Montag, 29. November 2010

Kindergedanken aus meiner Kindheit

Die Vorgeschichte zu diesem Blogeintrag, der eigentlich die Fortsetzung davon ist, findet sich hier:

War das schon immer so? Wie meine Gehörlosigkeit entdeckt worden ist und der Umgang damit.

Irgendwann kurz nach dem Erlernen der Fähigkeit Pfeifen zu können im Alter von 5 Jahren, nahmen meine Mutter und meine Tante mich mit zu einer Veranstaltung. Mir wurde erzählt: "Der Mann da auf der Bühne ist ein Darsteller und er kann genau wie du gar nicht hören."

Ich dachte mir da: "Ein Mann? Ein Erwachsener, der NICHT hören kann? Das gibt es nicht."

Dazu muss man wissen, dass meine Mutter zusammen mit anderen betroffenen Müttern zusammen mit dem Schwerhörigenverein einen Kindergarten auf die Beine stellten, wo wir hörgeschädigten Kinder nun jeden Tag hingefahren wurden. Die Fahrtzeit zum Kindergarten war ungefähr 45 Minuten lang, eine Ewigkeit für jedes Kleinkind. Und mein Lieblingsspielkamerad aus dem Kindergarten und ich gaben unserer Busfahrerin einen Spitznamen, denn wir konnten ihren langen Namen, der vermutlich osteuropäisch war, gar nicht aussprechen, er fing mit Ma...irgendetwas an und da sie uns wirklich gern hatte und auch immer einen Lutschbonbon aus einer klappernden Dose für uns hatte, tauften wir sie einfach: "Ma".

Mir war meine Gehörlosigkeit so gut wie gar nicht bewußt, obwohl ich eben zwar jeden Tag im Kindergarten mit anderen hörgeschädigten Kindern zu tun hatte, der an einen anderen Kindergarten angeschlossen war, aber wir hörgeschädigten Kinder waren eine eigene Gruppe mit eigenem Raum und Logopäden, der einmal in der Woche vorbeikam. Ab und zu geschah es, dass wir von den anderen Kindergruppen eingeladen wurden dort mitzuspielen.

Ich hatte also vormittags mit hörgeschädigten Kindern zu und und am Nachmittag war ich immer irgendwo bei irgendwelchen hörenden Kindern in unserer Nachbarschaft, denn ich war eben genauso wie alle Kinder damals auf der Straße anzutreffen.

Unter diesen Umständen war es wirklich logisch, dass ich mir ganz lange Zeit dachte: "Wenn ich groß bin, dann kann ich bestimmt auch hören!", denn ich kannte ja keinen einzigen gehörlosen Erwachsenen.

Und umso fazinierender der Auftritt dann von dem Pantomime JOMI für mich. In der Pause fragte ich meine Mutter: "Er kann wirklich nicht hören? So wie ich?" Sie: "Ja, genau wie du." Ich: "Aber ich dachte, wenn man groß ist, dann kann man hören." Ich sah die Tränen in den Augen meiner Mutter schimmern und sie sagte: "Nein, so ist das Leben nicht. Aber man lernt viele andere Dinge, wenn man groß ist."

Das war einer der seltenen Momente als Kind, wo ich mir dessen bewußt war, dass ich nicht hören kann. Die restliche Zeit verschwendete ich nämlich kaum einen Gedanken daran.

Hier ist übrigens der Bericht über Jomi zu finden: Kasperiade - Der Augenmensch
Und hier ist nochmal der Link zu seiner Homepage: Pantomime JOMI

Freitag, 19. November 2010

Vokabeln aus der Gebärdensprache auf Video!

Keine Ahnung, weshalb ich euch die Homepage http://www.spreadthesign.com/de/ nicht schon viel früher ans Herz gelegt habe, denn dort kann man nämlich einzelne Wörter eingeben und schauen, wie unterschiedlich/ähnlich das eine Wort in Ländern wie England, Schweden, Litauen, Tschechien, Spanien, Portugal, Deutschland, Frankreich, Türkei, Russland, Uganda und in China gebärdet wird.

Die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede könnt ihr wohl am besten bei den Wörtern "Liebe" und "Liebhaber" sehen. :-)

Und für alle Politikfans: Auch die Vokabel "Politik" ist vorhanden und für die Sportfans unter euch die Vokabel "Bundesliga".

Den Rest überlasse ich euch und wünsche viel Spaß mit der Vokabeleingabe!

P.S. Heißer Tipp: Wenn ihr auf Alphabet klickt, könnt ihr schauen, wie eurer Name im Buchstabenalphabet der Gebärdensprachen buchstabiert wird, vor allem ist es interessant zu sehen, dass im englischen und im tschechischen Fingeralpabet beide Hände dazu benützt werden.

Freitag, 12. November 2010

Hallo Sat1 - hier ist die große Chance!

Wie ja hinlänglich bekannt ist, strahlt Sat1 in Deutschland die Verfilmung von Ken Follett's "Die Säulen der Erde" in Deutschland aus.

In Österreich tut das der ORF und zwar barrierefrei, wie man aus dieser Pressemittelung lesen kann:

ORF strahlt Historienvierteiler barrierefrei aus

Konkret heißt es dort: "Damit auch Menschen mit Behinderungen in den Genuss des bevorstehenden Film-Highlights kommen, wird 'Säulen der Erde' mit Audiokommentar für blinde und sehbehinderte Menschen sowie Untertiteln für gehörlose und hörbehinderte Menschen im ORF ausgestrahlt. Mit diesem speziellen Service ermöglicht der ORF seinem Publikum erstmals einen komplett barrierefreien Zugang zu einer internationalen Großproduktion und betont damit erneut die Wichtigkeit der Barrierefreiheit."

Vorbildlich, was der ORF auf die Beine stellt! :-)

Zu meiner Internatszeit in München vor gut 10 Jahren war noch der ORF dort frei empfangbar, weswegen wir dort alle sehr gerne "Kommissar Rex" angeschaut haben, das kam nämlich ohne Werbepause und mit Untertiteln!

Irgendwann haben dann die Sender im Umkreis Münchens dafür plädiert, dass der ORF aus dem Programm geschmissen wird, weil der ihnen Zuschauer wegnehmen würde.

Nun ja, Sat1: Warum kauft ihr nicht einfach die Untertitel und die Audiofassung für "Die Säulen der Erde" vom ORF ab?

Donnerstag, 11. November 2010

TV-Tipp heute abend um 19:20 h auf 3sat!

Heute Abend zeigt das Magazin "Kulturzeit" auf 3sat einen Bericht über die Welt der Gehörlosen und es scheint von dem her, was man auf der Homepage lesen kann, ein sehr guter Bericht zu sein, weil offenbar mehrere Aspekte beleuchtet werden.

Aus der Stille heraus - das neue Selbstbewußtsein der Gehörlosen

Der erste gehörlose Professor Deutschlands Dr. Rathmann wird auch im Bericht vorkommen und so einige bekannte Namen aus der Gehörlosenszene. Auch wird vom Maydeaf in Berlin berichtet, wo auch Tobias Kramer, der Breakdancer aus "Das Supertalent" aufgetreten ist!

Aber dumm ist: Bisher scheint der Bericht ohne Untertitel zu kommen, aber vielleicht werden ja feste Untertitel miteingeblendet? Na, wir werden es dann ja sehen

Video über den Kongress zur Behindertenrechtskonvention mit Untertiteln und Gebärdensprachdolmetschereinblendung!

Da hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eindeutig was dazu gelernt, denn das neueste Video, welches über den Kongress zur Behindertenrechtskonvention berichtet, hat eine Gebärdensprachdolmetschereinblendung UND Untertitel! Das ist ein Anfang von echter Barrierefreiheit beim BMAS, denn die Untertitel sind leider keine 1:1-Untertitel, sondern stark gekürzte Untertitel. Man könnte sie auch, wenn man sehr negativ eingestellt wäre, sie eher als Zusammenfassungen als Untertitel bezeichnen. Aber immerhin hat man an Untertitel gedacht, oder?

Nun, das nächste Mal kann man ja echte 1:1-Untertitel einsetzen, nicht wahr?

http://www.bmas.de/portal/48898/2010__11__05__UN__Behindertenrechtskonvention.html


Die Gebärdensprachdolmetscherin im Video ist übrigens diejene, die die gesamte Berlinfahrt über im November 2009 einfach wunderbar gedolmetscht hat für mich! :-) Schöner Zufall! Und sie macht ihre Sache wie immer prächtigst. Das war schon eine Überraschung für mich, wo ich das Video anklickte und sie gesehen habe, aber eine schöne!

Aber die Filme über die Übereinkunft zum Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen mit den so großen Stars aus der Gehörlosenwelt wie Thomas Mitterhuber (Spectrum11, München), Helmut Vogel (KUGG-Vorsitzender, Frankfurt) Daniela Gnerlich (Gehörlosenpädagogin, Hamburg) Thomas Zander (1. Vorsitzenden des Gehörlosenverbands Berlin) und Professor Dr. Christian Rathmann (Institut für Deutsche Gebärdensprache, Hamburg) sind weiterhin nur mit Gebärdensprache versehen - die genannten Personen gebärden selbst im Video. Echte Barrierefreiheit ist das nicht gewesen und da besteht nach fast einem Jahr immer noch Handlungsbedarf, meiner Meinung nach müssen diese Videos dringend mit Untertiteln versehen werden.

Hier sind diese Videos zu finden: http://www.bmas.de/static/bas09008/flash/2009-un-konvention/popup.html

Hier ist übrigens der Link zu meinem Blogeintrag, wo ich diesen enormen Arbeitsaufwand kritisiert habe, weil er eben nicht allen Gehörlosen den gleichen Zugang zu den bereitsgestellten Informationen bietet!

Enormer Arbeitsaufwand und wo bleibt der Nutzen?

Mittwoch, 10. November 2010

Gebärdensprache als Kommunikationsmittel

Der folgende Videoclip wird einigen meiner Lesern bestimmt bekannt vorkommen, wenn diese z.b. auch bei meinem Bloggerkollegen Not quit like Beethoven vorbeischauen, aber der jüngste Kommentar zu der Unterschiedlichkeit der Gebärdensprache in ASL und BSL brachte mich dazu den Clip zu verlinken. Das war übrigens zum Bericht, dass die Beckhams ASL lernen.



Gebärdet wird in NZSL (New Zealand Sign Language), die ihre Wurzeln in der BSL (British Sign Language hat.

Am interessantesten, aber auch eigentlich logisch ist, dass in der NZSL das Wort "Magazin" genauso gebärdet wird wie in der DGS (Deutsche Gebärdensprache) sowie auch die Verdeutlichung der sinkenden Qualität und noch so einige Wörter sind von der Gebärde her gleich sind.

Aber am lustigsten fand ich, dass das Wort "Budget" auch gleich ist. :-)

Ein sehr schönes Beispiel dafür, dass die unterschiedlichen Gebärdensprachen der Welt zwar verschieden sind, aber mehr verbindendes als trennendes haben.

Dienstag, 9. November 2010

Jung, behindert und im Altersheim

Soeben las ich einen beänstigenden Artikel in der Welt-Online, was in Deutschland passiert, wenn du jung, behindert bist und auf Pflege angewiesen bist: Du gilst als austherapiert und landest in nem Altersheim.

Grund? Kommt die Kommunen billiger.

Und es ist ziemlich egal, wie jung du bist: Im Artikel kann man von einem Zwillingspärchen lesen, dass direkt GLEICH nach der Geburt vom Krankenhaus ins Altersheim ziehen sollte, was sich aber mit dem Tod der Kinder erledigte.

Dabei weiß auch der Laie, dass solche Kinder eine kompetente Betreuung brauchen, damit sie trotz des Handicaps möglichst selbstständig durchs Leben kommen, nur wird das offenbar in der Realität nicht gewollt.

Hier ist übrigens der Welt-Online-Artikel:

Behörden schieben junge Behinderte ins Altersheim

Zwei Welten begegnen sich auf einem Konzert

Klingt verrückt und vom Konzept her nicht ganz schlüssig, wenn ein Sänger sein Konzert simultan von Gebärdensprachdolmetscher übersetzen lässt und sich deswegen Gehörlose und Hörende auf einem Konzert begegnen.

Doch es funktioniert wunderbar - es ist ein Erlebnis für die gehörlose und hörenden Konzertbesucher gewesen und selbst auch für den Sänger Marc Sway, der sich wie seine Band beherrschen musste, nicht die ganze Zeit zu den Gebärdensprachdolmetschern rüberzuschielen vor lauter Fazination.

Hier ist der Zeitungsbericht:

Marc Sway gab ein Konzert zum Sehen statt Hören

Und ja, ich kenne diese Vibrationen der Musik, die über den Boden, das Halten eines PET-Bechers oder auch einfach über das Metall der Absperrgitter übertragen werden. Beim Robbie-Williams-Konzert 2006 in München habe ich einen Pet-Becher zusätzlich in der Hand gehabt, um noch besser "drinnen" zu sein parallel zum Cochlear-Implantat. :-)

Achja, was eigentlich mein erstes Konzert war? Bezeichnenderweise ein Open-Air-Konzert von Herbert Grönemeyer im Jahr 1991 oder 1992.

Hier der Blogbericht: Musik nur, wenn sie laut ist - oder wie Herbert Grönemeyer mal nur für mich sang

Montag, 8. November 2010

Die Beckhams lernen jetzt die Gebärdensprache!

Ja, ich rede von den Beckhams - David&Victoria samt den 3 Söhnen, die ganze Familie lernt nun auch die Gebärdensprache, um sich besser mit einem gehörlosen Freund verständigen zu können.

Mich würde es dabei interessieren, ob es sich dabei um die BSL (British Sign Language) oder die ASL (American Sign Language) handelt, aber ich nehme mal an, dass es ASL ist, da der Lebensmittelpunkt der Familie ja in L.A. ist, da Beckham bei den Los Angeles Galaxy unter Vertrag steht.

Die Quellen sind hier zu finden:
1.Die Beckhams lernen die Gebärdensprache
2. TorontoSun berichtet auch darüber (Englisch)

Jedenfalls finde ich es eine schöne Geste von den Beckhams, dass sie den Kurs besuchen, um die Kommunikation zwischen ihnen und dem gehörlosen Freund zu verbessern. Und wer weiß, vielleicht wird David Beckham bei den 22.Deaflympics im Sommer 2013 in Athen, Griechenland dazu einen Werbespot machen wie Jackie Chan, wo dieser in Gebärdensprache dazu einlud, die Deaflympics 2009 in Taipeh zu besuchen.

Hier der Werbespot von Jackie:

Dienstag, 2. November 2010

Festverankert im Kopf :"Taubstumm"

Letzte Woche habe ich noch die Motivation der Mitarbeiter gelobt, da diese eine interne Fortbildungsmaßnahme besucht haben, um besser mit Gehörlosen auf deren Behördengängen kommunzieren zu können.

Der Bericht findet sich hier:

Behördenmitarbeiter wollen die Gebärdensprache besser verstehen

Solche Kleinigkeiten sind wichtig und bauen Barrieren in Form von Berührungsängsten ab und die größten Kommunikationsprobleme. Informationen dieser Art sind für beide Seiten eine Erleichterung.

Aber man sieht auch an diesem Interview mit einem Mitarbeiter, der auf dieser Schulung war, dass das Wort "taubstumm" wirklich sehr fest im Kopf verankert ist.

Blickkontakt zu Taubstummen besonders wichtig

Der Kurs wurde von der gehörlosen Gebärdensprachdozentin Doris Geist abgehalten, die ganz sicher auch bestimmt darauf hingewiesen hat, dass man nicht "taubstumm" sagen soll. Und dann bezeichnet der Teilnehmer des Kurses seine Dozentin als taubstumm?!

Ich glaube, er hat nicht ganz richtig aufgepasst, denn er sagt auch "Gebärdensprachedozentin", richtig ist aber Gebärdensprachdozentin und gehörlos bzw. Gehörlose. Der Anteil der wirklichen Taubstummen unter den Gehörlosen, die wirklich NICHT sprechen und hören können ist verschwindend gering und selbst DIE benützen die Gebärdensprache als Kommunikationsmittel, denn wie sollen sie sich sonst auch mitteilen können? Ok, sie können auch schriftlich kommunizieren, aber die Gebärdensprache ist ja immer noch das schnellere Transportmittel einer Sprache in dem Fall.

Nach meiner Definition sind Taubstumme, also Gehörlose, die auch über KEINE Lautsprache verfügen, ebenfalls auch Gehörlose, aber ich würde sie eher als Gehörlose ohne Lautsprache bezeichnen. Ich weiß, dass diese Beschreibung etwas länger ist, aber sie trifft den Kern der Sache besser auf den Kopf, da die Gebärdensprache auch eine Sprache ist.

Aber sonst hat der Teilnehmer recht: Blickkontakt im Gespräch mit Gehörlosen ist wichtig, damit dieser weiss, dass man die Aufmerksamkeit des Gegenübers hat. Anfangs sind viele Hörende davon verunsichert, weil dies ja auch ständiger Augenkontakt bedeutet, aber das ist gar nicht so schlimm, wie es sich anhört! ;-)