Sonntag, 10. Juli 2011

Solo der Hände by Hands Solo

Heute Nacht entdeckte ich auf dem Taubenschlag den Hinweis auf einen britischen Parodiefilm, indem es um einen gehörlosen Pornostar geht, der genau deshalb berühmt als Pornostar ist, weil er durch die Benützung der Gebärdensprache besonders geschickt mit den Händen ist.

Gesprochen wird in dem Kurzfilm in britischer Gebärdensprache (BSL) und das britische Fingeralphabet verwendet, aber trotzdem ist er auch so für Gebärdensprachler verständlich und selbstverständlich sind auch englische Untertitel mit dabei.

Die Idee zum Film hatte der gehörlose Brite Charles Swinbourne, der Hauptdarsteller im Film, welcher mit dieser Comedy Gehörlose auf eine ganze neue Art zeigen wollte -nämlich in eindeutiger Verbindung mit Sex und zudem werden in dem Film Lippenlesen, Gehörlosigkeit, Sex auf eine ganz neue Weise passend paraodiert. Vor allem wird auch gezeigt, wie ähnlich sich zwei Wörter im englischen Mundbild sein können, die aber eine völlig gegensätzliche Bedeutung haben.

Hands Solo - Watch a Mock doc about a deaf porn star!

Bevor jetzt Fragen aufkommen, ob es wahr seie, dass gehörlose Männer durch die erworbene Fingerfertigkeit durch die Benützung der Gebärdensprache besser als hörende Männer fingern können, so muss ich da passen. Warum? Kann man hier nachlesen: Ein intimes Geständnis

Donnerstag, 7. Juli 2011

Jenseits der Stille

Wer kennt den Film nicht? Für mich ist "Jenseits der Stille" einer der schönsten Filme in Gebärdensprache über die Gebärdensprache, Gehörlose und die Welt der Gehörlosen neben den Filmen wie "Gottes vergessene Kinder", "Voices - Stimmen der Liebe"...

Ein paar interessante Fakten zur Besetzung des Filmes: Am Set wurde in 4 verschiedenen Gebärdensprachen gesprochen, da Lara's Filmvater von Howie Seago, einem gehörlosen amerikanischen Film-und Theaterschauspieler, welcher mehrfach ausgezeichnet wurde mit einigen Awards, unter anderem mit dem Helen Hayles Award. Die Filmmutter spielte Emanuelle Laborit, eine gehörlosen französischen Schauspielerin, was also bedeutet, dass man in ASL (American Sign Language), LSF (Langue des signes française), gemischt mit etwas Deutscher Gebärdensprache und International Sign Language am Set und im Film kommuniziert hat.

Die Kommunikation stellte aber trotzdem kein Problem dar, da die französische Gebärdensprache die Mutter der amerikanischen Gebärdensprache ist, also die Basis eine gemeinsame ist und die Ursache dafür, dass die LSF die Mutter von verschiedenen anderen Gebärdensprachen ist, liegt daran, dass in Frankreich die Gebärdensprache erstmals richtig gefördert worden ist durch den französischen Pionier Charles-Michel de l’Epée in der Gehörlosenpädagogik. Fun Fact am Rande: Obwohl Belgien ein Nachbarland von Frankreich ist, unterscheidet sich die belgische Gebärdensprache sehr von der französischen Gebärdensprache und obwohl Kanada ein Nachbarland ist von den USA, ist die frankokanadische Gebärdensprache ebenfalls sehr unterschiedlich von der LSF.

Die Geschichte der Gebärdensprachen kann man hier nachlesen.
Jedenfalls wurde die Gebärdensprache in Europa durch den berühmt-berüchtigen Mailänder Kongress verboten und völlig unterdrückt, was für die damaligen gehörlosen Lehrer dieser Zeit ein Berufsverbot darstellte, was man in meinem Blogpost über die Folgen des Mailänder Kongresses nachlesen kann. Erst 130 Jahre später erkannte man offiziell die fatalen Folgen des Verbotes der Gebärdensprache für die Bildung der Gehörlosen an - die Beschlüsse des Mailänder Kongresses war also am 26. Juli 2010 endgültig Geschichte! Hier berichten Gehörlose noch in den 80er Jahren davon, wie sehr sich der Mailänder Kongress auf Ihre Schulzeit auswirkte: Verbotene Sprache durch den Mailänder Kongress.

Ich glaube, damit habe ich schon so einige Wissensbrocken über die Gebärdensprachen der Welt hingeworfen, weil es eben gerade sehr gut zum Thema des Filmes "Jenseits der Stille" gepasst hat.

Und jetzt möchte ich euch von einem sehr schönen Erlebnis mit dem Film erzählen, der ohne das Internet und Facebook im speziellen nicht zustande gekommen wäre, aber zuerst muss ich von meiner Lieblingsstellen im Film erzählen - es sind diese Szenen, wo Tom Lara in Gebärdensprache "I will survive" vorsingt und eben dieser Tom wurde von Hansa Czypionka gespielt und die andere Lieblingsszene ist diese King-Kong-Schatten-Szene im Film, eben dieser magische Abend zwischen Lara und Tom.

Ich war damals so 15, 16 Jahre alt, als ich also den Film im Kino sah und bei diesem magischen Abend zwischen Lara und Tom, nahm ich mir ganz fest vor, dass ich auch mal so ähnliche magische Momente in Berlin erleben werde. Das hab ich tatsächlich auch dann, wenn auch anders, aber deswegen nicht weniger toll.

Dieser magische Abend ist in diesem Filmtrailer auf Youtube zu sehen:

Jenseits der Stille - Trailer


Nun sah ich Mitte Mai, dass eben dieser Hansa Czypionka mit einem Kontakt von mir auf Facebook befreundet ist und schickte ihm einfach eine Nachricht, dass ich ihm einfach mal ein Lob aussprechen wollte für seine grandiose Darstellung im Film und dass diese wirklich gut und sehr stimmig anzusehen war, vor allem auch die Art zu gebärden.

Da kam dann auch prompt eine liebe Antwort zurück, dass er sich über das nette Kompliment freut und "Jenseits der Stille" seie echt ein Film, der bleiben würde.

Daraufhin stimmte ich ihm zu, dass es wirklich ein solcher bleibender Film seie und verriet ihm, wie sehr mir diese King-Kong-Schattenszene im Gedächtnis haften geblieben ist und zu einer meiner Lieblingszenen im Film zählt.

Da begann Hansa dann zu erzählen, dass er sogar ein bisschen stolz ist auf diese Szene, da die so gar nicht vorgesehen war, denn Sylvie Testud, die dann die Rolle der erwachsenen Lara spielt und er alberten dann aus Jux so herum und Caroline Link, die Regisseurin, so geistesgegenwärtig genug war, die Szene so einzufangen und außerdem habe er Blut und Wasser geschwitzt dabei "I will survive" so flüssig und eloquent zu gebärden bei dieser kurzen Vorbereitungszeit und woher ich eigentlich so gut Bescheid wissen würde über die Gebärdensprache?

Ich meinte dann daraufhin, dass die besten und unvergesslichen Filmszenen durch Improvisieren entstünden, z.b. die aus "Ein Herz und eine Krone" beim Mund der Wahrheit, wo Peck die Szene komplett improvisiert hat und Audrey wirklich komplett ahnungslos war und erklärte ihm dann, dass ich selbst gehörlos sei und meine Haltung zur Gebärdensprache.

Hansa und ich sind seitdem auf Facebook befreundet und vor gut zwei Wochen fragte ich dann, ob ich von unserem Kontakt erzählen und die Entstehung zu der KingKong-Szene auf meinem Blog verwursten darf, wozu er mir die Erlaubnis gab.

Und ja - den Film müsst ihr euch anschauen, dann erfährt ihr auch etwas über die Gemeinsamkeit von Gehörlosen und Bienen. :-)

Mittwoch, 6. Juli 2011

Meine Position in diesem schwankenden Ozean

Neulich verfasste ich einen kritischen Blogeintrag über die Öffentlichkeitsarbeit des deutschen Gehörlosenbundes sowie der Beziehung der Medien zu solchen Themen abseits des normalen Themenbreis, welchen man hier nachlesen kann:

Ein kritischer Blick muss auch mal sein

Die Kommentare und die Bewertungen unter diesem Eintrag sind sehr interessant, weswegen ich mich nach einer längeren Überlegungszeit dazu entschlossen habe, dass man Blogeinträge von mir ab sofort nicht mehr liken kann, da ich zur Ansicht gekommen bin, dass Leute, die den Blogeintrag nicht interessant genug finden, dann auch ihre Kritik selbst in Worte verfassen sollen, anstatt mit einem Klick den Blogeintrag als interessant oder uninteressant zu bewerten, denn das ist etwas mehr Arbeit als einen Mausklick zu tätigen.

Zweitens: Das kostenlose Feed-Magazin hat ein richtig schönes Interview mit mir gebracht, wo man auch meine Position herauslesen kann, wie ich eigentlich zu meiner Position stehe, wo ich jetzt gerade bin und hier kann man sich das herunterladen:
Feed-Magazin - die Welt mit den Augen sehen Das Interview mit mir ist auf Seite 30 zu finden.

Dort erzähle ich auch etwas mehr zu meiner Person und betone auch einmal mehr wieder, dass ich keine richtige Gehörlose bin und meine kulturelle Identität eindeutig hörend ist - ich empfinde mich nicht als Gehörlose, obwohl ich es biologisch eigentlich bin und aus diesem Grund wirke ich wohl so gut als Erklärfrau
(beinahe hätte ich hier "Erklärbär" geschrieben) dieser Welt. Ich war schon immer eine Grenzgängerin zwischen beiden Welten und werde diese auch in Zukunft bleiben, wobei ich weiß in welche Welt ich gehöre: In die der Hörenden.

Und zu dem kritischen Blogeintrag bekam ich auch einen interessanten Blogeintrag von Ralph zu lesen, hinter dem höchstvermutlich Ralph Raule steckt - ich zitiere mal den Anfang: "Wenn Jule eine "richtige" Gehörlose wäre, würde sie gar nicht so wirken können." und das Ende von seinem Blogkommentar:"Bei Deinen Fähigkeiten: Warum arrangierst Du Dich denn nicht bei einem der Verbände und machst dort Presse-Arbeit?"

Die Antwort hat er sich selbst schon gegeben: Gerade dadurch, dass ich keine richtige Gehörlose bin und auch die Gebärdensprache nicht meine Muttersprache ist, disqualifiziere ich mich in den Augen des Gehörlosenbundes für einen solchen Job. Zwischendurch nennt er meinen meinen Blogeintrag provokativ und ich solle doch bitte auf dem Boden bleiben, denn sonst hätte ich eine Profilneurose, weil ich das Thema so für mich entdeckt hätte und es ausschlachte.

Ist es ausschlachten, wenn man sich für ein Thema einsetzt, wovon gut 80tausend Gehörlose und etwa 16 Millionen Schwerhörige in Deutschland proftieren können? Ich habe mir diese Position nicht ausgesucht und versuche nun meine Fähigkeiten dazu zu nützen, dass etwas passiert, was längst überfällig ist.

Ich könnte auch einfach die Griffel zur Seite legen und in aller Hochmut sagen: "Nun, dann macht mal weiter ohne mich und schaut mal was passiert."

Der Neid ist unter anderem auch ein Grund, warum bisher nichts passiert ist bei der Untertitelquote im deutschen Fernsehen und der Chancengleichheit für Gehörlose in Deutschland - jede Gruppe will den Erfolg für sich beanspruchen.

Da passt natürlich eine Einzelperson etwas schlechter in den Kram, die bisschen mehr Aufmerksamkeit lenkt auf das Thema und damit sogar einige kleine Erfolge zu verzeichnen hat, zum Beispiel, dass der Videopodcast von Frau Bundeskanzlerin Merkel demnächst mit Untertiteln angeboten wird laut dem Regierungssprecher Steffen Seibert.

Und ich lasse diesen Blogeintrag gerne damit enden: Ich habe mir diese Position nicht ausgesucht, aber ich fülle diese Rolle gerne aus und das letzte, was wir Gehörlosen, egal welcher Identität gebrauchen können, ist Neid und Streitigkeiten. Uns sollte das gemeinsame Ziel einigen und nicht trennen.

Sollte der Deutsche Gehörlosenbund auf die Idee kommen, mir einen Job anzubieten, so würde ich mir das echt mal überlegen, weil das ein Zeichen wäre, dass man tatsächlich die gesamte Gehörlosenwelt einigen will und nicht unfruchtbare Grabenkämpfe fördern will.

Ein kleiner Hinweis noch an dieser Stelle auf diesen Blogeintrag von mir:
Unsichtbar in der Masse