Freitag, 30. September 2011

Hörbehinderte/Gehörlose dürfen nicht gemeinsam in den Urlaub fliegen

Kein Aprilscherz, sondern bittere Wahrheit, welche sich letzte Woche in Marseille abgespielt hat:

Eine Gruppe von Gehörlosen wollte von dort aus in die Türkei fliegen, jedoch wurde ihnen der Mitflug verweigert aus Sicherheitsgründen, die laut der Chefin der Flug-Airlinie "Air-mediterranee" wie folgt heißen:"Schwerhörige gelten als Personen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Wir hätten mehr Personal einsetzen müssen.“

Nun ja - die gleiche Gruppe flog schon 2010 nach Tunesien ohne aufgestocktes Sicherheitspersonal, nur mal so nebenbei bemerkt.

Ich bin neulich erst im August von Stuttgart nach Hamburg geflogen mit der AirBerlin und dort werden die Sicherheitshinweise nicht nur von den Flugbegleitern erklärt, sondern auch auf den Bildschirmen - es gab sogar Untertitel, allerdings englische Untertitel. Der Sinn erschließt sich mir bis heute übrigens noch nicht ganz, warum auf einem innerdeutschen Flug englische Untertitel auf dem Bildschirm zu sehen sind beim Sicherheitsvorführungsfilm, aber liegt wahrscheinlich daran, dass Englisch die Weltsprache Nummer 1 ist. Ich hätte es nett gefunden, wenn dort auch deutsche Untertitel vorhanden gewesen wäre.

Und auf diesem Flug nach Hamburg also habe ich auf den Hinweis im Buchungscode verzichtet, dass ich gehörlos bin, denn das kann man nämlich angeben, dann kriegt man nen besonderen Service an Bord durch die höhere Aufmerksamkeit der Flugbegleiter, was ich auf dem Flug von München nach Bilbao in Spanien im Jahre 2001 erlebt habe. Muss ich nicht haben, dass jemand mit mir redet, als wäre ich 3 Jahre alt und könne nicht alleine aufs Klo gehen.

Daher habe ich bisher auf diesen Code verzichtet bei Flugreisen, denn es IST doch lächerlich, wenn auf meinem Flug ebenfalls eine schwerhörige/gehörlose Person gebucht wird und es dann Probleme gibt aufgrund dieser lächerlichen Sicherheitslinie, die besagt, dass es einfacher seie sich im Notfall um eine einzelne gehörlose/schwerhörige Person zu kümmern als um mehrere.

Schon 2004 hat eine gehörlose Reisegruppe die Fluggesellschaft Air Nostrum wegen Diskriminierung verklagt.


Die Bild-Zeitung benützt übrigens OH WUNDER, sogar den korrekten Begriff "Gehörlose" in ihrem Bericht über den Marseiller Vorfall. Lediglich Gebärdensprachdolmetscher schrieb sie falsch, aber da war nur ein Buchstabe zuviel. ;-)

Unerhört! Airline lässt Gehörlose trotz Tickets nicht an Bord

Und hier der Bericht aus der Welt-Online: Sicherheitsbedenken: Fluggesellschaft lässt Hörbehinderte nicht fliegen. Die Welt-Online hat übrigens fototechnisch einen Fehler gemacht - das Foto zeigt einen Gehörlosen MIT einem Cochlear Implantat, nicht mit einem Hörgerät!

Noch etwas: Sicherheitshinweise werden vorgeführt und zwar visuell - das versteht jeder. Die Sicherheitsrichtlinien sind also völliger Bockmist. Und ich merk nichts davon, dass ich als Gehörlose irgendwie in meiner Bewegung eingeschränkt bin - ich kann alles bewegen. Bin ich visuell irgendwie eingeschränkt? Bin ich zu bescheuert, um alleine zu fliegen zu dürfen? Ich seh den Sinn dieser Sicherheitslinie bis heute nicht ein und bin gespannt auf den Ausgang der Klage.

Hier übrigens noch ein älterer Blogeintrag von mir, wo ich über den Fall der Air Nostrum von 2004 sinnierte und mich fragte, ob die Sicherheitslinien nun einen Schutz DER Behinderten darstellen oder einen Schutz VOR Behinderten.

Schutz vor Behinderten oder Schutz der Behinderten?!


Und bei meinen geschätzten Kollegen Not quite like Beethoven kann man sich ebenfalls einen Blogeintrag zu dem Marseiller Fall durchlesen, die Kommentare sind auch sehr interessant:

Schwerhörige gelten als Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit."

Achja, die Kommentare unter dem Bild-Artikel und bei Welt-Online sind ebenfalls interessant.

Freitag, 23. September 2011

Aus dem Leben einer CODA

Vor einiger Zeit sorgte die Userin "MusicForTheEye" auf Youtube für Furore, denn sie stellte ein Video online zum Song "Endboss" von Marteria. An sich nichts besonderes, wäre nicht der Umstand, dass sie es in Gebärdensprache vortrug!

Das Video wurde, wie andere Videos in Gebärdensprache von ihr, zu einem Knaller auf You-Tube.

Allerdings kann man sich die Videos nicht mehr anschauen, da die GEMA die Videos gesperrt hat wegen der Rechte am Lied - vielleicht wäre es doch schlauer gewesen von ihr, die Videos ohne Ton online zustellen. ;-)

Jetzt hat mich ein Twitterer auf einen Blogbeitrag von "MusicFortheEye" aufmerksam gemacht, wo sie erzählt, wie das alles zustande kam mit dem Video und wie ihr persönlicher Hintergrund als CODA aussieht und was sie als CODA bisher so erlebt hat im Umgang der hörenden Mitmenschen gegenüber ihren gehörlosen Eltern.

(Erklärung: Das Wort CODA setzt sich so zusammen: CHILDREN OF DEAF ADULTS - Kinder von gehörlosen Erwachsenen. Also hörende Kinder von gehörlosen Erwachsenen, die mit der deutschen Gebärdensprache als Muttersprache aufwachsen und oft leider etwas zu früh erwachsen werden, weil sie oft für ihre Eltern dolmetschen müssen. Diese Problematik dieser Rolle sieht man auch gut im Film "Jenseits der Stille", wo Lara z.B. auf der Bank für ihre Eltern dolmetschen muss.)

Beispielsweise kann ich bestätigen, dass Ärzte und andere Menschen in anderen ähnlichen Situationen oft mit der hörenden Begleitperson des gehörlosen Patienten ÜBER den Gehörlosen reden anstatt MIT und ZUM gehörlosen Patienten - die blenden dann einfach den Hauptbetroffenen aus - das ist kein Einzelfall im Umgang.

Also: Vorhang auf einen Blick aus dem Leben einer CODA - MusicForTheEye erzählt, wie sie loszog, um die Welt zu retten und was dabei rauskam - hier bitte klicken!

Mittwoch, 21. September 2011

Gehörlos und Soldat?!

Ich wollte ja schon lange mal über den gehörlosen Amerikaner Keith Nolan berichten, dessen Traum es ist, seinem Land beim Militär zu dienen, was er aber nicht darf, weil er gehörlos ist, aber irgendwie kam ich nicht dazu.

Jetzt aber habe ich eine tolle Verbindung zu Keith Nolan und Libyen erhalten, also lege ich mal los.

Nun, Keith Nolan ist ein gehörloser Amerikaner, dessen Großvater und Großonkeln im zweiten Weltkrieg ihrem Land gedient haben - er stammt also aus einer Familie mit militärischer Tradition, weswegen er den Wunsch hatte zum Militär gehen zu können.

Als Gehörloser ist es ihm eigentlich nicht möglich, aber er hat sich über ein Programm zum Militär gemogelt, aber er musste seine Uniform wieder abgeben, weil der medizinische Dienst ihn beim Übergang in den offiziellen Militärdienst automatisch durchfallen lässt aufgrund seiner Gehörlosigkeit, obwohl er gute Noten erlangte beim militärischen Programm und sich den Respekt seiner Mitsoldaten und Vorgesetzten erwarb durch seine Hartnäckigkeit.

Der Ted-X-Talk mit Cadett Nolan ist jedenfalls sehr interessant, allerdings hört man nicht seine eigene Stimme, sondern er wird nach gesprochen von einer anderen Person, aber er spricht schon, während er in ASL (American Sign Language) gebärdet.

Ted-X-Talk Islay with Keith Nolan - Deaf in the Military


Cadett Nolan kämpft derzeit noch dafür, dass diese Regelung fallen gelassen wird und amerikanische Gehörlose genau wie israelische Gehörlose in das Militär eintreten können und ihrem Land dienen dürfen - hier seine Facebook-Seite.

Und heute las ich im Taubenschlag von gehörlosen Rebellen, die in Libyen aktiv für die Freiheit des Landes mitkämpfen - und dadurch sehr viel gewonnen haben, denn unter Gaddafi durften die Gehörlosen in Libyen nicht mal einen Gehörlosenbund gründen, denn dieser hatte Angst vor der "geheimen" Gebärdensprache, weil diese von seiner Polizei nicht belauscht werden konnte noch verständlich war.

Einer der gehörlosen Rebellen, der 18jährige Abubakar Mustafa Awene sagt zum Beispiel: "Ich kann nicht hören und nicht sprechen, aber ich kann kämpfen. Wenn ich das kann, hat niemand eine Entschuldigung, nicht auch mit da draußen zu sein."

Was die gehörlosen Rebellen den hörenden Rebellen voraus haben? Sie sehen besser, das ist von Vorteil im Kampf. So sah z.b. der gehörlose Anführer Khalid Sati der 86 Mann starken Brigade, wovon die gehörlosen Rebellen 79 Mann ausmachen plus 7 hörende Rebellen, als einziger eine leichte Bewegung hinter einem Fenster, weswegen er einen Gaddafi-Soldaten erschiessen konnte, bevor dieser eine Granate auf die Truppe werfen konnte.

Die Gebärdensprache beherrscht die ganze Brigade fließend und die hörenden Rebellen fungieren als Dolmetscher zwischen den einzelnen Brigaden der Rebellen.

Was die gehörlosen Rebellen noch dazu gewonnen haben außer der Anerkennung, dass sie Mitkämpfer auf Augenhöhe sind? Sie sind nicht mehr arbeitslos, isoliert und diskriminiert, sondern gewannen hörende Freunde und die Garantie, dass sie in einem freien Libyen sicherlich einen Gehörlosenbund gründen dürfen und ihre Sprache, die Gebärdensprache nicht mehr unterdrückt wird.

(Es geht hier übrigens nicht darum, dass Gewalt verherrlicht wird, sondern dass Gehörlose inklusiv in einer Gesellschaft mitleben können und wollen sowie genau die gleichen Träume teilen wie andere Menschen auch. P.S. In Ägypten machten Gehörlose genau wie Hörende bei der Revolution mit - hier der Blogeintrag: Ägyptische Gehörlose waren auch dabei bei der Revolution.)

Hier der englische Artikel über die gehörlosen libyschen Rebellen.

In Deutschland gab es übrigens unter den Nazis auch Gehörlose, die im Krieg mitgekämpft haben und einen Sonderstatus hatten - hier geht's zum Blogeintrag:

Gehörlose Zeitzeugen unter dem Hakenkreuz

Achja, ermordet und zwangsterilisiert wurden Gehörlose wie andere Menschen mit Behinderung(en) auch in der Nazizeit:

Menschen mit Behinderungen unter dem Hakenkreuz

Zwangsterilisationen unter dem Hakenkreuz

Bin mal gespannt, was ihr zu diesem Blogeintrag sagt..

Samstag, 17. September 2011

Grün, stachelig und gehörlos!

Am Sonntag könnte der Traum wahr werden, dass zum ersten Mal überhaupt in Deutschland ein Gehörloser im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt bzw. politisch tätig ist. Einen kleinen Haken gibt es bei der Sache: Damit Martin Zierold auch ganz sicher ins Haus einzieht, müssten die Grünen in Berlin-Mitte 22% der Stimmen holen, derzeit stehen sie laut Umfragen bei 20%. Könnte also ganz knapp werden für Martin.

In der JETZT-Zeitung gibt es einen netten Bericht über Martin und seine Arbeit, nur leider stört's mich auch dieser Umstand, dass Martin eher bisschen wie ein kleines Kind vorgeführt wird durch die Bildersprache im Text, womit ich nicht alleine bin, denn auch die Kommentare unter dem Artikel belegen, dass dieser Eindruck nicht nur bei mir entstanden ist!

Politik der fliegenden Hände

Und hier geht's zur seiner Homepage:

Martin Zierold - Vielfalt stärken. Stärke durch Vielfalt


Ich wünsch dir für morgen viel Glück, Martin! Sichtbarkeit schafft Bewegung und mit deiner Kandidatur hast du auch schon sehr viel erreicht, aber was wirst du erst alles erreichen können, wenn du den Einzug schaffst! Meine Daumen sind gedrückt! :-)

Mittwoch, 14. September 2011

Warum gibt es bisher keine hochwertigen 1:1 Untertitel im deutschen Fernsehen?

Heute erreichte mich folgende Pressemitteilung, dass die ARD, dass sie den Ausbau barrierefreier Angebote beschlossen habe. Beim näheren Lesen machte mich das Wörtchen "Erstsendungen" stutzig. Warum steht da nicht gleich davon, dass man das ganze Programm untertiteln will? Auch ist zu lesen, dass derzeit 37% des Programms der ARD untertitelt.

Hier geht's zur Pressemitteilung: Bitte klicken.


Mich interessiert es vor allem, ob die Frau Piel auch daran gedacht hat, dass man die Mediathek der ARD barrierefrei anbietet, denn auch das wäre ein wichtiger Schritt, denn derzeit kann man nämlich einen verpassten "Tatort" nicht einfach in der Mediathek mit Untertitel nachholen. Beim ZDF ist es möglich in der Mediathek einen verpassten Film nachträglich mit Untertitel anzuschauen.

Die Untertitel in der ARD werden von den jeweiligen Landesfunkrundstalten produziert, die ihre eigenen Facebookseiten haben. So haben z.b. die Untertitelredaktionen vom WDR und des NDR welche. Social Media macht's möglich. ;-) Ich mag es, wenn ich dort kommentieren kann und Feedback zurückbekomme.

Da hab ich gleich mal bei NDR_Untertitel nachgefragt, was mit der Qualität der Untertitel, sprich 1:1 -Untertitel und der Barrierefreiheit der Mediathek seie? Nun, ich bekam das hier zur Antwort:

Liebe Frau Probst, zur Zeit mangelt es bei der Einstellung von Untertiteln in der NDR Mediathek an den technischen Möglichkeiten. Wir befassen uns aber mit der Problemstellung und arbeiten im Rahmen des Projektes "Barrierefreier Rundfunkzugang", das der NDR eingerichtet hat, an einer Umsetzung. Die Mediathek der ARD fällt nicht in unseren Zuständigkeitsbereich. Zu der von Ihnen angesprochenen 1:1 Untertitelung sowie der Qualität verweisen wir auf unseren Beitrag, den Sie unter "Notizen" finden.

Den Dialog findet man hier auf der Facebookseite.

Da habe ich dann mal auf die verwiesene Notizenseite geschaut:

Warum wird nicht 1:1 untertitelt?


Da hab ich dann meinen Kommentar hinterlassen:"Dem widerspreche ich. Gerade die durchgehende Untertitelung in Finnland, wo Filme untertitelt werden als sycnrochisiert, hat dafür gesorgt, dass finnischen Schüler bei der PISA-Studie am besten abgeschnitten haben beim Text- und Schreibverständnis. Außerdem sind die meisten DVD's in hoher Qualität untertitelt 1:1. Die Untertitel im Fernsehen sind ein Witz von der Qualität her - man teste nur mal die Untertitel bei "DAS!" im ND um täglich um 18:45 Uhr. Ich sehe so oft Dialoge, wo ich von den Lippen etwas völlig anderes ablese und im Untertitel den Satz total verkürzt und vereinfacht umformuliert sehe.

Das ist eine Bevormundung. Es bringt den gehörlosen Menschen mit geringer Sprachkompetenz nichts, wenn Dialoge zu einfach formuliert in den Untertitel erscheinen. Der Punkt ist: Wenn Gehörlose, Schwerhörige ab 2013 6 € Gebühren zahlen sollen, um finanziell zum barrierefreien Ausbau des Angebots zu zahlen, dann erwarte ICH als Gehörlose völlige Gleichbehandlung - nämlich, dass ich auch 1:1 genau DAS mitbekomme, was gesagt wurde.

Artikel 3 des Grundgesetzes: Niemand darf aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden. Und ein weiterer Punkt: Die Scrollingmethode ist am besten geeignet, den Weg für 1:1 Untertitel zu ebnen, die muss man dann aber auch gescheit anwenden.

Fakt ist: Was in England und in den Staaten täglich an Untertitel produziert wird in dieser hohen Qualität, muss auch hier umgesetzt werden, da gibt's keine Ausrede mehr. Gerade hochwertige Untertitel sind durch die visuelle Kombination mit Text und Bild dafür geeignet, Gehörlosen und Schwerhörigen, Alten wie Jungen eine bessere Bildung zuvermitteln. Und auch Ausländer, die in Deutsch lernen wollen, profitieren von hochwertigen, unverkürzten und unvereinfachten Untertitel. So muss man denken."

So denkt das deutsche Fernsehen. So sieht die Realität aus und ganz besonders heftig wird einem der Unterschied, wenn man an der Stelle von Christiane Link vom Behindertenparkplatz von England aus mal in "DAS!" auf NDR reinguckt und dann fassungslos vor dem Fernseher zurückbleibt: "Das kann doch nicht wahr sein, dass nur 50% des Gesagten untertitelt wird und alles so verkürzt und einige falsche Tatsachen gesagt werden in den Untertitel."

Auch sie hat auf der Untertitelseite vom NDR-Untertitel gepostet, worauf man leider nicht direkt verlinken kann, der Beitrag erscheint nur, wenn man auf "Alle Beiträge" klickt.

Sie hinterliess folgenden Text auf der Facebookseite von denen: "Hallo NDR-Untertitel-Team, ich habe gerade NDR DAS! zusammen mit einer gehörlosen Freundin gesehen. Ich kann hören. Mich würde mal interessieren, warum die Qualität der Live-Untertitelung bei den Interviews im Studio so schlecht ist. Es werden nicht einmal 50% der Informationen vermittelt, die ich als Hörende über das Interview bekomme. Woran liegt das? Das würde mich sehr interessieren. Ich lebe in Großbritannien und die Qualität der Untertitel bei BBC, auch bei Livesendungen, ist um Welten besser. Ist es ein Softwareproblem? Ist die Software bei Deutsch nicht so gut wie bei Englisch? Danke für die Antwort!"

Darauf antwortete das Team von NDR-Untertitel:"An einer Live-Sendung wie „Das!“ arbeiten immer mindestens 2 Untertitel-Redakteure. Sie verfolgen die Gespräche, und geben die Inhalte mittels einer Spracherkennungssoftware wieder. Diese wandelt dann das Gesagte in Untertitel. Entscheidend dabei ist, wie schnell können Gesprächsinhalte erfasst und in Untertitel umgesetzt werden. Sprechtempo, Thema, Gesprächssituation, Artikulation, Redefluss - die Qualität einer Live-Untertitelung wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Zudem ist ein gewisser Zeitverzug nicht zu vermeiden, denn der Untertitel kann erst formuliert werden, wenn der Satz gesprochen wurde. Und solange es keine automatische Spracherkennung gibt, wird sich daran wenig ändern. Wenn Sie sich die Sendung genauer anschauen, erkennen Sie, dass die Gesprächsinhalte - wenn auch nicht 1:1 - doch aber nahezu vollständig wiedergegeben wurden. Wir bedauern, dass Sie das offenbar anders empfunden haben. Seien Sie aber versichert, dass die Redaktion ständig an einer Qualitätsverbesserung arbeitet. Die geäußerte Kritik ist insofern Auftrag und Ansporn zugleich, die Anstrengungen in dieser Richtung fortzusetzen."

Christane verwies dann auf den hohen Standard bei der BBC:"Herzlichen Dank für die Antwort. Ich denke, das Ziel muss sein, Inhalte 1:1 wiederzugeben. Gerade bei Interviews sind Zusammenfassungen ja nicht genug. Man möchte doch wissen, wie es etwas gesagt wurde etc. Mir ist bewusst, dass das nicht ganz einfach ist und es eine enorme Leistung durch die Untertitel-Redakteure erfordert, aber es ist in UK Alltag. Sicher wissen Sie, dass die Untertitel hier zum Beispiel auch am Flughafen laufen und in Umgebungen, wo Ton stören würde, also auch hörende Menschen diese nutzen. Ich denke, das sollte der Maßstab sein: Wenn hörende Menschen sie problemlos nutzen, wenn sie am Flughafen sitzen, haben sie Niveau erreicht, das angemessen ist."

Darauf die die knappe Antwort von NDR-Untertitel: "Wir arbeiten daran."

Leider hat die NDR-Untertitel-Redaktion nicht auf meinen Beitrag zu dem Dialog reagiert - hier meine "Einmischung":"Ich war die gehörlose Freundin, mit der Frau Link die Sendung mitverfolgt hat, als von meinem Standpunkt her ist es wirklich sehr unbefriedigend, wenn man die Sendung anschaut und merkt, dass im Untertitel viel weniger oder anders mitgeteilt wird, was man an den Lippenbewegungen sehen kann. Gehörlose sind nicht blind und auch nicht doof und es ist wirklichs schade, dass man darauf immer wieder verweisen muss, dass von uns 1:1 Untertitel gewünscht werden."

Word Christiane: Das sollte der Maßstab sein für hochwertige 1:1 -Untertitel im deutschen Fernsehen und auf DVD's: Wenn hörende Menschen problemlos und GERNE auf Untertitel zugreifen, wenn sie Fernsehen, dann ist vollständige Barrierefreiheit erreicht!

Ich werde auf jeden Fall ab 2013 keine 6 Euro GEZ-Gebühren zahlen, wenn ich vom Fernsehen nicht genau die gleiche Brandbreite des Gesagten in den Untertiteln übermittelt bekommen - ich bezahle gerne für Gleichbehandlung wie die britischen Gehörlosen, die bei der BBC wie jeder andere Gebühren zahlen und dafür eine vollständige Gleichbehandlung bekommen.

Außerdem wünsche ich mir von der Politik, dass sie einfach mal um 18:45 in "DAS!" auf NDR vorbeischaut, außerdem bei "Anne Will", "Hart aber Fair", "Menschen bei Maischberger" reinschaut. Untertitel findet man auf der Videotext-Seite 150.

Ich finde, dass man so denken muss wie bei eine Vollversammlung der UNO, was die Qualität Untertitel angeht: Die Dolmetscher dort dürfen sich dort auch keine Verkürzungen oder Vereinfachungen leisten, denn sonst drohen Missverständnisse mit großen Auswirkungen, weswegen sie 1:1 dolmetschen müssen.

Die Bemühungen der Fernsehanstalten hierzulande sind löblich, aber leider nicht ausreichend genug und das muss sich sehr bald ändern. Barriereifreiheit bedeutet auch denn vollen Zugang zu haben zu den Informationen - genau den gleichen Inhalt serviert zu kriegen wie die "anderen."

Barrierefreiheit ist Gleichbehandlung im wahrsten Sinne des Wortes und solange die zusammen mit der Inklusion nicht erreicht wird in Deutschland, denk ich an Heinrich Heine: "Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht."

Freitag, 9. September 2011

My last 5 cents zu "CI-Zwang für gehörlose Kinder?"

Meinen Blogleser werden ja die Einträge kennen, worum es um die eindringliche Empfehlung einer Versorgungsrichtline mit dem Cochlear Implantat für gehörlose Kinder geht - kommen die Eltern, egal ob hörend oder gehörlos dieser Aufforderung nicht nach, dann müsse man ihnen das Sorgerecht entziehen.

Hier geht's zum PDF von Müller und Zaracko.

Hier die Blogeinträge dazu:

CI-Zwang für gehörlose Kinder?

Morgen haben die Eltern den Termin beim Jugendamt

Lieber keine schlafenden Hunde wecken, sonst droht dir das Jugendamt...

Ich äußere gerne noch mal meinen Standpunkt zu Müller und Zarackos Thesen übrigens: Die beiden haben überhaupt keine Ahnung, wovon sie schreiben - ganz im Ernst. Interessanterweise beziehen sie sich eindeutig auf den Hintergrund gehörloser Eltern mit einem gehörlosen Kind, nicht etwa auf hörende Eltern mit einem gehörlosen Kind. Laut Müller&Zaracko sind gehörlose Eltern einem Cochlear Implantat gegenüber ablehnend eingestellt. Das kann zutreffen, muss aber nicht und es ist auch nicht verwunderlich bei der Geschichte Gehörloser, denn die Gebärdensprache, die Muttersprache der Mehrheit der Gehörlosen wurde jahrelang unterdrückt und als Kommunikationsmittel verboten, da die angeblich das Erlernen der Lautsprache behindern würde. Heutzutage weiß man, dass diese jahrelange Annahme völlig falsch ist, was eigentlich nur logisch ist, wenn man sich bilinguale Kinder anschaut aus binationalen Beziehungen, denn dort verbat man ja den Eltern ja auch nicht, das Kind mehr als zwei Muttersprachen "auszusetzen".

Übrigens: Heute noch ist für Lehrer, die an Gehörlosenschulen gehörlose Kinder unterrichten, nicht zwingend vorgeschrieben, dass sie während des Studiums die Gebärdensprache lernen müssen.

Das CI kann eine Hilfe sein, es kann eine Chance sein für gehörlose Kinder, aber man sollte es nicht überbewerten - ich bin zum Beispiel teilweise in einer Meinung mit Arno Vogel, dem therapeutischen Leiter des CI-Centrums Schleswig-Holstein, der ebenfalls eine Stellungsnahme zum Müller&Zarackos Artikel schrieb.

Hier geht's zu der Stellungsnahme von Herrn Vogel.

Außerdem ist bei der Versorgung nicht die Garantie in petto, dass das Kind damit gut klarkommen wird und normalhörend und sprechend wird - es gibt da Bombenerfolge und eben keine solche Bombenerfolge, weil jeder Mensch mit seiner Hörbiographie halt individuell ist. Von den Bombenerfolgen ausgehend kann man nicht pauschalisieren, dass das CI jedem hilft, aber leider wird genau das suggestiert.

Und was die Schulpolitik angeht: JEDES Kind, egal ob behindert oder nicht, hat auch ein RECHT auf eine vernüftige Schulpolitik, die einen nicht bremst, sondern fördert. Sicher ist es ein Erfolg für gehörlose Kinder mit einem Cochler Implantat, wenn diese es auf eine Schwerhörigenschule schaffen, aber aus meiner Sicht her liegt es nicht alleine am Cochlear Implantat, ob sie auf eine Schwerhörigenschule gehen können anstatt auf eine Regelschule, sondern an der Einschätzung des Hörvermögens und dem Bildungsgrad des Kindes, denn ich war ja auch auf einer Schwerhörigenschule, obwohl ich eigentlich so gut wie gehörlos war.

Was mich auf die Schwerhörigenschule gebracht hat? Das ärztliche Gutachten, ich seie hochgradig schwerhörig an der Grenze zur Taubheit.
Darüber hinaus befand ich mich dank dem Besuch einer hörenden Grundschule ganz ohne Dolmetscher oder sonstwelche Hilfen auf dem Niveau einer hörenden Grundschulklässlerin und war somit über dem Niveau meiner Mitschülern, weil es für mich kein Problem war, fehlerlose Diktate und Aufsätze abzuliefern. Ich hatte einfach Glück, dass man mich so eingestuft hat, denn ansonsten wäre ich wohl auf einer Gehörlosenschule gelandet und wäre wohl gnadenlos unterfordert gewesen.

Es lastet halt ein Druck auf gehörlose Eltern, dass ihre Kinder es besser als sie im Leben haben werden und solange die Gesellschaft nicht barrierefrei ist und sich die Schulbildung für Gehörlose nicht entscheidend verbessern wird, werden einige gehörlose wie hörende Eltern sich für das CI entscheiden. Mir sind zwei Fälle bekannt, wo im Frühsommer 2011 2 komplett gehörlose Elternpaare sich für die CI-Versorgung ihrer gehörlosen Kinder mit knapp einem Jahr entschieden haben mit dem Ziel, dass es ihre Kinder besser haben werden als sie. Dennoch werden diese Kinder billingual aufwachsen - Gebärdensprache und Lautsprache.

Diese Erkenntnis hat sich schon seit Jahren langsam aber sicher in der CI-Versorgung durchgesetzt, dass die Kinder beides brauchen und es hat auch dafür gesorgt, dass das CI nicht mehr so skeptisch angesehen wird unter Gehörlosen, aber es löst das entscheidende Problem nicht - die Gesellschaft fordert von Behinderten, speziell von den Gehörlosen die Anpassung an sie, aber was tut die Gesellschaft für sie? Sie ist nicht barrierefrei und das muss sich dringend ändern.

Gehörlose wie hörende Eltern brauchen die Gewissheit, dass die Entscheidung, dass sie ihr/ihre Kinder nicht mit einem Cochlear Implantat versorgen werden, nicht zu einer Chancenminderung der Kinder im Leben führt.

Lesenswert ist auch der ausführlichen Blogeintrag mit meiner ausführlicheren Meinung zur Versorgung mit dem CI: TV-Bericht über das Cochlear Implantat.

Arno Vogel hat aber einen interessanten Hinweis in seiner Stellungsnahme in seinem Fazit hinterlassen: Die Arbeit von Müller&Zaracko wurde doch GLATT vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert unter dem Förderungskennzeichen 01 GP 0769 und GP 0804.

Von daher ist es mir noch einleuchtender als sonst, warum die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer ganz unverholen Werbung für das Cochlear Implantat macht, was man hier nachlesen kann: Liebe Frau Haderthauer!

Da hat die Bundesregierung doch mal wieder Geld aus dem Fenster geschmissen für eine Arbeit, die zu 70% aus totaler Unwissenheit um die Thematik besteht und außerdem gegen das Grundgesetz verstößt mit der These, dass man den Eltern, die dem "Segen" einer Versorgung mit dem Cochlear Implantat nicht nachkommen wollen, das Sorgerecht entziehen müsse.

Aber was will man von einer Regierung erwarten, die ihren eigenen Gesetze bricht und die die Ermahnungen von ihrem EIGENEN Behindertenbeauftragten Hubert Hüppe einfach nicht zur Kenntnis nimmt?

Ich kann nur hoffen, dass sich eines Tages, den ich hoffentlich noch miterlebe, es Alltag ist in Deutschland, dass sich Barrierefreiheit wie ein roter Faden sich durch Deutschland zieht und es freie Wahlmöglichkeiten gibt.

Nicht erziehungsfähig, da behindert?

Soeben stiess ich Infoportal für Gehörlose, dem Taubenschlag, auf folgenden Bericht:

Sorgerechtsentzug bei gehörlosen Eltern?

Barbara Cudina, eine Mannheimer Fachanwältin für Familien- und Erbrecht
schreibt auf ihrer Fachseite zum Thema Sorgerecht folgendes:"Dann gibt es noch die Kategorie, bei der die Eltern objektiv bei der Erziehung versagen, es ihnen aber entweder gar nicht oder nur teilweise vorzuwerfen ist, dass sie ihr Kind gefährden. Sind die Eltern z. B. seelisch oder körperlich behindert, kann dies Störungen bei der Entwicklung des Kindes verursachen. So wenn die Eltern taubstumm sind, können sie ihrem Kind nicht das sprechen beibringen, obwohl es körperlich dazu in der Lage wäre." (Quelle: http://fachanwaeltin-familienrecht-mannheim.de/2009/03/sorgerecht/) - Stand 08.09.2011.

Selbst das klare und erklärende Schreiben der Gehörlosenseelsorge durch die evangelische, selbst gehörlose Theologiestudentin Felizitas Böcher an die Familienanwältin Barbara Cudina führte nicht dazu, dass ein Umdenken bei der Anwältin einsetzte - weder beim veralteten und unzutreffenden Begriff: "taubstumm" für Gehörlose noch bei der ihrer Auffassung, dass gehörlose Eltern Störungen beim Kind erzeugen, weil sie ihm das Sprechen nicht beibringen können, was im übrigen total vorbei ist an der Realität.

Daher bin ich in der selben Meinung wie Bernd vom Taubenschlag: Diese Sache gehört an die große Glocke gehängt!

Fakt 1: Gehörlose Eltern sind sehr wohl sehr in der Lage ihre Kinder gut zu versorgen und an die Sprache heranzuführen, egal ob das besagte Kind nun hörend oder gehörlos ist, denn das gehörlose/hörende Kind lernt sowieso durch das hörende Umfeld und durch die Frühförderung das Sprechen. Ich kenne viele gehörlose Eltern mit gehörlosen und hörenden Kindern und deren Kinder können alle sprechen und die sind kein bisschen in in ihrer Entwicklung gestört. Im Gegenteil - die wachsen billingual auf mit der Gebärdensprache und der deutschen Sprache.

Fakt 2: Der Begriff taubstumm ist erstens total veraltet, was sogar im Duden steht, da hätte Frau Anwältin Cudina einfach nachschlagen müssen oder diesen Kauf-und Lesetipp für die Medienbranche von mir lesen müssen. Und ich habe schon mehrfach dazu gebloggt, warum das so ist, zum Beispiel im Hinweis an die Medienbranche.

In diesem Eintrag stelle ich fest: "Taubstumm ist immer noch festverankert im Kopf."

In der Kürze: Gehörlose sind nicht stumm. In keinster Weise. Der Anteil der Gehörlosen unter den Gehörlosen, die wirklich nicht lautsprachlich kommunzieren können, ist verschwindend klein. Dennoch sind diese Gehörlose ohne lautsprachliche Kommunikationsfähigkeit nicht stumm - sie haben immer noch die Gebärdensprache. Das Wort stumm sagt doch aus, dass man ohne jede Sprache ist, was in dem Fall und auch auf lautsprachliche Gehörlose nicht zutreffend ist.

Jedenfalls ist eine solche Auslegung der Erziehungsfähigkeit eine Armutszeugnis für eine Familienanwältin, denn Eltern sind in der Regel dazu fähig ihre Kinder zu erziehen, egal ob sie nun selbst behindert sind oder nicht. Und wenn Probleme auftauchen sollten, dann gibt es ja immer noch die Familienhelferin.

Ich bin mir sicher, dass Frau Anwältin Cudina mir in dem Punkt zustimmt, dass es für Kinder immer noch am besten ist, wenn sie bei ihren Eltern leben und aufwachsen können, außer sie werden körperlich in Form von Schlägen wie auch seelisch durch diverse unschönen Handlungen mißhandelt.

Und mir fällt da noch einiges ein, womit man schon in der Vergangenheit versuchte, gehörlosen und auch hörenden Eltern das Sorgerecht für ihr gehörloses Kind zu entziehen, zum Beispiel stellt es nach Müller&Zaracko eine Gefährdung für das Kindeswohl dar, wenn man das gehörlose Kind NICHT mit einem Cochlear Implantat versorgt, auf dass es hören kann und ein "normales" Leben führen kann, wie ich bereits 2010 verbloggt habe in diesen Einträgen:

CI-Zwang für gehörlose Kinder?

Morgen haben die Eltern den Termin beim Jugendamt

Lieber keine schlafenden Hunde wecken, sonst droht dir das Jugendamt...

Was aus dem Rastatter Fall wurde und aus Anette S., ist mir bisher nicht bekannt, aber ich frage da mal nach und komme hoffentlich an einige Informationen heran.

Ich bin gespannt, wie eure Meinung zur Auslegung von Anwältin Cudina ist, dass behinderte Eltern, insbesondere gehörlose Eltern nicht erziehungsfähig sind, weil deren Behinderung Störungen in der Entwicklung des Kindes verursache.

Hier sieht man es übrigens wieder mal ganz gut, was die Aussortierung von Menschen mit Behinderung(en) von klein auf alles in den Köpfen der Menschen anrichten kann und zwischen Menschen - das muss endlich ein Ende haben, da es der Gesellschaft überhaupt nichts bringt.

Donnerstag, 8. September 2011

I'm WIRED!

So, jetzt ist ja die deutsche Erstausgabe der WIRED Deutschland draußen und ich bin sehr stolz darüber, dass ich ein Teil dieser bin. :-)

Bisher waren meine Versuche leider erfolgslos an die Zeitschrift selbst zu kommen, denn ich fand nur eine einzige GQ und die war hinten offen, sprich: Die WIRED hatte man daraus geklaut.

Aber dank einem Screenshot weiß ich nun, was in dem kleinen Artikel über mich steht und ich möchte gerne auf zwei Fehler im Artikel hinweisen: Die Untertitelqote in Deutschland ist 12,6 %, nicht 14,6 % wie es im Artikel steht. Aber wie kam denn das WIRED-Team auf diese Angabe? Ganz einfach: Ich habe hier im Blog vor einiger Zeit die Untertitelstatistik von Aktion Untertitel, die die aktuellste Untertitelquote veröffnetlicht haben und da taucht eben die Zahl 14,6 % auf, die aber nicht so ganz richtig ist, denn da wird auch die Untertitelung von ORF mit eingerechnet, was aber zu 95% nicht empfangbar ist in Deutschland. Also bleibt die Untertitelquote von 12,6% für Deutschland bestehen.

Der zweite Fehler ist: In dem Artikel heißt es, dass das ZDF die Nachrichten nicht untertiteln würde, aber 30 Mio Euro ausgibt für ein neues Nachrichtenstudio. Das habe ich so nicht gesagt, sondern: "Das ZDF gibt 30 Millionen aus für ein neues Nachrichtenstudio und schafft es nicht, das gesamte Programm zu untertiteln!" Denn die Nachrichten werden nämlich schon untertitelt vom ZDF. Im übrigen tut das ZDF mehr für Barrierefreiheit als die ARD, denn die Mediathek des ZDF ist mit Untertitel, die der ARD nicht.

Aber eins freut mich: Die ARD hat begonnen ihren Spartenkanal EinsFestival auf meine Bitte hin auch mit Untertitel zu zeigen und somit ist es möglich, die Tatort-Wiederholung mit Untertitel anzuschauen.

Trotzdem toll, dass ich da in der WIRED zu sehen bin. Hach, wo ich doch so eine kleines Geek/Nerd-Mädchen bin und die Techniktante in der Familie.

P.S. Ein Nachtrag von 15:01 Uhr: Und noch einen Fehler hab ich entdeckt im Kasten beim Wired-Artikel: "Mission: Will 10 Millionen Schwerhörigen eine Stimme geben." Das ist falsch. In Deutschland gibt es geschätzte 16 Millionen Schwerhörige, wovon ca.50 % nur leicht schwerhörig sind und damit nicht unter die Hauptzielgruppe mit spezifischen Hilfen fällt. (Quelle: http://www.schwerhoerigen-netz.de/MAIN/statistik.asp?inhalt=statistik03)Und die Anzahl der Gehörlosen in Deutschland beziffert sich auf etwa. 80tausend! (Und hier noch eine Quelle: http://www.schwerhoerigen-netz.de/LVNIEDERSACHSEN/LVN_Stell_Erdmann.html)

P.P.S. Im Mai war ich übrigens in der Freundin Donna zu sehen und der Artikel da über mich war noch kleiner und hatte noch mehr Fehler, da waren 80% des Texes falsch - was hab ich mich damals aufgeregt.

Kommunikationstipps im Umgang mit gehörlosen & schwerhörigen Menschen

Das Berufsbildungswerk München, welches jährlich gehörlose und sprachbehinderte Azubis ausbildet, stellt jetzt seine Kommunikationstipps für die bestmöglichste Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen auch online und als App zur Verfügung.

Ein goldrichtiger Schritt und sicherlich werden sich jetzt einige Mitmenschen freuen, dass es noch mehr nützliche Tipps gibt als die eh schon bekannten.

Hier in aller Kürze: Kommunikationstipps für den Umgang mit gehörlosen & schwerhörigen Menschen

Diese Kommunikationstipps gibt es auch als App für's Iphone! Und bestellen kann man sie selbstverständlich auch als Printversion beim BBW München!

Und hier ein längere Blogeintrag von mir, wie man die Kommunikation verbessern kann:

Ein Gehörlosenwitz und ein paar Regeln zur Kommunikation

Übrigens: Das mit den Fremdwörtern im Gespräch kommt immer auf den Bildungsgrad des Gegenübers an, egal ob er hörend, gehörlos oder sonstwas ist. Horizont erweitern ist immer gut. Den Otto Normalverbraucher unter den Gehörlosen gibt es nicht - es gibt halt eine große Mehrheit, die können nichts mit Fremdwörtern anfangen und eine kleine Minderheit, die mit denen ganz selbstverständlich herumjongliert. Genau wie bei Hörenden.

Mittwoch, 7. September 2011

Barrierefreiheit wird nicht in Anspruch genommen...

Ich habe ja schon vor kurzem über das Konzept der Untertitel-Brille von Sony berichtet und fand jetzt einen interessanten Pressetext dazu, wo sich gehörlose Experten zu Wort melden.

Nämlich hier: http://www.pressetext.com/news/20110829019

So berichtet nämlich beispielsweise Christian Vogler, ein gehörloser Experte an der Gallaudet University in Washington (hier der Link zur offiziellen Homepage der einzigen Universität in Gebärdensprache für Gehörlose weltweit: http://www.gallaudet.edu/), dass die Brille in Testphasen in amerikanischen Kinos überaus positiv aufgenommen worden seie und auch werde die Brille demnächst flächendeckend in den Kinos zum Einsatz kommen, da die Kinokette Regal sich nach einer Klage (!) sich dazu vepflichten musste.

Auch meldet sich Bernd Schneider vom Taubenschlag zu Wort und prangert ebenfalls an, dass einheimische Kinos, also HIER in Deutschland, in Sachen Barrierefreiheit deutlich im Rückstand sind. Die Initiative "DeinKino" für Barrierefreiheit für Blinde und Gehörlose in deutschen Kinos scheiterte, da die Filmverleiher die Kopien des Filmes aus Angst vor Raubkopien nicht hergeben wollten für die Untertitelung und Audiodeskription.

Die Filmförderungsanstalten fördern zwar die Untertitelkosten, aber diese Leistung wird kaum in Anspruch genommen. Zwar versucht man jetzt übe den Nationalen Aktionsplan die Filmförderung daran zu koppeln, dass ein geförderter Film automatisch Untertitel haben muss.
Diese Koppelung begrüße ich sehr, denn ich habe das auch schon lange gefordert, dass ein geförderter Film deutsche Untertitel auf DVD haben muss. Ein spektuläres Beispiel in der langen Liste für Diskriminierung ist "Das Leben der anderen" auf DVD, der zwar Audiodeskription hat, aber keine deutsche Untertitel!

Leider ist es so, dass es bis zur Umsetzung dieser Förderungsrichtlinie einige Zeit vergehen wird.

Einmal mehr beweist Deutschland wieder mal, dass es hier ohne Zwang nichts wird mit der Barrierefreiheit, was im Rückschluss bedeutet, dass die Aufforderung zur Barrierefreiheit in eine verpflichtende Position umgewandelt werden muss und bei Nichterfüllung harte Strafen auf einen warten.

Die USA und Großbritannien leben das doch ganz großartig vor und Deutschland macht diesen Ländern doch fast alles nach, auch deren Fehler in der Politik, aber warum auch nicht die Vorzüge?