Freitag, 25. Februar 2011

Schreibblockade im Moment..

Im Moment kämpfe ich mit einer fiesen Schreibblockade, die mich nicht die langen Beiträge schreiben lässt, die ich gerne schreiben wollen würde.

Gibt's irgendwie einen Trick, diese Blockade ins Nirwana zu verabschieden? *seufz*

Montag, 21. Februar 2011

Die Qualität der Untertitel durch BBC

lässt sich einfach erklären: Sie benützen professionelle Nachsprecher und ein Spracherkennungsprogramm, was man hier im Video sieht:



Der Nachsprecher erklärt auch, dass es eine ziemlich unnatürliche Art zu sprechen notwendig ist, damit die Spracherkennungssoftware auch das Wort klar erkennt und man sieht, dass er Kopfhörer aufhat, damit er genau nachsprechen kann, was der Reporter im Bericht sagt. Besonders gut sichtbar ab 1:07 sowie 3:07 im Video.

In Deutschland ist es meistens der Fall, dass zwar eine Spracherkennungsoftware vorhanden ist und auch eingesprochen wird, aber die Nachsprecher sprechen EBEN meistens NICHT den Text des Sprechers nach, sondern fassen das Gehörte zusammen. Besondes gut sichtbar bei Fußballspielen: Da dürfen die Untertitelreporter der ARD sich total austoben, womit erklärt ist, warum das Gesprochene sich so total von dem Inhalt der Untertitel unterscheidet - dieser Satz hier "Der Untertitel-Reporter muss das Geschehen dann spontan in gesprochene Sprache umsetzen. Soweit sind die Tätigkeitsmerkmale identisch mit Radio- oder Fernsehreportern." auf den Untertitel-Seiten der ARD sagt alles.


Die BBC benützt übrigens Scroll-Up-Untertitel anstatt der hierzulanden üblichen verkürzten Block-Untertitel, womit eine hochwertige 1:1-Untertitelung möglich ist - das Scroll-Up verwenden auch übrigens die Schweizer, wie man in diesem Video sehen kann:



Trotzdem war es auch interessant für mich, die Kommentare unter dem BBC-Video zu lesen. Die britischen Gehörlosen wünschen sich noch bessere Untertitel und dort herrscht auch zum Teil die Meinung vor, dass man NICHT alles untertiteln kann, weil das gar nicht mehr lesbar ist - dies vielleicht für ungeübte Hörende, aber nicht für Gehörlose, die ungefähr tausend Sachen zugleich mit den Augen tun. ;-)

Ich bin gespannt, wann wir in Deutschland endlich hochwertige Untertitel im Fernsehen bewundern dürfen.

Samstag, 19. Februar 2011

Gestern sollten die Deaflympics in der Slowakei beginnen...

Wie wir ja mitbekommen haben, wurden die Spiele 1 Woche vor Beginn abgesagt, was ein Schock war für die gehörlosen nominierten Athleten aus aller Welt. Einige Teams, darunter auch das deutsche Team zum Teil, waren bereits angereist und erfuhren die Absage direkt vor Ort.

Hier der Blogeintrag dazu: Die Deaflympics sind abgesagt worden!

Diese Absage ist bisher einmalig in der Geschichte des Gehörlosensport - sowas gab es bisher noch nicht.

Und heute erfuhr ich, dass die Regierung Slowakei's, also das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Sport die Deaflympics nie unterstützt und genehmigt hat und daher auch nichts mit den Spielen zu tun haben wollte, außerdem kam raus, dass Herr Jaromir Ruda ein international bekannter Betrüger ist, der schon mal im Gefängnis saß und, weil er schon mal viel Geld veruntreut hat. Außerdem hat das Internationale Olympische Komitee (ICSD) eine Strafanzeige gegen Herrn Ruda eingereicht.

Es gibt 2 Gründe für das Scheitern der 17. Winter-Deaflympics: Es gab Probleme in der Kommunikation zwischen dem Internationalen Komitee der Gehörlosen und dem slowakischen Deaflympics-Komittee und auch mit den Gemeinden im Austragungsort.

Außerdem war überhaupt kein Geld da - es fehlten mindestens 2 Millionen Euro für die Austragung der Spiele, wovon Herr Ruda mindestens 1,5 Millionen veruntreut haben soll!

Was bleibt? Ein bitterer Nachgeschmack und die tiefe Enttäuschung aller Sportler, die sich leidenschaftlich auf IHR Event vorbereitet haben.

P.S. Im heutigen "Sehen statt Hören" lief ein Bericht über das deutsche Nationalteam der Gehörlosen, die für die Deaflympics nominiert worden sind. Hier gibt es einen Bericht auf der Seite vom Deutschen Gehörlosen-Sportverband übe den neuen (hörenden) Trainer Christian Schnepf: http://www.dg-ws.de/skialpin_berichte033.php

Typisch war: Schnepf sah überhaupt keine Kommunikationsprobleme, er meinte, er würde schon sehr viel mit Mimik arbeiten und das würde sehr gut klappen. Aber die Sportler beklagten sich, dass er zuwenig Gebärdensprache einsetzen würde und außerdem manchmal zu schnell und zuviel sprechen würde. Die Kommunikation klappt deswegen ganz gut, weil der schwerhörige Skifahrer Philipp Eisenmann die Gebärdensprache kann und so seine Teamkollegen informieren kann und er selbst sagt, es sei schön, dass er seinen Kollegen helfen kann, aber es sei auch eine Belastung für ihn.
Also lieber DGS-Sportverband: Entweder wird Christian Schnepf ein DGS-Kurs spendiert oder man stellt ihm einen Gebärdensprachdolmetscher zur Seite, damit die Kommunikation reibungsfrei abläuft und alle Sportler sich frei von Einflüssen von Außen auf die Anweisung des Trainers konzentieren können!

Montag, 14. Februar 2011

Franziska van Almsick und Charlene Wittstock schwimmen für die Paralympics!

In Südafrika fand vom 12-13. Februar das "Midmar Mile" statt, woran die ehemaligen Weltklasse-Schwimmerinnen Franziska van Almsick und und Charlene Wittstock, die zukünftige Fürstin von Monaco, teilnahmen. Die Einnahmen von diesem Event werden an die Paralympics gehen.

Und hier präsentiert sich die Bild mal wieder total schlecht informiert, denn hier im BILD-Artikel mit der Überschrift: "Charlene&Franzi - das Duell der Goldfische" heißt es, dass die Einnahmen an die Special Olympics gehen werden.

Die Bild hätte einfach nur auf Franzi's offizielle Homepage gehen müssen, um den Fehler zu finden: Midmar Mile -Franzi trifft Charlene Wittstock

Kleine Verwechslung - klar. Der Unterschied ist, dass die Paralympics für Menschen mit körperlicher Behinderung sind und die Special Olympics für Menschen mit geistiger Behinderung. Gegründet wurden die Special Olympics übrigens von Eunice Kennedy Shriver, der Schwester von John F. und Robert Kennedy, denn deren ältere Schwester Rosemary Kennedy war selbst geistig behindert. Und wer sich politisch ein wenig auskennt, weiß auch, dass Eunice Kennedy Shriver die Mutter von Maria Shriver, der Ehefrau von Arnold Schwarzenegger ist.

Und noch ein interessantes Detail zu Charlene Wittstock: Sie ist mit Terence Parkin, dem südafrikanischen gehörlosen Schwimmer befreundet, der damals bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney die Silbermedaille über 200m Brust gewann. Er gab ihr den Spitznamen "Crazy C", welches so gebärdet wird: Kreisendes C auf Schläfenhöhe. Parkin war selbstverständlich auch SEHR erfolgreich bei den Deaflympics, alleine bei den letzten Deaflympics in Taipeh 2009 räumte er 7 Goldmedailen ab, sechs fischte er aus dem Schwimmbecken, einen holte er sich beim Radfahren!

Blogeintrag über Terence Parkin: Terence Parkin und das monegassische Fürstenhaus

Ägyptische Gehörlose waren auch unter den Demonstranten!

Über den Taubenschlag fand ich dieses englischsprachige Blog, welches ich euch hiermit empfehlen möchte und ganz besonderes diesen Eintrag:

Gehörlose Ägypter unter den Demonstranten

Für mich selbst ist die Betrachtung der ägyptischen/arabischen Gebärdensprache gepaart mit arabischer Mimik sehr interessant. :-)

Die Winter-Deaflympics sind abgesagt worden!

Bereits letzten Freitag erreichte mich die Nachricht, dass die 17. Winter-Deaflympics abgesagt worden sind und die Stimmen dazu waren auf allen Seiten entsetzt, denn: Die Absage erfolgte nur eine Woche vor dem Beginn der Spiele! Und die Amerikaner, die Japaner und die Ukraine sind bereits angereist zur Akklimatisierung. Auch ein Teil des Deutschen Teams reiste bereits am 10.Februar an!

Die Spiele hätten vom 19.Februar bis zum 26. Februar 2011 in der Slowakei stattfinden sollen.

Es gab sehr viele Gerüchte, warum die Absage eigentlich erfolgte, die Hauptvermutungen waren, dass es ein Organisationsproblem und an den Finanzen läge, die sich ja auch jetzt bestätigt haben.

Aber was war eigentlich geschehen? Schon im Vorfeld hat sich die Slowakei nicht gerade mit Ruhm bekleckert, als es um die Ausrichtung der Spiele ging. 2005 bekam die Slowakei den Zuschlag für die Spiele - im Mai 2010 wurden die Spiele schon mal abgesagt, denn die finanziellen Mittel reichten nicht aus - im Juli 2010 erfolgte abermals eine Inspektion und die Slowakei wurde wieder offiziell zum Ausrichter der Spiele. Schon damals sprach man von finanziellen Problemen und fehlenden Vereinbarungen mit den Betreibern der Sportanlagen.

Zudem wird Herrn Jaromir Ruda, dem Leiter des slowakischen Ausschuss der Deaflympics eine Veruntreung der Gelder vorgeworfen und es ist beileibe keine winzige Summe, sondern es geht um 1,5 Millionen Euro.

Es ist zu schade, dass die Slowakei es nicht geschafft hat trotz der Vorbereitungszeit von 4 Jahren, die Spiele zu organisieren und nun enttäuschte Athleten aus aller Welt unverrichtender Dinge wieder abreisen müssen, was ein sehr großer Skandal ist - nicht nur aus sportlicher Sicht, sondern auch für die Gehörlosenwelt.

Hierein Blog-Eintrag über die Deaflympics und eine kleine Vorstellung der Athleten

Enttäuschte Athleten aus aller Welt fahren wieder nach Hause


Stellungsnahme von Jaromir Ruda und dem Ausschuss

Offizielle Homepage der Deaflympics

Mit einer Freundin, deren Freund als Skifahrer für Deutschland getreten wäre, habe ich darüber diskutiert, ob Deutschland nicht einspringen sollte und die Deaflympics hier ausrichten sollte, denn in Garmisch läuft doch derzeit die Ski-WM und alle Anlagen wären fertig und vor Ort. Die Kosten wären für Deutschland also nicht all zu hoch. Außerdem wäre es eine geniale PR.

Aber die Vorlaufszeit ist wohl zu kurz, leider. :-(

Montag, 7. Februar 2011

Politiker mit Ohrpax!

Der Politik sagt man gerne mal nach, dass sie dem Volk nicht zuhört und das trifft derzeit die Lage in Deutschland ganz gut. Besonders aber bei dem Thema Behindertenpolitik - da hören die Damen und Herren einfach mal gerne weg, weil es ja nur eine kleine Minderheit betrifft.

Am 05.02.2011 fuhr ich nach Vaihingen zur der politischen Podiumsdiskussion im Schwerhörigenverhein über die Behindertenpolitik in Baden-Württemberg mit
Bärbl Mielich/Die Grünen, Matthias Tröndle/SPD, Dr. Oechsner/FDP und Gotthilf Lorch/Die Linke. Gotthilf Lorch sitzt übrigens selbst im Rollstuhl.

Zwar bin ich in Bayern ansässig, aber wenn man so nahe der Grenze lebt und eine barrierefreie politische Veranstaltung angeboten wird, ist das einfach ein länderübergreifendes Muß für mich! :-) Die Veranstaltung war deswegen barrierefrei, weil eine Gebärdensprachdolmetscherin, eine sehr hübsche übrigens und ein Schriftdolmetscher anwesend war, dessen Tippsereien auf eine Leinwand gebeamt waren.

Das Thema "Gibt es einen Politikwechsel im Behindertenbereich oder bleibt alles beim Alten?" hat offenkundig die CDU so abgeschreckt, dass keiner von ihnen erschien: Weder der eingeladene Florian Weller noch der Staatsekretär Dieter Hillebrand des Sozialministeriums Baden-Württemberg.

Kein Wunder, dass die CDU nicht gut Kirschen essen hat mit der Behindertenpolitik, wenn man mal zurückdenkt, dass die die Freifahrt im öffentlichen Nahverkehr für Behinderte abschaffen wollte, um mehr Geld für Stuttgart 21 zu haben, was glücklicherweise durch den Protest der Behindertenverbände und der Opposition im baden-württembergerischen Landtag verhindert werden konnte! Nun, hier wäre die Chance für die CDU gewesen, denn schließlich gibt es seitens der Hörgeschädigten in Baden-Württemberg eine Million Stimmen für die Landtagswahl 2011 zu vergeben!

Die Piratenpartei wäre übrigens auch gerne gekommen, leider war mir nicht bewußt, dass der keine Informationen zu dieser Veranstaltung vorlagen, sonst hätte ich Bescheid gesagt. Aber mit dem Interview mit mir hat die Piratenpartei schon sehr viel Flagge in der Behindertenpolitik gezeigt!

Vor dem Beginn der Versanstaltung schnappte ich mir Matthias Tröndle (SPD) und Dr. Oechsner (FDP) und ich war bisschen zu aufgeregt, dass mir die Stimme etwas versagte und so tippte ich auf dem Blackberry, ob denen bekannt ist, dass die Untertitelquote in Deutschland nur bei 10,6% liegt. Die Antwort war, dass es nicht bekannt ist, worauf ich sagte, dass dies auch an der schwarzgelben Regierung liegt, weil die CDU 10 von 16 Ministerpräsidenten stellt und die gemeinsam mit den Rundfunkstaaten beschlossen haben, dass Blinde, Gehörlose und Schwerhörige ab 2013 nicht mehr befreit sind von der GEZ, sondern eine Gebühr von 6 € zahlen müssen - für welche Leistung denn? Leider konnten wir das nicht ausführlich bereden, da die Veranstaltung nun endlich losging.

Moderiert wurde das Gespräch von Andreas Kammerbauer, dem Vizepräsidenten des Deutschen Schwerhörigenbundes und Marcel Karthäuser, dem Schriftführer.

Aber gleich zu Anfang gab es einen Kulturschock für die anwesenden Politiker, denn Laura Lüster-Leibbrand versorgte sie mit Ohropax, womit diese eine leicht bis mittelgradige Schwerhörigkeit für eine kurze Zeit erwarben. Die Ohropax dämpfen die Hörfähigkeit nämlich bis zu 32 dzb weniger als normal!

Lustige Reaktion daraufhin auf der Seite der Politiker: Eine Zeitlang guckten sie äußerest konzentiert vor sich hin, als Kammerbauer eine kleine Einführung gab, warum das Thema Behindertenpolitik so wichtig ist, dann entdeckten sie die Leinwand mit den Tippsereien des Schriftdolmetschers und sogleich konnte man auf den Gesichtern eine leichte Entspannung ablesen, worüber ich sehr schmunzeln musste.

Die ganze Zeit habe ich live getwittert, was denn so gesagt wurde und jetzt gibt es den ausführlicheren Bericht zu meinen Empfindungen und Gedanken und hier kann man übrigens den Fragen und Forderungskatalog der Podiumsdiskussion nachlesen! Also hier dann die ausführliche Zusammenfassung der Podiumsdiskussion aus dem Kopf:

Die Politiker sollten vor der Beantwortung der ersten Frage erzählen, wie sie das verminderte Hören mit den Ohropax empfinden. Frage 1 war: "Wie beabsichtigen Sie die UN-Konvention zur Inklusion in Baden-Württemberg umzusetzen? Welche
konkreten Maßnahmen werden Sie nach der Landtagswahl zusammen mit allen gesellschaftlichen Akteuren angehen?"

Lorch von der Linken fand den Unterschied phänomal und meinte, dass es für ihn mit den Ohropax besser war, da er durch seine dauerhafte Einschränkung meistens Druck auf den Ohren habe und mit den Ohropax hatte er weniger Druck wie normalerweise. Er wies zuerst auf den Aktionstag gegen Stuttgart21 hin und mahnte an, dass eine rasche Umsetzung der UN-Behindertenkonvention nötig ist auf allen Gebieten, auch wohntechnisch. Auch müsse der Behindertenbeauftragter ein Betroffener sein, sei es ob ein Selbstbetroffener oder ein Elternteil eines behinderten Kindes.

Dazu möchte ich sagen, dass ich es für prinzipiell richtig halte, dass der Behindertenbeauftragte ein Betroffener sein muss, aber es sollte ein Selbstbetroffener sein. Anders geht es nicht, wie man aufgrund der Vita des Behindertenbeauftragten Norbert Hüppe (CDU/CSU)im Bundestag sehen kann, er hat einen behinderten Sohn und was hat sich bisher geändert? Nichts. Auch lustig ist: Er hat auf seiner Homepage zwar Gebärdensprachvideos, aber ohne Untertitel. Der Taubenschlag berichtet darüber: http://www.taubenschlag.de/meldung/3626 Nur sieht die Hompepage durch die fehlenden Untertitel nicht nach Inklusion aller aus.

Daher plädiere ich dafür, dass der Behindertenbeauftragte auf Kommunalebene und Bundesebene ein Selbstbetroffener SEIN MUSS!

Weiter geht's: Dr. Oechsner von der FDP schilderte seinen Eindruck, dass er viel stärker konzentierter hinhören muss mit den Ohropax, was gesagt wird und überraschte mit der Aussage, dass er mit der Linken in einem Boot ist, was die UN-Behindertenkonvention angeht und dass er sich mit dem Thema Behindertenpolitik stärker auseinander gesetzt hat als im Sinne der FDP!

Oha, sollte da doch ein FDP-Politiker durch die Ohropax etwas geläutert sein und ein Leben mit Einschränkungen besser nachvollziehen können?

Dann sprach Matthias Tröndle von der SPD und fand die Idee mit den Ohropax gut, weil es sehr lehrreich für ihn seie. Der Paragdimenwechsel in der Behindertenpolitik sei sehr nötig und sagte dann einen sehr klugen Satz: Inklusion sollte sich nicht nur auf die Laufbahn vom Kindergarten bis in die Schule bzw. Universität beziehen, sondern auch gesellschaftlich. Sehr gut durchdacht!

Leider fühlte sich Bärbl Mielich mit den Ohropax nicht sehr wohl, da ihr Gleichgewichtssinn dadurch beeinträchtigt wird und entschuldigte sich dafür, dass sie die Ohropax jetzt herausnimmt. Aber die Einschränkung im normalen Leben sei angekommen. Jeder Mensch, so Mielich, sei auf in gewisser Weise behindert und Inklusion bedeutet auch, die Kinder nicht kompatibel machen zu müssen. Da hat sie recht, wenn man mal an die Fälle denkt, wo das Jugendamt gehörlose Kinder zwangversorgen will mit einem Cochlear Implantat!

Nach zu lesen in diesen Blogeinträgen: CI-Zwang für gehörlose Kinder? und Morgen haben die Eltern den Termin beim Jugendamt sowie Lieber keine schlafenden Hunde wecken, sonst...

Und die Grünen wollen die Umsetzung der UN-Behindertenkovention unter der Federführung Behinderter!

Weiterhin tapfer konzentierte Gesichter bei den Ohropax-Trägern während der weiteren Diskussion, die wirklich gut moderiert ist! Nur schade, dass im Saal überwiegend ältere Leute ab 50 zu sehen sind und sonst wenig junge Leute darunter.

Dann ging es weiter es um die Gesetze, wonach Behinderte dem Sachbearbeiter ausgeliefert sind seit der Verwaltungsreform von Erwin Teufel trotz dem Gleichstellungsgesetz.

Matthias Tröndle von der SPD merkte an, dass Deutschland seit der Ratifizierung der UN-Konvention die Pflicht hat zu zahlen und diese auch zu umsetzen. Die SPD und die Grünen sind in einer Meinung: Die öffentliche Hand ist in der Pflicht Gleichstellung zu herstellen.

Und danach gings um den Haushaltstopf für eine barrierefreie Kommunikation zwischen der Politik und den Schwerhörigen sowie den Gehörlosen, worauf ein Einwand von Dr. Oechsner von der FDP folgte: Er sähe kein Gesetz für eine barrierefreie Kommunikation. Marcel Karthäuser erinnert ihn daraufhin an das Behindertengleichstellungsgesetz!

Wenig später ging es um die Inklusion: Gotthilf Lorch betonte, dass es wichtig ist, dass die Eltern die volle Wahlfreiheit bekommen, auf welche Schule sie ihr Kind schicken, auf die Regelschule oder Sondereschule?

Kleiner Hinweis der Moderation: Es seie eine Stunde vergangen, die Ohropax dürften herausgenommen werden! Große Erleichterung bei allen und nochmal wird gesagt, dass es eine interessante Erfahrung war.

Ochesner von der FPD erzählt, er sei im Vorstand eines Kindergartens und setze sich auch sehr für Inklusion ein, aber es gäbe halt auch immer wieder Einwände von Eltern, ob es überhaupt gut seie für ihr Kind mit behinderten Kindern zusammen zu sein. Halt die üblichen Vorurteile. Aber grundsätzlich bedauere er es, dass zu wenig Geld da seie für barrierefreie Kigas und Schulen.

An dieser Stelle hätte ich fast geschrien: "Aber Milliarden für #Stuttgart 21 werden ausgegeben, was?"

Weiter sagt Oechsner noch, dass er der Meinung ist, dass besserverdienende Behinderte sich finanziell in Sachen Inklusion beteiligen sollen und liegt damit ganz auf der Linie seiner Partei, der FDP. Wie soll das gehen? Die Bildungspolitik in Sachen Behinderte, ganz besonders auf der Seiten der Schwerhörigen und Gehörlosen verhindert einen solchen Aufstieg doch ganz recht!

Lorch von DieLinke schaltet sich ein und rechnet Oechsner vor, wie teuer eine Assistenz und alles im Rahmen der Inklusion ist, worauf Oechsner recht entsetzt schaut. Er hatte null Ahnung von den Kosten!

Tröndle von der SPD präsentiert sich herausragend vorbereitet und macht sich stark für Inklusion, er fordert eine 1:1-Umsetzung der UN-Behindertenkonvention und stimmt der Linken zu. Die SPD seie ebenfalls für eine wohnortnahe Inklusion. Es sollen Gemeinschaftsschulen und kindgerechte Förderung möglich werden. Das sei eine echte Wahlfreiheit. Außerdem habe die SPD Pläne bis 2016 die Kigas, Schulen und Unis in Baden-Württemberg barrierefrei zu gestalten, was Tröndle Gelächter von Oechsner einbringt.

Bärbl Mielich von den Grünen merkt an, dass es keine Kür, sondern eine Pflicht ist, die Inklusion auf allen Bereichen anzubieten. Außerdem forderte sie die Integration der Menschen mit Behinderungen direkt in den ersten Arbeitsmarkt!

Mielich hat hier einen sehr guten und wichtigen Punkt angemerkt!

Jetzt sind Wortmeldungen erlaubt - ich melde mich zu Wort und merke an, dass wir über aller Inklusion nicht vergessen dürfen, dass auch an der Bildungspolitik gearbeitet werden müsse - an den Schulen müsse das Niveau steigern, damit die Kinder eine normale Schriftkompetenz erhalten und somit für das Leben außerhalb der Schule gerüstet sind und in meinen Augen seie es nicht nachvollziehbar, dass die FPD bedauert, dass zu wenig Geld da seie für barrierefreie Kigas, Schulen und Unis, aber in der Landesregierung Milliarden für Stuttgart 21 ausgibt.

Dieser Einwand bringt mir einen "Daumen hoch" von Bärbl Mielich und ein Grinsen von Tröndle ein. Hochrot im Gesicht setze ich mich wieder an meinen Platz und gleichzeitig bin ich froh, dass ich die Gebärdensprachdolmetscherin an meiner Seite hatte, weil ich vor Aufregung doch sehr piepsig und schnell sprach.

Jetzt wird ne Pause angesetzt - Bärbl Mielich entschuldigt sich, dass sie nach der Pause nicht mehr da sein wird, weil sie noch nach Stegen muss und bedankt sich für die Diskussion. Ich gab ihr meine Blogadresse auf den Weg.

Die Pause habe ich dazu genützt, um mit Dr. Oechsner etwas über Stuttgart21 zu diskutieren, er ist der Ansicht, dass man erst in einigen Jahren sagen kann, ob Stuttgart21 was gebracht hat und er wäre dann ja auch schon 70 dann. Ich lachte ihn an: "Dann treffen wir uns dann wieder und schauen, wer dann recht hat. Hand drauf!" Hat er auch gemacht.

Nach der Pause ging es darum, warum die Krankenkassen sich weigern hochwertige Hörgeräte zu zahlen trotz dem Bundesozialurteil, wozu ich nichts getwittert haben. Aber grundsätzlich sahen alle die Krankenkassen in der Pflicht dem Urteil zu folgen.

Dann gings um die Förderung der Ausbildung von Schrift-und Gebärdensprachdolmetscher. Es wurde bemängelt, dass es zuwenige Leute für den Bedarf in Ba-Wü gibt, so dass Theaterbesuche, Kinobesuche und für viele andere Sache keine Barrierefreiheit gewährleistet ist trotz der UN-Konvention.

Lorch von der Linken merkt eine wichtige Sache an: Kulturelle Teilhabe auf allen Ebenen darf kein Sahnestück ab und zu sein, sondern müsse normal sein.

Tröndle (SPD) macht sich für die Förderung stark, worauf Oechsner die Finanzierung zu bedenken gibt. In meinem Kopf taucht wieder Stuttgart21 auf dabei...

Lustigerweise gings dann direkt nach dieser Frage um Stuttgart21: "Wie kann der Bahnhof barrierefrei, egal ob oben oder unten, werden? Wie will die Politik das umsetzen?" Marcel Karthäuser, der Schriftführer merkt an, dass die Bahn normalerweise bei Projekten immer bei Behindertenverbänden nachfragt, was man verbessern könne und anbieten müsse. Das sei aber bei Stuttgart21 nicht der Fall gewesen bisher.

Tröndle watscht die Bahn völlig zu Fecht ab, indem er sagt, dass die Bahn nur dann Geld vom Land kriegen sollte beim Bau, wenn Stuttgart21 barrierefrei gebaut wird. Das Problem seie aber, dass die Bahn beratungsresistent seie!

Oechsner meint, dass er seine Meinung zu Stuttgart21 nicht sagen werde - muss er ja auch nicht mehr - ich kenne sie bereits, aber er wundere sich, dass die Bahn nicht nach den Bedürfnissen Behinderter fragt wie normal sonst. Und er versprach als Kommunalpolitiker bei der Bahn intensiv nachzufragen, warum das so ist.

Lorch erzählte, dass es vor kurzem eine Diskussion mit der Bahn mit dem Behindertenverband über die Barrierefreiheit zu Stuttgart21 gab, die aber nicht sehr zufriedenstellend ausgefallen ist seitens der Behindertenverbände. Viele Dinge seien bis heute ungeklärt.

Wieder kann man Wortmeldungen einfügen - ich melde mich zu Wort und erkläre, dass ich es nicht verstehe, warum die Bahn in vielen Fällen einfach die Ansagen vorzieht, aber ganz vergisst, über digitale Anzeigen ebenfalls auch Informationen mitzuliefern. Ebenfalls sei im Falle von Stuttgart21 an Neu-Ulm 21 (Das ist Stuttgart 21 im Miniformat) erinnert, wo es auf den 2 Gleisen an nur einer Seite einen Aufzug gibt und ansonsten sehr steile Treppen, wenn also der Aufzug mal defekt ist, kommt man mit Kinderwagen oder mit einem Rollstuhl da gar selbstständig gar nicht mehr weg. Diese Punkte wurden schon bei der Schlichtung besprochen und würden bei der Bahn wohl auch gar nicht berücksichtigt werden.

Dr. Oechsner war bisschen genervt von meiner Kritik, aber menschlich kann man gut mit ihm reden, nur war ich halt ab und zu nicht mit seinen Aussagen einerstanden.

Kurz vor Ende der Diskussionszeit ging es um Untertitel. Der Schwerhörigenbund erzählt, dass sie den SWR um die Untertitelung der Wahlsendungen zur Landtagswahl gebeten haben, aber bisher noch keine Antwort erhalten haben. Ob die Politik da mithelfen könne?

Tröndle sicherte die Mitarbeit zu und wird SPD-Leute im SWR-Rundfunkrat anschreiben. Hilfe gibt es auch von Gotthilf von der Linken

Einzig Oechsner von der FPD fand es ein Unding in der Kürze der Zeit Untertitel vom SWR zu verlangen und nicht für machbar, worauf ich mich natürlich zur Wort meldete und erzählte, dass im Fernsehen nur 10,6% unteritelt werden und es wichtig seie, dass man bei politischen Sendungen auch mitreden können, um wählen gehen zu können!

Nach kurzem Wortwechsel war es dann leider auch schon 18 Uhr und die Podiumsdiskussion zu Ende. Ich hab dann natürlich die Zeit genützt, um meine Blogadresse unter den Politikern zu verteilen, worauf ich im Gegenzug die Visitenkarten bekam. :-)

Und mit Matthias Tröndle hab ich natürlich auch die Twitterdaten ausgetauscht. :-) Alle Politiker der Diskussion findet man auf Twitter unter:

Fazit: Sehr schöne Podiumsdiskussion. Eine solche mit Ohropax sollten wir öfters haben und vor allem auch auf Bundesebene. Die Antworten waren interessant und aufschlussreich. Und mein Eindruck von der FPD ist geblieben: Die Mehrheit dieser Partei kann sich nicht vorstellen, dass man im Leben eingeschränkt sein kann, was man immer wieder an den Aussagen von Westerwelle oder Lindner merkt.

Die Grünen, die SPD und die Linke haben gezeigt, dass sie eine Partei für alle sind.

Pressebericht dazu: Wahlkampf mit Ohrstöpseln der Stuttgarter Nachrichten und der Bericht von Matthias Tröndle: "Inside Wahlkampf - Podiumsdiskussion mit Ohropax"

Ich wollte übrigens den Blogeintrag mit Fotos versehen, was aber nicht geklappt hat - der Blogeintrag war so nicht hochzuladen. Tja, vielleicht klappt es später?

Ich hoffe, der Bericht hat euch gefallen!

Samstag, 5. Februar 2011

Liebe Monica Lierhaus!

Eben wurde ich Zeuge von Ihrem denkwürdigen Aufritt bei der "Goldenen Kamera" im ZDF, der nicht nur mich beeindruckt hat, sondern auch viele andere Zuschauer im Saal und vor allem vor dem Fernseher. Sie erschienen wieder auf der Bildfläche von der Sie fast 2 Jahre lang verschwunden waren von heute auf morgen und gaben ein beeindruckendes Statement ab: "Seht her, ich bin wieder da. Mir geht's gut."

Einzig ihr Gang liess erahnen, was für eine unglaubliche Arbeit hinter Ihnen liegt und welche noch vor Ihnen liegt. Es war bestimmt nicht einfach für Sie in die erschrockenen und teilweise auch befremdet-mitleidigen Gesichter der anwesenden Prominenz zu blicken, die ihr Entsetzen über ihren Gang nicht verbergen konnten.

Dies hat mich noch mal an dieses berühmte Zitat des Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker erinnert:" Nicht behindert zu sein, ist wahrscheinlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jederzeit jedem von uns jederzeit genommen werden kann."

Sie, Frau Lierhaus, haben wie auch Samuel Koch das erfahren, wie schnell das gehen kann und trotz Ihrer exklusiven Stellung der Gesellschaft haben Sie wohl auch mit Barrieren kämpfen müssen mit denen Menschen mit Behinderungen tagtäglich in der Gesellschaft zu tun haben. Vielleicht erlebten Sie die Rolle des Bittstellers am eigenen Leib, weil Ihre Ansprüche, die Ihnen vom Gesetz eigentlich klar und deutlich zugestehen, nicht erfüllt worden sind - vielleicht hatten Sie aber auch Glück, was ich von hier aus nicht beurteilen kann.

Aber eins kann ich beurteilen: Sie haben sich erfolgreich zurück ins Leben gekämpft, auch wenn noch ein Berg vor Ihnen liegt und ich hoffe, dass Sie mit ihrem Auftritt im Fernsehen die Barrierefreiheit und Akzeptanz der Menschen mit Behinderungen in der Geselllschaft vorangebracht haben, denn bitte verzeihen Sie mir: Sie und Samuel Koch haben gezeigt, dass es jeden von uns treffen kann und damit vielleicht einen Schalter in den Köpfen der Menschen umgelegt.

Die Barrieren im Kopf müssen zuerst beseitigt werden, damit die Barrieren im alltäglichen Leben nicht mehr aus den Barrieren im Kopf entstehen.

Aber zuerst freue ich mich einfach nur, dass es Ihnen wieder soweit gut geht und wünsche Ihnen für den weiteren Weg alles GUTE und viel Kraft!

Liebe Grüße,

Julia Probst

Donnerstag, 3. Februar 2011

Im Rythmus der Stille

Am Mannheimer Nationaltheater tanzt eine junge Chinesin, was nichts besonders wäre, wäre sie nicht gehörlos und darüber hat sie auch einen Bericht geschrieben, wie sie ans Mannheimer Nationaltheater kam und sie beklagt sich auch über die mangelnde Barrierefreiheit in Deutschland.

Tänzerin in einer stillen Welt am Mannheimer Nationaltheater


Der Titel des Blogeintrags ist übrigens Sarah Neef zuzuschreiben, denn auch sie ist eine Tänzerin aus Leidenschaft und so heißt auch der Film über sie sowie ihre Autobiographie.

Und im übrigen kann ich euch dieses Blogprojekt der Caritas nur ans Herz legen, denn dort berichten Betroffene in ihren eigenen Worten, wie sie durch die Welt gehen und die Welt sehen.

http://blog.kein-mensch-ist-perfekt.de/startseite

Viel Spaß beim Lesen!

Der 17. Weltkongress der Gehörlosen 2015 in Berlin?

Gerade eben las ich etwas interessantes:

Der deutsche Gehörlosen-Bund hat sich für 2015 für die Austragung des 17. Weltkongress der Gehörlosen beworben beim WFD (World Federation of Deaf). Austragungsort soll Berlin sein.

Das letzte Mal, dass Deutschland den Weltkongress der Gehörlosen ausgetragen hat, war vor 52 Jahren, also ist es echt mal wieder an der Zeit dafür.

Unterstützt wird die Bewerbung übrigens von der Bundesregierung.

Bis dahin sollte Deutschland übrigens komplett barrierefrei sein für Gehörlose und andere Menschen mit Behinderungen, denn sonst könnte es heißen, dass die Kongressteilnehmer gegenüber den Medien berichten: "Deutschland ist ja ein ganz schönes Land, aber nicht barrierefrei für Gehörlose und andere."

Ich glaube nicht, dass der Bundesregierung - egal welche Bundesregierung wir dann haben, eine solche Berichterstattung gefallen wird, denn in diesem Fall wird es nicht heißen: "Auch schlechte PR ist gute PR."

Ich bin gespannt, ob die Bewerbung angenommen wird.

Eine andere Stadt aber wird noch vor Berlin im Jahr 2015 für einige Tage zur Kulturhauptstadt der Gehörlosen werden und zwar wird ERFURT im September 2012 die Deutschen Kulturtage der Gehörlosen im Congress Center ausrichten!

Die Kulturtage der Gehörlosen sind eine Begegnungstätte für Gehörlose und selbstverständlich auch für Hörende!