Mittwoch, 18. Januar 2012

Zu sehen und hören...

war ich mal wieder im Fernsehen, diesmal auf RegioTV Schwaben. Ich hab auch erst gestern NACH der Ausstrahlung auf Twitter erfahren, dass es schon gesendet wurde. Ich war auf dem Stand, dass es erst am Donnerstag oder am Freitag kommt.

Hier geht's zum Video: http://www.regio-tv.de/video/176344.html Es ist mit Untertitel!

Und heute Abend kann man meine Stimme zwischen 18 und 19 Uhr auf Radio 7 hören!

Ihr könnt euch also meine Stimme anhören. :-)

Montag, 16. Januar 2012

Kommt der barrierefreie Notruf per SMS bald in Deutschland und ganz Europa?

Am Sonntagabend habe ich erfahren, dass eine sehr liebe gehörlose Freundin von mir von ihrem Ehemann krankenhausreif verprügelt worden ist. Der Vorfall ist inzwischen auch schon in der Zeitung nachzulesen:


Nun, was machen die meisten Leute, die in einer Notlage sind? Richtig, sie betätigen die Notruf-Nummer und Hilfe kommt umgehend. Was aber, wenn du gehörlos oder schwerhörig bist? In Deutschland gibt es bisher nur den Notfall-Fax, der wie folgt funktioniert: Du druckst dir den Vordruck mit mit den Piktogrammen aus und kreuzt an, was passiert ist und welche Art von Hilfe du genau brauchst und sendest das Fax an die Notfall-Faxnummer, was sehr umständlich ist, da ja du optimalerweise schon im Voraus den Vordruck ausgedruckt haben solltest für einen möglichen Notruf und außerdem ein Faxgerät. Früher hatten so gut wie all Gehörlose ein Faxgerät, was aber heute nicht mehr so die Norm ist durch das Smartphone.. Und wer hat schon bei einer Autopanne ein Faxgerät dabei? ;-)

In Deutschland gibt es bisher nur in den Städten Köln und Berlin sowie im Bundesland Brandenburg einen SMS-Notruf, aber das war's an barrierefreiem Zugang zum Notruf.

Nun gibt's aber wie gesagt in Deutschland keinen bundesweit verfügbaren Zugang zum barrierefreien Notruf. Im Fall meiner Freundin kam die Hilfe so zustande: Gehörlose Freunde von ihr haben sich Sorgen gemacht und sie im krankenhausreifen Zustand vorgefunden und es war klar, dass sie ins Krankenhaus gehört, weshalb die eine gehörlose Freundin ihren hörenden Ehemann informierte, der dann die Polizei anrief.

Ergo: Du bist in Deutschland am Arsch, wenn du gehörlos/schwerhörig bist und in einer Notlage bist, denn das Notfallfax ist wie bereits geschildert sehr umständlich.

Jedenfalls hat mich der Fall sehr mitgenommen, obwohl es mir schon seit längerem klar war, dass es keinen flächendeckenden barrierefreien Zugang per SMS zum Notruf in Deutschland gibt, aber ich habe mich noch am Sonntagabend mit einigen anderen engagierten Leuten daran gemacht eine Petition an den Bundestag aufzusetzen, die aber noch nicht ganz fertig ist, die Feinheiten werden noch glattgebügelt.

Nebenbei tweetete ich einen Appell an den Regierungssprecher Herrn Seibert, dass die Bundesregierung endlich einen bundesweiten barrierfreien Notruf per SMS für Gehörlose und Schwerhörige einrichtet, denn in Österreich sei dieser bereits schon verfügbar!

Jedenfalls reagierte Herr Seibert dann umgehend sehr schnell auf Twitter, indem er das hier schrieb: ".@anked @EinAugenschmaus Ich gebe zu, dass mir die Idee neu ist, ich werde mich danach erkundigen". Link zum Tweet: https://twitter.com/#!/RegSprecher/status/158855785177288704

Ich bedankte mich dann bei Herrn Seibert mit diesem Tweet: "Super, danke für diese Rückmeldung. Wir bereiten dazu gerade eine Petition vor. @RegSprecher #SMSNotruf für #Gehörlose" Link zum Tweet: https://twitter.com/#!/EinAugenschmaus/status/158856592316575744

Und heute morgen erreichte mich dieser Tweet vom Regierungssprecher: ".Ein @EinAugenschmaus Bundesregierung ist für barrierenfreien Zugang zum Notruf. Die Innenministerkonferenz hat Arbeitsgruppe Notruf eingesetzt." Link zum Tweet:

Sehr schön, dass der Regierungssprecher samt der Bundesregierung so schnell reagiert haben, aber das ist nicht allein mein Verdienst, sondern zu 90% der Verdienst von Dr. Ádám Kósa, dem einzigen gehörlosen Abgeordneten im Europaparlament und dem europäischen Gehörlosenverband, denn die beiden brachten im August 2011 in Zusammenarbeit mit einem anderen hörenden Politiker im Parlament eine schriftliche Erklärung zur Notwendigkeit eines barrierenfreien Zugang zum Notruf auf den Weg im Parlament. Im Video erklärt Ádám Kósa auch, dass nach der schriftlichen Erklärung die Europäische Kommission & mal 6 Monate Zeit hat, zu erklären, was sie in der Sache als nächstes unternimmt. Diese 6 monatige Wartezeit läuft jetzt nun im Februar 2012 ab.

Hier kann man sich das Video angucken: Schriftliche Notwendigkeit zum barrierefreien Notruf

Vielleicht kommt die deutsche Bundesregierung ja der Erklärung der Europäischen Kommission zuvor und der Notruf wird noch im ersten Halbjahr von 2012 in ganz Deutschland barrierefrei verfügbar sein? *träum*

Möglicherweise war mein Appell nun der überfällige Stich, der die Innenminister in Bewegung gesetzt hat oder es ist ein sich überlappender Zufall, ich weiß es nicht - aber grandios, dass da jetzt nun endlich was passiert!

Und: Der barrierefreie Notruf per SMS hat übrigens AUCH für Hörende bzw. Nichtbehinderte einen unschlagbaren Vorteil: Stellen Sie sich einfach mal vor, sie sind in einer Notlage und können nicht offen sprechen bzw. telefonisch um Hilfe rufen. In so einem Fall wäre es doch super, wenn man einfach im Stillen eine SMS schicken könnte an eine Notruf-SMS-Nummer.

Ich bin gespannt, was da noch weiter passiert! :-) Mein Dank geht jedenfalls an Herrn Seibert, der so schnell reagiert hat und auch einiges in Bewegung gesetzt hat innerhalb der Regierung!

P.S. Außer in Österreich ist der SMS-Notruf bereits in den USA und in England verfügbar. Wie es in anderen Ländern in Europa aussieht, weiß ich nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass die nordischen Länder das ebenfalls schon haben.

Hier der Link zum englischen Notruf per SMS: http://www.emergencysms.org.uk/

Nachtrag von 11:48 Uhr: In Irland startet heute der SMS-Notruf: http://www.irishtimes.com/newspaper/breaking/2012/0113/breaking35.html Übrigens mit der europaweiten Notruf-Nummer 112!

Montag, 9. Januar 2012

Nach Bloggerin des Jahres 2011 nun auch Bloggermädchen des Jahres 2011?


Gut möglich, denn mich hat grad die Nachricht erreicht, dass mein Blog drüben bei Mädchenmannschaft, einem total lesenswerten Portal über Themen, die nicht nur Frauen betreffen, zur Abstimmung steht.

Und man darf auch dafür Werbung machen und auf die Abstimmung hinweisen, also wer will, der kann da für mich voten, was natürlich kein Muss ist! :-)

Ich bin gespannt, wie diese Wahl ausgehen wird und drücke mir und allen anderen Mitnominierten die Daumen!


<3-lichen Dank für jede abgegebene Stimme im Voraus!


Sonntag, 8. Januar 2012

Der Vorbericht zu meinem Standpunkt zur Bionik

Gestern Abend sah ich mir mit einer gehörlosen Freundin und ihrem hörenden Ehemann den Film "The Ides of March" an - das Date mit George Clooney und Ryan Gosling war barrierefrei, denn der Film wurde auf OMU (Original mit Untertitel) gezeigt.

Auf Twitter schrieb ich dann dazu, dass der Film toll ist und ich mich nicht entscheiden kann, wen ich sexier finde: Georges Lippen oder Ryans Augen.

Am Ende des Films liess ich dann verlauten, dass die echte Stimme von George-Boy ja so unverschämt sexy ist. Kurz darauf fiel mir dann ein, dass man mich ja für ein Fake halten könnte, weil ich als Gehörlose meiner Timeline vorschwärme, wie sexy die Stimme ist. Neulich hat man mich ja auch für ein Fake gehalten, weil ich das Wort "hören" im Bezug auf mich selbst verwendet habe - übrigens völlig zu recht, wie ich finde. Den Blogeintrag dazu findet man hier: Was man halt so sagt - Teil 2 Extrem zusammengefasst: Warum soll ich nicht auch ein Wort wie jeder andere auch verwenden dürfen, auch wenn ich biologisch gesehen dazu nicht in der Lage bin?

Meine Erklärung zur der sexy Stimme von George war dann, dass ich ein Cochlear Implantat habe und damit hören kann. Und mir war klar, dass für die "Hörenden" "hören" gleichgesetzt wird mit "verstehen.", denn ich wurde dann gefragt, warum ich dann Untertitel brauche bzw. für Untertitel bin, wenn ich doch ein Cochlear Implantat habe? Aber dazu gleich mehr.

Daraus hat sich dann eine Diskussion auf Twitter entwickelt über das Cochlear Implantat für Gehörlose und die ganze Bionik drumherum.

Die Szene des Filmes beginnt übrigens damit, dass Ryan eine Mikroprobe für George macht: "Ich bin kein Christ, kein Jude, kein Moslem. Ich bin nicht besonders gläubig. Meine Religion ist die Verfassung von Amerika. Daran glaube ich!" (Das ist jetzt nicht wortwörtlich zitiert, aber so in etwa ging der Satz.)
Und gestern Abend um Mitternacht entspann sich auf Twitter eine Diskussion mit Enno Park, @ennomane, der als frisch beidseitiger Versorgter mit dem Cochlear Implantat natürlich vollstens dahinter steht und die Bionik für unverzichtbar hält.

Und ich denke, dass ich als Cyborg selbst ganz gut über die Bionik informieren kann, was Gehörlose und Schwerhörige betrifft, denn ich habe selbst ein Cochlear Implantat, was bedeutet, dass ich da einfach weiß wovon ich rede und die beiden Seiten der Medaille am eigenen Leib kenne.

Ich war 11, als meine Familie von den Möglichkeiten des Cochlear Implantats erfahren hat und wir zur Voruntersuchung nach Hannover fuhren. An die lange Autofahrt im Peugeot meiner Tante kann ich mich noch erinnern, denn mit meiner mickerigen Körpergröße, von der ich heute nur ein paar mickerigen cm mehr habe, passte ich genau auf die Rückbank des Peugeots und konnte dort ausgestreckt schlafen. Irgendwann vor Hannover bemerkte meine Tante, dass ich im Schlaf laut gelacht habe. Etwas, was heute noch sehr typisch ist für mich - ich lache oder rede oft im Schlaf.

Dann bei der Visite saß ich da umgeben von diversen Professoren, auch vom besagten Dr. Lenarz und er stellte mir die Frage: "Kannst du dir vorstellen, ein Cochlear Implantat zu kriegen und damit hören zu können?" Mit meiner teenagerhaften Lässigkeit sagte ich also: "Eventuell schon." Und damit löste ich Fassungslosigkeit aus bei ihm: "Also, das ist erstaunlich. Ich habe noch nie von einer Gehörlose "eventuell schon" gehört." Er wendete sich an meine Mutter: "Sie ist wirklich von Geburt an gehörlos?" Bumm - da war es passiert, etwas was ich noch sehr oft in meinem Leben erleben würde, nämlich, dass man über mich redet, als wäre ich gar nicht mit dabei im Raum. Die Frage hätte er mir selbst auch ruhig stellen können, finde ich und nicht über meinen Kopf hinweg. Die Bestätigung kam von meiner Mutter. "Und woher kennt sie solche Fremdwörter, die ja unüblich für Gehörlose sind?" Ich meldete mich zu Wort: "Ich lese viel." "Ach, was liest du denn so?" "Bin grad fertig geworden mit "Sophies Welt" von Joostein Gaarder." "So ein dickes Buch liest du?" "Ja, warum sollte ich kein dickes Buch lesen? Es ist doch völlig wurscht, ob ein Buch dick oder dünn ist - die Geschichte muss gut sein."

Nun ja, ich hinterließ also Eindruck da bei der versammelten Ärzteschaft, die wiederum aber gar keinen bei mir. Das war dann irgendwann im April 1993. Ich erinnere mich noch gut an eine junge Mutter namens Pia und ihrem ungefähr 4 Jahre alten gehörlosen Sohn Niklas, die dann auch bei der Voruntersuchung waren und mit uns auf dem Zimmer waren. Soviel ich weiß, wurde er ziemlich schnell nach der erfolgreichen Voruntersuchung implantiert - vom Hörerfolg damit weiß ich nichts. Aber wahrscheinlich ganz gut, denn er war, wenn mein Gedächtnis mich nicht trügt, nicht von Geburt an gehörlos, sondern hat Mumps oder Masern gehabt und ertaubte daran.

Ich liess mir aber noch Zeit mit allem - wie gesagt, ich war völlig unbeeindruckt von der Vorstellung hören zu können, weil es mir damals wie heute nichts bedeutet, obwohl ich in der hörenden Welt aufgewachsen bin und zur dieser Zeit erst seit 2 Jahre in eine Schwerhörigenschule ging. Die Umstellung auf die Schwerhörigenschule war für mich ein kleiner Kulturschock aufgrund der Tatsache, dass die Klassen so klein waren, es waren nur 12 Kinder in einer Klasse und ich war aber an meine 32 Mitschüler gewohnt, was ich auch meiner Mutter vorjammerte: "Die Klasse ist so klein, das ist keine echte Schule." "Du wirst dich noch daran gewöhnen. Es ist schön hier." Das stimmte wirklich, denn die Schwerhörigenschule in München-Johanneskirchen war damals ein ganz neuer Bau und sieht heute noch ganz modern aus. Viel Glas, viel Licht.

Hier kann man übrigens den Blogeintrag nachlesen, wie das war mit meiner Inklusion in der normalen Grundschule: Der Monitorbericht und meine Gedanken dazu

Es folgen lange Diskussionen innerhalb der Familie und Diskussionen mit mir über das Cochlear Implantat und mir blieb diese ganze Aufregung in der Familie drumherum sehr fremd, die Wichtigkeit der Hörfähigkeit war sowas von weit weg von mir, denn für mich war meine Gehörlosigkeit nichts, was für mich wichtig war. Und ich sträubte mich gegen die Operation: "Nee, warum soll ich mich operieren lassen? Mir geht's gut so wie ich bin." Und steckte dann die Nase in ein Buch und damit war für mich die Diskussion beendet. Nicht aber für meine Familie. Einmal flüchtete ich mit einem Buch vor dieser Diskussion ins Büro von meinem Opa und schob den Ledersessel ans Fenster, damit ich meine Beine auf das Fensterbrett legen konnte und mich weit im Ledersessel zurücklehnen konnte zum entspannten Lesen. Doch die himmlische Ruhe währte nicht lange, denn der Ledersessel wurde um 180 Grad gedreht und ich blickte ins Gesicht meiner Tante, die mir sagte: "Ich verstehe dich nicht. Du hast diese Chance und du ergreifst sie nicht." "Ich will mich nicht operieren lassen, okay?" Kaum hatte ich diesen Satz ausgesprochen, standen auch schon die anderen Tanten im Raum und auf ihren Gesichten war "WARUM?" zu lesen.

"Nun, wenn ich im Rollstuhl sitzen würde und es gäbe eine Operation durch die ich wieder laufen könnte, dann würde ich das machen!" Ich entgegnete scharf: "Das kannst du nicht damit vergleichen." "Warum nicht?" "Laufen ist ein Automatismus. Du übst die Schritte so lange, bis du es kannst und dann läuft selbst ab. Aber Hören ist viel komplizierter." "Aber du könntest dann etwas, was du davor nicht konntest." "Wer sagt das, das ich das können werde?" "Die Ärzte." "Und weil sie das sagen, wird es so sein?" "Wenn du dich operieren lässt, ja.".

Ich steckte mit dem Buch grad in einem sehr spannenden Kapitel fest und ahnte, dass ich keine Ruhe zum Lesen haben würde, wenn ich weiterhin "Nein!" sagen würde und sagte "Ich denke darüber nach. Kann ich jetzt weiterlesen?" Das wurde mir dann gewährt und ich konnte mein Buch zu Ende lesen.

Wie es dann doch dazu kam, dass ich am 07.Oktober 1994 implantiert wurde? Nun, das ist eine Sache zwischen mir und meiner Familie, die in der Familie bleibt und es war nicht meine freie Entscheidung, sondern ich wurde dazu überredet. Womit - Familiensache.

Der Druck da ist der Wahnsinn gewesen. Und das ist das, womit Deutschland ein Problem hat - Gehörlosigkeit oder andere Formen der Behinderung werden als Makel angesehen und man versucht sie durch die Bionik auszurotten, anstatt Barrierefreiheit für und gleiche Bildungspolitik für Gehörlose und andere Formen der Behinderung auf den Weg zu bringen.

Und ich bin nicht besonders gläubig. Ich bin weder Christ, Moslem oder Jude. Das einzige, woran ich glaube ist, ist ein Stück Papier und das ist die UN-Behindertenrechtskonvention und die darin beschriebene Barrierefreiheit und Inklusion. Ich glaube an die Bereicherung durch eine lebendige Vielfalt durch eine barrierefreie und inklusive Gesellschaft.

Das wäre das, was ich sagen würde, wenn ich für ein politisches Amt kandidieren würde, denn das ist meine Überzeugung aus tiefstem Herzen.

Und ich bin nicht gegen Bionik, nur gegen den Zwang zum perfekten Menschen, denn diese Haltung ist diskriminierend, denn warum MUSS ich alle 6 Sinne haben, um ein vollwertiger Mensch zu sein und den gleichwertigen Zugang zur Gesellschaft zu haben?

Nun, das war mein Vorbericht zur Bionik. Der Rest folgt morgen.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Ein Lob an die Bundesregierung!

Heute morgen sah ich den Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert, dass man den Internetauftritt der Bundesregierung überarbeitet habe und da schoss mir sofort der Gedanke durch den Kopf: "Ob die auch an Barrierefreiheit gedacht haben?"

Und wurde positiv überrascht, auch wenn ich neben dem lachenden Augen noch ein weinendes Auge vorzuweisen habe, aber es ist ein großartiger erster Schritt für mehr Barrierefreiheit für Gehörlose auf Seiten der Bundesregierung.

(Bildbeschreibung für meine blinden Leser: Hier ist der Screeshot des neuen Internetauftritts der Bundesregierung zusehen, ganz oben rechts sieht der Menüpunkt so aus: English | Francais Impresseum "Gebärdensprache" neben Englisch | Französisch| Impresseum | Kontakt | Das Händesymbol und "Gebärdensprache"| Leichte Sprache")

Die Bundesregierung hat nämlich vermehrt auf Gebärdensprachvideos geachtet und erklärt in den Videos das Bundespresseamt und die Arbeit dessen und stellt das Bundeskanzleramt vor. Als besonderes Schmankerl ist die Neujahrsansprache von Merkel, welche mit Gebärdensprachdolmetscherin auf Phoenix ausgestrahlt worden ist, ebenfalls auch verfügbar.

Das weinende Auge mit dem ich auf die Gebärdensprachvideos der Bundesregierung blicke, ist der schon so oft bemängelte Fakt, dass die Gebärdensprachvideos ohne Untertitel sind, was in meinen Augen gar nicht geht.

Die Gebärdensprachvideos ohne Untertitel wollen barrierefrei sein und sind es doch nicht für Schwerhörige und Gehörlose ohne perfekte Gebärdensprachkenntnisse.

Hier unten sind die Blogposts dazu, wo ich bereits im Dezember 2009 den Arbeitsaufwand des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales kritisiere, weil sie die Gebärdensprachvideos ohne Untertitel produziert haben. Daran hat sich bis heute nichts geändert und leider folgt man diesem Beispiel, dass man immer das eine realisiert anstatt beides zusammen: Gebärdensprache UND Untertitel!



Die Bundesregierung hat die Videos in Zusammenarbeit mit Vibelle erstellt und wenn ich mich auf dieser Seite mal so rumblicke, dann stelle ich eins fest: Über die Hälfte Gebärdensprachvideos dort haben Untertitel! Ja, warum wurden dann bei den Gebärdensprachvideos der Bundesregierung dann ebenfalls NICHT an Untertitel gedacht? Ist mir ein Rätsel, ehrlich gesagt. Und auch, warum nicht alle Videos von Vibelle mit Untertitel sind als gutes Beispiel für alle.

Interessanterweise treten das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das RWTH Aachen und das Fraunhofer Institut als Unterstützer auf für Vibelle, aber das Interessanteste an der Seite ist der Menüpunkt: "Für Hörende". Dort wird so einiges erklärt, auch die Begriffe wie "Gehörlos, Schwerhörig, taubstumm." Die Videos dort sind mit Untertitel, wobei bei einem die Untertitel fehlen.


Mein Wunsch für 2012: Gebärdensprachvideos werden in Zukunft immer mit Untertitel mit sein, damit auch Gehörlose ohne perfekte Gebärdensprachkenntnisse und Schwerhörige etwas von den Videos haben. Wir Gehörlosen und Schwerhörige - Betroffene in dieser Richtung, wir sitzen doch alle im gleichen Boot und haben die gleichen Wünsche, was die Barrierefreiheit angeht und wir sollten wirklich auch immer beide Lösungen gleichzeitig anbieten! Barrierefreiheit bedeutet einfach, dass man für alle zugänglich ist.

Nebenbei profitieren auch Hörende von den Untertitel in den Videos, die Interesse an der Gebärdensprache haben und diese lernen möchten. Von hochwertigen 1:1-Untertitel im deutschen Fernsehen profitieren übrigens auch Ausländer, die Deutsch lernen möchten.

Für mich selber bleibt das Statement: Ich werde auch in Zukunft weiterhin bei Vorträgen mit Gebärdensprachdolmetscher/in auftreten. Und bei Fernsehauftritten die Verpflichtung eingehen, dass der Beitrag über mich mit Untertitel sein wird und falls ich in einer Talkshow sitze, wird natürlich eine Gebärdensprachdolmetscher/in mit dabei sein.

Ich hatte an Weihnachten einen Radioauftritt im Deutschlandradio Wissen, wo ich mich aber nicht getraut habe zu reden, weil ich viel zu nervös war. Aber dennoch fanden alle den Aufritt hochinteressant, weil man das Tastengeklimpere von mir gehört hat und der Moderator hat meine Antworten vorgelesen. Demnächst werde ich vielleicht einen Radioauftritt haben, aber diesmal direkt im Studio, was nichts anderes bedeutet, dass ich zwar hin und wieder einige Sätze sagen werde, aber ansonsten wird meine Gebärdensprachdolmetscher/in mir ihre Stimme "leihen", mich einfach "voicen."

ICH kann ja nicht für BARRIEREFREIHEIT sein und sie einfordern, aber SELBST nicht barrierefrei sein, denn damit schieße ich mir selbst und der Sache doch komplett ins Knie, denn um verstanden zu werden, muss man alle Menschen erreichen. Und es auch wollen.

Und das möchte ich. Ich möchte für alle erreichbar und verständlich sein.

Gut, dass die Bundesregierung die ersten Schritte dazu gegangen ist! :-) Der YouTube-Kanal wird bestimmt irgendwann bald komplett mit Untertitel sein, denn dort kann man wirklich ganz babyleicht Untertitel erstelle und einbinden.

Lustigerweise habe ich erst vor einigen Tagen Youtube der Bundesregierung folgendes geschrieben, ohne zu ahnen, dass die Bundesregierung einen Relaunch ihrer Seiten plant:


(Bildbeschreibung für meine blinden Leser: "Das ist der Screenshot von meinem You-Tube-Kanal, wo ich unter Merkels Video von ihrer Neujahrsrede diesen Kommentar hinterlassen habe: "Ich fand es sehr gut, dass die Ansprache dieses Jahr zum 1. Mal auf Phoenix mit Gebärdensprachdolmetscher kam. Guter Schritt. Noch schöner wäre es, wenn das Video auf YouTube mit Untertitel&Gebärdensprachdolmetscher wäre. Schließlich leben in Deutschland 80tausend Gehörlose & ca. 16 Millionen schwerhörige, die von Untertitel und/oder gebärdensprachdolmetschereinblendung proftieren. Auf YouTube finden sich Erklärvideos wie man schnell Untertitel erstellen und einbinden kann!")

Fazit: Gutes Relaunch ist es geworden, aber es geht noch besser. Besonders schön finde ich, dass die Gebärdensprache ganz oben gleichwertig neben Englisch und Französisch aufgeführt wird und das es den Menüpunkt "Leichte Sprache" ebenfalls auch gibt. Perfekt werden die Videos, wie gesagt, mit Untertitel sein!

Die Regierung ist auf einem verdammt guten Weg!

Allerdings: Wie es mit der Barrierefreiheit auf der neuen Seite der Regierung für Blinde und sehbehinderte Menschen aussieht, weiß ich nicht! Aber dazu werden wir bestimmt bald was hören!

Montag, 2. Januar 2012

Wieder mal ein Interview mit mir in einer Zeitung...

diesmal in der Südwestpresse. :-)

Den zugehörigen Journalisten Robert Dönges zum Interview kenne ich schon länger und das Interview wurde sozusagen nebenbei bei einem Essen im Thailokal geführt.

Und jetzt ist das Ergebnis online:


Sein privater Blogeintrag über unser Treffen gefällt mir noch besser als das Interview. :-) Hier ist der Link: Schier nicht vorstellbar

Viel Spaß beim Lesen! :-)

Von den Lippen ablesen...

kann nicht jeder und manchmal ist das für mich so selbstverständlich, dass ich das einfach vergesse, dass das halt nicht jeder kann.

So geschehen im August 2011 in der Münchner S-Bahn - ich unterhalte mich mit einem hörenden Freund und da das Thema etwas persönlich wird, sage ich zu ihm: "Wir können ja ohne Ton reden, ich krieg's ja auch so mit." Er guckt verdutzt drein und sagt: "Du schon. Aber ich kann nicht von den Lippen lesen." Ich frage kurz ganz ernsthaft: "Wieso nicht?" Sein Blick wird noch verdutzter und ich gucke ebenso verdutzt ein paar Sekunden zurück, bis bei mir der Groschen fiel und wir über den Dialog lachen mussten.

Für den Augenblick habe ich echt vergessen, dass Hörende das nicht können, weil es für mich so selbstverständlich ist, denn ich mache es jeden Tag und ganz automatisch.

Und das Gespräch hat sich dann wieder zu einem neutralen Gespräch bewegt. Noch heute bringt mich diese Erinnerung zum Schmunzeln, denn sein verdutztes Gesicht mit dem anschließenden breiten Grinsen in dem bärtigen Gesicht war schon sehr lustig.

Sonntag, 1. Januar 2012

Was man halt so sagt - Teil 2

Gestern gab's ja die Diskussion, ob ich im Bezug auf mich selbst überhaupt das Wort "hören" verwenden darf und ich bin der Meinung, dass ich es darf. Und was genau spricht eigentlich dagegen?

Oder anderes provokativ gefragt: Warum soll ich ein Wort nicht wie jeder andere auch verwenden dürfen, nur weil ich biologisch gesehen zu etwas nicht in der Lage bin?

Und natürlich bin ich kein Fake, nur weil ich twittere: "Es ist schon nervig, wenn man zu hören kriegt, dass es ein Segen sein kann, wenn man nicht alles mitbekommt im TV." Äh ja, aber ich möchte sehr gerne in die Lage kommen, dass ich das selber beurteilen kann, ob es von Belang ist für mich und das geht nur, wenn das Fernsehen endlich 100% hochwertige 1:1-Untertitel und Gebärdensprachdolmetscher anbietet.

Meine früheren Gedanken zum Begriff "Hören" im Umgang mit mir finden sich hier in diesem älteren Blogeintrag: Was man halt so sagt.

Und von Marco Zehe, einem Geburtsblinden gibt es auch einen sehr schönen Blogeintrag dazu:

Ich werde das Wort genauso wie bisher auch verwenden im Umgang mit anderen Menschen: "Hast du auch schon gehört?", "Ja, ich hab's auch schon gehört." "Hast du den Schuss nicht gehört?" und so weiter, denn mit der Wortwahl des Wortes im Bezug auf MICH und andere diskriminiere ich niemanden.

Anders ist es jedoch, wenn das Wort "taubstumm" verwendet wird, da es eine ganz offensichtliche Diskriminierung gehörloser Menschen darstellt aufgrund der Tatsache, dass es schlicht und einfach nicht auf uns zutrifft. Auch der Duden empfiehlt die Ausradierung des Wortes aus dem Wortschatz und der Medienbranche lege ich das sowieso ganz dringend ans Herz: Ein wichtiger Hinweis für Medienschaffende! Dort erkläre ich auch ausführlicher, warum das Wort "Taubstumm" eine grobe Beleidigung für uns Gehörlose darstellt. Die Kurzfassung ist: Gehörlose sind nicht stumm - wir können alle sprechen, auch wenn sich unsere Stimme anders anhören mag. Und die Mehrheit der Gehörlosen hat die Gebärdensprache als Muttersprache, wer über eine Sprache verfügt, der ist also nicht stumm. Und echte Gehörlose, die NICHT hören und sprechen können, gibt es, aber ES trifft eben NICHT auf die Mehrheit zu, da es Sonderfälle sind, die sehr wahrscheinlich auf Gehörlose aus armen Ländern betreffen, die keine echte Förderung erhalten.

Und nach meinem Hörstatus gefragt, eine sehr wichtige Frage übrigens unter Gehörlosen, die sich das erste Mal begegnen, damit man weiß wie gut/schlecht der andere noch hört und ob er ein vollwertiges Mitglied der Gehörlosenwelt bzw. Kultur ist, antworte ich immer: "Ohne das Cochlear Implantat bin ich gehörlos, mit dem Cochlear Implantat zähle ich zu den Schwerhörigen, aber von meiner kulturellen Identität bin ich eine Hörende."

Und genau deswegen sage ich auch ganz unbefangen: "Ja, ich hab's auch gehört." oder "Ja, ich hör dir zu." Und meine hörenden Freunde finden auch nichts verwerfliches oder komisches daran, wenn ich sage:"Nur zu, spuck aus, was du zu sagen hast. Ich leih dir mein Ohr." Oder anders gesagt: Wir nehmen es gar nicht mehr so richtig wahr, wenn so ein Satz fällt, weil das Normalität ist.

Normalität. Das ist das, was sich jeder wünscht: Als ein normaler Mensch behandelt zu werden und nicht auf sein Defizit reduziert zu werden, auch wenn man selbst nicht behindert ist. Niemand ist perfekt, oder?