Montag, 29. August 2011

Deutschland, mir macht es doch auch keinen Spaß!

Immer wieder muss ich dich kritisieren, dass dir Barrierefreiheit so wenig am Herzen liegt und dich auf deine Versäumnisse hinweisen. Glaubst du, mir macht das Spaß oder ich hab irgendetwas Befriedigendes davon?

Ganz im Gegenteil. Es ist ungeheuer frustierend zu erleben, dass DU etwas grundlegendes nicht verstanden hast, was in anderen Ländern längst erfolgreich umgesetzt worden ist und gelebt wird - Barrierefreiheit und Inklusion - für dich ist alles eine Kostenfrage, aber den Banken und anderen fragwürdigen Projekten pumpst du Geld im Überfluss rein, ohne darauf zu achten, ob der Erfolg wirklich nachhaltig ist. Oder du kürzt die HARTZ-4-Beiträge für Behinderte, so dass sie nur noch 80% der Beiträge erhalten. Quelle: (http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,25754/ticket,g_a_s_t)

Oder... Oder... Oder... Mir fallen viele Gründe ein, worüber ich hier nur den Kopf schütteln könnte.

Weißt du was, Deutschland? Du kotzt mich an, du stehst mir bis hier oben hin. Und es tut mir sogar noch leid, dass ich dich so hart anfahren muss, aber du brichst ständig deine eigenen Gesetze und alles, was du bisher zur Barrierefreiheit und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen tust und sagst, sind lediglich Lippenbekenntnisse, die dann beklatscht werden, aber aktiv macht ihr aus eigenem Antrieb nichts - im Gegenteil man muss dich auf deine Fehler hinweisen und um Verbesserung bitten. Und oft passiert dann doch gar nichts.

Warum nur, verflucht noch mal, warum schämst du dich nicht für deine fehlende Barrierefreiheit?

Kannst du mir das irgendwie beantworten? Es ist alles eine Kostenfrage für dich. Immer wieder die gleiche Antwort.

Jetzt gerade im Moment würde ich dich am liebsten mal ganz kräftig durchschütteln und anbrüllen. Und ich finde es verdammt schade, dass es mir nicht möglich ist, das zu tun. Vielleicht würde dann bei dir endlich mal normales Denken einsetzen und du aus deiner Lethargie und Teilnahmslosigkeit aufwachen, denn es kann jeden von uns treffen.

Wir können alle voreinander lernen. Warum tun wir es dann nicht? Warum bietest du deinem Volk nicht eine Selbstverständlichkeit an:

Gemeinsam lernen, leben und arbeiten. Egal, ob Nichtbehindert oder behindert, Ausländer oder sonst irgendetwas. Eine gemeinsame lebenswerte Gesellschaft für alle.

IST das denn zuviel verlangt von dir?

"Nicht behindert zu sein ist ist wahrscheinlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann." Der Satz stammt von Richard Weizsäcker und ich klaue einfach mal den Ausspruch von Roman Herzog: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen."

In Sachen Barrierefreiheit und Inklusion ist dieser dringend notwendig, liebes Deutschland.

Wir sehen und hören sehr bald voreinander.

P.S. Dieser Blogeintrag könnte zugegebenerweise sehr viel besser formuliert sein, aber ausnahmsweise hab ich mich einfach mal genauso lieblos verhalten wie du.

Samstag, 27. August 2011

Sony stellt Untertitel-Brille vor!

Soeben stolperte ich über den Blogeintrag von Typeraati, der das Blog "Netzgezwitscher" betreibt, worin es um die Untertitel-Brille von Sony geht.

http://www.netzgezwitscher.de/2011/08/27/ein-traum-wird-wahr-sony-stellt-untertitel-brille-vor/

Was für ein Traum, wenn das flächendeckend eingeführt wird in allen Ländern und ein großartiger Schritt Richtung Barrierefreiheit für Gehörlose! :-)

Jedoch denkt Typeraati auch schon etwas weiter nach, wie teuer diese Technologie wohl ist - bisher sieht es nämlich so aus, als ob jeder Film seperate Brillengläser braucht für die Untertitel - der Spaß dürfte also ziemlich teuer sein für den Privatgebrauch.

Von daher denke ich mal, dass diese Untertitel-Brille eher für Kinos geeignet sein wird und hoffentlich auch auf diesem Gebiet soweit entwickelt wird, dass ich irgendwann ohne größere Vorplanung und größeren Anreiseweg in ein Kino gehen kann in meiner Nähe, das mit diesem Equipment ausgestattet ist und sagen kann: "Eine Untertitelbrille bitte für den Film XY, eine große Cola und Nachos mit scharfer Soße, bitte."

Und nach längerem Nachdenken finde ich noch ein Aber: Die Technik der Untertitelbrille ist toll und wirklich gut durchdacht, aber was ist mit der Qualität der Untertitel? Gerade da muss man auch wirklich Richtlinien einführen, die die Qualität der Untertitel auf das höchste Level versetzen, so dass nichts vom Dialog gekürzt wird und/oder der Wortwitz verloren geht.

Und es wird immer Liebhaber von OMU-Filmen geben, die eben in diese Filme gehen werden.

Meiner Meinung nach wird ein Mix aus dieser Untertitel-Brille, der Weiterentwicklung der Qualität der Untertitel und den OMU-Filmen in Zukunft Standard in den Kinos sein. Fragt sich nur wann?

Bis dahin kann man ja die Qualität der Untertitel soweit entwickeln, so dass man nur noch die Untertitelbrille einführen kann und eine unschlagbare Kombination daraus entwickelt.

Und eine Gehörlose mit einem Cochlear Implantat hat neulich erst am 03.August 2011 den Film "Horrible Bosses" in Seattle, USA mit einer Untertitelbrille angeschaut und darüber gebloggt:

Untertitel anderswo II - ein toller Bericht von @nikanaaa! Da erfährt man auch, was man da noch so verbessern kann und wie der Kinogenuss damit so ist.

Ich bin gespannt, wie die ersten Erfahrungsberichte aus Großbritannien so sein werden.

Dienstag, 23. August 2011

Videopodcast der Bundeskanzlerin jetzt auch mit Untertitel!

Man weiß ja inzwischen, dass ich 2010 beim Tag der offenen Türe in den Ministerien der Bundeskanzlerin auf die Schulter geklopft habe, um ihr den Appell an die Politk zur überreichen, der unerhört und unbeantwortet blieb bis heute und siehe ebenfalls hier "Ich habe auch noch keine Antwort." Auch blieb der Brandbrief an die Bundesregierung und Bundespolitik bis heute ohne reale und spürbare Wirkung.

2011 bin ich daher aufgestanden und habe laut und deutlich einen Gebärdensprachdolmetscher gefordert und von der Bundeskanzlerin die mündliche Zusage bekommen und bin sehr gespannt, ob diese auch eingehalten wird.

Schon 2005, als der Videopodcast der Bundeskanzlerin erstmalig an den Start ging, bin ich aktiv geworden und mailte an die zuständige Stelle mit der Bitte, man möge doch für Untertitel und eine Gebärdensprachdolmetschereinblendung sorgen. Damals beschied man mir, dass es aus technischen Gründen leider nicht möglich seie, aber man werde eine "barrierefreie" Textversion zum Nachlesen zur Verfügung stellen. Eine Antwort, die mich damals schon dazu brachte, an die Decke zu gehen und auf den Boden zu stampfen mit den Worten: Ich möchte den gleichen Zugang haben wie alle anderen zum Videopodcast, was bedeutet, dass ich zur gleichen Zeit Merkels Gesicht vor mir haben möchte zum Text bzw. dem Gesagten, also eine praktische Einbeziehung und mir nicht die Informationen "hart" erabeiten müssen mit den Extra-Klicks. So sieht Barrierefreiheit nicht aus. Außerdem ist ja hinlänglich bekannt, dass die Mehrheit der Gehörlosen Probleme haben mit dem Schriftdeutsch und ungerne längere Texte lesen, aber die Kombination Untertitel+visuelle Informationen wie z.b. das Fernsehbild ist unschlagbar für Gehörlose und stellen darüber hinaus nicht nur Informationen für uns sicher, sondern sind auch eine geeignete Plattform für Menschen, welche die Deutsch als Sprache lernen wollen/müssen.

Und man kennt ja meine Veranlagung zum Nerven, der @RegSprecher kann ein Lied davon singen, denn per Twitter habe ich ihn gefragt, warum der Podcast von Merkel keine Untertitel habe, was ja nicht barrierefrei seie für Gehörlose&Schwerhörige.

Herr Seibert hat sich dann bei mir bedankt für den Hinweis und er werde mit seinen Kollegen darüber nachdenken, worauf ich dann nach ein paar Wochen nachgehakt habe: "Und wie sieht das Ergebnis aus bezüglich der Untertitel beim Videopodcast?" Die Antwort hieß dann, dass der Podcast demnächst mit Untertitel sein werde. Erfreuliche Antwort, doch was würde demnächst bedeuten?

Nun, demnächst war der 20.08.2011: Seitdem kann man den Videopodcast von Frau Merkel mit Untertitel ansehen - über 5 Jahre nach dem Start des Formats. Und auch nur die Versionen AB dem 20.08.2011 sind mit Untertitel, ironischerweise ist nicht mal diese Rede vom 09.04.2011 mit Untertitel, wo es um Menschen mit Behinderungen geht. Der Informationstext zum Bild sagt: "Unser Leben müsse so gestaltet sein, dass Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen am Leben teilhaben können. Ob dies beim Sport, in der Freizeitgestaltung oder im Arbeitsleben sei. Das bekräftigt Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem aktuellen Video-Podcast."

Und in der Textversion zum Nachlesen zu eben diesem Podcast steht noch viel mehr dieser Art dazu.

Die Bundesregierung verletzt seit Jahren ihre eigenen Gesetze in Sachen Antdiskriminierung und ganz besonderes den Artikel 3 des Grundgesetzes: "Niemand darf aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden." Und erst recht die Richtlinien der UN-Konvention der Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen. Die Aussagen der Bundeskanzlerin in diesem genannten Videopodcast sind nichts anderes als leere Versprechungen, denn ich halte noch mal fest: 2 Führungen für Gehörlose in 2 von 14 Bundesministerien am Tag der offenen Türe - eine Gebärdensprachdolmetscherin, eine Führung für Blinde und Sehbehinderte. Keine Gebärdensprachdolmetscher oder etwa Schriftdolmetscher bei den öffentlichen Auftritten der Politik. So sieht die Realität der Teilhabe der Menschen mit Behinderungen aus in Deutschland. Sie findet einfach nicht statt oder nur in Form von netten kleinen Bonbons.

Und medial sowieso: 2010 hatten wir eine Untertitelquote von 10,6%, welche sich 2011 auf wundebare Weise auf geradezu sensationelle 12,6% gesteigert hat. Welch ein Fortschritt. NICHT! Siehe Blogeintrag: "Bild dich weiter. Nicht."

So, jetzt kommen wir mal zum Videopodcast der Kanzlerin vom 20.08.2011, der erfreulicherweise jetzt ZWAR mit Untertitel ist, aber natürlich gibt es ein ganz großes Aber:

Es kann nicht sein und es kann auch nicht der Sinn der Sache sein, dass ich mir ERST die Untertitel-Version des Podcast der Kanzlerin HERUNTERLADEN muss, um es mir anzuschauen?! Denn der Begriff Barrierefreiheit bedeutet auch, dass Sachen einfach und direkt zugänglich sein müssen. Das gleiche Problem mit dem Herunterladen MÜSSEN haben auch blinde und sehbehinderte Menschen, die die sich ihre Audioversion anhören wollen, auch sie haben mehr Klicks zu erledigen.

Sprich, ich verstehe nicht, warum man den Gehörlosen, Schwerhörigen und den Blinden diese ExtraArbeit zumutet und so dafür sorgt, dass diese sich ihren Zugang zu politischen Informationen hart erarbeiten müssen, wo es schon hart genug ist auf normalem Weg. Eine elegante Lösung wäre beispielsweise die Einbindung eines UT-Buttons gewesen, den man einfach anklicken kann wie das ZDF es demonstiert in seiner Mediathek - nehmen wir einfach mal die HEUTE-Nachrichten um 19 Uhr des ZDF vom 22.08.2011 mit Untertitel als Beispiel für eine elegante klickarme barrierefreien Zugang zum Videopodcast der Bundeskanzlerin mit Untertitel.

Die Untertitel im Videopodcast der Kanzlerin sind übrigens von guter Qualität, was sehr schön ist.

Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Zweitens: Es ist nicht im Sinne der Barrierefreiheit, wenn NUR der Videopodcasat der Bundeskanzlerin mit Untertitel ist, denn es müssen selbstverständlich auch alle anderen online gestellten Videos mit Untertitel sein. Die Untertitel im wöchentlichen Videopodcast sind nur ein erster, kleiner Schritt von vielen anderen Schritten, die selbstverständlich werden müssen im Internet und im Fernsehen.

Und dafür werde ich kämpfen. Zusammen mit vielen anderen. Und es wird sich lohnen.

Auf geht's - der Kampf beginnt bald. Sehr bald.

Nachtrag von 20:28 Uhr: An Herrn Weidekaiser - Was ist daran verkehrt zu fordern, dass ich den Podcast nicht herunterladen muss, um es abspielen zu können und danach wieder löschen muss? Das ist die Extra-Arbeit von der ich rede. Diese Bereitstellung ist auch nicht barrierefrei und die ZDF-Lösung ist viel eleganter und außerdem zeigt sie durch das UT-Symbol, dass an alle gedacht wird. Es ist ein inklusives vorbildliches Beispiel.

Dennoch stimme ich zu: Es ist super, dass der Videopodcast ENDLICH mit Untertitel ist! Das ist wichtig und es ist begrüßenswert, dass die Bundesregierung diesen Schritt gegangen ist.

Nachtrag vom 26.08.2011: Mir ist es nicht möglich, dass ich den Podcast ohne Download anschauen kann. Wenn man sich mal auf der Seite umschaut, dann sieht man auch den *bei der Untertitelversion der auf der Download hinweist.

The same procedure as last year, Mrs. Merkel?

"The same procedure as last year, Steffen."

Wer kennt nicht den legendären Dialog zwischen Miss Sophie und Butler James bei "Dinner for One - oder der 90. Geburtstag"?

So ungefähr stelle ich mir den Dialog zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Regierungssprecher Steffen Seibert vor in den Tagen vor der "Einladung zum Staatsbesuch" am 20. und 21. August 2011 in Berlin unter dem Motto: "Politik zum Anfassen".

Schon 2010 war ich am Tag der offenen Türe da und habe sozusagen nachgeschaut, ob die Politik wirklich für alle zugänglich ist, denn man kann nicht das Volk einladen und bestimmte Teile der Bevölkerung wie Menschen mit Behinderung(en) davon ausschliessen. Dieser Blogeintrag zum Tag der offenen Türe von 2010, zusammen mit einem netten Foto von mir mit Regierungssprecher Steffen Seibert findet sich hier: Mein Appell an die Politik

Was hat sich 2011 geändert? Nun, es gab in 2 von 14 Bundesministerien Führungen für Gehörlose, die wirklich sehr interessant waren, allerdings war ich nur auf der im auswärtigen Amt, da mich die Podiumsdiskussion mit Finanzminister Schäuble zur gleichen Zeit wie die Führung mehr interessiert hat, welche übrigens natürlich ohne Gebärdensprachdolmetscher war. Auch gab es eine Führung für Blinde im Auswärtigen Amt.

Aber erst mal nach der Reihe nach...

Mein Tagesplan am Samstag sah also den Besuch der Führung im Auswärtigen Amt vor, wozu ich etwas zu spät kam, aber ich fand die Gruppe der Gehörlosen natürlich sofort, denn herumfliegende Hände fallen einem natürlich sofort ins Auge. Neben der Rundführerin standen 2 Gebärdensprachdolmetscher und übersetzten das Gesagte der überaus geduldigen und freundlichen Führerin in Gebärdensprache. Das fiel natürlich nicht nur mir sofort auf, sondern auch den hörenden Besuchern, die sich zu uns stellten und gebannt den Ausführungen zuschauten. Man konnte richtig sehen, wie es "Klick" machte und ihnen eine ganz neue Welt offenbar wurde und bei dem einen oder den anderen kam wohl der Wunsch auf: "Ich will das auch lernen!"

Nur schade, dass die Rundführerin jeden Dazusteller bat, sich doch der Führung für Hörende anschliessen um 11 Uhr, diese wäre nämlich eine Führung für Gehörlose. Einerseits verständlich, denn so ist gewährleistet, dass Gehörlose auch wirklich die volle Aufmerksamkeit bekommen, aber anderseits schade. Man müsste solche Führungen inklusiv anbieten, sodass Gehörlose und Hörende zusammen die Führungen machen, die Hörenden aber in der zweiten Reihe stehen, damit die Gehörlosen den freien Blick auf den Gebärdensprachdolmetscher haben.

Genau in dieser Minute erreichte mich ein Tweet eines Followers auf Twitter, der mich auf den Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert aufmerksam machte - der Videopodcast der Bundeskanzlerin wäre ab jetzt wie versprochen mit Untertitel: http://twitter.com/#!/RegSprecher/status/104831900820049921 Zur Thematik, dass der Videopodcast von Merkel bisher ohne Untertitel war, bloggte ich schon öfters: Was erlauben sich Merkel? Und hier: Brandbrief an die Bundesregierung

Mit einem Schmunzeln im Gesicht tippte ich dann dem @Regsprecher Steffen Seibert dann zurück:"Ist das jetzt Zufall, @RegSprecher, dass die #Untertitel beim Videopodcast von Merkel heute starten? Bin erfreut. Bis später, Herr Seibert. (Tweet: http://twitter.com/#!/EinAugenschmaus/status/104846174095290368)

Bis später?! Mein Weg führte mich natürlich noch ins Bundespresseamt, aber beim Ausklinken aus der Führung fragte ich noch kurz die Rundführerin, ob für diese die Führung für Gehörlose auch ein Erlebnis ist, dass sie gerne weiterführen möchte oder ob es störend ist mit den Gebärdensprachdolmetschern ist? Die Antwort war, dass sie das sehr gerne weiterführen möchte und sie es sehr begrüßt, dass dieses Jahr Führungen für Blinde und Gehörlose gibt, sie selber könne auch etwas Gebärdensprache, aber es reiche leider nicht aus für eine eigene Führung in Gebärdensprache, dazu seien ihre Kenntnisse zu dürftig. Ich bedankte mich dann noch für die interessante Führung und eilte dann von dannen ins Bundespresseamt zu Fuß vom Auswärtigen Amt zum Bundespresseamt.

Dort angekommen begrüßte mich eine Sängercombo, die alle ganz brav im Anzug auf der Bühne standen und sichtlichen Spaß an der Musik hatten. Ich zog schnell mein CI an, damit die Identfizierungsgefahr höher ist und stellte in die erste Reihe und sprach eine Ordnerin an: "Herr Seibert kommt hier rauf zur Bühne, oder?" "Ja, hier geht er vorbei."

Dann ging ich zurück zur ersten Reihe und beobachtete die ganzen Fernsehteams und drehte meinen Kopf wieder zurück zur Ordnerin, die aber da nicht mehr stand, sondern ein sehr entspannter Steffen Seibert, der irgendwie von der Menge noch nicht erkannt wurde. "Da gehste jetzt mal hin!" Gesagt getan. "Hallo Herr Seibert..." Ich hielt ihm dann meinen Blackberry und den geöffneten Tweet mit:"Ist das jetzt Zufall, @RegSprecher, dass die #Untertitel beim Videopodcast von Merkel heute starten? Bin erfreut. Bis später, Herr Seibert." unter die Nase, worauf er lachte und sagte: "Ach, Sie sind das!" Ich: "Ja, die bin ich." Er erklärte mir dann, dass es kein Zufall ist, sondern es hat sich so ergeben, dass die Untertitel so fertig wurden und schon heute zur der Folge zur Verfügung stehen, aber es vorkommen kann, dass die Untertitel erst am Montag zur Verfügung stehen." Ich erklärte ihm dann, dass ich selber die Untertitel noch nicht getestet habe, da ich ja hier unterwegs seie, aber heute abend testen werde und bedankte mich dann bei ihm dafür, dass es Untertitel gibt. Er bedankte sich dann bei mir noch für den Hinweis und verabschiedete sich, weil er auf die Bühne musste.

Natürlich war das Bühnengespräch ohne Gebärdensprachdolmetscher. Trotzdem verstand ich als Lippenleser-Crack extrem viel, unter anderem ging es auch über seiner Tweeterei und den Umgang mit den neuen Medien. Seine Kinder, so erzählte der Regierungssprecher, wüchsen ganz anders als er mit den neuen Medien auf. Erst von so bisschen weitem konnte ich sehen, dass der Job als medialer Blitzableiter der Kanzlerin wahrlich kein Zuckerschlecken sein muss, denn er sah etwas geschafft aus. Anders als vor einem Jahr.

Durch mein Gehirn zuckte ein Gedanke und ich tippte in mein Blackberry ein: "Entschuldigung Herr Seibert, wäre es möglich, dass ich Ihre direkte E-Mailadresse haben könnte, um Tipps zu geben, wie man Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung(en) verbessern könnte auf politischer Ebene? Gerade für Gehörlose und Schwerhörig ist der barrierefreie Zugriff auf Informationen wichtig."
Diesen Text hielt ich dem heruntereilenden Seibert wieder hin. Er las das und sagte: "Ja, das können wir machen." Er schnappte sich eine von seinen eigenen Autogrammkarten und schrieb auf die Rückseite seine direkte E-Mailadresse hin und gab sie mir, worauf ich mich natürlich artig bedankte und mir noch eine Bemerkung erlaubte: "Sehen Sie, Herr Seibert, wir beide können uns unterhalten. Ich kann gut von den Lippen lesen und Sie verstehen mich auch ganz gut..." Nicken von ihm." "Aber andere Gehörlose können das nicht, sie brauchen zum Beispiel hier wie bei Ihrem Auftritt einen Gebärdensprachdolmetscher." "Ja, das ist uns auch klar. Es ist eine Kostenfrage, ob wir das machen können." An diesem Punkt wär ich fast hochgegangen mit dem Satz:"Barrierefreiheit darf keine Kostenfrage sein - Artikel 3 des Grundgesetzes: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." Aber ich riss mich zusammen und sagte: "Ich gebe ihnen Tipps, wie man das verbessern kann und auf den Austausch freue ich mich." Und so verabschiedete ich mich von Herrn Seibert.

Und mir wurde einmal mehr klar, warum Merkel Herrn Seibert als Regierungssprecher haben wollte, denn er ist, Verzeihung, ein feuchter Schwiegermuttertraum und durch seine angeborene Höflichkeit mit Menschen umgehen zu können, sorgt er dafür, dass man ihn gar nicht so angreifen kann, wie man es gerne möchte. Aber gut, dass ich mich zusammengerissen habe, denn da wäre absolut kontraproduktiv gewesen.

Mein Weg führte mich natürlich auch an die Fotowand, die einen in Bildern über den Tag als Regierungssprecher einführte wie auch die Fotowand im Kanzleramtspark, aber halt über den Tag als Kanzlerin. Sehr informativ.

Dann stand ich vor einem Informationsstand mit DVD's. Ich griff zielstrebig nach einer DVD und wusste schon vor dem Umdrehen, dass die DVD KEINE Untertitel haben wird, aber ich hoffte, dass meine Anregungen von letztem Jahr nicht im Sand versumpft wären und irgendjemand daran gedacht hatte - falsch gehofft, falsch gedacht. Keine Untertitel, aber dafür ein Stempel auf dem Cover: "Als Schulmaterial gedacht." Hmmm und was ist mit den Gehörlosenschulen??! Plötzlich bemerkte ich den Regierungssprecher neben mir am Stand und ergriff die Gelegenheit zum erneuten Meckern: "Entschuldigung, Herr Seibert, aber gucken Sie mal: Diese DVD's hier haben keine Untertitel, aber es steht "Als Schulmaterial gedacht" darauf. Was ist mit Gehörlosenschulen - die haben doch nichts davon." Er sah sich die DVD an und sagte: "Ja, da müssen wir was machen." "Danke." Davoneilend twitterte ich: "So, jetzt höre ich aber auf, den @RegSprecher zu nerven."

Dann führte mich noch mein Weg ins Finanzministerium, wo ich gerne der Führung für Gehörlose im Rohwedder-Haus beiwohnen wollte, aber ich verzichtete darauf, denn zur gleichen Zeit stand nämlich der Finanzminister Schäuble auf der Bühne Antwort und Rede - wie oben schon erwähnt ohne Gebärdensprachdolmetscher. Am Ende konnte man ihm Fragen stellen, was ich auch getan habe über den Mikroverteiler, den ich bat für mich die Frage zu stellen, wie hoch der Etat der Bundesregierung für Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung(en) seie und ob er ihn selber auch ausreichend fände? Sehr verdutzt hat dann Herr Schäuble die Frage beantwortet, vermutlich ist er es nicht gewohnt, dass er mit solchen Fragen konfrontiert wird, die ihn dann auch selbst direkt betreffen. Die Antwort habe ich nicht so ganz verstanden, aber es gäbe keinen Etat dafür, sondern einen Maßnahmenkatalog und als Betroffener sei er emotional da bei der Sache.

Aha. Ich merk aber nichts davon - wie die anderen fast 10 Millionen Menschen mit Behinderung(en) in Deutschland. (Quelle: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010/09/PD10__325__227,templateId=renderPrint.psml Pressemitteilung vom 14.09.2010)

Am Sonntag führte mich dann mein Weg zu Frau Merkel - gesichtet hatte ich sie schon am Polizeihubschrauber, aber dank der Erfahrung aus dem letzten Jahr wusste ich, dass sie auf die Bühne im Kanzleramtspark gehen wird, also eilte ich voraus und sah unter anderem Nia Künzer, das Golden Girl der vergangenen Jahre im Frauenfußball auf der Bühne stehen. Weiter zum Informationszelt und Kontrollgang, ob die Filme mit Untertitel sind. Nö, sind sie nicht, aber gutes Gespräch gehabt, mit den Kulturbeauftragten für Kultur und Bildung und nebenbei die Information, dass Frau Merkel dort wie immer Autogrammstunden geben wird.

Dann eilte ich zurück zur Bühne, wo dann der Auftritt von Frau Merkel begann und schlich mich in die erste Reihe direkt davor und twitterte, dass der Auftritt wie letztes Jahr auch schon ohne Gebärdensprachdolmetscher ist, worauf ein Follower von mir sagte, dass ich aufstehen solle und einen fordern solle. Ui - nach einer Nachdenksekunde stand ich auch auf und reckte meinen Arm in die Höhe, worauf Nia Künzer, ihre mir unbekannte Stehnachbarin und Frau Merkel mich ansahen und meinen Worten zuhörten: "Entschuldigen Sie, ich kann nicht hören und hier ist kein Gebärdensprachdolmetscher." Seltsames Gefühl von der Bundeskanzlerin direkt wahrgenommen zu werden, die mir in die Augen blickte und sagte: "Hier ist keiner da, das wurde nicht berücksichtigt, wir werden das aber in Zukunft berücksichtigen." Ich:"Danke." und setzte mich wieder hin. Ob das Sicherheitsteam von Merkel bei meinem "Auftritt" Herzklopfen kriegte und irgendwo irgendwelche Scharfschützen auf mich gerichtet waren? ;-) Herzklopfen hatte ich wirklich keine bei meinem Auftritt - mir kam das so selbstverständlich vor, dass ich mich als Bürgerin meines Landes melde und sage, was ich brauche, weil ich laut dem Gesetz ein Recht darauf habe und mich daher keines Verbrechens schuldig mache.

Aber die Bundesregierung bricht am laufenden Band ihre eigenen Gesetze und Versprechen, wenn es um Menschen mit Behinderungen geht und noch einiges mehr. So steht zum Beispiel im Artikel 3. des Grundgesetzes: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."
Und die Unterzeichnung Deutschlands der UN-Konvention der Menschenrechte der Menschen mit Behinderungen ist bisher auch nur ein Lippenbekenntnis, denn dort heißt es in Artikel 21 und 30 ganz klar, dass Menschen mit Behinderungen ebenso das Recht der freien Meinungsäußerung, der Meinungsfreiheit und den Zugang zu Informationen besitzen wie nicht behinderte Menschen. Auch wird dort klargestellt, dass ein Recht darauf besteht, mit anderen am kulturellen Leben teilzunehmen, und alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, um sicherzustellen, dass diese Zugang zu Fernsehprogrammen, Filmen und Theatervorstellungen haben. (Mehr davon findet sich in meinem Blogeintrag unter: "Bild dich weiter. Nicht.")

Ich wollte aber, dass Bundeskanzlerin Merkel mein Gesicht noch mal sieht und mir in die Augen sieht, wenn sie das mit dem Gebärdensprachdolmetscher noch mal sagt, denn ich wollte eine unbeliebsame Randnotiz am Rande des Bühnengesprächs sein, also lief ich noch mal zum Informationszelt, wo Frau Merkel Autogramme gab und ein Sicherheitsbeamter, mit dem ich vorhin schon redete, half mir, direkt in die erste Reihe zu kommen. Ich lehnte mich über die Theke, meldete mich wie ein Schulkind: "Frau Merkel?" Die Kanzlerin trat auf mich zu und sagte: "Ja bitte?" Ich: "Wegen vorhin - nächstes Jahr wird es wirklich Gebärdensprachdolmetscher geben?" Sie: "Ja, das machen wir. Nächstes Jahr gibt es Gebärdensprachdolmetscher." Ich: "Ich komme nächstes Jahr wieder und schaue nach, ob es Gebärdensprachdolmetscher gibt. Okay?" Sie: "Ja." Dann gab sie weiter Autogramme.

Die Fernsehmerkel ist eine andere Merkel als in natura, mir fiel auch schon letztes Jahr auf, dass Merkel den Spitznamen "Mutti" nicht zu Unrecht hat, denn sie kann einen sehr mütterlich anschauen und auch sehr viel Wärme ausstrahlen, aber wie jede Mutter auch sehr kalt sein, wenn sie enttäuscht ist.

Mein Fazit zum Staatsbesuch fällt so aus: 2 Führungen für Gehörlose in 2 von 14 Staatsministerien und eine für Blinde und Sehgeschädigte reichen nicht aus für komplette Barrierefreiheit - das sind nur nette Bonbons. Der Rollstuhlparcous im Arbeitsministerium war eine nette Idee und durchaus einer Fortsetzung würdig, aber er hat nicht ganz aufgezeigt, wie wenig barrierefrei Deutschland ist für Rollstuhlfahrer und Gebehinderte - Stichwort hier wäre z.b. die Deutsche Bahn im allgemeinen und bei Stuttgart 21.
Dann war eine Dolmetscherin an der Stelle an der Antidiskriminierungstelle im Familienministerium, die war aber nur für die Antidiskriminierungsstelle zuständig, nicht für das ganze Ministerium.
Es gab im Arbeitsministerium einen Film mit Untertitel über die Azubis des Bundes, sonst war tote Hose in den ganzen Ministerien, was Barrierefreiheit anging.

Alles, was ich 2010 schon bemängelt habe, war wie immer: Nicht barrierefrei - also wirklich: "The same procedure as last year, Mrs. Merkel?" "The same procedure as last year, Steffen." Die Reaktionen der zuständigen Leuten an den Infoständen waren auch wie immer leicht ahnungslos und erschrocken-freundlich und man werde sich die Anregungen zu Herzen nehmen.....

Ich hoffe, dass durch meine Wortmeldungen in der Öffentlichkeit dieses Jahr der Ablauf nicht so war wie letztes Jahr und der im nächsten Jahr nicht so sein wird wie letztes Jahr, denn ich nehme Sie beim Wort, Frau Bundeskanzlerin Merkel!

P.S. Nebenbei gesagt, fand ich es erschreckend, wie wenig Politiker überhaupt den Kontakt zu ihrem Wählervolk gesucht haben, denn Ursula von der Leyen und Kristina Schröder traten schon 2010 nicht auf. Ilse Aigner trat leider nicht auf wie letzes Jahr, sondern die meisten schickten einfach ihre Staatsekretäre vor. Sieht so ein Tag der offenen Türe aus, dass man die Staatsekretäre vorschickt? Ich finde: Nein.

P.P.S. Ich werde sicherlich noch mehr zum Thema bloggen und Fotos von dem Staatsbesuch hochladen und erzählen, wie ich am Antidiskriminationsstand ein bisschen explodiert bin. Und warum ich auch nicht zufrieden bin mit dem Zugang zu den Untertitel beim Videopodcast der Bundeskanzlerin. Aber das sollte erst mal für's erste reichen.

Sonntag, 7. August 2011

Gebärdennamen der Fußballer von Werder Bremen

Im Taubenschlag stieß ich auf ein interessantes Video der Tanzlehrerin& Gebärdensprachdozentin Doris Geist, wo sie eine weitere Leidenschaft von ihr vorstellt, nämlich den Fußball. Und natürlich hat sie auch einen Lieblingsfußballverein, nämlich Werder Bremen! Übrigens gibt Doris auch Gebärdensprachkurse im Raum Bremen, was man auf ihrer Seite sehen kann: http://www.doris-tanz.de/

In der Gehörlosenwelt wird nämlich auch mindestens so intensiv über die Bundesliga gefachsimpelt in Gebärdensprache. Bei den Namen wird's etwas schwierig, denn im Fingeralphabet dauert das Buchstabieren einfach manchmal zu lange und ist zu umständlich, weswegen dann Namensgebärden erfunden werden für bekannte Persönlichkeiten. Hier passt das Sprichwort: "In der Kürze liegt die Würze" goldrichtig.

Doris hat also ein Video online gestellt und zeigt da die Namensgebärde für die Spieler und den Trainer von Werder Bremen und die aufmerksamen Beobachter werden gemerkt haben, dass die meisten Namensgebärden nach den Äußerlichkeiten gegeben werden, außer der Name ist gut kombinierbar wie z.b. bei Rosenberg. Sie hofft, dass durch das Video die erfundenen Namensgebärden schnell verbreitet werden und so gefestigt werden in den Vokabeln der Gebärdensprache.

Jetzt bin ich mal gespannt, ob noch andere gehörlose Fußballfans auf die Idee kommen werden und Namensgebärden für ihren Lieblingsvereine in einem Video vorstellen werden, was ich sehr begrüßen würde, weil's einfach eine tolle Idee ist!

Ribery wird als "Narbengesicht" bezeichnet, indem man mit dem Zeigefinger von der Schläfe zur Wange fährt als Anspielung auf seine markante Narbe dort.

Luca Toni's Namensgebärde ist so einfach wie simpel, denn er hatte die Angewohnheit nach jedem Tor eine Ohrschraube zu machen, welche dann prompt zur Namensgebärde wurde für ihn.

Zinedane Zidane's Namensgebärde war "Mönch" aufgrund seiner Tonsur, die er haarausfallsbedingt hatte. Man hat mit dem Zeigefinger über dem Kopf die Tonsur nachgezeichnet.

Und der Kroate Mladen Petric hat seine Tore immer mit der "Pfeil-Geste" gefeiert, weswegen dann diese Bewegung zur seiner Namensgebärde würde, wie man hier nachlesen kann:

Das Versprechen des Mladen Petric an seinen Edelfan Holger Jegminat

Und hier ein Foto des zitierten Solidaritätszeichen der Gehörlosen.


Holger Jegminat hat sich übrigens Anfang des Jahres für den Aufsichtrat des HSV Hamburg beworben, leider hat er es nicht geschafft, aber seine Kandidatur wurde mit hohem Wohlwollen aufgenommen und er wurde als würdiger Gegner betitelt - hier der Blogeintrag dazu:
Ein Gehörloser im Aufsichtsrat des Hamburger HSV?

Über die Political Correctness der Gebärdensprache werde ich ein andersmal bloggen, denn jetzt geht es zum Transkript von Doris Geist's Video!

Vorab eine kleine Hilfestellung: Hier kann man nachgucken, wie die Gehörlosen eigentlich das ganze Fußballerlatein von A-Z gebärden, also solche Begriffe wie: "Weltmeisterschaft", "Elfmeter" usw., dazu einfach auf das Video klicken. Übrigens werden auch die ganzen Namensgebärden der Länder vorgestellt, die für die WM 2010 qualifiziert waren.

Fußballgebärden von A-Z bei Deafkids


Nun aber jetzt zum Video!

Video von Doris Geist mit den Namensgebärden für die Spieler und den Trainer vom Hamburger HSV!



Das Video beginnt mit dem Bekenntnis zum Dasein als Werder-Fan mit dem Werder-Gartenzerg, dann sagt Doris soviel wie "Gut, also dann.." und legt den Gartenzwerg ab und begrüßt ihre Zuschauer mit: "Hallo! Mein Name ist Doris", dann zeigt sie ihre Namensgebärde für sich selbst. Und begrüßt noch mal extra die Werder Bremen-Fans: "Hallo Werder-Bremen-Fans! Es ist schön in der Sonne zu sitzen und zu wissen, dass bald die Fußball- Bundesliga-Saison 2011/2012 beginnt. Ihr findet das total spannend und aufregend, ja? Ich auch! In der Mannschaft von Werder Bremen sind ein paar neue Spieler hinzugekommen und bilden mit den alten Spielern eine Mannschaft. Dafür möchtet ihr bestimmt auch Namensgebärden haben und ich stelle sie euch vor! Als erstens möchte ich euch die Spieler im Tor vorstellen!" Hier wird dann der erste Torwart Wiese vorgestellt mit seiner Namensgebärde, die natürlich auf die gegelten Haare von Wiese anspielen: Die Hand fährt sich seitlich über die Haare nach hinten und verharrt kurz im Nacken. (Anmerkung von mir: Verwechselt werden kann diese Gebärde aber trotzdem nicht mit der Namensgebärde für "Guttenberg", man sich bei dieser von vorne mit der Hand über die Haare fährt! Das sind so die kleinen Feinheiten der Gebärdensprache. Wer sehen will, wie diese Namensgebärde in bildbewegt aussieht, der kann das im Video zu meinem Republica-Auftritt ab der 29. Minute erkäre ich da die Namensgebärden der Politiker: http://www.youtube.com/watch?v=DHRoHuv3I8E)

Dann stellt sie Sebastian Mielitz vor, den zweiten Torwart und der hat dann eine Nase-Gebärde, anschließend Christian Vander, der dann simpel mit dem V aus dem Fingeralphabet gebärdet wird.

"Und jetzt kommen wir zur Abwehr, deren Namensgebärde ich jetzt vorstelle: Sebastian Boenisch." Der wird dann mit einer Nasengebärde nach oben gebärdet, wohl weilseine Nase einen kleinen Stups nach oben hat.
Weiter geht's dann mit Naldo, der dann als "Grinsebacke" gebärdet wird, in dem der Zeigefinger vom einen Mundwinkel bis knapp unters andere Auge geführt wird auf der anderen Seite. ;-)

Dann kommt Clemens Fritz, dessen Haarband in der Mähne seine Namensgebärde symbolisiert, man zeichnet an der Stirn das Haarband nach, indem man mit beiden zusammengedrückten Daumen und Zeigefinger der beiden Hände auf die Stirn legt und nach hinten fährt.

Dann Lukas Schmitz, dessen kräftige Nasenlobial-Falten für seine Namensgebärde stehen, der Zeigefinger zeichnet diese von der Nase bis zum Kinn nach.

Sebastian Prödl wird so gebärdet, indem die Hand an den Kopf geführt werden und die Hand in einer seitlichen "Spidermann-Bewegung" die Haarwuchsrichtung von ihm anzeigt.

Mikaël Silvestre hat natürlich die "Kinn"-Gebärde, die ich auch als sehr passend empfinde, weil er dieses Vin-Diesel-Kinn hat. ;-)

Andreas Wolf's Namensgebärde ist natürlich auf seinen Nachnamen zurückzuführen: "Wolf". Hier kann man sehen, wie man "Wolf" gebärdet. Übrigens ist es schon lustig, dass der Trainer Schaaf heißt, denn das ist wohl das erste Mal, dass ein Wolf auf ein Schaf hört. ;-)

Per Mertesacker's Namensgebärde spielt auf den leichten Knick in seiner Nase an, also greift man sich an die Nase und knickt sie ein kleines bisschen zur Seit ab.

Jetzt sagt Doris: "Nun kommen wir zum Mittelfeld!"

Gezeigt wird dann der Brasilianer Wesley und seine Namensgebärde spielt natürlich auf die markanten Augenbrauen an, die dann mit Daumen und Zeigefinger auf Augenbrauenhöhe nachgezeichnet werden.

Tim Borowski wird so mit einer "Die Haare hängen bisschen in die Stirn."-Gebärde dargestellt, indem man mit der Handkate einen kleinen Bogen über die Stirn beschreibt.

Und natürlich, wie könnte man Marko Marin denn gebärden? Die aufgestellten Haare geben hier natürlich den Ausschlag! Die Hand zeigt die aufgestellten Haare an.

Bei Aaron Hunt sind es wohl die Koteletten, die für seine Namensgebärde gesorgt haben.

Felix Kroos: Da wird ein Augenbrauenzucken nach oben oder hochgezogene Augenbrauen angezeigt - keine Ahnung, ob das für ihn typisch ist, denn ich kenne die Jungs von Werder Bremen kaum, aber soviel weiß ich, dass er der Bruder von Toni Kroos ist.

Pedrag Stevanović wird natürlich als "Haare hinter die Ohren-Klemmer" gebärdet.

Florian Trinks: Die Namensgebärde für ihn ist sehr ähnlich mit denen für "Fußball",zeigt aber eine Feinheit, die wohl für ihn typisch ist beim Abstoß.

Philipp Bargfrede: Die Hand formt eine 4 und fährt von der Stirn nach hinten, um seine Frisur zu symbolisieren.

Mehmet Ekici: Offenbar hat Ekici ein Grübchen in der Wange und der Zeigefinger bohrt sich in eine Wange, um dies anzuzeigen.

Jetzt sagt Doris: "Nun geht's weiter vom Mittelfeld - nämlich zum Sturm! Und hier sind die Spieler!"

Marko Arnautović hat eine sehr interessante Namensgebärde, denn die steht offenbar für seinen Charakter: "Der Sture".

Denni Avdić hatte offenbar mal ein Ziegenbärtchen, was sich auch in der Namensgebärde niederschlagt, den Daumen und Zeigefinger deuten eins am Kinn an!

Markus Rosenberg hat eine zusammengesetzte Namensgebärde aus "Rose" und Berg".

Sandro Wagner: Auch hier spielt der energische Schwung der Augenbraue wohl eine Rolle.

Dann kommt Claudio Pizarro dran: Für ihn wird einfach "Pizza" gebärdet, weil sein Name sich so ähnlich anhört.

Lennart Thy: Bei ihm wird wohl sein Haarwirbel angezeigt.

Jetzt sagt Doris: Tor, Abwehr, Mittelfeld und Sturm haben wir jetzt durch, jetzt kommt der Trainer dran!

Thomas Schaaf: Die Gebärde für ihn ist "Schaf" und es wird auch die gekräuselte Schafswolle am Schafskörper angezeigt.

Jetzt sagt Doris: "Nun habe ich alle erfundenen Namensgebärden vorgestellt und jetzt wisst ihr Bescheid und ich hoffe, ihr habt sie schon verinnerlicht. Und nun viel Spaß beim Zuschauen, sei es vor dem Fernseher oder im Stadion. Unterstützt die Mannschaft als Fan! Benützt die Namensgebärden bei den Unterhaltungen, damit es einfacher wird ohne herumbuchstabieren zu müssen! Tschüß und viel Spaß!"

So, jetzt haben wir so einige Fußballer-Gebärden zusammengetragen und vielleicht kommen hier noch mehr dazu? Schön wäre es auf jeden Fall!

Samstag, 6. August 2011

Ein etwas anderes Team in den Bergen

Vor kurzem erreichte mich die Mail eines Freundes, nämlich von Benjamin Simon Busch mit dem Hinweis, dass er heute um heute, Samstag den 06. August um 17:45 Uhr im ZDF bei "Menschen - das Abenteuer" zu sehen ist.

Da geht es um eine ungewöhnliche Bergtour von 5 jungen Frauen und Männern mit unterschiedlichen Behinderungen. Dazu gehören es die von Geburt an blinde Christiane, den kleinwüchsigen Peter, den Rollstuhlfahrer Reini und Michaela mit ihrer Beinprothese und eben der gehörlose Benjamin, welcher ganz bewußt auf einen Gebärdensprachdolmetscher verzichtete auf der Tour, damit er genauso "behindert" ist, denn für Gehörlose bezeichnen sich eher als kommunikationsbehindert und als eine sprachliche Minderheit als wirklich behindert.

Bildrechte: Elisabeth zu Eulenburg

(Bildbeschreibung für meine blinde Leser: Es ist ein Foto von der gemeinsamen Bergtour beider Überquerung des Gletschers. Ganz viel Schnee und ein hoher Berggipfel im Hintergrund. Benjamin ist in der gelben Jacke zu sehen und der Rollstuhlfahrer Reini wird in einem Spezialrollstuhl über den Gletscher gezogen, während es so aussieht als ob die blinde Christiane sich an dem Rollstuhl festhält zur Richtungsorientierung. Sonst stehen alle andere auf der gleichen Höhe vom Rollstuhl und offenbar merken alle außer Benjamin, dass sie gerade fotografiert werden. ;-) )



Mit seiner Anmerkung, dass man als Gehörloser zwar nicht so körperlich einschneidend beeinträchtigt ist wie die anderen in der Gruppe, hat Benjamin recht und das Zitat: "Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit von den Menschen" trifft es genau. Helen Keller wird dieses Zitat zugeschrieben, aber tatsächlich stammt dieser von Imanuel Kant: "Nicht sehen können, heißt, die Menschen von den Dingen trennen. Nicht hören heißt, die Menschen von den Menschen zu trennen."

Ob Benjamin mittendrin dabei sein wird in der Gruppe? Wir werden es sehen - heute um 17:45 Uhr.

Benjamin's natürliches Fazit vor und nach der Tour ist: "Es ist höchste Zeit, dass die Gesellschaft ihre Meinung über Behinderte ändert. Denn wir können alle zusammen leben, arbeiten und Abenteuer bewältigen."

Genau das sage ich schon die ganze Zeit, dass es allerhöchste Zeit dafür ist, denn wir können alle voreinander profitieren - Menschen mit Behinderungen und ohne Behinderungen. Es muss selbstverständlich werden, dass wir eine GEMEINSAME Gesellschaft sind und es völlig normal ist, verschieden zu sein, wie Benjamin in seinem Artikel für die Deutsche Gehörlosenzeitung es ausgedrückt hat!

Die Vorschau auf die heutige Folge gibt es hier mit Untertitel

Menschen - die ganze Folge von Menschen - das Abenteuer in der Mediathek- Jetzt auch mit Untertitel!

Bericht über den Dreh und die Erfahrungen:"Was heißt schon behindert?"


Ich freue mich auf die heutige Folge und nebenbei möchte ich einen älteren Blogartikel von mir ans Herz legen: "Mittendrin statt nur dabei!".

P.S. Mich erreichte die Information, dass "Menschen - das Abenteuer" in der Mediathek wohl ohne Untertitel reingestellt wird, obwohl es im Fernsehen mit Untertitel kommt und "Menschen - das Magazin in der Mediathek" in der Mediathek üblicherweise mit Untertitel ist. Bin gespannt, ob ich am Montag dazu mehr wissen werde, warum das so ist.

Montag, 1. August 2011

Wie hast du eigentlich sprechen gelernt?

Diese Frage begegnet mir doch recht häufig, das letzte Mal hat mich das mein 17jähriger Cousin Mitte Juli gefragt - es ist quasi die dritthäufigste Frage nach der Musikfrage, hier ist der Post dazu: Die Lieblingsfrage der Hörenden dreht sich um die Musik und hier der Post, wie man eigentlich meine Gehörlosigkeit entdeckt hat damals: War das schon immer so?

Meine Antwort ist immer die gleiche: "Ähem, ich hab einfach nachgemacht, was die anderen machen?" Und die Gegenfrage ist darauf immer sehr verwundert: "Aber wie geht das, wenn man nicht hören kann?"

Die Frage ist auch für mich immer wieder interessant, wie das eigentlich funktioniert und die Antwort dafür liegt im Gehirn: Es ist ja jetzt mittlerweile bekannt, dass das Gehirn Funktionen eines beschädigten oder ausgefallenen Areals übernehmen kann und sich neu verdrahten kan - der Artikel hier erklärt es ganz gut: Gehörlose können ihr Gehirn neu verdrahten!

Wie ich zur Sprache gekommen bin? Ich hatte das Glück in einer großen Familie aufzuwachsen und immer jemanden zu haben, den ich mit meinen Fragen löchern konnte. Der früheste Sprachunterricht, an den ich mich erinnern kann, fand auf der Kommode im Flur vor dem großen Spiegel statt und mein erstes Wort war "Ball." Da muss ich so eineinhalb Jahre gewesen sein, als ich "Ball" von mir gab und daraufhin legte ich erst recht los mit dem Sprechen. "Mama" und "Papa" konnte ich bis zu meinem 2. Lebensjahr nicht auseinander halten, denn am Anfang sagte ich immer "Papa", da das Mundbild vom "M" dem "P" für Ungeübte täuschend ähnlich aussieht. Aber irgendwann klickte es bei mir, dass das "M" viel weicher ausgesprochen wird.

Ein anderes Beispiel für das Erweitern meines Horizonts bei der Aussprache, war der Name meines Kindheitskumpels:"Nico". Erst im Sommer kurz vor meinem 4. Geburtstag begriff ich, wie man das "c" ausspricht, dass es nämlich im Hals produziert wird aufgrund der Kehlkopfbewegung bei der Aussprache! Davor habe ich immer "Nio" gesagt. Die leuchtenden Augen meiner Tante, die mich mal wieder verbesserte: "Nein, Julia - es heißt NICO, nicht NIO" und als meine Augen die Kehlkopfbewegung mitbekamen und mein Gehirn die bisher fehlende Information verarbeitete, welche zu der korrekten Aussprache führte von "Nico" habe ich bis heute nicht vergessen.

Die Augen sind es, die einem solche scheinbar nebensächliche Informationen mitteilen und das Gehirn kann wohl diese Informationen bei einem ausgefallenen Sinn so weit umlenken, so dass es diese auf eine andere erfolgreiche Art vererbeiten kann.

Dazu fällt mir ein, dass Nico einen Nachbarsfreund hatte, der den Namen Lars trug und aufgrund des Mundbildes dachte ich ganz lange, dass er "Glas" heißt und nannte ihn auch so, bis ich eben am gleichen Tag noch bemerkte, dass der Kehlkopf ebenfalls tätig ist bei der Aussprache und kriegte es ebenfalls hin auch diesen Namen korrekt auszusprechen.

In der hörenden Grundschule hatte ich 1 x Woche zusätzlichen Logopädie-Unterricht, wovon es auch Fotos gibt, denn aufgrund der Inklusions-Beschulung kam ich in die Zeitung - mein erster Auftritt in einer Zeitung überhaupt. ;-) Den Zeitungsbericht habe ich auch noch hier rumliegen, aber leider keinen Scanner.

Aber die Zeitungsfotos aus dem Bericht habe ich abfotografiert. Hier bitte schön! :-)

Mit 7 Jahren im Logopädie-Unterricht.

Mit meiner Logopädie-Lehrerin Frau Hauser vor dem Spiegel - man sieht hier ganz deutlich die viel zu großen Hörgeräte, die übrigens auch nicht optimal eingestellt waren.

Ich habe also schon lange vor meiner CI-Implantierung sprechen gelernt und sowieso den großen Wortschatz schon ganz lange intus gehabt, denn ich war und bin, was für eine Gehörlose heute wie damals sehr immer noch ungewöhnlich ist, ein Bücherwurm.

Und wo ich schon am Rumschmeißen von Fotos von mir bin, dachte ich mir, dass ich die Fotos von mir von meiner CI-Implantierung auch schon gleich hier hochladen kann, aber wirklich hübsch sind sie nicht.

Am Abend vor der Operation - da hat man mir schön die eine Haarseite wegrasiert, damit auch nichts im Weg steht dann.

Der bogenförmige Schnitt begann damals am Ohransatz ganz oben, da hat man auch kurz ins Ohr reingeschnitten und ein paar lange cm weiter. :-) Heute schneidet man hinter dem Ohr auf und nicht mehr vorne.

Die Operation fand im Oktober 1994 statt und die Mütze brachte mir meine Tante mit, da meine Mutter mich einfach nur von der unoperierten Seite angucken konnte und etwas zum Verdecken brauchte und mit der Mütze war halt das "kosmetische" Problem gelöst. ;-)

An der Hand hatte ich übrigens nen Zugang für Antibiotika und so Zeugs, welches ich auch alle 6 Stunden oder so verabreicht bekam, auch in der Nacht, was ich sehr unspassig fand. Ein Arzt verabreichte mir mal eine Dosis und sagte zu meiner Mutter: "Die hat aber einen guten Schlaf.", worauf meine Mum sagte: "Ne, die tut nur so. Sie würde ihnen am liebsten an die Kehle springen." Stimmt - auch heute reagiere ich wirklich nicht sehr begeistert, wenn man mich in der Nacht weckt, außer der Grund ist gut und wichtig. :-)

So, in der nächsten Zeit werdet ihr sicherlich wieder mehr von mir hören, auch möchte ich euch den ZEIT-Artikel über mich ans Herz legen, dann denn wisst ihr, warum ich etwas ruhig war, aber jetzt wird das Blog wieder mit Leben gefüllt.

Zeit-Artikel über Barrierefreiheit: Wenn das Netz stumm bleibt.. von Fabian Soethof

Bis zum nächsten Mal! :-)