher an die Wand projektiert wird. Der Seniorentag war also barrierefrei - diese Art der Barrierefreiheit muss in Deutschland selbstverständlich werden und zwar in der komplette Bandbreite. 

In diesem Screenshot sieht man übrigens sehr gut den Beitrag des Schriftdolmetschers auf der Leinwand:


Ich habe da auf Twitter gesagt, dass zum demografischen Wandel selbstverständlich die Umsetzung einer barrierefreien Gesellschaft und die damit verbundene Inklusion gehört. Mal sehen, wie schnell Deutschland dieser Pflicht nachkommen wird, denn wir sind ein Entwicklungsland in dieser Sache, wenn man uns mit anderen Industrienationen vergleicht und sogar im Vergleich zu 3. Welt-Ländern schneiden wir da nicht so gut ab.

Ich finde es auch ziemlich interessant, was Merkel dann im Video sagt ab 3:47 Min, wo sie den Senioren zuruft als Bundeskanzlerin:"Deshalb sage ich einfach als Bundeskanzlerin: Sie gehören dazu, sie haben Fähigkeiten und Fertigkeiten, deshalb bin ich ganz besonders gerne heute hier." 

Die Bundeskanzlerin hat aber noch nie richtig davon gesprochen, dass Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich zur Gesellschaft gehören - sie sagte z.B. in ihrem Videopodcast vom 03.03.2012 z.B das hier: "Darüber und über vieles mehr werde ich mit den Vertretern des Deutschen Behindertenrates sprechen. Wir werden auf der einen Seite über Fortschritte reden. Aber ich bin mir ganz sicher: Gerade aus dem Gespräch mit den Vertretern der Behinderten, die jeden Tag auch über die Unzulänglichkeiten in unserem Leben Informationen bekommen, werde ich lernen, was wir in Zukunft noch zu tun haben. Und ich darf Ihnen versprechen: Die Bundesregierung wird versuchen, das, was in unseren Möglichkeiten liegt, auch umzusetzen. Damit Behinderte in unserer Gesellschaft ihren Platz haben – einen gleichberechtigten Platz neben allen anderen Bürgerinnen und Bürger in unserer Gesellschaft." 

Liebe Frau Merkel, es reicht eben nicht, wenn Sie in diesem Videopodcast stolz vom Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung sprechen mit dem die Regierung in den nächsten Jahren 500 Mio Euro ausgibt, der dann aber die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention bei weitem nicht erfüllt. Zahlreiche Behindertenverbände und damit die Menschen mit Behinderungen haben diesen NAP schon kritisiert und ich sage es Ihnen auch noch mal ganz deutlich: Er ist ein Scheißdreck wert, da dieser nicht rasch genug zum Ziel einer vielfältigen, inklusiven und Barrierefreiheit führt, der dringend notwendig ist in Deutschland. 

Und ich würde mir von Ihnen mal ein ganz klares Bekenntnis wünschen - so in der Art: "Auch Menschen mit Behinderungen gehören zur unserer Gesellschaft dazu. Sie stehen nicht im Abstellgleis. Wir wollen ihre Fähigkeit und und Fertigkeiten in unserer Welt haben - in allen Ebenen unserer Gesellschaft." Und das soll dann bitte auch kein Lippenbekenntnis sein. 

Die Regierung hat die Möglichkeit genügend Druck auf die Gesellschaft auszuüben, damit dieses Ziel schneller erreicht wird, aber sie verletzt ja ihre eigenen Gesetze am laufenden Band immer wieder. 

Ich frage mich ganz deutlich: Gehören wir Menschen mit Behinderungen in den Augen der Bundesregierung und im allgemeinen der Politik auch wirklich zur Gesellschaft? Denn hier ist echt noch viel zu tun.

(Mir liegt übrigens die Antwort der Bundesregierung vor, woran es mit der Einführung des barrierefreien SMS-Notrufs in Deutschland noch hapert, aber ich darf die Antwort nicht publik machen. Ich halte mich auch daran. )

Weil's grad nett zum Thema passt: Mir wurde übrigens gerade ein interessantes Video von dem nächsten Präsidenten Frankreichs zugespielt - Hollande trifft sich mit Gehörlosen und lässt sich unter anderem die Gebärde für "Danke - Merci" zeigen. Diese eine Gebärde ist so ziemlich in allen Gebärdensprachen der Welt gleich. :-) Hier ist das Video - natürlich mit Untertitel: 

Wie auch immer, ich bin gespannt auf die Fortschritte der Bundesregierung und lege ihr die gründliche und bessere Überbearbeitung des NAP's ans Herz, denn es kann nicht sein, dass wir in einer Industrienation mit Ochsenkarrentempo unterwegs sind, wenn es um ein so wichtiges Thema geht wie Barrierefreiheit und Inklusion.

Und ehrlich gesagt: Ich wünschte, ich könnte einfach nur mal loben und müsste nicht dann noch den Zeigefinger mit "AAAAABER...." erheben! 

Ich freu mich wirklich ganz arg darüber, dass die Woche der Kanzlerin auf YouTube mit Untertitel verfügbar ist. :-) Wirklich. *lob*

Es geht nur noch bisschen besser und es ist schön, dass die Bundesregierung dazulernt. Und ich würde mich freuen, wenn ich euch noch öfters löben könnte! Am besten im August. ;-) (Die Anspielung jetzt war nicht zu überlesen, oder?) 


Montag, 7. Mai 2012

Re:action auf der Re:publica!

Am 14. April 2011 hatte ich ja meinen ersten Auftritt auf der Re:publica, welcher mir doch gehörig Gehör verschaffte für mein Anliegen. :-)

Dieses Jahr trat ich auch wieder auf der Re:publica auf - zu meinem Auftritt möchte ich nicht viel sagen, außer dass ich ein bisschen geblendet war vom Licht auf der Bühne und die Arbeit meiner Gebärdensprachdolmetscherin erschwert wurde durch die Tonprobleme. Und ich war nervös. ;-)

credits: (cc) iStockphoto I re:publica 2012 
(Bildbeschreibung: Hier sitzen von links nach Rechts: Julia Probst, Alexander Görsdorf, Enno Park und Florian Blaschke)

Achja, für nächstes Jahr habe ich mir vorgenommen, dass ich endlich mal mutiger bin und alleine auftrete. IRGENDWANN muss ich das ja mal hinkriegen und ins kalte Wasser springen, denn ich bin ganz gut darin geworden, im kalten Wasser zu schwimmen, wie ich es ein paar Tage später feststellen durfte.

Die Barrierefreiheit für Gehörlose und Schwerhörige war sehr schwankend auf der re:publica - mal waren die Speech-to-Text-Transkriptionen ganz gut, dann weniger gut und beim Vortrag von Sascha Lobo endete sie komischerweise eine halbe Stunde vor dem Ende. Aber zum Glück hat Christiane vom www.behindertenparkplatz.de fleissig zu Ende für uns von ihrem Laptop getippt. Ich hab den Vortrag von Lobo sehr gemocht - er hat es scharf und detailliert auf den Punkt gebracht, was dringend notwendig  ist durch uns digitale Ureinwohner. ;-)

Die schwankende Qualität der Schriftverdolmetschung lag wohl daran, dass es den Beruf des Schriftdolmetschers noch gar nicht so lange in Deutschland gibt und die Dolmetscher es wohl gar nicht gewohnt waren bei diesem Auftrag mehrheitlich im Englischen zu tippen. Deutsch ging ihnen flüssiger von den Händen, aber laut meiner Erinnerung kam ja nur der Talk mit dem Regierungssprecher und Sascha Lobo auf Deutsch. Alles andere war auf Stage 1 auf Englisch.

Hier mal ein Beispielfoto, wie das ausgesehen hat. Hier Jacob Applebaum bei seinem Talk:
(Bildbeschreibung: Man sieht Jacob Applebaum auf der Leinwand und darunter den Text der Schriftverdolmetschung).

Aber wie habe ich die re:publica eigentlich erlebt? Viele alte und neue Bekannte wieder getroffen, tolle Gespräche gehabt.

Eins meiner Higlights auf der re:publica: Ich traf die absolut tolle CindyGallop in der VIP-Lounge und war ganz hingerissen von ihrer Fröhlichkeit. Sie hat sich erkundigt, ob ich Gebärdensprachdolmetscher habe und ich sagte, dass es Speech-to-Text-Verdolmetschung gibt. Das fand sie auch gut. :-) Nach ihrem Vortrag kam ich noch mal auf sie zu und sagte ihr, wie großartig ich ihren Auftritt fand.  Und dann hat ein Freund von von mir ein richtig schönes Foto von mir und Cindy gemacht.

 
credits: Manuel Schmutte 
Bildbeschreibung: Cindy Gallop im schönen schwarzen Kleid und ich mit meinem T-Shirt, worauf steht: "I love Barrier-free)

Cindy hat es sich zur Aufgabe gemacht, die  Gesellschaft, vor allem jugendliche Heranwachsende darüber aufzuklären, dass Pornografie eben nur Pornografie hat und mit echter Sexualität und Liebe eben nichts gemeinsam hat. Hier findet man den guten Spiegelartikel mit der Aufzeichnung von ihrem Talk dazu:

Make Love - not Porn von Cindy Gallop und ihre Homepage: Makelovenotporn

Dann traf ich noch Katharina Borchert, die Online-Chefin von Spiegel und unterhielt mich mit ihr über ihre Coolness, die Frau ist echt sowas von absolut cool in jeder Situation und dabei so lieb. Ich wünschte, ich könnte mir davon noch eine ganze Scheibe abschneiden.

credits: Manuel Schmutte
(Bildbeschreibung: Katharina Borchert und ich lächeln in die Kamera)

Ich hab mich so von den Speech-To-Text-Talks auf der Bühne 1 treiben lassen, aber auch mir auch nicht alle angetan, weil mich das Thema schlicht und einfach nicht interessiert hat. Aber den Auftritt von Patricia Marti über "Interaction of beauty" fand ich ziemlich gut und durchdacht. Also, ich mochte diese simple, aber schöne Wirkung bei der Arbeit mit Alzheimer oder demenzkranken Patienten, die man auch auf Autisten etc. ausweiten kann. 

Der Astronauten-Talk war leider ohne Speech-to-Text auf der Leinwand - oder er begann zu spät und ich bin gefrustet wieder gegangen, bevor er sichtbar wurde. Schade, denn das wäre echt absolut ein Thema gewesen, wo ich gerne gelauscht hätte. Habe grad die Bestätigung bekommen, dass dieser Talk tatsächlich ohne Speech-to-Text auf der Leinwand war. *seufz*

Und Schonung erhielt niemand von mir mit meinen Fragen: Weder ARD noch ZDF oder der @Regsprecher auf ihren Sessions. 

Da die Session der ARD nicht barrierefrei war, bin ich zu ihrem Stand gegangen und habe sie gelobt für die schrittweise Barrierefreiheit in deren Mediathek, so ist zum Beispiel seit einem guten Monat der Tatort in der Mediathek nach der Ausstrahlung mit Untertitel verfügbar. Das war ein Punkt, den ich auf meinem Auftritt auf der Republica 2011 bemängelt habe. 

Dann fragte ich, ob ich meine Fragen vorab schriftlich einreichen dürfe, die dann beim Talk beantwortet werden könnten bei der Fragestunde. Das wurde dann auch so gemacht - ich reichte die Fragen ca. eine Stunde vor dem Beginn am Stand der ARD ein. Zuerst habe ich sie, wie gesagt für die schrittweise Barrierefreiheit in der Mediathek gelobt. Dann nachgefragt, wie die weiteren Pläne für mehr Barrierefreiheit der ARD? Und außerdem gefragt, warum die Sendung mit der Maus im TV zwar mit Untertitel seit immer schon kommt, aber der Gebärdensprachdolmetscher, der erst seit kurzem eingeblendet wird, nur im Internet zu sehen ist? 

Die ARD konnte mir die Fragen nicht zufriedenstellend beantworten, außer dass ab 2013 geplant ist, alle neue Produktionen zu untertiteln. Das jedoch konnte man schon lange im Internet nachlesen. Ich meine, die hatten doch ne gute Stunde Zeit beim Sender anzurufen und zu sagen: "Du, sag mal - ich brauch mal da ganz schnell ne Info zu Barrierefreiheit bei uns und zwar umfassend." Aber wahrscheinlich denke ich auch mal wieder zu praktisch, denn die ARD ist muss man sich wie alle große Sendeanstalten wie eine Krake vorstellen, wo die Zuständigkeiten sich auf sehr verschlungenen Wegen befinden - denn anders kann ich mir nicht erklären, dass sie ihren Pressesprecher kurz bemühen mussten. ;-) 

Fazit: Es war gut und wirklich mutig von der ARD, dass sie versucht haben meine Frage zu beantworten. :-) Sie hätten mich auch gut ignorieren können. Und es ist wirklich toll, dass der Tatort und einige Sendungen in der Mediathek nun mit Untertitel verfügbar sind. 

Das ZDF war auf ihrem Panel wirklich sehr sympahtisch. Ich sage dem @michaelumlandt voraus, dass er in 10 Jahren mal ZDF-Intendant sein wird, denn ich traue ihm das ohne weiteres zu. Auch das @ZDF wurde von mir gelobt für ihre barrierefreie Mediathek, womit sie bisher die Vorreiter sind im deutschen TV. Gefragt wurde, wann der Gebärdensprachdolmetscher ein- und ausblendbar gezeigt wird. Die Antwort ist mir entfallen, aber ich weiß noch, dass ich mit der Antwort zufrieden war. Aber das wird man ja nachgucken können, wenn die ganzen Videos online sind von allen Sessions! 

Aber zum deutschen Fernsehen und der dortigen Barrierefreiheit muss ich einen eigenen Blogeintrag verfassen, ja wieder mal. 

Und weil's grad so schön passt, hier das Foto von mir mit Richard Gutjahr vom BR und Michael Umlandt vom ZDF - ja ich bin tatsächlich so klein!! 

credits: privat 
(Bildbeschreibung: Richard Gutjahr, ich und Michael Umlandt grinsen in die Kamera) 

Was ich noch sehr schade fand: Die Session von Katie Jacobs Stanton, der Vizepräsidentin von Twitter war ohne Speech-To-Text-Verdolmetschung, aber die tolle Präsentation von Katie war zum Glück sehr inhaltsreich auf der Leinwand. Seit dem DLD 2012 in München kennen wir uns und es war so lustig, dass wir uns auf der re:publica gegenseitig nicht erkannt haben - sie hat mich wegen des Kopftuches nicht erkannt und ich sie wegen ihrer mörderisch hohen Absätze. Ich freu mich schon auf das nächste Treffen mit ihr! :-) 

Anscheinend bin ich aber nicht so klein, dass man mich komplett übersehen kann, wie es mir bei der Session mit dem Regierungssprecher passiert ist. Zum Glück hatten Benjamin und ich eine Gebärdensprachdolmetscherin bei dieser Session und so sassen wir ganz vorne und lauschten dem Talk. 


In den ersten Minuten blickte er kurz zu mir und ich winkte ihm schüchtern zu, worauf er mir erkennend zunickte, denn es war nicht das erste Mal, dass wir aufeinander trafen. Gesehen und unterhalten haben wir uns schon auf dem Tag der offenen Türe der Bundesregierung im Jahr 2010 und 2011. :-) Er kennt also mein Gesicht und meinen Namen, was er dann auch ziemlich flott unter Beweis gestellt hat als die Sprache auf mich kam. 

In diesem Video sieht man ab der 13. Minute, wie die Sprache auf mich kam und ich kurz und heftig schlucken muss vor lauter Überraschung über sein Lob, dass nämlich ohne meine Härtnäckigkeit die Videopodcasts der Kanzlerin nicht so schnell mit Untertitel versehen worden wären. Die meinige Härtnäckigkeit solle aber jetzt jeder nachmachen. *g* 


Ab der 29. Minute bedanke ich mich für sein Lob und frage dann noch mal nach dem Starttermin für den angekündigten barrierefreien SMS-Notruf der Bundesregierung. Herr Seibert meinte dann, dass er mir jetzt dazu nichts sagen könnte, aber wenn ich ihn am Montag noch mal antwittern würde... ;-) 

 
credits: Max Lindemann

Außerdem bat ich ihn noch daran, seine Arbeitgeberin Frau Merkel daran zu erinnern, dass für dieses Jahr bei der Tag der offenen Türe der Bundesregierung Gebärdensprachdolmetscher anwesend sein sollten, was sie mir ja versprochen hat. Ich seh ja heute immer noch ihr leicht verdutztes Gesicht vor mir als ich zu ihr sagte: "Okay, nächstes Jahr gibt es also welche - ich komm nächstes Jahr wieder und schau nach." Sie sah da reichlich verdutzt aus, wie sie "Okay." sagte. :-D 

Entschuldigt hab ich mich übrigens auch bei ihm, dass ich ihn doch ganz schön oft auf Twitter "nerve" mit meinen Fragen. Den Gesichtsausdruck dazu von ihm fand ich schon sehr niedlich. Also, der  @RegSprecher hat uns Frauen auf der Session sozusagen hormonpolitisch verführt. Ein Twitterer schrieb, dass er gedacht hätte, dass jeden Moment Schlüpfer und BH's auf die Bühne fliegen..



Kurz nach der Session hatte ich noch das Vergnügen mit dem Regierungssprecher sprechen zu dürfen und er  entschuldigte sich noch mal bei mir, dass er damals nicht auf meine Fragen reagiert hat bei #fragReg. Ich sagte, dass ich das verstehe, dass es nicht möglich ist, wenn soviele Fragen innerhalb kürzester Zeit eingehen würden. Und er würde ja in der Regel meistens auf meine Fragen reagieren. Und er so "Ja, genau!" Und ich dann:"Ich frag dann am Montag noch mal per Twitter an, ja? Und dürfte ich ein Foto mit ihnen haben?" 

Das Foto haben wir dann gleich gemacht und er hat tätsächlich auch am Montag geantwortet, aber das ist ein eigener Blogeintrag wert, da ich ja auch gestern Abend noch eine sehr nette E-Mal aus dem Bundespresseamt bekam. 

Vom August 2010 habe ich übrigens auch ein Foto von mir und dem @RegSprecher, damals war er noch ganz frisch im Amt und ich hatte High-Heels an, damit man mich nicht übersieht, weswegen ich auf dem Foto größer aussehe als ich es in Wirklichkeit bin! 


August 2011 trafen wir uns ebenfalls, aber da vergaß leider ich um ein Foto zu bitten, da ich eine gute Unterhaltung mit ihm hatte. Schon 2010 und 2011 begriff ich, warum Merkel Seibert unbedingt für den Job haben wollte, er ist so charmant, dass man ihm überhaupt nicht böse sein kann für seine Antworten, auch wenn man ihm am liebsten die Gurgel umdrehen möchte. 2011 hatte ich so einen Moment - ich fragte ihn, warum keine Gebärdensprachdolmetscher vorhanden seien. Und er gab zur Antwort, dass es eine Kostenfrage seie. Ich war da ganz knapp davor ihm gepfeffert zu antworten, habe mich aber aus diplomatischen Gründen beherrscht und lediglich gemeint: "Im Gesetz steht aber was anderes, es ist ein Menschenrecht." 

Aber bitte, hier ist das aktuellste Foto mit mir und dem @RegSprecher - wer sich jetzt übrigens fragt, warum ich ein Kopftuch trage, dem sei gesagt, dass es an meiner zickigen Hoteldusche lag, die mir kein warmes Wasser spenden wollte für das ordentliche Haarewaschen meiner Haare. Ich hab dem gründlichen Ausspülen des Shampoos durch das kalte Wasser nicht ganz getraut..


Ja und dann habe ich noch am Abend auf Twitter auf englisch darüber sinniert, was für ein tolles Jahr 2012 doch ist: Zuerst hatte ich die Ehre Jack Dorsey und Katie Jacobs Stanton zu treffen, dann bin ich diesen Monat von der Regierung gelobt worden. Und was wohl das nächste große Ding in meinem Leben wäre? 

Katie twitterte mich dann an und schaffte es, dass ich zum zweiten Mal an diesem Tag rot im Gesicht wurde: 


DAS war meine re:publica 2012. Einfach wundervolle Menschen getroffen, wundervolle Momente gehabt. Und das mit der Barrierefreiheit auf der re:publica kriegen wir nächstes Jahr besser hin. :-) 

Sonntag, 6. Mai 2012

Applaus für Jule!

Nein, es geht nicht um mich, sondern um das beste deutsche Blog bei den BOB's.

Gewonnen hat nämlich Jule-Stinkesocke in der Kategorie: "Best Blog German." Ich freue mich sehr für Jule, dass sie diesen Award eingeheimst hat, denn den sie hat nämlich sowas von verdient mit dem direkten und unverblümten Einblick in ihr Leben. Ich hab fleißig für sie abgestimmt und wollte, egal ob sie gewinnen würde oder nicht, über sie berichten nach der Abstimmung.

Mit 15 Jahren hatte sie einen Unfall, weswegen sie nun im Rollstuhl sitzt. Ihr Blog ist sehr direkt, sehr offen und lebendig. Der Schreibstil fesselt einen völlig.

Sie hat völlig zu Recht den BOB 2012 bekommen und ich hoffe, dass es nicht die erste und die einzige Auszeichnung für sie bleibt!


Besonders der heutige Blogeintrag  "Nur die Augen" vom 05.05.2012 hat mich ziemlich gefesselt, denn darin ist ALLES enthalten, was die fatale Aussortierungspolitik von Menschen mit Behinderungen aus der Gesellschaft unter uns Menschen anrichtet, womit Menschen, die nicht der Norm entsprechen, eine völlig unverdiente Abwertung erhalten.

Ich glaube, dass der beschriebene Computer der jungen Frau, um den es in dem besagten Eintrag "Nur mit den Augen" geht, nach dem hier beschriebenene Eye-Writer-Programm funktioniert: http://en.wikipedia.org/wiki/EyeWriter

Hier sieht man, wie dieses Teil aussieht: http://www.eyewriter.org/diy/

Aber auf Jule's Blog finden sich wirklich tausend weitere tolle Einblicke, die auch für für mich in vielen Bereichen absolutes Neuland sind, wo ich wirklich froh bin, dass ich da Antworten auf die Fragen erhalte, die ich mich ab und zu mal wie jeder andere frage, wenn es um solche Dinge geht. 

Ich bin gespannt, was ihr von ihrem Blog haltet! :-)