Dienstag, 25. Januar 2011

Zwangsterilisationen unter dem Hakenkreuz

Ich habe ja schon öfters über das Leben der Gehörlosen unter dem Hakenkreuz berichtet, siehe auch den Blogeintrag wie diesen hier:

Menschen mit Behinderungen unter dem Hakenkreuz
, dort findet man auch die Verlinkungen zu den weiteren Blogeinträgen dazu.

Was bekannt ist: Es gab Zwangsterilisationen an Gehörlosen in der Nazizeit, aber genauere Zahlen konnte ich bis heute dazu nicht finden. Aber nun stieß ich auf einen Bericht, in dem es heißt, dass 400 000 Kinder und Erwachsenen, die zwischen 1934 und 1945 im nationalsozialistischen Deutschland lebten, zeugungsunfähig gemacht wurden."

Die hohe Zahl ist wohl darauf zurückzuführen, dass das deutsche "Reich" damals auch viel größer war. In Österreich gibt's auch einen Dokumentionen über die Zwangsterilisationen.

Der Bericht findet sich hier: Dokumentarfilm über Zwangsterilisation, welcher von Barbara Leuchtenberg und Harry Schnitzler realisiert wurde.

Den Gehörlosen wurde gesagt: "Komm doch mit, sei ganz ruhig, wir gehen da mal hin." Und so heißt der Film auch. Anschauen kann man sich den am Donnerstag den 10 Februar im Raum 5 der Volkshochschule Trier. Eintritt ist frei.

Montag, 24. Januar 2011

Unsichtbar in der Masse

Mein Bloggerkollege Heiko Kunert von Blind-Pr hat schon vor fast 2 Jahren einen Blogeintrag verfasst, der mir ein Schmunzeln und gleichzeitig eine kleine Dankbarkeit bescherte darüber, dass man mir meine Gehörlosigkeit nicht ansieht, denn das verschont einen vor "Jürgens" dieser Welt.

Besagter Blogeintrag findet sich hier: "Zu früh" in Textversion und

"Zu früh" in Hörversion

Mein allererster Blogeintrag hier begann übrigens so: "Eine unsichtbare Behinderung - klingt gar nicht so dramatisch. Ist es auch gar nicht, aber einschränkend aufgrund dieser Tatsache."

Dramatisch ist es wirklich nicht, aber einschränkend. Nur sehe ich es nicht so, dass ICH oder die Gehörlosen im allgemeinen eingeschränkt sind aufgrund der Winzigkeit nicht hören zu können, sondern dass wir dazu gemacht werden. Klingt nach einer bequemen Ausrede, aber dazu ist es in 90% der Punkte, die einem spontan einfallen, einfach zutreffend.

Und das führt dann zu solchen Anfragen wie: "Welchen Beruf soll ich ergreifen, wenn man als Schwerhöriger trotz Hörgeräten nicht telefonieren kann?" bei meinem anderen Bloggerkollegen Not quit like Beethoven.

Beispiele wie unsichtbar es ist, nicht hören zu können, wie es mir immer wieder passiert im Umgang mit unwissenden Mitmenschen: An Weihnachten suchte ich nach einem Geschenk für meine Mutter - irgendwie fand sich in der Vorweihnachtszeit einfach kein geeignetes. Da sah ich ein Hörbuch von Gabriel García Márquez, gelesen von Hanns Zischler. Dramatisch von 29,90 auf 4,99 reduziert. Aber so ganz überzeugt war ich noch nicht und ging deshalb zu einer Verkäuferin und fragte sie, ob das gut seie. Sie sah sich das Cover an und rief mit völlig begeistertem Gesichtsausdruck: "Oh Gott ja! Der Mann, also der Zischler, der hat so eine Wahnsinnstimme. Ich würd's auf jeden Fall kaufen!" Ich musste kurz innerlich grinsen, weil sie MIR von der Stimme eines Mannes vorschwärmt und nicht gemerkt hat, dass ich nicht hören kann.

Wobei: Ich kenne die Stimme von Max Ballauf und muss meiner Lieblingsautorin Anette Göttlicher zustimmen, dass er das Telefonbuch von Rostock oder sonstwelcher Stadt vorlesen könnte - der Inhalt wäre alleine aufgrund der Stimme interessant genug angehört zu werden!

Ich bin froh, dass ich in ein Cafe gehen kann, mich hinsetzen kann und in aller Ruhe die Zeitung lesen kann, ohne dass es auffällt, dass ich nicht hören kann. Ich trage keinen Blindenstock, keinen Blindenhund mit mir mit. Die meisten Menschen denken sich bei der Bestellung lediglich oh: "Ausländerin" wegen meiner Aussprache.

Das gleiche ist mir mal passiert bei einem Auffahrunfall - es war Winter und von einer Sekunde auf die andere gab es Blitzeis und der Bremsweg war mehr als doppelt so lang. Zack! Aufgefahren! In meinem Führerschein steht, dass ich während der Autofahrt ein Hörgerät bzw. das Cochlear Implantat tragen muss, nur ist es immer aus, weil es mich meistens während der Fahrt stört. Natürlich kam bei dem Auffahrunfall auch die Polizei hinzu und und wir unterhielten uns. War ganz nett. Niemand hat mich nach meiner Gehörlosigkeit gefragt - die sahen nur auf meinen Ausweis und bemerkten meinen zweiten arabischen Vornamen und dachten sich: "Oh, Ausländerin."

Unsichtbar behindert zu sein in der Masse, das ist der einzige Luxus, den man mit dieser Behinderung hat. Diesmal ist man nicht eingeschränkt. ;-) Natürlich ist man nur so lange unsichtbar, bis man anfängt zu gebärden, denn dann werden die Leute erst recht aufmerksam und schauen neugierig-verlegen und vor allem faziniert rüber. Die Gebärdensprache ist eben immer noch nicht alltäglich in Deutschland, was schon schade ist.

Gehörlosigkeit sieht man nicht auf Anhieb. Man hört aber meistens auf Anhieb heraus, wenn etwas stimmlich nicht passt wie bei einem Akzent.

So gesehen sind Menschen mit Behinderungen Ausländer im eigenen Land - die Integration oder die Inklusion findet ja kaum statt in Deutschland! Bei der Integrationsdebatte um die integrierten Menschen mit Migrationshintergrund vermisste ich vor allem eins - die Debatte darüber, ob Menschen mit Behinderungen auch wirklich integriert in unserer Gesellschaft sind und ob auch dort Parallel-Welten durch die Aussortierung entstehen.

Es wird an der Zeit, dass die Gesellschaft sich fragt: "Wie können wir diese besonderen Fähigkeiten in unsere Gesellschaft einbringen?" und der Frage nachgeht, warum es überhaupt Menschen mit Behinderungen gibt und deren speziellen Fähigkeiten, denn einen Grund dafür gibt es ja bestimmt. Gehörlose sind z.b. in der Regel sehr gute Zeichner, Techniker und Handwerker. Blinden dagegen wird oft eine angenehme Telefonstimme oder eine erheblich größere Feinfühligkeit beim Tasten nachgesagt. Bei Albert Einstein vermutet man eine Anlage zum Asperger-Syndrom und welche Leistungen Einstein ja wohl für die Wissenschaft erbracht hat, ist unbestritten!

Leider IST unsere Gesellschaft so ausgelegt, dass sie immer versucht das "Unperfekte" wegzukriegen, z.b. durch die Erfindung des "Cochlear Implantat". Dabei könnte wirklich jeder vom anderen profitieren. Mütter mit Kinderwagen profitieren doch auch von den Rampen, die für Rollstuhlfahrer gebaut worden sind, oder?

Der eine oder der andere Leser mag jetzt vielleicht den Kopf darüber schütteln, dass ich so idealistisch und sozialistisch denke, aber vielleicht doch nur, da die Antwort auf diese Frage bisher nur eine Lösung kannte: "Menschen mit Behinderungen haben sich an die Gesellschaft anzupassen - nicht umgekehrt."

Dazu fällt mir ein Spruch des Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker ein: " Nicht behindert zu sein, ist wahrscheinlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann."

Ich finde, er hatte recht. Es kann jeden aus heiterem Himmel treffen, was wir ja auch live im Fernsehen bei "Wetten, dass.." bei der Wette von Samuel Koch sehen konnten...

Nun, das gibt einem zu denken, nicht wahr?

Die Olympischen Spiele stehen mal wieder vor der Türe!

"Hä? Die waren doch erst letztes Jahr?!" mag man sich jetzt denken und das stimmt auch.

Immer ein Jahr nach den "offiziellen" olympischen Spielen stehen die olympischen Spielen der Gehörlosen an, die den Namen "Deaflympics" tragen.

Vom 19.-26. Februar 2011 werden die Winter Deaflympics in Vysoké Tatry, Slowakei ausgetragen. Deutschland ist mit einer kleineren Auswahl vertreten im Gegensatz zu den Summer Deaflympics 2009 in Taipeh, wo immerhin 158 Gehörlose für Deutschland antraten, treten wir diesmal nur im Bereich "Alpine Ski" an laut der Homepage des Deutschen Gehörlosen-Sportverband.

http://www.2011slowakei.dg-sv.de/

Wettkämpfe finden in folgenden Bereichen statt: "Alpine Ski", "Snowboard", "Freestyle Ski", "Cross Country Ski", "ICE Hockey", "Curling".

Mich wundert es, dass wir keine Eishockey-Mannschaft mehr am Start haben, wir hatten da nämlich eine ganz erfolgreiche Mannschaft.

Ingesamt werden 438 Athleten aus 25 Ländern um die Medaillen kämpfen.

Einige Athleten möchte ich euch vorstellen:

Die 19jährige Snowboarderin Lauren Benedict aus den USA auf dem Weg zu ihren 1. Spielen


Steve Hubmer, Curling-Teilnehmer aus den USA über die Hoffnung Canada schlagen zu können


Wird der 21jährige kanadische Snowboarder Dustin Willis für Canada starten können?

Der 17jährige Skifahrer Andreas Müller aus Deuschland

In der Berichterstattung werden die Deaflympics kaum eine Rolle spielen, denn ich sah im Fernsehen auch nur per Zufall die Zusammenfassung über die IPC-Alpine Skiing World Championships in Seestriere, Italien, welche vom 15-23. Januar 2011 waren.

IPC-Alpine Skiing World Championships in Seestriere, Italien

Ein anderes Beispiel sind die derzeit stattfindenden International Paralympics Comittee-Weltmeisterschaft in der Leichtathletik im neuseeländischen Christchurch, welche bereits seit dem 21. Januar 2011 laufen und noch bis zum 31. Januar 2011 dauern.

International Paralympics Comittee-Weltmeisterschaft in der Leichtathletik


Medial wird kaum etwas von der Leistung der Sportler berichtet, obwohl es schon spektulär anzusehen ist, wenn sich diese z.b. beim Skifahren mit nur einem Arm oder Bein die Hänge herabstürzen oder im Teamsport gegen eine andere Mannschaft kämpfen. Da fließt genausoviel Schweiß und Leidenschaft mit rein wie bei Nichtbehinderten.

Zu schade, dass die Aussortierung der Leistungen der Menschen mit Behinderungen selbst nicht vor dem völkerverbindenden Sport haltmachen durch die Stille in der Medien.

Ältere Blogeinträge zu den Deaflympcis:

Die Sache mit den Deaflympics

Unser Team ist Welt- und Europameister!

Ausbeute der deutschen Athleten bei den Deaflympcis 2009 in Taipeh

Paralympics versus Deaflympics

Die Deaflympics - Olympische Spiele abseits der Medien

158 Athleten treten demnächst an für Deutschland!

Freitag, 21. Januar 2011

Ein Gehörloser bei "Wer wird Millionär?"

Die Sendung "Wer wird Millionär" gucke ich mir ganz gerne an auf RTL, wobei ich viele der Fragen bisher richtig beantworten konnte, weshalb mir immer gesagt wird: "Bewirb dich doch endlich mal da!"

Soweit ich weiß, hat es bisher noch kein deutscher Gehörloser zu Jauch auf den Stuhl geschafft und um die Million mitgespielt.

In Costa Rica war das schon im März 2009 der Fall - da hat der gehörlose Jurastudent Carlos Gutiérrez Vargas es auf den heißen Stuhl geschafft und sogar die Million gewonnen. Natürlich war eine Gebärdensprachdolmetscherin anwesend.

Carlos bei ¿Quién quiere ser millonario?

Mittwoch, 19. Januar 2011

Geplatzt!

Der Fernsehdreh mit mir ist geplatzt, worüber ich einerseits froh bin und auf der anderen Seite finde ich es schon sehr schade in der Hinsicht auf meinen Kampf für Barrierefreiheit.

Ich kann auch jetzt verraten, welches Fernsehmagazin über mich berichten wollte: "Bauerfeind" auf 3sat.

Auf ein Neues!

P.S. Es ist daran gescheitert, weil ich mich nicht so in Richtung Lightman aus "Lie To Me" darstellen lassen wollte, denn er hat einen ganz anderen Hintergrund: Sein Wissen ist akademisch angeeignet. Bei mir liegt der Fall anders. Und dem und der Barrierefreiheit wollte man eben nicht kaum Platz einräumen.

Ich habe zwar vorgeschlagen, dass die Darstellung in Richtung Ria Torres aus "Lie To Me" in Ordnung geht, weil sie auch keinen akademischen Hintergrund hat. Aber das passte nicht so ganz ins Konzept.

Deutschlandfunk berichtet über das Hören mit einem Cochlear Implantat

und merkt an, dass nur 30% des Gesagten von den Lippen ablesbar ist, wobei es im Deutschen noch einen höheren Schwierigkeitsgrad gibt - ablesbar sind dort nur 15% des Gesagten. Das steht auch so in Wikipedia: Lippenlesen in Wiki

Bericht im Deutschlandfunk

Das liegt daran, dass es im Deutschen sehr ähnliche Wörter gibt, die das gleiche Mundbild haben, wie zum Beispiel: hat sich - achtzig, Greifen-Reifen, Butter-Mutter, die aber alle eine unterschiedliche Bedeutung haben.

Darüber bloggte ich auch schon mal: Lippenlesen - wie funktioniert das wirklich?

Neulich bei einem gemeinsamen Spaziergang in der blauen Stunde sagte man zu mir, dass man noch bei der Schneiderei vorbeischauen müsste auf dem Weg zu mir und ich verstand aber: "Schreinerei" und fragte ganz dumm nach: "Brauchst du wieder Brennholz?" Gelächter. Dann klärte sich auch das Mißverständnis auf. :-)

Spontan fallen mir nur noch 2 Wörter, welche sich vom Ablesen her sehr ählich sehen, aber völlig gegensätzliche Bedeutungen haben: "Tomate - Dummheit".

Aber warum berichte ich eigentlich über den Bericht im Deutschlandfunk? Die liefern euch ein Hörbeispiel dafür, wie sich das Hören mit dem Cochlear Implantat so anhört.
Und der WDR liefert bei Quarks&Co auch ein Hörbeispiel und hier der gleiche Beitrag als Web-TV mit Untertiteln: Wie Natalie hören lernte

Was sagt ihr denn zu den Hörbeispielen?


Sonntag, 16. Januar 2011

Kleine Notz am Rande bei "Lie to Me"

Am Freitagabend sah ich mir die aktuelleste Folge von "Lie to Me" an und sagte zu einem Lie-to-Me-Fan im Skype: "Komisch, ich wußte gleich, zu welchem Zweck Lightman sich den Hotdog besorgt hat.." Es war so eindeutig von der Körpersprache her, aber vielleicht war es auch nur einfach typisch Lightman? ;-)

Kurz darauf stehen Torres und Foster im Flur der Lightman-Group und analysieren ein Foto, während Loker sich dazu gesellt mit neuen Informationen. Auftritt Lightman pur : Er drängelt sich durch die Gruppe und lässt eine Visitenkarte fallen, welche von Torres aufgehoben wird.

In meinem Kopf klickt etwas - ich lasse die Szene nochmal abspielen, was mir Gewissheit verschafft: "Die Darstellerin von Torres, Monica Raymund, muss Balletunterricht genommen haben in frühen Jahren, entweder als Kind bzw. Jugendliche." Warum ich mir zeitlich so sicher bin? Die Art der Fußstellung, die Torres beim Aufheben hatte, war die Fußstellung einer Tänzerin. Einer Ballettänzerin, die schon lange nicht mehr im Training ist.

Wikipedia zementiert mir meine Vermutung, die nun keine mehr ist, sondern Tatsache: Wikipedia über Monica Raymund Dort heißt es im Abschnitt über ihre Mutter Sonia, dass diese die Mitbegründerin ist der "Soulful Arts Dancing Academy" in St. Petersburg, Florida.
Dann stoße ich hier auf den Artikel über diese Tanzschule: Soulful Arts Dancing Academy hat einen neuen Leiter garniert mit einem Bild einer Ballettänzerin an der Stange.

Außerdem war Monica Raymund an der Julliard School in New York City, wo sie das Fach Schauspiel studierte und auch als Absolventin verließ. Die Julliard School kenne ich aus dem Film "Save the last Dance", Tanz ist dort ebenfalls sehr wichtig.

Und mir passierte dieses Klicken im Kopf nicht zum ersten Mal beim Betrachten einer Person, sondern auch schon mal vor einigen Jahren an einer U-Bahn: Unter den Leuten stach mir eine Frau besonders ins Auge, sie stand da in dieser aufrechten Haltung einer Tänzerin. Neugierig wie ich bin, konnte ich nicht anderes und habe sie gefragt: "Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie mir weiterhelfen?" "Ja, was ist denn?" "Ich habe Sie so stehen sehen und frage mich nun, ob sie Ballett tanzen, also professionelle Tänzerin sind?" Sie sah mich ganz verblüfft an: "Ja, ich bin Tanzlehrerin und tanze auch am Tanztheater." Ich habe ihr dann noch Erfolg und viel Spaß dabei gewünscht.

Sie war so verblüfft, dass sie nicht mal gefragt hat, woher ich das wissen konnte. Ihre Kopfhaltung, die Stellung derArme, aber besonders der Füße haben mir das alles verraten, denn ihre Füße waren in der 3. Position des Balletts. Ihr war das gar nicht mehr bewußt, dass sie anders stand als alle andere - eine Tänzerin mit Haut und Haar.

Aber eigentlich mach ich dieses Scanning die ganze Zeit, ohne es zu merken, denn darüber habe ich schon mal hier gebloggt:

Wie gut bin ich eigentlich im Erkennen von Menschen und deren Körpersprache?

Samstag, 15. Januar 2011

Bild dich weiter. Nicht.

Im deutschen Fernsehen liegt die Untertitelquote bei nur 10,6%, wie die eifrigen Leser meines Blogs ja bereits wissen und per Twitter konnte ich ein sehr interessantes Experiment mit meinen Followern durchführen:

Letzten Sonntag haben diese mal aus Neugier die Untertitel auf der Seite 150 des ARD-Videotexts abgerufen und sich "Anne Will" gemeinsam mit mir angeschaut. Die Reaktionen waren allesamt sehr entsetzt: "Das sollen Live-Untertitel sein? Da fehlt ja einiges, da wird so vieles zusammengekürzt und unter den Tisch fallen gelassen." Und das einhellige Fazit war: "Da ist doch kaum eine eigene Meinungsbildung für Gehörlose möglich."

Richtig - die Untertitelsituation im deutschen Fernsehen lässt es nicht zu, dass Gehörlose sich eine eigene Meinung bilden können, denn die Untertitel werden bevormundend gekürzt, vereinfacht und geben vielleicht nur mal die Hälfte aller Informationen wieder. Die "Live-Untertitel" im dt. Fernsehen verdienen den Namen erst recht nicht und die normalen Untertitel sind ebenfalls eine Schande.

Zum Beispiel hasse ich es, wenn ich wie im letzten Tatort ablesen kann, dass Max Ballauf zu Franziska sagte: "Franziska, ich weiß, es ist scher für uns alle. Arbeite das einfach ab. Eins nach dem anderen. Ja, eins nach dem anderen." Der Untertitel enthielt aber nur: "Franziska, ich weiß, es ist schwer für uns alle. Arbeite das einfach ab. Eins nach dem anderen."

Das ist keine Seltenheit, bei weitem nicht. Vor einigen Jahren sah ich mir mal aus Interesse "Notting Hill" in der ARD mit Untertitel an und die Untertitelwerkstatt hat doch das Husarenstück fertig gebracht, den Film so veruntiteln, dass er total langweilig und platt von den Dialogen her wirkte, da man stark verkürzt hatte. Den Film habe ich aber zum Glück auf DVD hier mit den hochwertigen DVD-Untertiteln und der Vergleich war wirklich wie haarsträubend von der Qualität her!

Oder ein anderes Beispiel für die Bevormundung durch starke Verkürzung: Am 28.09.2010 sah ich mir die 490.Folge von "In aller Freundschaft" mit dem Titel "Schweres Erbe" an, da laut der Folgenbeschreibung das Baby von Arzu und Brentano evtl. Neurofibromatose hat und daher gehörlos auf die Welt kommen könnte. Im Laufe der Sendung habe ich mich gleich wieder mal schwarz geärgert mehren Stellen über die Bevormundung und Desinformationen per Untertitel stattfinden.

Der Dialog war nämlich folgender: Oberschwester Ingrid sprach einem Patienten Mut zu, dass dieser positiv denken solle, worauf dieser entgegnete: "Sie haben Recht." Und was konnte man in der Untertitelung lesen? "Richtig."

Es ist äußerst fies, wenn man weitaus mehr Informationen ablesen kann über die Lippenbewegungen und anhand der Untertiteln merkt, dass die Informationen nicht übereinstimmen.

Ich wiederhole es ganz gerne nochmal: Ich habe diese ständige Bevormundung per Untertitel satt!

Da muss die Untertitelwerkstatt Münster wie alle anderen Untertitelfirmen, die derzeit am Markt sind und für das Fernsehen produzieren, noch gewaltig daran arbeiten.

Das Gesamtfazit der derzeitigen Untertitelsituation, die normalen Untertitel wie auch die Live-Untertitel betreffend, ist:

Wie sollen Gehörlose sich so anständig informieren können über die Politik im eigenen Land und mitreden können, wenn die Untertitel nicht komplett 1:1 sind wie in anderen Ländern? Die anderen Länder schaffen das, dazu zählen USA, Kanada, England und mittlerweile auch Österreicih und die Schweiz.

Und heißt es nicht im Artikel 3. im Grundgesetz: Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden?!

Und die Unterzeichnung Deutschlands der UN-Konvention der Menschenrechte der Menschen mit Behinderungen ist bisher auch nur ein Lippenbekenntnis, denn dort heißt es in Artikel 21 und 30 ganz klar, dass Menschen mit Behinderungen ebenso das Recht der freien Meinungsäußerung, der Meinungsfreiheit und den Zugang zu Informationen besitzen wie nicht behinderte Menschen. Auch wird dort klargestellt, dass ein Recht darauf besteht, mit anderen am kulturellen Leben teilzunehmen, und alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, um sicherzustellen, dass diese Zugang zu Fernsehprogrammen, Filmen und Theatervorstellungen haben.

Diese Regelungen werden aber in der Praxis wirklich verletzt, denn diese Angebote finden kaum statt.

Wann wird diese Diskrimination endlich ein Ende haben?

Es gingen übrigens mittlerweile E-Mails an Jürgen Trittin (Die Grünen) und Julia Klöckner (CDU) so wie an die SPD Hamburg hinaus mit der Einladung dazu, sich morgen die Sendung "Anne Will" mit Unteriteln anzuschauen, welche man auf der ARD-Videotext-Seite 150 findet. Ich bin gespannt, ob sie sich das antun werden. (Im Sept'10 schrieb ich eine Email an alle großen Parteien bzgl. Barrierefreiheit. Auch reagierten Bundeskanzlerin AngelaMerkel, Verbraucherministerin IlseAigner, Innenminister deMaizière, Regierungssprecher SteffenSeibert auf meinen Appell nicht. Keine Antwort bisher. Einzig die FDP antwortete mir im Namen von Gabriele Molitor. Sehr unerträglich - auch Behinderte müssten für Leistung zahlen. Haha - welche denn? 10,6% Untertitel in mieser Qualität und für die NICHT-Untertitelung vieler deutschsprachigen Filmen auf DVD? Das muss sich endlich ändern. Deutschland muss barrierefrei werden! Dafür kämpfe ich und dafür stehe ich auch. Das ist mein Anliegen und solange 100% hochwertige Untertitel nicht umgesetzt werden im deutschen Fernsehen, werde ich immer ein bissiger Pitbull bleiben und ein Auge auf die Parteipolitik haben, wenn es um Behindertenpolitik geht!)

Und wer die "Live-Untertitelung" der ARD bei Anne Will verpasst hat, kann das gerne morgen wiederholen. Ich übernehme keine Gewährleistung für den Schutz vor Nichtinformation. ;-)

P.S. Die Fragen, wie z.b. die Amerikaner die Live-Untertitel herstellen, werden hier beantwortet: Captioning im amerikanischen TV, auch hat die BBC in Großbritannien eine ähnliche Lösung, nur finde ich gerade die Seite nicht mehr. :-( Der ORF in Österreich arbeitet mit dieser Lösung: Technologie zur automatischen Spracherkennung

Nachtrag: Die Sender, die nicht oder nur wenig unterhalten wie z.b. RTL und Vox haben natürlich auch eine Rüge verdient - die stehen noch ganz am Anfang in dem Punkt. Nur: Wenn schon Untertitel angeboten werden, dann erwarte ich auch eine 1:1-Untertitelung - das nennt man nämlich Qualität.

Freitag, 14. Januar 2011

Soll ich oder soll ich nicht?

Das Fernsehen hat sich bei mir gemeldet, man wolle einen Beitrag über mich machen und jetzt nach der Rücksprache des Produzenten mit der Redaktionsleiterin überlege ich, ob ich dieser Darstellung zustimme.

Für mein Hauptanliegen, der Barrierefreiheit wird nämlich kaum Platz sein. So war das eigentlich nicht gedacht, denn per Fernsehen kann man ganz schön viele Leute erreichen. Nur werden die geplanten Sendeminuten über den Beitrag wohl nicht dazu ausreichen. Anderseits könnte ich mit der geplanten Darstellung ausloten, ob das per WebTV im Internet ausbaufähig wäre und da könnte ich immerhin alles so gestalten, wie ich es möchte.

Ein Dilemma für mich - mehr als beim SWR-Fernsehbeitrag, denn damals ging's ja nur um den Ableseservice und dort wurde nebenbei die geringe Untertitelquote erwähnt.

Und jetzt? Was soll ich jetzt tun? Der Produzent hat mir die Entscheidung komplett überlassen und betont, dass es ihm wichtig ist, dass ich keine Bauchschmerzen bei der geplanten Darstellung kriege.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Muss Dirk Nowitzki mal schnell aufs Klo?

Auf dem Foto hat er jedenfalls die Gebärde für "WC" wirklich sehr gut drauf! :-)

Dirk Nowitzki muss mal für kleine Jungs!

Ich finde, ich muss gar nicht erklären, warum diese Handform für "WC" steht, oder doch? ;-)

Dienstag, 11. Januar 2011

Mein Interview mit der Piratenpartei

kann man jetzt online nachlesen!

http://www.piratenpartei.de/110110-Gehoerlose-werden-systematisch-von-der-politischen-Teilhabe-ausgeschlossen-Ein-Interview-mit-Julia-Probst

Und bitte unterstützt auch meine Kollegen von der Aktion Untertitel, indem ihr mal auf dieser Seite vorbeiguckt und euch eintragt, wenn ihr uns unterstützen wollt, damit die Barrierefreiheit möglich wird!

http://aktion-untertitel.de/cms/


Mein persönliches Statement noch dazu: Auch wenn es im Interview vielleicht so rüberkommt, ich bin nicht die einzige Gehörlose, die mit der deutschen Sprache keine Probleme hat. Neben mir gibt es noch viele andere Gehörlose, die genauso sehr dort zuhause sind und sich durch viele Bücher fressen. Beispiele kenne ich genügend aus meinem gehörlosen Freundeskreis und auch in den Medien findet man z.b. die Namen Maike Stein, Sarah Neef, Tobias Kramer. Nur sind die sprachlich "begabten" Gehörlosen eine Minderheit unter den Gehörlosen.

Ein Bericht über Maike Stein - die Erhörte in der Zeit

Ein Bericht über Sarah Neef

Auch Tobias Kramer hat nach eigenen Angaben keine Probleme mit der deutschen Sprache

UPDATE: Ich bin so blöd und vergesse bei den sprachbegabten Beispielen den Hinweis auf meine großartigen Bloggerkollegen, aber das ist hiermit nachgeholt:

Not quit like Beethoven


Judith Göller - Das Gehörlosblog

Wann wird die ARD endlich barrierefrei?

Dies frage ich mich nicht nur seit der unerträglichen Untertitelung von "Anne Will" im Ersten, die sich auch noch ganz stolz "Live-Untertitel" nennen, diesen Namen aber bei weitem nicht verdienen, sondern auch Bloggerkollegin Christiane Link vom Behindertenparkplatz.

Sie hat einen ausgezeichneten Blogeintrag verfasst:

Wann wird die ARD endlich barrierefrei, Frau Piel?


Es ist klar, dass dieser Blogeintrag und alle anderen von Christane ein Lesebefehl sind, oder? ;-)

Die "Live-Untertitel" der ARD bei Anne Will werden demnächst noch einen eigenen Blogeintrag erhalten!

Montag, 10. Januar 2011

Danke Guido! ;-)

Sogar ins Deutschlandradio haben es meine Dreikönigs-Tweets mit der Analyse der Körpersprache von Westerwelle geschaffft, was ich vor wenigen Stunden über einen Twitterer erfahren habe.

Und auf der Seite dort bin ich auch sogleich fündig geworden:

http://wissen.dradio.de/fdp-westerwelles-dreikoenigs-rede.33.de.html?dram%3Aarticle_id=7707

Sehr lobenswert finde ich es im Sinne der Barrierefreiheit, für die ich mich ja einsetze, dass sowohl eine Textversion als auch eine Hörversion zur Verfügung steht!

Update: Mir hat ein lieber nordischer Follower das Transkript der Hörversion, welche doch ein kleines bisschen anders ist als die Textversion zum Lesen ist, zur Verfügung gestellt!

Transkript der Hörversion der Webschau im Radio

Sonntag, 9. Januar 2011

Ein Gehörloser im Aufsichtsrat des Hamburgers HSV?

Die Wahl begann heute um 11 Uhr und bisher ist es noch nicht bekannt, ob Holger Jegminat es geschafft hat, denn er hat sich für einen der 4 Plätze im Aufsichtsrat beworben. Diese Aktivität kommt nicht von ungefähr: Er ist schon lange für den Hamburger HSV aktiv, z.b hat er den HSV-Deaf-Fanclub gegründet und macht Museums- und Stadionführungen beim HSV.

Hier kann man das Video vom Dezember 2010 sehen:

Holger Jegminat kandidiert für den Aufsichtsrat des HSV - nur zu schade, dass das Video ohne Untertitel ist.

Bei einem Wahlsieg würde er die Gehörlosen und die Gebärdensprache etwas mehr in den Fokus rücken, denn bei den Sitzungen des HSV würde Holger mit einem Dolmetscher auftreten.

Hier kann man einige Presseberichte über Holger nachlesen:

Der gehörlose Holger Jegminat will in den Aufsichtsrat des HSV


Kandidaten zur Aufsichtswahl am 9. Januar 2011

Die Daumen sind gedrückt von mir!

Kleines Lippenlesen-Spiel!

Den Link habe ich zwar schon auf Twitter gepostet, aber hier im Blog das Spiel auch zu verlinken, kann ja nicht schaden:

Kannst du Lippenlesen?

http://jugend.handicap-international.de/fileadmin/redaktion/Medien/levresDEU.swf

Viel Spaß damit!

Samstag, 8. Januar 2011

Körpersprache in anderen Kulturen

Heute habe ich mal wieder ein kleines Schmankerl für euch, diesmal möchte ich die Körpersprache im islamischen Kulturkreis analysieren, da ich auf dieses manipulierte Foto vom September 2010 gestoßen bin:

Ägyptischer Staatschef Mubarak wird in den ägyptischen Tagesszeitungen als Anführer
präsentiert bei dem Auftakt der Nahost-Friedensgesprächen im Weißen Haus. Auch der Spiegel berichtet über diese Montage: Mubarak, der vorgeschobene Präsident

Für mich zeigt diese Fotomontage ein sehr eindrucksvolles Beispiel darüber, wie sehr der islamische Kulturkreis bemüht ist, die eigene Körpersprache an den Westen anzupassen.

Mubarak läuft übrigens auf dem Originalfoto ganz hinten aus einem guten Grund - in islamischen Kulturkreisen lässt der Mächtigste der Gruppe allen anderen den Vortritt und geht als LETZTER durch die Türe - vermutlich trat die Gruppe kurz zuvor aus einer Türe. Weitere Anhaltspunkte für meine Theorie, warum es so gewesen sein könnte, folgen sogleich.

Die Gruppe der 5 Staatsmännern auf dem Foto besteht aus US-Präsident Barack Obama, dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, Pälestinenserpräsident Mahmud Abbas sowie dem jordanischen König Abdullah.

1. Man sieht auf dem Originalfoto, wie Barack Obama sich an die Spitze setzt als Anführer der westlichen Welt - dicht hinter ihm bemühen sich der israelische Ministerpräsident Netanjahu und Abbas von den Schritten her stets auf der gleichen Höhe zu sein, keiner von ihnen will hinter dem anderen zu sehen sein, ein gutes Zeichen für den gemeldeten optimistischen Ton während der Friedensgespräche!
Und von der Schrittfolge her war der jordanische König Abduallah, verheiratet mit der Pälestinenserin Rania und einer von zwei amtierenden Staatschefs in der arabischen Welt, wohl unabsichtlich ganz leicht vor den beiden Kollegen aus der islamischen Welt, wobei von ihm bekannt ist, dass er der westlichen Welt gegenüber sehr aufgeschlossen ist.

2. Auf dem Foto sieht man übrigens sehr schön, wie die Männer aus den islamischen Kulturkreisen die gleiche Art haben zu gehen und dabei den Handrücken zu zeigen. Ich muss mir mal anlesen, warum das typisch dafür ist.

3. Schaut euch mal dieses Video an, es zeigt Bill Clinton mit Yassir Arafat und Ehud Barak in Camp David. Ab der Sekunde 41 sieht man alle drei vor die Kamera treten. Ein scheinbar friedliches Bild, doch treten Barak und Arafat nur gezwungen freundlich auf, denn man sieht wie Ehud Barak die Fäuste ärgerlich ballt und mit gleicht gebeugten Knien darsteht wie ein kampfbereiter Boxer. Die Kamera schwenkt über sein Gesicht und man sieht seine zusammengekniffenen Lippen. Bill Clinton steht als Vermittler zwischen den beiden und gibt sich als Optimisten. Bei Arafat sind die Hände auch leicht ärgerlich geballt, aber ihm gelingt's immerhin für die Kamera ein Lächeln aufzusetzen. Und ab der 1:51 Minute reibt sich Barak die Hände, für mich drück diese Gestik die Erleichterung darüber aus: "Na, endlich ist dieser Kameratermin für die Presse zu Ende. Diese Analyse war jetzt nur ein zusätzliches Schmankerl, denn ich wollte nämlich was ganz anderes zeigen:

4. Ab der 01:57 Minute sieht man, wie Arafat und Barak Bill Clinton lachend vor ihnen durch die Türe schicken und dann anfangen zu streiten, wer von ihnen zuerst durch die Türe gehen soll. Jeder will dem anderen den Vortritt lassen. Bill Clinton springt helfend zur Seite und öffnet die andere Flügeltüre, worauf die beiden sich darauf einigen können ARM in ARM durch die Türe zu gehen. Lustig finde ich, dass man an der Haltung des Assistenten hinter ihnen merkt, dass dieser sehr erleichtert darüber ist, dass dieses Problem gelöst werden konnte.

5. Und ich kann diese Theorie belegen: Gilian Foster und Loker erklären in der Serie "Lie To Me" in der 7. Folge "Um jeden Preis dieses spezielle Machtgefüge in der islamischen Welt, indem sie genau dieses Türgerangel von Arafat und Barak zeigen. :-) Wissenschaftlich wird die Serie von Paul Ekman begleitet und entwickelt, doch wer ist Paul Ekman eigentlich? Der amerikanische Wissenschaftler gehört zu den hundert bedeutendsten Psychologen des 20. Jahrhunderts und ist führend auf dem Gebiet der nonverbalen Körpersprache. Auch basiert die Serienfigur des Cal Lightman auf ihm.

Anhand dieser Punkte halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass Mubarak als letzter durch die Türe ging, was mich fragen lässt, warum er in der islamischen Welt als mächtigster Mann angesehen wird und warum uns seine Macht im Westen nicht bekannt ist? Immerhin sieht man auf dem Foto, wie ein Lächeln seine Mundwinkel umspielt.

Zu diesen Schlußfolgerungen komme ich von meinem Hintergrundwissen her und meinen Empfindungen, aber was ist denn eure Meinung dazu?

Freitag, 7. Januar 2011

Ein kleines Best-OF-Medley

Ich hab mir gedacht, ich stell mir eine Linkliste der Einträge für euch zusammen, die vielleicht so weit nach hinten gerutscht sind, so dass sie keine Beachtung mehr finden und hab sie dementsprechend sortiert nach Bekanntheitsgrad.

Der bekannteste Blogeintrag ist natürlich Gebärdennamen der Politiker in Gebärdensprache!

Dann folgt schon der Blogeintrag, wo ich die Ausreden der Fernsehanstalten und Filmproduktionen aufliste: Ich kann diese Ausreden nicht mehr hören/sehen

Du willst "Soul Kitchen", "Das Experiment", "Rosenstraße" und viele andere deutschsprachigeProduktionen als Gehörloser auf DVD angucken? Geht nicht, da die Untertitel fehlen. Die Austattung auf der DVD von "Das Leben der anderen" zeigt, dass "Das Leben der anderen wird nicht berücksichtigt wird!

Menschen mit Behinderungen finden in der Politik so gut wie kaum statt: Gedankengänge zur deutschen Politik gegenüber Behinderten

Mein unerhörter Appell an die Politik - dort kann man auch die Untertitelquote nachlesen, wobei RTL jetzt auch digitale Untertitel anbietet seit Dezember 2010, aber das ist eher 0,1 % vom Programmanteil von RTL.

War das schon immer so? - Wie meine Gehörlosigkeit entdeckt wurde und der Umgang damit.

Musik nur, wenn sie laut ist, wie Herbert Grönemeyer mal nur für mich sang.

Warum ich als Kind dachte, dass ich später mal hören kann
- der Hintergrundbericht dazu.

Beim Kennenlernen dreht sich Die Lieblingsfragen aller Hörenden stets um die Musik, wenn sie mich kennenlernen..

Und sonst könnt ihr noch die Labels "Körpersprache" und "Politische Labels" anklicken und den Ableseservice rund um die WM 2010 findet ihr unter dem Label "Ableseservice".

Bin mal gespannt, ob euch der Überblick gefällt, natürlich gibt's hier noch mehr lesenswerte Einträge, aber das reicht erst mal für das Erste! :-)

Für mich war es kein Augenschmaus gestern

Gestern bekam ich auf Twitter mit, dass Westerwelle eine Parteirede hält in Stuttgart, welches von Phoenix live übertragen wurde und dachte mir: "Oh, schalt doch auch mal ein."

Meine Eindrücke der Rede habe ich dann live wie bei der WM 2010 das Abgelesene vertwittert, was die Rheinzeitung dazu brachte, einen Link zu meinen Westerwelle-Tweets einzurichten, welcher jetzt über 10.000 Mal angeklickt worden ist durch die ganzen Rtweets von vielen Twitterern, woraufhin meine Followerzahlen sprunghaft anstiegen.

Manch einer mag sich jetzt fragen, ob es tatsächlich so ist, dass Männer sich an die Nase fassen, wenn diese lügen?! Das liegt daran, dass beim Lügen dass erregbare Gewebe in der Nase anschwillt, da das Herz schneller schlägt und mehr Blut in die Nase pumpt, was das Jucken auslöst. Für Männer ist das offenbar schwerer auszuhalten als für Frauen. ;-)

Hier sind die Links dazu:

Forscher bewiesen den Pinocchio-Effekt

Was Mikroausdrücke im Gesicht so alles verraten

Die Rheinzeitung hat dann auch einen richtig schönen Bericht über mich online gebracht, wie ich die Westerwelle-Rede so sah: http://ku-rz.de/augenblick und im Print kann man das hier sehen: http://twitpic.com/3nqxjs/full

Und wer das Siegerlächeln von Lindner sehen mag, der klicke bitte hierhin:
Letzter Vorhang für Guido Westerwelle

Besonders hat es mich gefreut, dass ich berichten durfte, wie wenig im deutschen Fernsehen untertitelt wird und die fehlende Integration im kulturellen Leben für Gehörlose kritisieren.

Wie findet ihr denn das Interview? :-)

Montag, 3. Januar 2011

Die Scham über die Schwerhörigkeit im Alter

Zu den Seiten im Netz, denen ich regelmässig einen Besuch abstatte, gehört www.belauscht.de und dort fand ich einen Beitrag, der typisch ist für Leute mit Altersschwerhörigkeit:

kategorie: taubdumm
Montag, 3. Januar 2011, 10:48 Uhr
Abgelegt unter: Besorgt - an Kasse und Wühltisch

Iserlohn. Beim Hörgeräteakustiker.

Eine ältere Dame bekommt ein neues Hörgerät. Der Akustiker setzt das Gerät ein, justiert es und fragt:

“Na, stimmt es so, Frau Adler?”

Die Dame lächelt ihn an und sagt: “Ja, danke!”
Dann dreht sie sich zu ihrer Tochter um und fragt: “Was hat er gesagt?”

Quelle: http://www.belauscht.de/?p=2495

Schon die Ablage unter "Taubdumm" empfinde ich als störend, weil es mich an das negative "taubstumm" erinnert, klar war dieser Bezug stiltechnisch vom Belauscher gewollt, aber ich finde es schade, dass der Belauscher die Sache einfach nur lustig fand, anstatt sich zu fragen, WARUM die ältere Dame sich so verhält.

Es ist Scham darüber, dass der eigene Körper nicht nicht mehr so kann, wie man es von ihm kennt und man nicht mehr einfach mal so "mitkommt." Wer will sich das schon eingestehen?

Schade nur, dass die ältere Dame im Akkustikergeschäft zwar Hörgeräte trägt, aber nicht zugeben wollte, dass sie schlecht angepasst sind. Dabei wäre es so einfach: "Entschuldige, aber die sind noch nicht ganz optimal." Der Akkustiker kann zwar anhand der Audiodiagramme ungefähr abschätzen, wie es passen könnte, aber mit Feedback geht's halt besser.

Meine Oma ist auch mit den Jahren zunehmend altersschwerhörig geworden, davon ist übrigens jede dritte Frau im Alter betroffen und sie kann noch telefonieren, aber manchmal bekommt sie eben das Klingeln nicht mit, wenn ein anderes Geräusch den Klingelton überlagert.

Hörgeräte? Will sie nicht. Sieht ja jeder und im übrigen lacht sie dann immer mit einem Augenzwinkern zu mir rüber, wenn mal wieder der Vorschlag kommt, es mit einem Hörgerät zu versuchen: "Und du? Du trägst dein CI (Cochlear Implantat) ja auch nicht die ganze Zeit!" 1:0 für Oma! :-)

Vielleicht sollte sie mal mit Mario Adorf reden? Der ist jetzt nämlich auch Hörgeräteträger, aber er konnte es sich auch sehr lange nicht eingestehen, dass er immer schlechter hört. Als Schauspieler eigentlich eine Katastrophe, trotzdem gelang es ihm 9 Jahre lang seine Arbeit ohne Hörgeräte fortzusetzen.

Jetzt hat er welche und er steht dazu, sogar versehentlich unter der Dusche. ;-)

Quelle: Schwerhöriger Adorf verzichtete aus Scham auf ein Hörgerät

Was die Welt braucht? Keine falsche Scham und eine realistische Verabschiedung vom Gedanken der Perfektheit.


Samstag, 1. Januar 2011

Nur Tote hören nichts mehr!

Der erste Tag des neuen Jahres begann mit Kopfweh. Ganz klassischer Neujahrskater könnte man meinen, dabei war es nur ein "Scheißlaute Böller!"-Kopfweh und kein "Suffkopfweh", da mir Alkohol zuwider ist.

Um Punkt Mitternacht stand ich in meiner Gruppe auf dem Kirchplatz, da dort ein offizielles Feuerwerk abgebrannt werden sollte, was ich ja sehr gerne mag als Augenmensch, denn die offiziellen Feuerwerke sind ja meistens perfekt aufeinander abgestimmt, woraus man ableiten kann, dass ich das normale Herumgeböllere kreuz und quer nicht leiden kann.

Auf Twitter verkündete ich dann sogleich, Kopfweh zu haben aufgrund der Böllerei, was mir verwunderte Reaktionen bescherte in der Form von: "Aber wenn man gehörlos ist, dann hört man das doch gar nicht?!"

Dazu muss man sagen, dass Gehörlosigkeit medizinisch so definiert wird, dass man gehörlos ist, wenn man ERST in einer Lautstärke ab 90-110 dz etwas wahrnehmen kann hörtechnisch.

Und wenn man so bisschen herumgoogelt, dann erfährt man folgendes: " Die Lautstärke von Böllern und Raketen ist nicht ungefährlich. In einem Umkreis von zwei Metern erreichen Sie Spitzenwerte von bis zu 160 Dezibel. Dadurch können irreparable Hörschäden entstehen, zur Vorbeugung dieser werden Ohrstöpsel als Gehörschutz empfohlen."

Ich glaube, damit wäre nun endgültig die romantische Vorstellung zerstört, dass man als Gehörlose/r in einer komplett stillen Welt lebt, denn so ist es wirklich nicht. Und es gibt noch andere laute Geräusche, die man als Gehörloser wahrnimmt: z.b. das satte Zuknallen einer Autotüre, Hundegebell in einer bestimmten Lautstärke, Düsenjäger, "BOING" - wenn ein Düsenjäger mal wieder die Schallmauer knacken muss, an einem vorbeibrausende und aufheulende Motorräder, getunte Autos mit eingebauter Musikanlage...

Mehr Geräusche "hörbare" Geräusche fallen mir jetzt nicht ein, aber das sollte für's Erste reichen, oder?

Die Welt ist erst komplett still, wenn man tot ist. Gehörlos zu sein heißt nicht, komplett von allen Geräuschen ausgeschlossen zu sein.

Man ist von anderen Dingen ausgeschlossen.

P.S. Nachtrag vom 31.12.2011: Das ist das, was ich OHNE das Cochlear Implantat noch höre. Und das Cochlear Implantat habe ich nur dann an, wenn ich es wirklich brauche. Und es ist klar, dass man es zu Silvester nicht braucht, oder? :-D