Mittwoch, 22. Februar 2012

Die roten Flaggen gehen hoch bei den öffentlich-rechtlichen..

Okay, das mit den roten Flaggen habe ich von Kevin Costner geklaut, denn diese Formulierung verwendete er bei der Trauerrede für Whitney Houston.

Und jetzt halte ich auch eine Trauerrede auf die öffentlich-rechtlichen Sender, die sich selber ins Grab tragen mit ihrem Vorhaben, es den Zeitungsverlegern recht zu machen und aus diesem Grund eventuell auf redaktionelle Beiträge auf deren Seiten verzichten wollen.

Heute wurde ich auf diesen Artikel aufmerksam: ARD und ZDF bald ganz ohne Artikel?

Sprich: Die wollen sich selbst beschneiden, indem sie sich in Zukunft nur noch auf Videos und Audioinhalte konzentieren. Wenn das wahr wird, dann wird die tolle und informative Seite der Tagesschau radikal beschnitten: http://www.tagesschau.de/

Da gehen bei mir die roten Flaggen hoch und sämtliche Alarmglocken bimmeln zusätzlich, denn das bedeutet, dass eine ganz bestimmte Personengruppe mal wieder vergessen wird - die der Hörgeschädigten, genauer gesagt: Von diesem Ausschlussverfahren sind in Deutschland 80tausend Gehörlose und 16 Millionen Schwerhörige betroffen, die dann einfach nicht mehr mitreden können.

Depublizierung ist auch ein Weg, um Barrieren aufzubauen, denn wenn die Artikel mit den Hintergrundinformationen nicht mehr vorhanden sind, dann wird es für uns Gehörlose und Schwerhörige schwieriger mitreden zu können, was die aktuellen Nachrichten oder bei Fernsehsendungen, die ohne Untertitel sind.

Und besonders hat es mich gefreut, dass Stefan Niggemeier in seinem Blogeintrag "Vorauseilende Selbstverstümmelung" den Aspekt der Barrierefreiheit bereits thematisiert hat.

Es ist richtig, dass die ARD angekündigt hat mir gegenüber, dass es die Mediathek in Zukunft auch mit Untertitel geben wird, aber was ist mit den anderen Angeboten ohne Untertitel bei den öffentlich-rechtlichen, sei es im TV oder in der Mediathek?

Woher sollen Gehörlose und Schwerhörige dann die Hintergrundinformationen kriegen, wenn redaktionellen Textangeboten zu den Sendungen verschwinden?

Es ist auch richtig, dass die Texte in vielen Zeitungen und Internetzeiten vom Textverständnis zu schwer sind für die Mehrheit der Gehörlosen, aber für die sprach-und schriftbegabten Gehörlosen und Schwerhörigen, die zwar auch eine kleine Minderheit sind, wird damit dem Verschwinden dieser eine Barriere aufgebaut.

Ab 2013 sollen Blinde, Gehörlose und Schwerhörige eine ermäßigte GEZ-Gebühr von 6 Euro bezahlen, jetzt frage ich mich nun einmal mehr, wofür denn bitte? Die Untertitel im deutschen Fernsehen sind qualitativ nicht so gut, wie sie es eigentlich sein sollten - noch ist die derzeitige Untertitelquote von 12,6% so gut, dass man von einem barrierefreien Fernsehangebot sprechen kann. Das Fernsehen ist also zu 87,4 % nicht zugänglich für uns. Für Kinder unter 6 Jahren gibt es keine Gebärdensprachdolmetschereinblendungen bei Kindersendungen, d.h. "Die Sendung mit der Maus" ist dann erst zugänglich, wenn die gehörlosen und schwerhörigen Kinder in der Schule lesen gelernt haben!

Mein Standpunkt steht fest: Ich werde ab 2013 ganz bestimmt nicht die geforderte Gebühr von 6 € zahlen, denn bei dem bisherigen langsamen Ausweitung des barrierefreien Angebots der öffentlich-rechtlichen, werden wir erst in 10-15 JAHREN bei 100% Untertitel angelangt sein, wenn es überhaupt so weit kommt in Deutschland. Hier wurden einfach sehr viele wertvolle Jahre verschlafen, wenn man in andere europäische Länder blickt und vor allem in die USA!

Übrigens sind hochwertige 1:1 Untertitel für Gehörlose und Schwerhörige in der Kombination mit Wort und Bild eine unschlagbare Kombination zur Verbesserung des eigenen Wortschatzes und Stärkung der Schriftkompetenz. Man muss nur mal nach Finnland gucken, dort schnitten die bei der Pisa beim Leseverständnis am besten von allen ab, weil dort eben alles untertitelt wird!

Und nicht nur Gehörlose und Schwerhörige profitieren von 100% Untertitel im deutschen Fernsehen, sondern auch ausländische Mitbürger, die die deutsche Sprache lernen wollen, dieses Argument zieht auch für die redaktionellen Textbeiträge zu den Sendungen oder Nachrichten im deutschen Fernsehen.

ACTA ist nur ein kleiner Teilaspekt dessen im Depublizierungsstreit zwischen den öffentlich-rechtlichen und den Fernsehsendern, wozu ich natürlich auch noch eine Stellungsnahme abgeben werde.

Kann mir bitte jemand erklären, warum die Fernsehanstalten so dämlich sind und sich selbst freiwillig beschneiden und damit ihrem Grundauftrag zur Information für uns alle nicht mehr nachkommen wollen?

Mit diesem Blogeintrag rufe ich die Fernsehanstalten dazu auf, dass sie das ganze noch mal gründlich überdenken, ob sie sich wirklich selbst ins Knie schießen wollen mit diesem Vorhaben, denn wie wir alle ja wissen, gibt es in Deutschland im Grundgesetz den folgenden Artikel: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Dieses Depublizierungsvorhaben verletzt ganz eindeutig diesen Artikel und auch die UN-Konvention der Menschenrechte, wo es in Artikel 21 und 30 ganz klar steht, dass Menschen mit Behinderungen ebenso das Recht der freien Meinungsäußerung, der Meinungsfreiheit und den Zugang zu Informationen besitzen wie nicht behinderte Menschen. Auch wird dort klargestellt, dass ein Recht darauf besteht, mit anderen am kulturellen Leben teilzunehmen, und alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, um sicherzustellen, dass diese Zugang zu Fernsehprogrammen, Filmen und Theatervorstellungen haben.

Die UN-Behindertenrechtskonvention ist gültiges Recht in Deutschland wie auch unser Grundgesetz.

Ihr seht also, dass ich hiermit euch die Erkärung abgeliefert habe, weshalb eurer kurzfristig gedachtes Vorhaben gegen mehrere Gesetze verstößt. Hm? Denkt doch mal nochmal nach, ob ihr diesen Weg tatsächlich gehen wollt.

Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht, ein Grundrecht und darf nicht sabotiert werden.

Ich garantiere euch, dass ich da noch einiges dazu sagen werde, wann immer es mir möglich sein wird.

Dieser Blogeintrag von mir zur Untertitelquote und der Qualität der Untertitel von mir vom 15. Februar 2011 ist auch ganz interessant zu lesen: Bild dich weiter. Nicht.


Ein sehr kurzes Statement!

Nun, da habe ich nun meine politische Meinung zum Bundespräsidentenkandidaten Joachim Gauck getwittert und schaffte es damit in die Medien, sogar in das Morgenmagazin des ZDF.
Und dazu möchte ich gerne mal ein paar Sätze sagen, was in 140 Zeichen auf Twitter ja nicht so gut geht, wie so manch einer unter euch es ja weiß. ;-)

1. Ich finde es schon sehr lustig, dass man den Anti-Gauck-Leuten vorwift, dass sie in einer Filter-Bubble leben, aber dann selbst z.b. meine Timeline nicht ganz lesen, wie meine Meinung zu Gauck ist. Und hier ist sie noch mal: Bei der Wahl 2010 war ich auch auch für Gauck, er kam mir einfach nicht so vor, als wäre er wie Wulff eine brave Handpuppe der Bundeskanzlerin. Und mir kam auch die hohe Würde des Amtes für Wulff einfach zu früh vor. Naja, heute wissen wir, dass wir Bürger damals die Wahl zwischen Pest und Cholera hatten.

Es kam jetzt so einiges über Wulff heraus, weshalb er zurücktreten musste, dieser Rücktritt kam anders als bei Köhler gar nicht überraschend.

Und ich denke, dass es gut wäre für unser Land, wenn wir uns eingehend mit der Personalie Gauck beschäftigen und ungeklärte Punkte aufklären, denn noch einen Rücktritt eines Bundespräsidenten innerhalb der nächsten 5 Jahren können wir uns nicht leisten.

Ich bin zum Beispiel kein Fan der Bundeskanzlerin, aber ich bewundere sie sehr für die herausragende Eigenschaft, dass sie in diesem Haifischbecken erfolgreich Politik machen kann und nicht zuletzt als Frau dort überleben kann. Ich mag viele ihrer Positionen nicht und ihre Politik halte ich auch nicht für die beste für unser Land. Aber im Live-Gespräch mit ihr kommt sie einem sehr angenehm und aufmerksam vor, weswegen sie wohl den Spitznamen "Mutti" hat.

So halte ich es auch mit Gauck: Ich bin kein Fan seiner Person, halte ihn aber unbestreitbar für einen klugen Kopf, an dem man sich reiben kann und man muss mit seinen Positionen nicht einverstanden sein, man darf sie sogar wie jede andere Position hinterfragen. Nichts anderes habe ich getan.

Die Kandidatur von Gauck halte ich für sehr ideenlos, es hätte viel bessere Alternativen gegeben. Zum Beispiel wäre Hans Jürgen Papier eine sehr tolle Wahl gewesen, wenn es unbedingt ein Mann sein hätten müssen. Hier ist übrigens seine Haltung zur Vorratsdatenspeicherung: http://www.sueddeutsche.de/politik/verfassungsrichter-papier-gegen-die-totalkontrolle-1.4215
Und es gibt auch sehr viele tolle Frauen, die ich gerne im Amt gesehen hätte, eine davon wäre zum Beispiel Anke Domscheit-Berg gewesen.

Und zum Schluss noch: Der Beitrag des Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch dazu ist sehr interessant: http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2012-02-21/der-boese-gauck-und-das-netz

2. Mir wäre es einfach lieber gewesen, wenn ich wegen einer ganz anderen Sache, die uns alle angehen sollte, so groß in den Medien rausgekommen wäre: Barrierefreiheit und Inklusion. In Deutschland steuern wir unbestritten auf einen demographischen Wandel zu, weswegen wir uns sich schon alleine aus diesem Grund für eine barrierefreie und inklusive Gesellschaft entscheiden sollten. Und die tausend andere Gründe dafür muss ich ja nicht erst aufzählen, obwohl ich hier eine endlos lange Liste aufzählen könnte, warum dies notwendig ist. Oder anders gesagt: Es gibt gar keine andere Alternative dazu, diese Entscheidung ist alternativlos.

Ich kann nur an dieser Stelle der Politik zurufen: Kümmert euch endlich darum, denn das geht uns alle etwas an. Richard von Weizsäcker sagte mal: "Nicht behindert zu sein ist wahrscheinlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit wieder genommen werden kann." An dieser Stelle könnte ich ebenfalls meinen Tadel loswerden, dass die Politik in Deutschland in diesen Punkten viele wichtige Jahre verschlafen hat und zum Teil dort immer noch in einem endlosen Winterschlaf liegt und viel darüber erzählen, was da alles so verschlafen wurde. Ich denke, das reicht völlig aus, wenn ich kurz darauf hinweise, dass hier noch ein ungeheuer großer Berg an Arbeit vor der Politik liegt auf diesem Gebiet.

Schon vor Gauck war ich in den Medien mit meinem Anliegen für eine barrierefreie und inklusive Gesellschaft- das immer wieder seit 2010. Dafür bin ich in erster Linie bekannt und dafür werde ich mich auch weiterhin immer wieder einsetzen.

Aber wahrscheinlich komme ich erst dann ganz groß in den Medien heraus, wenn ich mich nackt für Barrierefreiheit ausziehe. ;-)

So, das war es jetzt von mir zum Thema, denn zu Gauck werde ich mich nicht mehr groß äußern, denn es gibt wirklich wichtigere Themen in Deutschland und dazu wird es in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten immer wieder neue Informationen geben, wie es mit meinem Traum von einer barrierefreien und Inklusion in Deutschland aussieht.

Und ganz nebenbei habe ich noch eine Sensation zu verkünden: Bei der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten am 18. März wird zum ersten Mal in Deutschland mit dem gehörlosen Politiker Martin Zierold aus der Berliner Bezirksversamlung ein gehörloser Politiker daran teilnehmen und seine Stimme abgeben! Die Pressemitteilung findet sich hier: http://www.gruene-fraktion-berlin.de/presse/pressemitteilung/gr-ne-fraktion-bestimmt

P.S. Kerstin Probiesch wies mich darauf hin, dass Martin Zierold nicht der erste Gehörlose ist, der daran teilnimmt, aber er ist der erste gehörlose Politiker, der daran teilnimmt. Der erste Gehörlose war der Historiker Dr. Hans-Uwe Feige im Jahr 2004 als Wahlmann der PDS Sachsen, was aber medial total unterging. Auch wurden die Gebärdensprachdolmetscher damals nicht im Fernsehen eingeblendet! Hier die Pressemitteilung dazu: http://www.deutsche-gesellschaft.de/fokus/hans-uwe-feige-waehlte-bei-der-wahl-des-bundespraesidenten-mit

Liebe Fernsehsender: Diese Wahl zum Bundespräsidenten wäre eure Chance, die Gebärdensprachdolmetscher für Martin Zierold die ganze Zeit im Bild zu zeigen sowie für richtig gute Untertitel zu sorgen! Na? Diese Aufgabe sollte euch doch reizen, außerdem würde sie für richtig gute PR sorgen!


Dienstag, 21. Februar 2012

Mein persönliches Highlight 2012

war genau heute vor einem Monat und eigentlich könnte ich noch mehr dazu bloggen, aber die Vorgeschichte ist lang und ich hab wirklich versucht die Langfassung von diesem verrückten Tag zu verbloggen, aber sie gefällt mir gar nicht. :-( Ich komm da so rüber wie ein dummes halberschossenes Reh, weil ich so unsicher war den ganzen Tag auf dem DLD2012 bei der Menge der prominenten Gesichter die ich sah.

Also entschied ich mich für die Kurzfassung, die ich auch schon auf Facebook gepostet habe mit ein paar Zugaben:

Wie ich zum Dinner mit Dorsey kam? Ich sass neben Esther Dyson und sie sagte :"Nice to meet you.". Ich: "Nice to meet you, too. You are a speaker?" Sie erklärte mir dann, wer sie ist und wollte wissen, wer ich bin. Ich sagte ihr dann, wer ich bin und das ich die Hoffnung habe, Jack Dorsey zu treffen, weil ich eine der Twitterstories des Jahres 2011 bin. Daraufhin wollte sie den Link zu meiner Twitterstory wissen und ich gab ihr den Link, woraufhin sie Katie Stanton und Jack Dorsey antwitterte, dass sie neben mir sitzt und meine Geschichte mag und sich ebenfalls auf den Auftritt von Jack freut. Daraufhin twitterte Katie mich öffentlich an: "We would to meet you in Person, Julia!" Ich hatte absolut keine Ahnung, wer Katie war. Ich sah nur in ihrem Profil, dass sie absolut sympahtisch war, in San Francisco arbeitet und Twitter als Arbeitgeber angegeben hat. Ich twitterte zurück, dass ich auch Lust auf ein Treffen hatte und folgte ihr auf Twitter. Daraufhin kam die DM: "would you like to join us for dinner tonight?" Meine Antwort war natürlich: "Yes, it would be a pleasure to join you. :-)" Dann kam die Adresse und der Satz zurück: "We are so excited to meet you. Jack too!" An dem Punkt war ich fast davor von meinem Stuhl zu hüpfen oder eine Hüpfeinlage wie Tom Cruise weiland bei Oprah hinzulegen. Aber ich konnte mich verdammt gut zurückhalten und schrieb nur an meine Freunde: "Dinner with Jack tonight! *ausflipp* Ja und so kam das, dass ich mit Jack Dorsey, Katie Stanton, Nick Bilton, Katharina Borchert, Cyrill Gutsch und noch anderen coolen Leuten ein Dinner hatte. Lustig war noch, dass ich im Laufe des Tages beim Auftritt von Nick Bilton twitterte: "Nick Bilton is very handsome and his voice is nice to hear in my eyes." Später twitterte mich jemand an: "He's sitting next to me and says you look rather nice yourself :)" Ich fragte zurück: "Who said that about me?" Die Antwort war: "Nick did." Und dann seh ich Nick am Abend auch beim Dinner. *lol* Da hab ich schon kurz nach Luft geschnappt.

Irgendwann kurz am Abend konnte ich es immer noch nicht glauben, was da abgeht und dmte Katie noch mal sicherheitshalber an: "Katie, is @jack really attending our dinner tonight?" Hätte ja sein können, dass es ein Missverständnis war, denn schließlich war ja auch noch ein Speaker&Chairmann Dinner am Sonntagabend, glaub ich. Und dann die Antwort, dass er wirklich dabei ist - da hab ich es so langsam geglaubt. Aber richtig erst, als Jack und ich miteinander anstiessen, dass das alles wirklich passiert! Und es war schön herauszufinden, dass Jack wirklich so ist, wie er in Interviews rüberkommt: Er sprüht nur so vor Intelligenz, kann über sich selbst lachen und ruht sehr in sich.

So war das. Das war mein Highlight des DLD2012 in aller Kürze erzählt. Und auf den gemeinsamen Fotos seh ich einfach doof aus, weil das Licht sehr ungünstig war, aber viel wichtiger ist ja, dass die Hauptperson gut aussieht!

Ich hatte einen sehr schönen Abend mit Jack, Katie Stanton, Katharina Borchert, Nick Bilton, Cyrill Gutsch. David Kirkpatrick war übrigens auch dabei, wenn ich mich richtig erinnere und zwei andere Leute, an deren Namen ich mich leider nicht mehr erinnere. :-(

Das Foto hier hat Katie Stanton geschossen - ich hatte übrigens keine Ahnung, wer Katie ist und wie sehr sie maßgeblich sie an Obamas Wahlsiegt 2008 beteiligt war: http://meinaugenschmaus.blogspot.com/2012/02/mein-personliches-highlight-2012.html
Wow, oder? :-)

Und hier das Foto von meinem Blackberry:


P.S. Es war übrigens sehr lustig, neben Hubert Burda bei Jacks Auftritt zu sitzen, welcher mich dann wohl eine Weile dabei beobachtete, wie ich meine Augen kaum von seinen Lippen lösen konnte, weil ich so erstaunt darüber war, dass ich wirklich genau ihm gegenüber sitze. Hubert Burda musste mich wohl eine Weile beobachtet haben, denn er schrieb auf einen Zettel: "Can you follow?" und reichte ihn mir. Ich lächelte Herrn Burda an und schrieb zurück: "Yes, but sometimes it's.......oh wait.. Ich kann ja auch Deutsch.." Daraufhin schlich sich ein breites Grinsen auf das Gesicht von Herrn Burda und er sagte zu mir: "Wenn du was brauchst, du kannst immer zu mir kommen, ich bin die ganze Zeit hier." Das fand ich ungeheuer nett von ihm, wofür ich mich dann auch bedankt habe.

Hier ist das Video von Jack's Auftritt und man sieht am Anfang, wie Hubert Burda sich neben mir Platz nimmt und ab der 5. Minute sieht man mich noch mal und gegen Schluss auch nochmal: http://www.youtube.com/watch?v=Yj6rLZhE92I

Donnerstag, 16. Februar 2012

Gehörlos und Soldat - Teil 2

Im September 2011 habe ich über den gehörlosen Amerikaner Keith Nolan berichtet, der unbedingt seinem Land dienen wollte und sich über ein Programm zum Militär gemogelt hat, was ihn genau dorthin brachte, wohin er wollte: Er wurde Soldat.

Doch er musste seine Uniform abgeben, da der medizinische Dienst ihn beim Übergang in den offiziellen Militärdienst automatisch durchfallen lässt aufgrund seiner Gehörlosigkeit, obwohl er gute Noten erlangte beim militärischen Programm und sich den Respekt seiner Mitsoldaten und Vorgesetzten erwarb durch seine Hartnäckigkeit. Aktuell kämpft er weiterhin um die offizielle Aufnahme beim Militär durch die Veränderung der betreffenden Vorschrift des medizinischen Dienstes.

Hier findet sich der ganze Blog-Bericht zu Keith Nolan inklusive sehenswertem TED-Talk und Facebook-Seite: Gehörlos und Soldat?

Heute stieß ich auf einen interessanten Bericht übe das israelische Militär, von dem Keith Nolan auch in seinem TED-Talk erzählt: Zum israelischen Militärdienst werden selbstverständlich auch Gehörlose herangezogen, sie müssen dort genau wie Hörende den Wehrdienst absolvieren, außer man heiratet schnell wie es das israelische Supermodel Bar Rafaeli gemacht hat. ;-)

Derzeit dienen im israelischen Militär etwas mehr wie 100 Gehörlose, so dass die israelische Armee nun einen Gebärdensprachkurs eingerichtet hat, um die Kommunikation zwischen den Soldaten untereinander zu verbessern, was auf ungeheurer großes Interesse stieß unter den Soldaten. Auch wird davon berichtet, dass viele Soldaten, die in den Regionen Judäa und Samaria dienen, an dem Kurs teilzunehmen wollen, um nach dem Kurs besser mit gehörlosen Palästinensern kommunizieren zu können! Friedensgespräche ohne Worte. ;-)

Aber auch sei es für die Soldaten bereichernd in eine andere Welt abzutauchen und zu überlegen, wie man die Lebensbedingungen gehörloser Menschen in Israel verbessern könne.


Hier ist noch ein anderer Blogbericht vom Mai 2011 über die gemischte Gehörlosenschule in Israel, wo gehörlose Christen, Palästinenser, israelische Araber und Juden gemeinsam in eine Schule gehen und gemeinsam die Gebärdensprache lernen:

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen! :-)


Mittwoch, 15. Februar 2012

Hinweis auf ein Blog einer Freundin

Meine Freundin Steffie, die ebenfalls gehörlos ist und unter @BambiStef nun auch seit einer kleinen Weile twittert, hat jetzt auch ein Blog, wo sie ihren Alltag als gehörlose Mutter einer hörenden Tochter beschreibt.

Dieses Blog will ich euch einfach mal ans Herz legen, da sie auch bald erklären wird, wie gehörlose Müttter oder Väter das Schreien ihrer Kinder in der Nacht bemerken. ;-) Ich könnte es auch selbst erklären, aber dieses Themenfeld überlasse ich doch lieber Steffie! :-)

Montag, 13. Februar 2012

Bloggermädchen 2011

Ich habe doch glatt ganz vergessen zu erzählen, dass ich mich nun mit einem weiteren Titel schmücken darf, denn die Wahl zum Bloggermädchen 2011 habe ich doch glatt gewonnen, was auch genauso eine Überraschung für mich war wie die letzten Auszeichnungen der letzten Monate.

Hier geht's zum Wahlergebnis der Mädchenmannschaft: http://maedchenmannschaft.net/das-bloggermaedchen-des-jahres-2011/

Ich bin also neben eine der Top Ten Twiterstorys des Jahres 2011 und Bloggerin des Jahres 2011 nun auch das Bloggermädchen 2011. :-)

2012 fängt toll an für mich, oder?

Vielen lieben Dank noch mal an alle, die für mich gestimmt haben bei der Wahl! :-)

Samstag, 11. Februar 2012

Mein Bericht zur Bionik - Teil 2

Nun ja, da musste ich dann nun knapp 4 Wochen nach der Operation nach Bissendorf bei Osnabrück fahren zur Rehabilitation, was immer jeweils 1 Woche dauerte.

Die erste Fahrt dorthin stand ganz im Zeichen der Erstanpassung, denn ich bekam damals im November 1994, kurz nach meinem 13. Geburtstag das Cochlear Implantat erstmals hinters Ohr.

Damals war das Cochlear Implantat noch ein etwas größeres Modell wie die heutigen Smartphones, von der Form und der Dicke am ehesten noch vergleichbar mit einem Blackberry und das lange Kabel musste ich mir unter dem Pulli bis ans Ohr führen, um dann den Sprachprozessor am Ohr aufzusetzen. Kein Wunder, dass ich diese Handhabung gehasst habe, weil ich den Sprachprozessor quasi nun immer am Gürtel tragen musste - diese Prozedur erinnerte mich an mein allererstes Hörgerät, das noch viel unförmiger war und etwa so groß war wie eine Teekanne und vor meinem Bauch herumbaumelte und von dort gingen zwei Kabeln ab zu meinen Ohren, wo dann das Hörgerät dranhing. Und ich war eben ein sehr aktives und lebhaftes Kind und riss mir mit schönster Regelmäßigkeit die Kabel ab von den Ohren und kümmerte mich nicht weiter darum, weshalb man es auch aufgab, es mir umzubinden. *g* Kurze Zeit später bekam ich meine ersten Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte als Kleinkind und von da an war dieses Problem gelöst.

Nun war ich aber 13 Jahre und konnte mir das aber nicht mehr erlauben, aber davon später, wie ich rebelliert habe.

Nun ja, da war nun die Klappe des Sprachprozessors offen, ein Adapter eingeklinkt, welcher dann mit dem Einstellungs-Computer verbunden war und der Computer sozusagen über das Kabel mit meinem Implantat im Kopf. Genauer gesagt: Mit meinem Hirn während der Justierung, wenn man das ganz präzise ausdrücken will. Nach dem Ende der Justierung wurde natürlich das Kabel entfernt und die Klappe geschlossen. ;-)

Die erste Einstellung war, dass ich die Töne, die ich so hörte, einstufen sollte in "leise", "mittel" und "laut". Ich hab dann also schön brav die Bauklötze auf die Einstufungen gelegt. Und näherte mich immer mehr den lauteren Tönen, die sich aber angenehm für mich angefühlten, also nicht unangenehm. Dann kam plötzlich ein sehr greller und lauter Ton, so dass ich vor Schreck zusammengezuckt bin und angefangen hab zu heulen. Da hat man mir natürlich sofort den lauten Ton abgedreht und heruntergeregelt und man entließ mich in die "hörende" Welt. Ich komme also da raus aus dem Einstellungszimmer und höre zum ersten Mal so richtig so ziemlich alles. Das Schnappen der Türe, das Quietschen meiner Fußsohlen auf den Dielen und diese ganzen scheppernden, knarzenden Stimmen.

In dem Haus der Rehabilitation waren wir mit verschiedenen Familien und Kindern im verschiedenen Alter untergebracht. Und es waren Kleinkinder im Alter von ca. 4-6 da, die sehr ungezogen waren und ständig herumgebrüllt und geschrien haben, was mich natürlich an den Rande des Wahnsinns gebracht hat. Ich brüllte dann auch zurück: "Sapperlot, könnt ihr mal eure Klappe halten und 5 MINUTEN einfach nur spielen?" Daraufhin haben die verzogenen Balgen (sorry - es waren wirklich Balgen) noch mehr rumgebrüllt, weil sie endlich genügend Aufmerksamkeit erhalten haben. Und ich schaltete dann mein CI einfach ab - einfach den "Off"-Schalter gedrückt. Und schon war ich offline. AAAAH, welche Wohltat!

Dann kam meine Mutter und sagte, dass ich laut dem Plan jetzt zur Logopädin musste. Ich bin aufgestanden und brav zum Zimmer der Logopädin gegangen. Im Zimmer habe ich dann mit der Logopädin gesprochen, der es zuerst gar nicht auffiel, das ich auf "offline" war, weil ich eben so gut von den Lippen ablesen konnte. Dann wollte sie mit mir "Hörübungen" machen und ich musste es einschalten, was sie natürlich mitbekommen hat und mit mir schimpfte:"Du kannst das nicht ausschalten, du musst den ganzen Tag mit eingeschaltetem Sprachprozessor rumlaufen, damit den Gehirn sich daran gewöhnt und anfängt zu lernen." Ich hab ihr dann das mit den kleinen Kindern erklärt und sie war halb überzeugt, aber auch der Meinung, dass es keine Ausnahmen gibt.

Dann musste ich mir so Hörübungen anhören, wo da mir so Geräusche vorgespielt worden sind wie "Türklingeln", "laufendes Wasser" und so Sachen. Natürlich konnte ich den Klangbrei noch gar nicht auseinander halten...

Und so verging diese Woche dort - jeden Tag irgendwelche Hörübungen bei abwechslenden Logopäden, ein wenig Sport und so Zeugs. Und da würde mir in Zukunft die nächsten Jahre bevorstehen - alle 2 Monate rauf nach Bissendorf, wo mir das Cochlear Implantat immer wieder neu justiert wird, um möglichst schnell Fortschritte vorzeigen zu könne, was natürlich auch bedeutete, dass ich alle 2 Monate 1 Woche in der Schule fehlen würde.

Aber das war noch nicht alles, was mir nun blühte: 1 x Woche hatte ich nun Hörtraining bei einem Logopäden und zusätzlich auch in der Schule Hörtraining bei dem berüchtigt-berühmten Rektor meiner Schule, der mir später mal einen Verweis verpassen würde, weil ich es doch glatt gewagt habe, ihm widerzusprechen, was ein absolutes Tabu darstellte...

Jedenfalls fand ich so immer mal wieder Mittel und Wege, um mich aus der "hörenden" Welt auszuklingen. Ich schaltete es einfach gar nicht an und kam damit ganz gut klar, weil eben meine Ablesefähigkeit eben auf diesem enorm hohen Level war. Irgendwann wurde dann meine Mutter mißtrauisch, weil ich zuviele volle Batterien, die nicht (wieder) aufgeladen werden mussten nach Hause brachte am Wochenende und man kam mir auf die Schliche. Jedenfalls wies sie dann die Erzieher im Internat und die Lehrer in der Schule an, dass man doch bitte kontrolliere, ob der Sprachprozessor auch wirklich eingeschaltet war. Der Bitte kam man natürlich gerne nach...

Zur der Zeit waren meine Haare leider noch nicht lang genug nach der Vollrasur, ich trug nämlich das Haar kurz nach der OP wie Sinead O'Connor, was mir von allen Seiten das Kompliment einbrachte, dass ich wirklich eine schöne Kopfform hätte. ;-)

Ich hatte also nicht wirklich keine Mittel mehr, um mir irgendwelche Auszeiten vom Hören zu gönnen und hatte dann im Kunstunterricht dann wirklich ein absolutes tränenreiches Gespräch mit meiner Kunstlehrerin unter 4 Augen, der ich die Frage stellte: "Muss ich wirklich alle 6 Sinne haben, um ein vollwertiger Mensch zu sein?" Diese Episode wird hier kurz erzählt:


Und Teil 3 folgt auch bald - auf den werdet ihr nicht so lange warten müssen. Ich hatte die letzten Wochen wirklich nicht so Schreiblust für mein Blog.