Freitag, 25. November 2011

Der Vorhang ist gefallen!

Ich habe mich dazu entschlossen, dass die Sendepause für immer ist, ab sofort werde ich unter @EinAugenschmaus nichts mehr schreiben und auch hier im Blog nicht mehr.

Es lebt sich nämlich viel entspannter, wenn man sich nicht mehr mit der Thematik beschäftigt. Trotzdem schäme ich mich immer noch für Deutschland in Sachen Barrierefreiheit und Inklusion - denn da liegt die Industrienation Deutschland so ziemlich auf den letzten Rängen weltweit.

Anfang des Monats war eine gehörlose Freundin mit ihrem ebenfalls gehörlosen Freund in New York und sie hat mal wieder bemerkt, wie barrierefrei die USA sind - nicht nur, dass dort im Fernsehen alles mit Untertitel kommt, sondern auch die Menschen viel offener und zugänglicher reagiert haben, wenn sie sagten: "Sorry, we're deaf." Daraufhin haben echt alle Amerikaner angefangen langsamer und deutlicher zu sprechen sowie mehr Körpersprache einzusetzen, außerdem änderte sich nichts an der Höflichkeit der Amerikaner. Andere gehörlose Freunde wiederum berichteten, dass sie öfters auf (hörende) Amerikaner gestoßen sind, die Gebärdensprache konnten.

"In Deutschland wird man viel früher und viel schneller dumm angeschaut, wenn man sagt:"Ich bin gehörlos, könnten Sie bitte langsam und deutlich reden?" war das Fazit der beiden.

Und es stimmt. Das kann ich bestätigen, dass man in Deutschland ziemlich oft scheel von der Seite angeschaut wird und man oft noch einen mitleidigen Blick geschenkt kriegt und auf der Stirn der Mitmenschen lesen kann: "Oh, der/die ARME(R), das IST ja furchtbar..."

Was man nicht kennt, vermisst man auch nicht, so einfach ist die Sache mit dem Hören für Gehörlose. Aber was man kennt, vermisst man - so zum Beispiel die Barrierefreiheit und Inklusion für Menschen mit Behinderungen.

Und ich kann nicht mal der Gesellschaft bzw. der Mitmenschen einen Vorwurf machen, dass sie meistens hilflos und zwiegespalten reagieren, wenn sie mit etwas anders als der Norm zu tun bekommen, was einfach an der Aussortierung von Menschen mit Behinderungen aus der Gesellschaft von klein auf liegt.

Und daran ist die Politik schuld mit ihrer falschen Haltung und Tunnelblick. Es ist ja nicht so, dass Menschen mit Behinderungen unter sich sein wollen, sondern sie wollen alle den gleichen Zugang zur Gesellschaft und Informationen - eben eine echte Teilhabe von klein auf.

Und das wird in Deutschland wohl nicht mehr passieren in den nächsten Jahren. Aber damit werde ich mich nicht mehr beschäftigen. Es lebt sich so viel entspannter und vielleicht ist das auch ein bisschen feige.

"Denk ich an Deutschland in der Nacht, Dann bin ich um den Schlaf gebracht, Ich kann nicht mehr die Augen schließen,Und meine heißen Tränen fließen." so hat sich Heinrich Heine geäußert.

Und ich hab keien Lust mehr, dass ich vor Wut manchmal heule, weil Deutschland einfach ein Armutzeugnis in Barrierfreiheit und Inklusion hinlegt. Oder dass ich mich darüber aufrege, dass auf der DVD von "Gegen die Wand" nur dann deutsche Untertitel sind, wenn türkisch gesprochen wird, aber nicht, wen im Film deutsch gesprochen wird. Das gleiche Problem bei "Der letzte Tag." Und so weiter und so fort.

Und noch viel weniger will ich ständig den Menschen hier in den Ohren liegen bzw. die Ohren damit vollheulen, wie wichtig das ist. Es ist ja nicht so, dass man Recht bekommt, wenn man Recht hat - siehe UN-Behindertenkonvention der Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen, was gültiges Recht ist in Deutschland.

Oder wie mein Opa immer sagt: "Neid und alles andere ist hart erarbeitet. Das Mitleid bekommt man geschenkt."

Nun - Mitleid will man erst recht nicht, wenn man behindert ist und man will sich auch nicht das Recht hart erarbeiten müssen, sondern es einfach kriegen, weil es gültiges Recht ist.

Und ja - es war eine tolle Zeit mit euch allen, ganz besonders auf der Re:publica 11 in Berlin. Und für jede E-Mail, für jede DM, jeden Reply und Blogkommentar möchte ich euch allen ganz <3 danken!

Ein kleiner Fernsehtipp noch: Am 03.12.2011 kommt auf Tele5 um 15 Uhr, der Film "Gottes vergessene Kinder", der filmische Meilenstein in Sachen Gehörlose und Gebärdensprache!

Donnerstag, 17. November 2011

Warum eigentlich Sendepause auf unbestimmte Zeit?

Seit gestern bin ich nun sehr oft gebeten worden, dass ich mir einfach nur eine Auszeit nehme, aber mit dem Bloggen und dem Twittern weitermachen soll nach dieser.

Auch wurde mir gesagt, dass mir der Umweg über die Politik wohl nicht erspart bleiben wird - richtig, da war ja noch was!

Ich habe mir die letzten Wochen durch den Kopf gehen lassen, welche Partei mir denn nun am meisten zusagt und schwankte sehr zwischen einem Beitritt bei den Piraten oder bei den Grünen.

Aber was mir an der ganzen Sache überhaupt nicht behagt, ist die Tatsache, dass man als Politiker oftmals überhaupt kein Privatleben mehr hat und die Kontrolle nicht mehr so gegeben ist, ob Privates wirklich Privates bleibt. Und mit meiner direkten Art und Geradlinigkeit wäre ich wohl auch gar nicht für die Politik geschaffen. Außerdem denke ich längerfristiger als die meisten Politiker, was das Ganze noch erschwert.

Mit meiner Art zu bloggen und Internetpräsenz habe ich mir einen kleinen Bekanntheitsgrad geschaffen, aber warum in Gottes Namen* muss man erst sich erst mal einen Namen verschaffen, um gehört oder eher erhört zu werden von der Politik, die ihre Hausaufgaben einfach nicht macht? Ich wollte eigentlich nie "bekannt" werden, das war auch gar nicht der Sinn meiner Bloggerei. Mir schwebte einfach ein bisschen Aufklärungsarbeit vor und fertig.

Die Tendenz ist also eher, dass ich das mit dem Bloggen und dem Twittern ganz sein lasse und anderen das Beackern des Feldes überlassen werde.

Auf das bisschen Etwas, was ich bisher erreicht habe, bin ich aber auf jedem Fall stolz!

P.S. Und Jammern wollte ich grad wirklich nicht, aber das musste echt mal raus. Und ich hoffe, es ist nun etwas verständlicher, warum ich derzeit eine Sendepause auf unbestimmte Zeit habe.


*Mit der Religion habe ich wirklich nichts am Hut, aber diese Rendewendung gefiel mir einfach an diesem Punkt, vor allem, da wir ja grad eine angebliche christliche Partei in der Regierung haben. C wie Nicht-Christlich.

Sendepause auf unbestimmte Zeit.

Es ist soweit: Die auf Twitter Anfang September verkündete Sendepause steht an: Ich habe mich dazu entschlossen, dass ich das Bloggen und Twittern für eine unbestimmte Zeit sein lasse.

Es gibt sovieles, worüber ich mich aufregen könnte und blogtechnisch verwursten könnte, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sich in Deutschland nichts in Sachen Inklusion und Barrierefreiheit ändern wird in absehbarer Zeit.

Am 29. November werde ich also bei der Socialbar in Stuttgart auftreten, was dann der zweitletzte oder der letzte Termin für 2011 sein wird. Anfang Dezember steht wohl noch einer an, aber noch ist nix fix.

Aber vielleicht sieht man sich ja im Fernsehen? Ich habe nämlich die Redaktionen von "Hartaberfair", "Jauch", "AnneWill" und "Markus Lanz" angeschrieben, ob die nicht mal über Barrierefreiheit und Inklusion von Menschen mit Behinderungen reden wollen mit mir als Studiogast?

Die Antworten waren halt, dass man mich im Kopf behalte für eine solche Diskussion, den Themenvorschlag in der Redaktionssitzung besprechen wird und noch keinen Sendungstermin hierfür habe.

Nun, wir werden sehen, was dabei rauskommt.

Freitag, 11. November 2011

CODA-Familie bei Kerner

Gestern Abend war die gehörlose Familie Schäfer bei Kerner zu sehen und es war schön zu sehen, wie sachlich korrekt und vor allem barrierefrei man über die Familie berichtet hat - es gab Untertitel und der Gebärdensprachdolmetscher war während der Talkrunde ständig im Bild. :-)

(CODA= CHILD(ren) OF DEAF ADULTS - Kind(er) von gehörlosen Erwachsenen - das drückt aus, dass es hörende Kinder sind. Es gibt auch noch DCODA - DEAF Child(ren) OF DEAF ADULTS - Gehörlose Kinder von gehörlosen Erwachsenen.)

Ich hätte mir für die nicht gebärdensprachkompetenten Gehörlosen und Schwerhörige, ja das gibt's auch, die ganze Zeit über #Untertitel gewünscht, aber es war schon ziemlich gut gemacht bei Kerner auf Sat1.

Nicole Schäfer ist Erzieherin, Mathias Sozialpädagoge und sie haben 3 hörende Kinder, die zweisprachig aufwachsen werden - mit der Gebärdensprache und der Lautsprache.

Sehr interessant ist auch im Video die Bestätigung der Tochter Aurelia, dass sie mit 8 Monaten angefangen hat zu gebärden, also zu sprechen. Die Lautsprache kam erst später dazu. Gehörlose Kinder von gehörlosen Eltern fangen durch das Kommunikationsmittel Gebärdensprache sehr früh an, sich der Umwelt mitzuteilen.

Der Sohn einer gehörlosen Freundin sprach ebenfalls mit etwa 8 Monaten sein erstes Wort: "Ente."

Und der eine oder der andere wird sicherlich mal von den Babyzeichensprach-Kursen gehört haben, ein Trend, der aus den USA zu uns rübergeschwappt ist, weil man einfach gemerkt hat, dass Kommunikation schon viel früher gemerkt hat durch die Gebärdensprache.

Das ist ein echter Fortschritt gewesen in Deutschland, wenn man mal bedenkt, dass Pädagogen und Ärzte noch in den 1990er Jahren hörenden Eltern eines gehörlosen Kindes davon abgeraten haben für das Kind Gebärdensprache zu lernen, um so mit dem Kind kommunizieren zu können, da die Gebärdensprache die Kinder angeblich am Sprechen lernen hindern würde... Diese Meinung ist heute übrigens noch nicht ganz ausgestorben. Eigentlich lächerlich, wenn man bedenkt, dass Kinder aus binationalen Familien ebenfalls zweisprachig aufwachsen von klein auf und an diesem Fakt stört sich kein Schwein.

Aber zurück zur der Familie Schäfer - eine sympahtische Familie und ein Johannes B. Kerner, der offen zugab, dass das alles mit der Gebärdensprache nicht soooo einfach ist. ;-) Es wird auch erzählt, wie Gehörlose wach werden und die Erklärung einiger Namensgebärden.

Hier kommt man zum Video:

Hörende Kinder - Taube Eltern - Familie Schäfer bei Johannes B. Kerner


Was ich mir vielleicht noch gewünscht hätte, wäre das Thema Barrierefreiheit gewesen....Aber man kann ja nicht alles haben. ;-)

Mittwoch, 9. November 2011

Deutsch ins Grundgesetz - Diskriminierung der Gebärdensprache

Diesen Montag hat der Bundestag darüber debattiert, ob man Deutsch als Landessprache im Grundgesetz verankern sollte. Das Ganze wurde übrigens vor einem Jahr von der BILD-Zeitung natürlich unterstützt, weil die Bild ja immer weiß, was der kleine Mann da unten vom großen Mann da oben will.

Mit der Unterstützung des großen Boulevardblattes konnte der VDA - Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland und der VDS - Vereins deutscher Sprache 46.317 Unterschriften sammeln für die Forderung: "Deutsch muss ins Grundgesetz!"

Deutsch ist übrigens bereits vom Gerichtsverfassungsgesetz als auch von den Verwaltungsverfahrensgesetze als Amtssprache festgelegt - wozu also die Petition für die Aufnahme ins Grundgesetz?

Man ahnt's schon - Deutsch habe einen dramatischen Bedeutungsschwund erlangt und überhaupt hätten 17 von 25 EU-Staaten ihre Sprache in die Verfassung festgeschrieben, so der Standpunkt des VDA und VDS.

Die Gegenposition für die Festlegung im Grundgesetz vom Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch und diese ist so einleuchtend wie auch überzeugend. Besonders hat es mich gefreut, dass er die Gehörlosen als die sprachliche Minderheit unter sprachlichen Minderheiten in Deutschland nicht vergessen hat zu erwähnen und zu ermahnen, dass ein solche Verankerung der deutschen Sprache ins Grundgesetz ein Signal der Abschottung gegen diese sprachlichen Minderheiten ist.


In Deutschland leben ca. 80tausend Gehörlose und 16 Millionen Schwerhörige, aber ich will mich jetzt mal nur auf die Gehörlosen beziehen, denn die überwiegende Mehrheit der Gehörlosen in Deutschland bezeichnet die Deutsche Gebärdensprache als ihre Muttersprache.

Aber offiziell sind die Gehörlosen nicht als eine sprachliche Minderheit anerkannt, sondern als eine Gruppe der Behinderten, obwohl Gehörlose sich selbst nicht als behindert bezeichnen, sondern eben als eine sprachliche Minderheit.

Oder kennen Sie eine andere Behinderung, die eine eigene Sprache mit einem eigenen Wortschatz, einer eigenen Poesie, einer eigenen Kultur und eigenen olympischen Spielen, die Deaflympics, hervorgebracht hat? Es gibt zwar die Paralympics und die Special Games, wo aber verschiedene Behinderungen zusammenkommen.

In Deutschland ist die deutsche Gebärdensprache seit dem 1. März 2002 als eigenständige Sprache anerkannt, aber nicht als Amtsprache. Sie hat nur den Status einer eigenständigen Sprache erlangt, aber nicht den einer Minderheitensprache wie Nordfriesisch, Saterfriesisch, Dänisch, Sorbisch und Romani in Deutschland.

Warum eigentlich nicht? Es ist längst dringend überfällig, dass die deutsche Gebärdensprache den Status einer solchen erlangt, denn sie erfüllt alle 5 Kriterien für eine solche Anerkennung.

Der Vorteil dabei wäre: Als Partei einer nationalen Minderheit ist man gemäß § 3 Abs. 1 Satz 2 des Wahlgesetzes seit 1955 für den Landtag des ansässigen Bundeslandes von der 5-Prozent-Hürde befreit; dies gilt auch schon seit 1953 für Bundestagswahlen nach § 6 Abs. 6 Satz 2 des Bundeswahlgesetzes, der für alle Parteien nationaler Minderheiten gilt.

Damit wäre der Weg frei für eine politische Mitsprache der Gehörlosen.

Andere Länder wie Island und Neuseeland sind uns da meilenweit voraus: Dort ist die jeweilige Gebärdensprache des Landes zur Amtssprache ernannt worden.



Mein Fazit ist also: Die Politik sollte sich in Deutschland mit anderen Sachen beschäftigen, ob nun Deutsch ins Grundgesetz festgelegt werden sollte oder nicht, denn es gibt wirklich wichtigeres zu tun und der größte Berg an Arbeit wartet im sozialen Bereich auf die unerträgliche unsoziale schwarz-gelbe Regierung.

Und im übrigen ist es wirklich das falsche Signal, wenn man Deutsch ins Grundgesetz reinschreibt, weil es eine Abwertung der anderen Sprachen ist, die in Deutschland gesprochen werden. Aber logischerweise ist es wichtig, dass Einwanderer und Zuwanderer die Sprache des Landes lernen, wo sie arbeiten und leben wollen, damit beide Seiten voneinander lernen können.

Ich hoffe so sehr, dass bei der Bundestagswahl 2013 ein ganz anderer Geist durch den Bundestag weht und Schwarz-Gelb endgültig abgewählt ist, denn keine andere Regierung hat dem sozialen Miteinander in Deutschland so geschadet wie diese.

Dienstag, 8. November 2011

Auftritt

Am 29. November 2011 werde ich auf der Stuttgarter Socialbar auftreten und über Barrierefreiheit reden.

Hier entlang zu der Veranstaltung: http://socialbar.de/wiki/Stuttgart