Dienstag, 27. Dezember 2011

Ausnahmsweise mal: Ich würde das gerne gewinnen!

Der Sascha Pallenberg von http://www.netbooknews.de hat ein Gewinnspiel online geschaltet: http://www.netbooknews.de/57277/mobile-awards-2011-preise-im-gesamtwert-von-ueber-2500-euro-zu-gewinnen/

und da gibt's nette Sachen zu gewinnen. Als Bloggerin habe ich es natürlich auf die Buffalo Cloudstation Duo abgesehen und hoffe, das Ding mein eigen zu nennen zu dürfen, weil ich 2012 so richtig durchstarten will und meinen Daten ein sicheres Zuhause geben will.. :-) Will sagen: Ich könnte das Ding verdammt gut gebrauchen und bei der Bloggerin des Jahres 2011 stünde die Cloud doch so richtig gut zu Gesicht.

Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück beim Gewinnspiel.

P.S. Wo gibt's denn ein MacBook Air zu gewinnen? ;-) Ich bin grad komplett verwöhnt, weil ich letztes Wochenende für 3 Tage einen Mac mit Riesenbildschirm und alternativ ein Mac Book Air benützen konnte. Und es war beiderseitige Liebe auf den x-ten Blick. So schlimm hat es mich noch nie bei Apple erwischt. Vor allem die Videoauflösung beim Videochat war auf beiden Seiten der Hammer. "Tausendmal berührt und es hat plötzlich so richtig "Zooom" gemacht." *träller*


Samstag, 24. Dezember 2011

Heute um 11:30 im DRadio Wissen!

Da darf ich dann nun reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist und gleichzeitig frage ich mich, ob ich die erste Gehörlose in Deutschland bin, die da im Radio zu hören ist?

Ich trete somit den Beweis an, dass ich sehr wohl sprechen kann. Ab und zu werde ich reden, aber auch nur mal was tippen, was dann vorgelesen wird, denn ich möchte für alle verständlich sein und niemanden überfordern.

Und hier kann man Deutschlandradio empfangen: Empfang DRAdio Wissen

Also viel Spaß mit meiner Stimme. ;-)

Und euch allen wünsche ich auf diesem Weg ein frohes Weihnachtsfest und besinnliche Weihnachtsfeiertage.

P.S. Ich möchte noch mal ganz herzlich auf dieses Interview, welches wieder mal die Rheinzeitung, mit der ich inzwischen ja schon eine sehr dauerhafte Beziehung habe, mit mir führte:



Donnerstag, 22. Dezember 2011

Ein Weihnachtsgeschenk bitte für Melissa und Vanessa!

So heißen die beiden gehörlosen Mädchen im Bezirk Schwaben, deren Recht auf Inklusion durch den Bezirkstagspräsident Reichert und dem Bezirksamt Schwaben verweigert wird, weil man nicht bereit ist die Dolmetscherkosten für die Gebärdensprachdolmetscher zu übernehmen.

Es ist einfach eine Blamage für Bayern, was da passiert ist. Die ganze Vorgeschichte kann man hier in diesem Blogeintrag nachlesen:


Inzwischen hat auch die Augsburger Allgemeine über den Fall berichtet: Tauziehen um zwei gehörlose Mädchen

Bei mir hat sich übrigens per Blogkommentar eine Corinna aus NRW gemeldet, die als Integrationshelferin arbeitet und erklärte, dass in NRW das Recht auf Eingliederunshilfe § 54 im Paragraph verankert seie, was selbstverständlich auch in Bayern gültiges Recht ist. Vielen Dank, Corinna für diesen Kommentar! Auch ist sie mit mir in einer Meinung, dass die Transportkosten, der Förderschulplatz, die vermutliche Internatsunterbringung wahrscheinlich genausoviel kosten wird oder sogar noch teuerer sein wird als die Dolmetscherkosten!

Außerdem meldete sich Michael Baumeister, der diesen Blogkommentar hinterliess: "Es gibt ein Gutachten des führenden deutschen Völkerrechtlers Prof. Eibe Riedel, der klar zu dem Schluß kommt "Behinderte Kinder haben unabhängig von anders lautenden Schulgesetzen ab sofort das Recht, gemeinsam mit nicht behinderten Kindern eine allgemeine Schule zu besuchen"

http://gemeinsam-leben-nrw.de/sites/default/files/gutachten_riedel.pdf

Viele Juristen gehen davon aus, dass ein solches Recht inzwischen auch ohne Landesrechtliche Umsetzung unmittelbar einklagbar ist.

Der VGH Hessen hat das in einem Urteil vor 2 Jahren zwar noch anders gesehen, aber selbst in diesem Urteil steht, dass die Länder nicht endlos Zeit haben, ihr Schulrecht an die UN-Konvention anzupassen. Der VGH Hessen ging davon aus, dass eine unmittelbare Geltung 2 Jahre nach Inkrafttreten angenommen werden kann - also ab dem 23. März 2011.

Durch die UN-Konvention wird im übrigen noch einmal klar gestellt, dass der Zugang zur Regelschule Menschenrecht ist. Die Verweigerung ist folgerichtig eine Diskriminierung. Und dass die verboten ist, ergibt sich aus dem Grundgesetz, da braucht es keine landesrechtliche Umsetzung der schulischen Inklusion.

Also lasst euch nichts vormachen.

Viele Grüße
Michael

In Deutschland ist es doch wirklich so, dass man noch lange nicht Recht bekommt, wenn man sämtliche Gesetze auf der Seite hat und das gilt ganz besonders für Menschen mit Behinderungen.

Die Eltern von Vanessa meldeten sich mit einem Brief an die Gehörlosenverbände und an die Gehörlosengemeinschaft zu Wort und bitten um Unterstützung von außen -hier kann man ihn lesen:


Ich fordere hiermit Schwabens Bezirkstagpräsident Reichert dazu auf, dass er dieses unerträgliche politische Hickhack zu den Akten legt mit dem Ergebnis, dass die beiden Mädchen zu ihrem Recht kommen durch die Kostenübernahme der Dolmetscherkosten.

Das wäre doch ein traumhaftes Weihnachtsgeschenk für Vanessa und Melissa, wenn die beiden weiterhin an ihrem Wohnort zur Schule gehen dürfen und die angefangenen Freundschaften dort nicht auf einen Schlag zerstört werden. Ich bin mir sicher, dass die beiden Mädchen diesen Wunsch ganz oben auf ihrer Wunschliste dem Weihnachtsmann vorliegen haben.

Ich kann leider nicht mehr tun als als hier zu bloggen und die Aufmerksamkeit die beiden zu lenken, damit es ein kleines Weihnachtswunder gibt und die beiden Mädchen mit ihren Familien die Weihnachtsferien genießen können mit dem Wissen vor den Augen, dass das Schulproblem gelöst ist.

Meine Daumen sind gedrückt für dieses Weihnachtswunder.

Blogger des Jahres 2011

Seit gestern Abend darf ich mich nun mit diesem Titel schmücken, der mehr als überraschend kam, denn ich erfuhr erst 10 Minuten vor der Preisverleihung, dass ich zu den Nominierten gehöre und war ziemlich überrascht.

Aber besonders große Chancen habe ich mir wirklich nicht ausgerechnet, denn neben mir waren in der Kategorie "Blogger des Jahres 2011" einige andere herausragende Blogger nominiert: Richard Gutjahr, Stefan Sicherman (Postillion) und die Stadt Bremerhaven. Hier ist die komplette Liste aller Nominierten - die Sieger haben Fleißsternchen bekommen:

Im Livestream, wo ich die ganze Zeit anwesend war, aber leider nicht mitchatten konnte, weil es leider nicht funktioniert hat, sah ich den ganzen Abend und freute mich für jede Auszeichnung mit. :-) Vor allem für Holyfruitsalad, die die Auszeichnung als bester Blogtext des Jahres wirklich sehr verdient hat, nämlich sowas von!

Toll fand ich auch, dass man Frank Elstner als besten Newcomer 2011 ausgezeichnet hat! :-) Wenn es denn klappt mit dem Auftritt in seiner Show, dann können wir uns gegenseitig zur den verliehenen Auszeichnungen gratulieren. ;-)

Als es dann ans Eingemachte ging, sah ich den Poll und traute meinen Augen kaum, dass ich Blogger des Jahres 2011 sein sollte, aber es war wirklich wahr, denn Franzi, Thomas und Daniel wedelten mit den Händen in der Luft - so wird in der Gebärdensprache applaudiert. Und durch meinen Kopf huschte der Gedanke: "Bisschen viel für einen Monat: Twitter-Oscar, Aufritt im Ersten beim Nachtmagazin und jetzt die Auszeichnung als Blogger des Jahres 2011. Aber wow. Wow."

Vielen lieben Dank an Franziska Blum, Thomas Knüwer, Daniel Fiene und an alle anderen, die für mich gestimmt haben! :-)

Achja, da war ja noch was - der Aufritt beim Nachtmagazin vom 21.12 ist hier zu bewundern ab der 5:57 Minute. Eigentlich war die Länge für 140 Sekunden angesetzt und ich habe eigentlich auch viel mehr erzählt. Vor allem stört es mich aber, dass da behauptet wird, ich könne nicht sprechen, während man mich sprechen sieht. So einen massiven Fehler habe ich nicht von den öffentlich-rechtlichen erwartet. Man bedauert beim WDR den Fehler zwar, aber es ist trotzdem eine unschöne Sache. Aber lustig finde ich es schon, dass der Bericht den Eindruck erweckt, Twitter würde nur aus mir bestehen, da man meine Timeline zeigt. ;-)

Sieht so aus, dass ich jetzt den ganzen Lohn für meine Bloggerei in den letzten 3 Jahren ernte und ich hoffe, dass 2012 auch so gut weitergeht damit, denn Randnischenthemen können eins echt immer wieder gut vertragen: Aufmerksamkeit.

Und das hilft meinem Traum auf die Sprünge: In einer Gesellschaft zu leben, wo es egal ist, ob man behindert ist oder nicht, weil jeder wirklich die gleichen Chancen und den gleichen Zugang zur Gesellschaft hat.

Ich wünsche auf diesem Wege allen Lesern ein frohes, besinnliches Fest.

Samstag, 17. Dezember 2011

Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin mit Gebärdensprachdolmetscher!

Schon seit vielen Jahren gibt es Untertitel zu den Ansprachen des jeweiligen Bundespräsidenten an Weihnachten und des Bundeskanzler an Neujahr.

Vorhin hat mir der Regierungssprecher Herr Seibert per Twitter mitgeteilt, dass dieses Jahr an Neujahr zum ersten Mal die Ansprache der Bundeskanzlerin mit Gebärdensprachdolmetscher gezeigt wird! Hier ist der Screenshot des Tweets:


Ich freue mich sehr über diese Nachricht, dass die Bundesregierung dieses Jahr auch an uns Gehörlose gedacht hat - schließlich profitieren davon 80tausend Gehörlose in Deutschland! Das zeigt, dass die Bundesregierung auch immer mehr von alleine an Barrierefreiheit und Inklusion denkt. Zwar nur in sehr langsamen Schritten, aber es wird!

Zwar ist es "nur" auf Phoenix, aber der Sender macht schon seit Jahren hervorragende Arbeit mit den Einblendungen der Gebärdensprachdolmetschern während der "Tagesschau" und dem "Heute Journal", aber das ist ein verdammt guter Anfang mit der Verdolmetschung der Neujahrsansprache.

Für mehr Selbstverständlichkeit der Anwesenheit der Gebärdensprachdolmetscher und somit selbstverständliche Barrierefreiheit im deutschen TV hätte ich es noch besser gefunden, wenn die Gebärdensprachdolmetscher auch auf ARD&ZDF während der Neujahrsansprache eingeblendet würden. Vielleicht lesen die Verantwortlichen bei Phoenix, ARD und ZDF ja diesen Blogeintrag und denken über eine gemeinsame Zusammenarbeit im Namen der Barrierefreiheit nach, was ich sehr begrüßen würde!

Nachgefragt hab ich übrigens noch, ob die Ansprache des Bundespräsidenten dieses Jahr auch verdolmetscht wird, aber da warte ich noch auf die Antwort. Die Frage ist nur, ob wir dieses Jahr überhaupt noch einen Bundespräsidenten haben werden, der zu uns sprechen kann? ;-)

P.S. Heute morgen habe ich Herrn Seibert darum gebeten, dass der Videopodcast der Bundeskanzlerin auf YouTube auch dort mit Untertitel versehen wird, weil es dort wirklich ganz easy und unkompliziert geht mit Einbinden und die Untertitel mit einem Klick einblendbar sind. Leider ist es auf der Seite der Bundeskanzlerin so, dass man sich erst das Video mit den Untertitel herunterladen muss, um in den Genuß der barrierefreien Videos zu kommen.

Außerdem hab ich ihn noch bisschen tadeln äh auf den rechten Weg der Barrierefreiheit weisen müssen, weil die anderen Videos auf YouTube außer der Antwort-und-Frage-Stunde der Bundeskanzlerin auf dem Kanal der Bundesregierung ohne Untertitel sind, so zum Beispiel das Video: "Sicher durch den Winter". Auch Gehörlose fahren Auto und würden sicherlich von den dortigen Tipps im Video profitieren, gäbe es Untertitel.

Außerdem verwies ich ihn auf das Interview mit mir mit der Süddeutschen Zeitung, wo ich die Bundesregierung schon ganz scharf kritisiert habe:

Zwitschernd Gehör verschafft - Interview mit Julia Probst im Jetzt-Magazin

Kurz darauf hat sich dann der Regierungssprecher bei mir gemeldet mit der Nachricht, dass die Ansprache gedolmetscht wird. Meine Stimme wird also durchaus wahrgenommen von der Bundesregierung und ich hoffe wirklich von Herzen, dass ich die Regierung nicht sehr nerve mit meiner Penetranz, aber das muss leider nun mal so sein, denn Barrierefreiheit und Inklusion sind wichtige Menschenrechte!

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Eine Blamage für Bayern!

Bayern: Ein gehörloses Mädchen geht seit September 2011 in eine Regelschule mit Gebärdensprachdolmetschern. Alles läuft super, das Mädchen ist total integriert in die Klasse und die Lehrer sind hellauf begeistert, wie toll die Sache läuft.

Dann trudelt ein Brief vom Sozialamt ein: Man verweigert die Kostenübernahme der Dolmetscherkosten, das Kind soll auf die Gehörlosenschule in Augsburg gehen.
Die Eltern stellen einen Antrag auf einstweilige Anordnung im besten Glauben, dass das Recht und die Gesetze auf eindeutig auf deren Seite sind, doch das Gericht weist diese zurück.

Die Richterin des zuständigen Sozialgerichts Augsburg beruft sich auf ein rechtswidriges Gutachten des Förderzentrums Hören (Gehörlosenschule) Augsburg, in dem steht, dass das gehörlos Mädchen nicht aktiv dem Besuch einer Regelschule folgen kann.

(Anmerkung von mir: Ich bin im Jahre 1989 in eine Regelschule eingeschult worden. In Bayern. Ich hatte keine Gebärdensprachdolmetscher an meiner Seite während des Schulbesuchs, da ich lautsprachlich aufgewachsen bin. Allerdings kam der Regelschulbesuch auch nur deswegen zustande, weil meine Mutter mit dem Sohn des Schuldirektors befreundet war. Blogeintrag: Meine Gedanken zur Inklusion nach einem Bericht der Sendung Monitor)

Das Gericht entschied also aufgrund des rechtswidrigen Gutachtens des Schuldirektors Pasemann der Gehörlosenschule Augsburg, dass das gehörlose Kinder in Bayern am besten in Förderschulen aufgehoben seien, da die Kinder dort die Kommunikationsformen wie Sprechen usw. lernen würden.

An der Gehörlosenschule in Augsburg wird übrigens der Unterricht nicht in Gebärdensprache abgehalten, was aber der Normalfall an den meisten Gehörlosenschulen in Deutschland ist. Ja, richtig gelesen: Es ist normal an den Gehörlosenschulen, dass der Unterricht nicht in Gebärdensprache abgehalten wird, obwohl man logischerweise davon ausgehen müsste, dass dies der Fall ist. Solange nicht die verpflichtende Vorschrift eingeführt wird im Studium der Hörgeschädigtenpädagogik, dass die Studenten die Gebärdensprache lernen MÜSSEN, wenn sie dieses Fach studieren und gehörlose Kinder unterrichten wollen, wird sich an dieser Unlogik nichts ändern.

Diese Unlogik ist übrigens eine traurige Folge des Mailänder Kongress von 1880, worüber ich hier schon mal berichtet habe: Die Folgen des Mailänder Kongress von 1880

Verbotene Sprache durch den Mailänder Kongress

Die Beschlüsse des Mailänder Kongress wurden übrigens am 28.Juli 2010 für hinfällig und fatal für die Bildung der Gehörlosen erklärt: Der Mailänder Kongress ist Geschichte im doppelten Sinn


Das Landessozialgericht München bestätigt das Urteil des Sozialgerichts Augsburg, was zur Folge hat, dass die Dolmetscher für das gehörlose Mädchen erstens nicht bezahlt werden und das Mädchen nun alleine in die Regelschule gehen lassen müssen, obwohl das Gesetz auf der Seite des Mädchens ist, was die Inklusion betrifft.

Link zum Beschluss: https://sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&id=146578&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=

Ein Einzelfall in Bayern? NEIN.

Zeitgleich passiert einer anderen Familie in Bayern genau das gleiche mit ihrer gehörlosen Tochter: Auch sie soll in eine Gehörlosenschule gehen, obwohl sie die Regelschule mit Dolmetschern mit großem Erfolg besucht. Auch hier verhindert der Schuldirektor Herr Pasemann durch sein Gutachten, dass die Dolmetscherkosten übernommen werden, denn dieser attestiert dem Mädchen (einem Mädchen mit einem IQ von 125) einen erhöhten Sonderbedarf im Hören und Sprechen. Es bleibt völlig offen, woher er diese Einschätzung hat.

Auch hier entscheidet das Sozialgericht gegen die Inklusion dieses Mädchens: https://sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&id=146576&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=

Die Landesozialgerichte haben übrigens in ihren Urteilen beschlossen, dass die Sozialämter nicht gebunden seien an die Entscheidung der Eltern, auf welche Schulen sie ihre Kinder schicken wollen - sei es auf die Regelschule oder an die Sonderschule. Dieses Urteil bedeutet übrigens, dass die Sozialämter in Bayern, sofern die Eltern beschlossen haben, dass das gehörlose Kind eine Regelschule besuchen soll, alle Kostenübernahmen ablehnen können! Oh Bayern, du rückständiges Land...

Die beiden Mädchen sitzen nun seit Anfang November ohne Dolmetscher in ihren Regelschulen und müssen zusehen, wie sie zu ihrer Bildung kommen. Ein Recht, das jedem Kind zusteht, auch in Bayern. In ganz Deutschland. Auf der ganzen Welt.

Inzwischen haben Delegierte die beiden Mädchen in ihren Schulen besucht. wofür Dolmetscher bestellt worden sind und alle sind begeistert, wie toll die Mädchen mitarbeiten und in ihrer Klasse integriert sind. Auch Herr Pasemann ist plötzlich begeistert vom Unterricht mit den Dolmetschern und stimmt zu, dass die beiden Mädchen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben sollen.

Nur: Das alles nützt den beiden Mädchen nichts mehr, denn das Bezirksamt Schwaben und der Bezirkstagspräsident Herr Reichert bestehen weiterhin darauf, dass die Kinder in Gehörlosenschulen gehen sollen.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für die Kinder: Die Behindertenbeauftragte Frau Badura und ihr Referent Herr Sandor konnten mit langen Telefonaten des Kultusministeriums erreichen, dass aus dem Schulbesuch der beiden Mädchen ein wissenschaftlich begleitendes Projekt wird, d.h. es gibt Geld vom Kultusministerium dafür.

Jedoch lehnen der Bezirkstagspräsident Herr Reichert und das Bezirksamt Schwaben weiterhin diese Brücke ab und beharren auf ihrem Entschluss.

Und die beiden gehörlosen Mädchen sitzen weiterhin alleine gelassen ohne Dolmetscher in ihrer Regelschule.

Frau Badura beziffert die Haltung des Bezirksamt Schwaben und von Herrn Reichert als höchst bedauerlich und betont, das die beiden Mädchen die Leidtragenden in dieser Sache sind und der bayerische Freistaat sich selbst mit dieser Haltung schadet, womit ich ihr voll zustimme. Die Angelegenheit ist eine totale Blamage für den Freistaat Bayern und den Bezirkstag!

Ich drücke den beiden Mädchen die Daumen, dass die Sache doch noch gut ausgeht für sie und die Dolmetscherkosten übernommen werden und sie an ihrem Wohnort in die Schule gehen können und einfach ein normales Leben führen können mit der bestmöglichsten Bildung, die ihnen zusteht.

Ein normales Leben bedeutet: Man wird nicht aus der gewohnten Umgebung herausgerissen und an einen anderen Ort umziehen. Es bedeutet eine echte Wahlfreiheit zu haben für beide: Für Kinder und Eltern.

Die ganze Schilderung des Falles findet sich hier auf der Homepage von Karin Kestner:

Inklusion? Eine Illusion!

Herr Bezirkstagspräsident Reichert, ist Ihnen und dem Sozialgericht eigentlich bewußt, dass sie mit Ihrer Haltung ganz offen einen gravierenden Verstoß gegen die UN-Konvention der Menschenrechte der Menschen mit Behinderungen begangen haben? Sie ist seit dem 26.März 2009 gültiges Recht in Deutschland. Vielleicht ist Ihnen noch entgangen, dass die Inklusion auch in Bayern angestrebt wird von mehreren Schulen?

Ich lege Ihnen, Herrn Reichert und den Sozialgerichten, mal ganz dringend ans Herz die UN-Behindertenrechtskonvention ausführlich zu studieren und dann genau zu merken, auf welcher Seite das Recht steht. Nämlich nicht auf Ihrer, sondern auf dem der beiden Mädchen und unzählig anderer Menschen mit Behinderungen in Deutschland.

Die Sachen, die dort stehen, stehen nämlich nicht zum Spaß dort oder zu freien Auslegung. Nur leider ist es in Deutschland so, dass man sehr oft nicht Recht bekommt, obwohl man im Recht ist. Gerade, wenn man behindert ist, ist das schon die Norm.

Ich bin gespannt, wie Sie mit diesem schweren Gesetzesverstoß klar kommen werden, meiner Meinung nach müssten sie unverzüglich anordnen, dass die bereits angefallenen Dolmetscherkosten und die weiteren übernommen werden.

Vielleicht müssen Sie dann ein paar unbequeme Fragen beantworten in nächster Zeit.

Wir werden es sehen!

P.S. Warum nur verwundert es mich nicht, dass Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert der CSU angehört? War irgendwie total klar. *seufz*

UPDATE vom 19.12.2011: Im Taubenschlag hat sich nun der Leiter der Augsburger Gehörlosenschule zu Wort gemeldet und versucht einiges zu beschönigen, aber er kriegt ordentlich sein Fett weg. Für mich sagt es viel aus, wenn Herr Paseman, wenn er es wirklich ist, nicht mal korrekte Bezeichnungen für Gebärdensprachdolmetscher verwendet - als Direktor einer Gehörlosenschule sollte man zumindestens wissen, das es korrekterweise Gebärdensprachdolmetscher, gebärdensprachkompetent die korrekten Begriffe sind....

Aber kein Wort davon, dass die Zukunft der beiden Mädchen gerade gehörig versaut wird durch dieses politische Hickhack.

Die Klasse des eines gehörlosen Mädchen lernt jetzt jeden Morgen 15 Minuten Gebärdensprache, damit Kommunikation unter den Kindern und Lehrern gewährleistet ist. Das ist gelebte Inklusion!

Hier geht es zu den Kommentaren im Taubenschlag:

Broschüre "Der gehörlose Patient"

Der Deutsche Gehörlosenbund gab eine Broschüre heraus, wo es um den gehörlosen Patienten geht, dort sind zahlreiche Tipps zu finden, wie man die Kommunikation verbessern kann zwischen Arzt und Patienten.

Auch für das Krankenhauspersonal gibt es hilfreiche Tipps.

Die Broschüre ist bestellbar oder herunterladbar unter diesem Link:

Der gehörlose Patient - eine Broschüre des Deutschen Gehörlosenbund

Auch wird angemerkt, dass in der Patientenakte der Vermerk stehen sollte, dass der Patient gehörlos ist, damit das Personal Bescheid weiß, dass der Patient nicht über Lautsprecher aus dem Wartezimmer herausgeholt werden kann, sondern vom Personal selbst abgeholt werden muss. Noch ne kleine Anmerkung: Schreibt bitte in der Patientenakte auf keinen Fall als Vermerk "taubstumm", denn dieses Wort ist veraltet und unzutreffend!

Sonst befindet man sich in "Lebensgefahr", wie meine Bloggerkollegin Judith Göller schmunzelnd berichtet: Taubstumm - eine Beleidigung für Gehörlose ;-)

Ich hoffe, dass die Broschüre alle Unklarheiten beseitigt, da die Kommunikation auf beiden Seiten damit erheblich verbessert wird durch die aufgeführten Tipps.


P.S. Weiterbloggen: Ja, doch. Aber erst mal werden eher solche Hinweise verbloggt, bevor es nach einer längeren Pause wieder die typischen Blogeinträge von mir gibt.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

"Twitter-Oscar" erhalten..

und ich höre trotzdem auf zu bloggen und zu twittern.

Der Vorhang ist wirklich gefallen.

Die Gründe dafür habe ich bereits hinreichend erklärt.

Es ist meine Feststellung des Tages, ach was, des Monats: Ich fühle mich nach wie vor am wohlsten damit zu sagen, dass ich das Twittern und Bloggen einstellen werde anstatt eine auf eine unbestimmte Zeit eine Pause einzulegen. Wenn das so ist, dann sollte ich auch ganz dabei bleiben anstatt zu denken:"Du kannst doch gerade jetzt nicht aufgeben." Doch. Kann ich. Als ich mit der Bloggerei und der Twitterei anfing, hatte ich null Erwartungen an mich und die Sache. Jetzt gibt's Erwartungen an mich und von mir selber. Und das ist eine Richtung, die mir nicht gefällt. Warum eine Verantwortung übernehmen, die ich mir nicht ausgesucht habe? Dabei geht der Spaß flöten.

Es gibt Erwartungen an mich in die Politik zu gehen. Es gibt Erwartungen an mich, weiter zu bloggen und twittern. Und noch einige andere. Und ich will die nicht erfüllen müssen, weil es andere von mir erwarten. Das muss ich selbst wollen.

Warum soll ich für etwas kämpfen, was mir laut Gesetz zusteht? Es steht da drinnen - jeder, der lesen kann, kann da nachschlagen und sollte das Gestz befolgen, weil es ja nicht zum Spaß da steht.

Ich habe nicht damit gerechnet, eine der Twitterstories des Jahres 2011 zu sein und durch den ganzen weltweiten Blätterwald zu rauschen - vielen Dank noch mal an das gesamte Twitter-Team für diese hohe Ehre, welche eine riesige Überraschung für mich war.

Hier kann man noch mal die Geschichte nachlesen:

Gehörlose @Einaugenschmaus ist für Twitterboss ein Star

Und hier die Auflistung bei ABC News America der Top Twitterstories auf Platz 8 durch Mr. Twitter Jack Dorsey.

Hier auf der englischen Seite von @Twitterstories meine Story

Und das gleiche nochmal auf der deutschen Seite von @twitterstories

Und hier das Interview mit dem JETZT-Magazin der Süddeutschen Zeitung

In den Interviews habe ich zwar gesagt, dass die Auszeichnung durch Twitter ein ungeheuer großer Ansporn ist, weiterzumachen und auch zu schauen, ob ich das ganze ggf. anders aufziehen kann mit der Bloggerei.

Das lasse ich mir offen wie auch meine Entscheidung, ob und wie ich in die Politik gehen will. Mein Traum ist ja ein anderer: Die Politik erfolgreich zu beraten in Sachen Behindertenpolitik (Barrierefreiheit und Inklusion)und damit ein anständiges Grundrauschen auf dem Konto zu haben.

Noch eins: Die Regierungskoalition hat einen Antrag gestellt für mehr barrierefreie Filmangebote für Hör- und Sehbehinderte, welcher sehr begrüßt wurde vom Behindertenbauftragten Hüppe. In dem Antrag von Dorothee Bär (CSU) ist auch zum Teil meine Stimme zu hören, da sie mich um Tipps für den Antrag gebeten hat. Dieser Bitte bin ich gerne nachgekommen. So ist also meine Stimme im Bundestag zu Protokoll gegeben worden.

Für mehr barrierefreie Filmangebote

Akzeptiert also meine Entscheidung, die für mich feststeht. Es muss kein Abschied für immer sein, aber im Moment ist es ein Abschied. Und ich mache es mir schon schwer genug mit meiner Entscheidung, weil ich das Gefühl habe, mein Anliegen und die ganzen Menschen, die dafür sind, im Stich zu lassen - was aber nicht meine Absicht ist.

Ich hoffe, ihr könnt das verstehen.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Ein frohes Fest und einen guten Rutsch

ins neue Jahr 2012 wünsche ich euch allen.

Und ich möchte noch mal klarstellen, dass ich wirklich nicht mehr bloggen werde und auch nicht mehr twittern. Die Gründe dafür habe ich schon ausreichend erklärt, wie ich finde.

Und der Politik kann ich nur ein absolutes Armutszeugnis bisher in Sachen Behindertenpolitik ausstellen, so kostet die aktuelle Kampagne der Bundesregierung mit dem Werbeslogan: "Behindern ist heilbar" 1,8 Millionen Euro. Und wofür werden die ausgegeben? Für Broschüren, für Werbeplakat in der Öffentlichkeit.

Diese 1,8 Millionen Euro hätte man zum Beispiel dafür ausgeben können, die ganzen Homepages der Bundesregierung barrierefrei zu gestalten, z.b. mit Screenreadern für Blinde und Gebärdensprachvideos für Gehörlose, die AUCH Untertitel haben und vereinfachtere Navigation für körperbehinderte Surfer.

Und vor allem für eine Verdolmetschung und Live-Untertitelung aller Debatten im Bundestag! Heute vormittag debattierte der Bundestag übrigens über Behindertenpolitik. Selbstverständlich ohne Gebärdensprachdolmetscher oder Live-Untertitel. Oder eine nachträgliche Unteritelung in der Mediathek - die Schriftprotokrolle sind ja vorhanden.

Das wäre mal eine Signalwirkung gewesen und die Plakate hätten auch eine hübscheren Slogan gehabt mit: "Wir sind barrierefrei und Sie? Machen Sie mit!"

Aber von einer Bundesregierung, die den Diskussionstag am 3. Dezember wieder abgesagt hat, weil sich zuviele Rollstuhlfahrer angemeldet haben, kann man auch nichts vernüftiges erwarten - so habe ich zum Beispiel erreichen können, dass der Videopodcast der Bundeskanzlerin mit Untertitel ist - nach über 5 Jahren nach seiner Einführung. Nun hat die Bundesregierung einen eigenen YouTube-Kanal für den 5 Leute zuständig sind, aber keine Untertitel und Gebärdensprachdolmetschereinblendung.
Ich konnte zwar mit meiner Beschwerde erreichen, dass die Frage-und Antwort-Stunde mit der Kanzlerin mit Untertitel ist.

Nur: WENN ich es geschafft habe, die Bundesregierung beim Videopocast dazu zu bringen, dass sie Gehörlose und Schwerhörige einzubinden über Untertitel, warum schaffen es genau die gleichen Leute nicht, beim You-Tube-Kanal von alleine und selbstständig den Weg zu gehen und mitzudenken?

Und wenn dann eine Ursula von der Leyen MEDIENWIRKSAM zur Bekanntgabe das Nationalen Aktionsplan für Menschen mit Behinderungen die anwesende Presse in Gebärdensprache begrüßt, dann muss ich kotzen über soviel gespielte Teilnahme. Die Gebärdensprachvideos der Bundesregierung sind ohne Untertitel - man muss immer beides zusammen anbieten - ES gibt einfach nicht DEN typischen Gehörlosen, DER nur Gebärdensprache braucht, sondern auch Gehörlose ohne Gebärdensprachkenntnisse oder Schwerhörige. Auch ist es ein ganz besonderer Hohn, wenn da im Hintergrund vom Video der Slogan: "EINFACH MACHEN!" hingepappt ist - hier erleben Sie Ursula van der Leyen in Gebärdensprache. Und dann noch diese nichtssagenden Antworten in Sachen Barrierefreiheit für Gehörlose: Judith Nothdurft durfte Ursel interviewen

Für die Betroffenen ist klar, dass der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung einen Scheißdreck wert ist, der WEIT unter den Vorgaben der UN-Konvention der Menschenrechte der Menschen mit BEhinderungen bleibt. Oh, ich hatte vergessen zu erwähnen, dass dieses Gesetz seit 2009 in Deutschland gültig ist.

1,8 Millionen Euro sind für diese unerträgliche Werbekampagne mit dem bescheuerten Slogan: "BEhindern ist heilbar" für nichts ausgegeben worden. Für nichts.

ABER: Es freut mich, wenn ich mitbekomme, dass z.b. die Piraten versucht haben mit ihren wenigen Mitteln eine Live-Untertitelung von ihrem Parteitag anzubieten.

Oder das die Grünen auf ihrem Bundesparteitag vom 26-27. November in Kiel Gebärdensprachdolmetscher auf der Bühne hatten, der dann auch extra im gesonderten Fenster im Livestream gezeigt worden ist!

Es ist schon interessant, dass es gerade die jungen Parteien wie die Grünen und die Piraten sind, die sich wirklich ernsthaft um die Barrierfreiheit bemühen, während die älteren Parteien eher Lippenbekenntnisse abgeben und Geld zum Fenster rausschmeissen durch unfähige Berater, die absolut keine Ahnung von der ganzen Sache haben.

Und deswegen habe ich so sehr gründlich die Schnauze voll.

Und ich drücke den Grünen und der Piratenpartei für 2013 kräftig die Daumen, dass sie eine gemeinsame Regierung stellen können, die den Bundestag mal kräftig durchpustet im Sinne eine barrierefreien und inklusiven Gesellschaft - einfach eine echte soziale Gesellschaft.

Für mich heißt es, wie schon zuvor erwähnt, dass der Vorhang gefallen ist - die ganze Kritik von mir, die sich wie ein roter Faden durch mein Blog zieht, ist wirklich nicht neu, denn sie gibt es schon seit Jahren. Nicht nur von mir, sondern von vielen anderen Betroffenen.

Es MUSS ein Ruck durch Deutschland gehen. (Danke an Roman Herzog.)

Damit lasse ich den Vorhang wirklich fallen:

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