Donnerstag, 23. September 2010

Wieder ein gelungenes Beispiel für die Integration Gehörloser in der Arbeitswelt!

Das Morgenweb, ein Nachrichtenportal der Region RheinNeckar hat einen schönen Bericht über den gehörlosen Bauzeichner Hans Beilborn verfasst und schildert ausführlich, wie die Kommunikation vor dem Internetzeitalter ablief und wie sie heute ist.

Hier der Artikel: Mit Händen und Füßen sprechen

Sein Kollege hat bei einem Seminar teilgenommen, wo man einige Brocken Gebärdensprache und den richtigen Umgang mit Gehörlosen lernt - das Fazit des Kollegen: "Mir hat der Kurs gut gefallen. Man lernt die Probleme der Gehörlosen kennen." Mit Stöpseln in den Ohren sei ihnen etwa veranschaulicht worden, wie sich taube Menschen fühlen, wenn um sie herum gelacht wird und sie sich fragen müssen, ob das auf die eigenen Kosten ging."

Und zum Schluss gibt es einen wichtigen Satz von dem Personalchef von Hans Beilborn, der der Meinung ist, dass es wichtig seie, dass Arbeitgeber solchen Menschen eine Chance gäben: "Wenn es nicht der öffentliche Dienst macht, wer denn dann?"

Wie recht der Mann doch hat - es braucht viel mehr Personalchefs, die so denken!

Der Gehörlose und die Dunkelheit

Das Westfalen-Blatt berichtet über den schwerhörigen Michael Klausing, der sich darüber ärgert, dass in Herford nachts die Straßenlampen ausgeschaltet werden, da es für ihn problematisch wird in der Dunkelheit.

Mit dem Licht der Verzweiflung

In dem Bericht heißt es an einer Stelle, er sei stark schwerhörig und an einer Stelle, dass er fast taub seie. Was stimmt denn nun? Richtiger wäre, wenn der Berichterstatter deutlicher gemacht hätte, dass er mit dem Cochlear Implantat als Schwerhöriger durchgeht, aber ohne als Gehörloser.

Außerdem zitiert die Zeitung Michael Klausing mit den Worten: »Hörgeschädigte«, erklärt der 54-Jährige, der in einer kleinen Wohnung in der Straße An der None unweit des Klinikums zu Hause ist, »haben generell Probleme im Dunkeln. Sie können nicht richtig das Gleichgewicht halten, haben keine Orientierung und sind daher sehr unsicher. Und auch wir wollen schließlich hin und wieder nach Mitternacht unterwegs sein.«

Keine Frage, es gibt EINIGE Gehörlose, die Gleichgewichtsprobleme haben, weil bei ihnen zusätzlich das Gleichgewichtsorgan gestört ist. Aber man darf nicht pauschalisieren, wie Herr Klausing das tut, denn es trifft einfach nicht auf die Mehrheit zu. Ich weiß durchaus von einigen Gehörlose, die nicht Fahrrad fahren können oder freihändig fahren können, weil es ihr Gleichgewichtsorgan nicht zulässt - zum Beispiel wie Laras Mutter aus dem Film "Jenseits der Stille".

Und die Orientierungslosigkeit in der Dunkelheit? Also, ich kann da auch nur für mich sprechen: Je dunkler es ist, desto unmöglicher wird es für mich eine Unterhaltung zu führen, weil ich eben nicht mehr ablesen kann. Aber Angst habe ich nicht und unsicher fühle ich mich auch nicht, warum auch? Es ist einfach nur dunkel dann und selbst, wenn ich in der Dunkelheit unterwegs bin, dann bin ich grundsätzlich auf Gehwegen unterwegs.

Mich ärgert dieser Bericht aufgrund der Pauschalisierung etwas, denn verbreitet sich zum teils falsche Information in den Köpfen Hörender, werde ich irgendwann mal gefragt: "Ach, kannst du eigentlich Fahrrad fahren?" Übrigens: Ich kann es und darf natürlich auch Auto fahren, was ich hier schon beantwortet habe:

Kannst du/Darfst du Auto fahren?


Nachtrag zu "Kannst du/Darfst du Auto fahren?

Montag, 20. September 2010

Eine eigene Universität für Gehörlose in Europa!

In den USA gibt es die einzige Universität weltweit, die speziell auf Gehörlose&Schwerhörige und deren Bedürfnisse ausgerichtet ist.

Es ist die Gallaudet University in Washington D.C., die bereits seit dem Jahre 1857 besteht, zuerst aber war sie nur eine Schule für Gehörlose und Blinde. Sieben Jahre später befähigte Abraham Lincoln durch sein Bundesgesetz die Schule dazu, eine Kollegstufe einzurichten, was ihr fortan den Namen "Deaf-Mute-College" gab bis zur Umbennenung zu "Gallaudet College" im Jahre 1894. Aber erst 1986 wurde sie zur Universität erklärt und seitdem heißt sie "Gallaudet University", unter den Deafies wird sie aber liebevoll nur "Gally" genannt.

Ein Protest der Studenten im Jahre 1988 zwang die Universitätsleitung dazu, die Führung weitgehend mit gehörlosen Personen zu besetzen und damit wurde I. King Jordan der erste taube Präsident der Universität.

2006 sollte Jane Fernandes die Leitung der Gally übernehmen, aber es gab massive Proteste aus den Reihen der Studenten. Der Grund dafür? Jane Fernandes war nicht "taub" genug!

Hier eine Fotostrecke:

http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-17105.html

Und der gute dazugehörige Artikel dazu:
Wer ist wirklich taub?

Zusammenfassung der Studenten-Proteste

Aber okay, ich bin sehr vom Thema abgewichen, was ich eigentlich sagen wollte: Die Gally könnte bald nicht mehr lange die einzige barrierefreie Universität für Gehörlose&Schwerhörige weltweit sein, sondern nur noch in Amerika.

In Deutschland gibt's Bemühungen eine Universität für Gehörlose in Bad Kreuznach zu errichten.

Dazu gibt es diesen Pressebericht: Vorlesung in Gebärdensprache

Homepage der Europäischen Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach

Interview mit Dr. Ingo Barth, der erste deutsche Gehörlose mit einem Doktortitel in Chemie - übrigens mit "summa cum laude"!


Was hält ihr eigentlich von der Idee? Ich bin etwas zwiegespalten, denn damit wird die Idee einer Inklusion nicht wirklich weitergetrieben, sondern eher etwas untergegraben, aber auf der anderen Seite wären die Studienbedingungen ideal.

Außerordentlicher Parteitag der SPD barrierefrei für Gehörlose!

Leider kann ich nicht zum außerordentlichen Parteitag der SPD am 26.9. nach Berlin fahren, was mich wirklich sehr ärgert, weil dieser barrierefrei sein wird für Gehörlose!

Auf der Seite heißt es:

"Alle sind eingeladen, das Geschehen direkt zu verfolgen: Der gesamte Parteitag wird in voller Länge als Livestream im Internet übertragen.

Selbstverständlich ist das Angebot auch für gehörlose Menschen voll nutzbar durch die integrierte gebärdensprachliche Übersetzung. Damit setzt die SPD ihre Tradition der barrierefreien Kommunikation fort."

Find ich super von der SPD und ich hoffe, dass viele andere Gehörlose, die sowieso zur Deaf Week in Berlin weilen, dieses Angebot wahrnehmen, denn Politik geht uns alle was an und erst recht seit den Plänen zur dem neuesten Gebührenmodell der GEZ, wonach Gehörlose und Blinde nicht mehr befreit sind von den Rundfunkgebühren sind.

Deaf Week in Berlin!

Vom 17.September bis zum 25.September findet in Berlin die "Deaf Week" unter dem Motto: "Viva la Diversity - Es lebe die Vielfalt!" statt. Auch von Wowereit gibt es auch ein Grusswort dazu.

Das Programm der Deaf Week ist randvoll gespickt mit Annährungshilfen für Hörenden an die Gehörlosenwelt und wem das noch nicht reicht, der stelle sich mal an die U-Bahnstation Friedrichstraße in Berlin, auf den Monitoren dort läuft jetzt ein Schnupperkurs in Gebärdensprache.

Am 24.9. findet ein Sign Mob um 15:20 am Brandenburger Tor statt. Mit dem Sign Mob wollen die Gehörlosen der Umwelt zeigen: ""Seht her, uns gibt es, wir haben eine eigene, wunderschöne Sprache, und es ist OK taub zu sein!" Deaf Power eben!

Außerdem findet am 25.9. um 10 Uhr auf dem Potsdamer Platz die Türkisparade statt, wo die Teilnehmer in Kostümen oder Plakate tragen werden - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Der Höhepunkt der Deaf Week ist aber das Gebärdensprachfestival vom 24.9.-25.9., wo Gehörlose je nach Altersgruppe getrennt eine eigene Perfomance in Gebärdensprache darbieten werden. Der Preis für die Sieger besteht aus einer "Goldenen Hand."

Also, wer Lust hat und in Berlin weilt, der kann sich ja mal die Deaf Week angucken! :-)

Samstag, 18. September 2010

Die Sache mit den Deaflympics

Die Frage hier, warum es eine Olympiade speziell für Gehörlose gibt, will ich hier gerne beantworten.

Die Deaflympics finden immer im Nachfolgejahr nach den Olympischen Spielen statt, wobei die Öffentlichkeit langsam Bescheid weiss, dass die Ausrichter der Olympischen Spiele sich automatisch dazu verpflichten 3 Wochen nach dem Ende der Spiele die Paralympics auszurichten!

Klar weiss man inzwischen auch, dass es Special Olympics gibt für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, wobei diese auch wie die Deaflympics kaum in der Medienberichterstattung stattfinden.

Die Deaflympics sind schon eine sehr lange Tradition im Gehörlosensport, erstmals wurden sie 1924 in Paris ausgetragen, also bereits lange vor den Paralympcis. Deutsche Athleten waren aber bei den ersten Spielen in Paris noch nicht dabei, obwohl der Gehörlosensport in Deutschland bereits 1910 existierte. Seit den Spielen 1928 in Amsterdam gehört Deutschland aber zu den regelmässig teilnehmenden Ländern.

Warum aber sind die gehörlosen Athleten nicht einfach bei den hörenden Athleten oder bei den Athleten der Paralympis dabei, da doch offenbar neben dem Umstand nur nicht hören zu können, körperlich alles in Ordnung ist? Terence Parkin, der gehörlose südafrikanische Silbermedaillengewinner über 200m Brust von Sydney 2000 ist doch das beste Beispiel dafür, dass dies möglich ist, möchte man an dieser Stelle sagen.

Er ist zwar nicht der erste gehörlose Teilnehmer bei den Olympischen Spielen gewesen, ich weiß da was von einem teilnehmenden Ringer, der ebenfalls bei Olympia teilnahm, aber der erfolgreichste Teilnehmer ist bisher Terence Parkin und er stellt eine Ausnahmeerscheinung dar bis heute.

Gehörlose bezeichnen sich nicht als körperbehindert, sondern als kommunikationsbehindert, was zur Folge hat, dass die Startsignale nicht akkustisch wiedergegeben werden, sondern per Lichtsignale oder mit einer Ampelschaltung wie bei der Formel 1.

Akkustische Informationen fehlen den gehörlosen Sportler, also solche wie zum Beispiel:
- die Beschaffenheit eines Untergrundes beim Ski-Sport,
- die Art, wie ein Ball beim Tennis oder Tischtennis geschlagen wird
- die Kommunikation im Teamsport (Zurufe, etc)
- Motivationssteigerung durch die Zurufe der Zuschauer

Und vor allem ist der Umstand, dass Gehörlose aller Welt die Gebärdensprache benützen zur Verständigung, was weltweit bindend und nicht trennend ist, wie man annehmen könnte. Die Gebärdensprachen der Welt sind zwar nicht universell überall gleich, aber es gibt viele Gemeinsamkeiten und zur Not hilft man sich eben mit Englisch aus. Die Deaflympics stellen also auch eine riesige Kommunikationsparty dar für die Sportler und meiner Meinung nach ist es sehr schade, dass in den Medien so gut wie nicht über die Olympischen Spielen der Gehörlosen berichtet wird, denn es ist vor allem für Außenstehende fazinierend zu sehen, wie über nationale Grenzen hinweg eine Kommunikation fast problemlos möglich ist.

Würden Gehörlose also bei den Paralympics oder bei den normalen hörenden Spielen teilnehmen, hätten sie wohl keine Chance aufgrund der vielen fehlenden Informationen. Man könnte zwar das Startsignal durch Lichtsignale ausgleichen, aber die anderen Informationen?

Daher ist es schon gut, dass die Gehörlosen ihre eigene barrierefreien Spiele haben!

Freitag, 17. September 2010

Mein Chef ist behindert!

Wer hat das nicht schon mal laut in abfälliger Weise von seinem Chef gedacht? ;-)

Was aber, wenn der Chef wirklich behindert ist? Dann kann eine wunderbare Synergie entstehen wie dieser tolle Artikel über einen gehörlosen Freund von mir aus München zeigt:

Chef mit Behinderung: Fabian Spillner

Ich finde den Artikel über Fabian einfach gut gemacht, da dieser sich wohltuend von vielen Artikeln über Gehörlose und Behinderte im Allgemeinen abhebt.

Was braucht die Welt? Firmenchefs ohne Scheuklappen und einer gesunden humanitären Einstellung, dass Menschen mit Behinderung eine Bereicherung darstellen können und nicht nur eine Belastung sind.

Hoffentlich werden andere Firmen diesem Beispiel folgen!

Mittwoch, 8. September 2010

Ich habe auch noch keine Antwort!

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Silvia Schmid hat bei der Bundesregierung nachgefragt, ob Menschen mit Behinderungen die Finanzierung eines barrierefreien Rundfunkangebot durch die Gebührenpflicht ab 2013 selbst bezahlen sollen und darauf bekam sie keine inhaltliche Antwort.

Ich habe auch noch keine Antwort auf meinen Appell erhalten, aber wahrscheinlich würde sie ebenfalls inhaltlich keine Antwort enthalten.

Die Bundesregierung hat auf die Anfrage von Siliva Schmid lediglich verlauten lassen, dass man erst die Erstellung des Entwurfs eines neuen Rundfunkbeitragsstaatsvertrages der Länder abwarten müsse. Man wolle sich nicht äußern, da die Sache ohnehin Angelegenheit der Länder sei.

Nach der Ansicht von Silvia Schmid, die ich im übrigen auch aus vollem Herzen teile, versteckt sich die Bundesregierung mit dieser Erklärung wieder mal hinter ihrer Unzuständigkeit, denn die Eckpunkte des neuen Rundfunkstaatsvertrags sind ja bereits bekannt.

Und sie hat ganz recht, wenn sie ein nachdrückliches Statement der Bundesregierung und des Behindertenbeauftragten fordert, dass ein barrierefreier Rundfunk eine der wichtigsten und grundlegendsten staatlich garantierten Teilhabefunktionen ist!

Der Behindertenbeauftragter ist übrigens Hubert Hüppe, der laut der Bundesregierungshomepage selbst Vater eines behinderten Sohnes ist, was ihn aber deswegen noch nicht zu einem idealen Behindertenbeauftragten macht. Interessanterweise sagt Hüppe selbst, dass einen Aktionsplan zusammen mit Menschen mit Behinderungen und in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung entwickeln wird, der in allen Bereichen des Lebens deren Teilhabe sicherstellt: Im Kindergarten, in der Schule in der Berufsausbildung und am Arbeitsplatz.

Sehr schön, Herr Hüppe, aber was ist mit der Teilhabe am kulturellen Leben und mit der Teilhabe am Rundfunk? Und wo waren SIE eigentlich, wo die Ministerpräsidenten den neuen Rundfunkstaatsvertrag beschlossen haben - warum schritten Sie da nicht ein und sagten: "Meine Herren, so geht das nicht. Sie können nicht Geld für eine Leistung verlangen, die ihr Geld bis dato nicht wert ist!"

Und hier übrigens noch mal mein Blogbeitrag zur meinen Gedankengängen der deutschen Politik gegenüber Behinderten

Und ich stelle hier noch mal nachdrücklich die Frage: In der deutschen Politik sitzen also nachweislich Politiker, die entweder selbst betroffen sind oder behinderte Kinder haben, warum also wird dieses wichtige Thema für die Gesellschaft so außer Acht gelassen?

Und was die Nicht-Antworten auf meinen Appell angeht - ich warte hier noch bis zum 24. September, dann werde ich hier einen Blogeintrag reinstellen, der so ziemlich der Hammerschlag sein sollte für die Regierung!

Donnerstag, 2. September 2010

Gedankengänge zur deutschen Politik gegenüber Behinderten

Gestern hatte ich einen Zugriff vom Deutschen Bundestag auf mein Blog, was mit einer Verweildauer von genau 0 Sekunden registiert war. Möglicherweise wurde die Seite nur aufgemacht und wieder weggeklickt, aber anderseits ist auch möglich, dass lediglich Java-Script ausgeschaltet war und daher nicht gezählt werden konnte, wie lange denn nun wirklich die Verweildauer war - in dem Fall war meine Wut selbstverständlich überzogen, denn ich sollte nicht soviel interpretieren in die Statisiken reininterpretieren.

Aber dennoch hat mich die kurzzeitige Wut über die höchstwahrscheinliche Überinterpretation zu ein paar Gedankengängen geführt über die Politik im Allgemeinen.

Mein Ziel war es ja, dass jemand aus dem Bundestag oder gar aus dem Kanzleramt mal auf mein Blog geht und sich informiert wie es tatsächlich mit der Barrierefreiheit aussieht in der deutschen Fernsehlandschaft, denn das ist eigentlich der Hauptgrund mit der Zeit geworden, weshalb ich dieses Blog hier führe.

Manchmal denke ich aber, dass die Politik immer mehr dazu tendiert, die Sorgen und Bedürfnisse der Bürger nicht ernstnimmt, da das Leben eines Politikers sich aufgrund des Gehaltes und eigener Profilierung sich sehr wahrscheinlich so weit weg ist vom Leben des Normalbürgers und erst recht vom Leben der Menschen mit Behinderungen.

Okay, wir haben hier einen Minister, der im Rollstuhl sitzt, aber trotzdem liest man immer wieder von Rollstuhlfahrern, deren selbstständigen Unternehmungen behindert werden, weil viele Gebäude oder Veranstaltungen nicht barrierefrei sind. Ist es zu weit hergeholt, wenn ich mich frage, warum Minister Schäuble sich nicht grundlegend dafür einsetzt, dass diese Mißstände behoben werden? Er ist an der Macht, er kann was entscheidend verändern, aber er tut es nicht oder mir ist es nicht bekannt, dass er sich offensiv für eine entscheidende Verbesserung eintritt für Rollstuhlfahrer oder für andere Menschen mit Behinderungen.

Schirmherrschaften für "behinderte" Veranstaltungen übernimmt er aber schon:

Schäuble ist Schirmherr der 23. Internationalen Meisterschaften im Schwimmen der Menschen mit Behinderungen (Veranstaltung von 2009)


Und er hat auch ein Grußwort bei Kartenfuchs.de hinterlassen. Wer einen Schwerbehindertenausweis hat, der hat oft das Merkmal "B" auf dem Ausweis stehen, was bedeutet, dass eine Begleitperson dabei sein kann/muss. Diese Begleitpersonen kriegen oft freien Eintritt im Kino, Schwimmbad oder freie Zugmitfahrt.

Aber das Merkmal "B" wird bei vielen gehörlosen Menschen gestrichen, bei einigen anderen bleibt es aber für immer, was auch wieder so eine Sache ist ausweistechnisch. Einige gehörlose Freunde von mir haben bereits "unbegrenzt gültig" auf dem Ausweis stehen. Ich aber wie auch wieder andere Freunde müssen den Ausweis immer wieder nach ein paar Jahren verlängern lassen.

Soviel ich weiß, ist das Merkmal "B" oft mit dem Merkmal "H" für Hilflos gekoppelt, wenn also jemand 18 Jahre und damit volljährig wird, fallen oft "H" und "B" weg. Aber im Falle der Gehörlosen wäre es wirklich oft besser, wenn das "B" bleiben würde, denn dann könnte man sinnvoll Geld einsparen, denn es ist ja nicht oft ein Dolmetscher verfügbar beim Arzt und dann muss ein Familienmitglied wohl einspringen, aber der kriegt ja nicht die Fahrtkosten erstattet oder die Krankenkassen müssen dafür aufkommen, was wieder auch eine Verschwendung von Geld bedeutet.

Wenn man das Merkmal "B" nicht so gnadenlos streichen würde, dann würden Behinderte und Nichtbehinderte sehr viel öfter Berührungspunkte kriegen, sei es über Kartenfuchs, wo man Behinderte Menschen begleiten kann auf deren Zugfahrt. Man könnte auch darüber diskutieren, ob es Ausbeutung des behinderten Menschen ist, wenn man diesen auf einer Zugfahrt begleitet oder mit dem ins Kino geht, weil man das umsonst kriegt, aber auf der anderen Seite ist der gemeinschaftliche Profit größer in meinen Augen.

Die Tochter von dem leider ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler ist blind, weshalb er sich schon immer als ein großer Fan von den Paralympics geoutet hat.

Hier ist zum Beispiel ein interessantes Interview dazu:

Aufeinander zugehen - Bundespräsident Horst Köhler anlässlich des International Paralympic Day

Achja, die Deaflympics finden heute immer noch in aller Stille statt, was ich schon öfters bemängelt habe!

Wir haben bzw. hatten mindestens 2 einflussreiche Politiker in der Regierung und trotzdem hat sich nicht viel in der Behindertenpolitik Deutschlands geändert. Deutschland ist heute immer noch Weltmeister im Aussortieren der Behinderten, was sich vor allem an der Schulpolitik bemerkbar macht: Bei knapp einer halben Million Schüler wird derzeit "sonderpädagogischer Förderbedarf" attestiert. Nur 13 Prozent davon haben die Chance, diesen völlig integriert in einer normalen Schule zusammen mit nicht-behinderten Kindern zu erhalten.

Horst Köhler adelt Einschulungskampf für behindertes Kind


Ich kann das nicht nachvollziehen, dass sich nicht viel geändert hat, wie kann es sein, dass Politiker, die selbst betroffen sind oder ein behindertes Kind haben, nicht in der Lage sind, ihre Macht so weit auszuüben, dass sich entscheidend was ändert?

Deutschland hat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sowie die UN-Konvention der Menschen mit Behinderungen unterschrieben und sollte die Beschlüsse darin endlich mal ordentlich umsetzen. Oder ganz bitter gefragt: Sind die Unterschriften unter den Beschlüssen nur eine hübsche Deko?

Warum hat Deutschland in diesem wichtigen und entscheidenden Punkt für eine Gesellschaft ein Vollzugsdefizit?

Auch bei der EM-Quali gibt es den Ableseservice!

Gestern Abend hab ich auf Twitter gefragt, ob denn für die EM-Quali auch Interesse am #Ableseservice besteht und die Antwort meiner Follower war eindeutig: "JA!"

Also geht's am Freitagabend um 20:15 los und dann schauen wir mal, was unsere Jungs vuvuzelafrei so alles plappern werden. Gesagtes auf dem Spielfeld wird mit #Ableseservice und normales Spielgeschehen mit #EM-Quali vertwittert.

Achja, der Twitteraccount von mir ist übrigens @EinAugenschmaus für alle, die das noch nicht wußten. ;-)