Dienstag, 31. August 2010

Ein dickes Lob an das ZDF!

Ich freue mich ganz besonders, dass ich auch mal das ZDF loben kann, denn ich habe soeben entdeckt, dass das ZDF ausgestrahlte Sendungen mit Untertiteln im Fernsehen nun auch mit UNTERTITELN in der Mediathek zur Verfügung stellt!

Man kann sich diese Einstellungen sogar abspeichern lassen und die Untertitel werden nun automatisch zur Verfügung gestellt, was überhaupt sehr praktisch ist.

Nun frage ich mich, ob das ZDF auch in der Lage ist, den Live-Stream mit Untertiteln zu senden?

Aber ich will ja nicht übermütig werden oder gar gierig erscheinen mit meinen Forderungen, aber ich freue mich wirklich über diesen großen Fortschritt seitens des ZDF, denn es ist wirklich schön, verpasste Sendungen nachträglich auch mit Untertiteln anschauen zu können.

Also, liebes ZDF: Meinen erhobenen Daumen habt ihr für eine barrierefreie Mediathek, auch wenn noch nicht alle Sendungen mit Untertiteln online sind - ich konnte z.b. keine Heute-Sendung online mit UT sehen, aber das ist ja eigentlich weiter nicht so schlimm. Viel wichtiger ist, dass ihr diese Möglichkeit anbietet und Schritt für Schritt komplett ausbaut!

Nur das Manko bleibt, welches aber ALLE Fernsehsender betrifft: Sendungen bleiben nicht lange online, die Rundfunkanstalten dürfen die Sendungen nur eine begrenzte Zeit online stellen und welcher Vertrag regelt das? Die Negativliste des 12. Rundfunkänderungsstatsvertrag. Ich finde es ja nett, dass solche Änderungen sehr schnell vollzogen werden können, aber die 100% -Untertitelquote verpflichtend für alle Fernsehanstalten aus irgendwelchen Gründen nicht reingenommen wird.

Montag, 30. August 2010

Ein sehr schöner Artikel in der Thüringer Allgemeine!

In der Thüringer Allgemeine gibt's derzeit eine Strecke, wo Menschen und deren außergewöhnliche Berufswahl vorgestellt werden und dort wurde eben auch Claudia Oelze aus Erfurt vorgestellt.

Sie ist Gebärdensprachdolmetscherin und ihr Weg zum Beruf war eigentlich vorgezeichnet als CODA (Children of Deaf Adults), aber sie wehrte sich lange gegen diese Vorbestimmung.

Der Artikel wirklich sehr gut geschrieben, was ihn zu einem schönen runden Bericht macht über die Welt der Gehörlosen.

Das ist mein Leben: Die Übersetzerin

Cyborg-Woman

Auf mein Posting zum "Cyborg-Dasein" gab's per Kommentare gute Fragen dazu.

Anonym hat gesagt:
"Du hörst das Radio, auch wenn es ausgeschaltet ist?
Wie muß ich mir das vorstellen?
Irgendein Lied einfach im Ohr (nennt man Ohrwurm) - oder was nimmst Du da wahr?"

Ja, in dem Fall: "CI an - Radio aus" höre ich das Radio immer noch. Manchmal höre ich da jemanden plappern oder es kommt eben ein Lied, aber ich kann nicht genau sagen welches. Unterscheiden kann ich aber schon, ob da jemand die Nachrichten aufsagt oder sehnsüchtig die Liebe bejault. ;-)

Und Not quit like Beethoven fragte das: "Ich hab's auch nicht verstanden -- Du meinst Du empfängst mit Deinem CI Radio- und Walkie-Talkie-Signale? :-o"

Ja, wie kann man sich das sonst erklären, dass ich trotz ausgeschaltetem Radio immer noch jemanden quasseln oder ein Lied höre, wenn ich Auto fahre? Früher, als ich den alten Taschenprozessor noch nicht hatte, hatte ich dieses Problem nicht und mit dem Umstieg auf den tollen Hinter-dem Ohr-Prozessor (HDO) bin ich in der Anfangszeit fast wahnsinnig geworden, weil ich mir das nicht erklären konnte, was genau da vor sich geht.

Und im Kanzleramtpark "hing" ich sozusagen in der Frequenz der Walkie-Talkies mit. Nur schade, dass das ganze eine Einbahnsstraße ist, denn die Gesichter der Beamten hätte ich gerne gesehen, wenn ich gesagt hätte: "Alles Roger." ;-)

Sonntag, 29. August 2010

Cyborg-Dasein

Mit dem CI ist es bei mir grundsätzlich so: Ich trage es nur, wenn ich es wirklich will und auch brauche und das sind dann solche Situationen wie fremde Menschen oder eine größere Menschengruppe als auch Kino- oder Discobesuch.

Beim Autofahren muss ich es zwar tragen, was ich zwar tue, aber ich lasse es ausgeschaltet aus dem Grund, dass ich das Radio hören laufe, wenn ich das CI einschalte. Das Radio ausschalten bringt überhaupt nichts, da ich es trotzdem immer noch höre.

Im Kanzlerparkgelände hatte ich auch ein lustiges Erlebnis, denn wie ich so die Sicherheitsbeamten mit ihren Walkie-Talkies herumlaufen sah, hörte ich, sofern einer der Beamten ungefähr 8-10 Meter in meinem Dunstkreis stand, den Beamten und SEINEN Kollegen die Walkie-Talkie-Unterhaltung führen. Die Walkie-Talkies sendeten und empfingen wohl auf meiner Frequenz.

Leider habe ich nicht viel verstanden von der Unterhaltung, aber ich musste sehr grinsen, als ich die Sätze "Verstanden. Ende." mitbekam.

Wäre mein elektrisches Ohr besser geschult durch meinen Willen damit zu arbeiten, der aber nicht vorhanden ist, da ich mich davon auch nicht zu sehr abhängig machen will, könnte ich mich wohl als Geheimagentin beim BND bewerben. :-D

Und soo weit hergeholt ist dieser Job nun wieder auch nicht, denn gestern beim Einkaufen entdeckte ich diese amerikanische Fernsehserie: "Bionic Woman", wo einer Barkeeperin nach einem Autounfall bionische Prothesen eingepflanzt werden, unter anderem auch ein bionisches Ohr.

Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich mir diese DVD kaufen soll, aber dann entschied ich mich doch dagegen, da mir 20 Euro zuviel Geld waren für lediglich 8 Episoden zum Anschauen, denn die Produktion der Serie wurde eingestellt - unter anderem wegen dem Drehbuchautorenstreik damals und der schlechten Quoten.

Ich glaube, ich schubse diese ehrenwerte Aufgabe meinem Bloggerkollegen Not quit like Beethoven zu, den ich übrigens auch in Berlin getroffen habe. Gemeinsam haben wir uns gedacht, dass es auch schön wäre, wenn wir gemeinsam mal unsere Bloggerkollegin Christiane Link vom Behindertenparkplatz treffen könnten. Na, vielleicht wird das ja auch irgendwann mal realisiert? :-)

Samstag, 28. August 2010

Mein Appell an die Politik



Was mache ich da mit Steffen Seibert, vormals ZDF-Nachrichtensprecher und neuer Regierungssprecher der Bundeskanzlerin? Herr Seibert ist übrigens wirklich sehr nett und angenehm in seinem Auftreten.

Die Lösung ist folgende:

Diesen Appell habe ich am Tag der offenen Ministerien in Berlin an einige Politiker und Staatsekretäre verteilt, unter anderem an den Staatsekretär des Innneren Ministerium, an einen Mitarbeiter der Familienministerin Kristina Schröder, an Frau Aigner, Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, an den Regierungssprecher Steffen Seibert und auch an die Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst!

Die Fakten in diesem Brief sind den fleissigen Bloglesern hier längst bekannt, aber für die Politik habe ich das wichtigsste nochmal zusammen gefasst, also könnt ihr einfach nach unten scrollen und da weiterlesen, was ich erlebt habe und zu bemängeln!

Appell zur Barrierefreiheit im Fernsehen

Sehr geehrter Mitbürger und Mitglied des 17. Deutschen Bundestag,

Mit diesem Schreiben bitte ich Sie um Gehör für die Bedürfnisse hörbehinderter Menschen in Deutschland und weise Sie auf folgenden Missstand hin:

Am 09.06.2010 wurde mitgeteilt, dass ab 2013 mit der Gültigkeit des neuen Rundfunkstaatsvertrag nun auch Gehörlose, Schwerhörige und Ertaubte sowie
Blinde ein Drittel der Gebühren in Höhe von 6 Euro zahlen sollen. Bisher waren diese dank dem Merkzeichen „RF“ auf dem Schwerbehindertenausweis von der Rundfunkgebühren befreit.

Im Fall der Schwerbehinderten, vor allem bei den Schwerhörigen, Gehörlosen und Ertaubten ist dieser Beschluss als einen schwerwiegenden Eingriff in den Nachteilsausgleich der Betroffenen anzusehen.

Wußten Sie, dass die Untertitelquote im gesamten deutschen Fernsehen bei 10,6% liegt? Selbst die am 1. Juni 2009 in Kraft getretene Regelung, dass TV Sender „im Rahmen ihrer technischen und finanziellen Möglichkeiten barrierefreie Angebote vermehrt aufnehmen sollen“ hat lediglich zu einer Erhöhung von 2,9 Prozent geführt im Zeitraum von April 2009 bis März 2010. Damit liegt diese Anhebung weit unter einem wirklich barrierefreien Angebot.

Ein Blick in die Nachbarländer Deutschlands macht klar, dass die Untertitelquote hier wirklich miserabel ist, denn die Niederlande, ein kleineres Land wie Deutschland, bringt es auf 80 Prozent Untertitelquote. Auch Österreich und die Schweiz liegen klar vor uns. Auch die BBC in Großbritannien untertitelt komplett, auch in Amerika und Kanada sind 100 Prozent an Untertiteln bereits eine Selbstverständlichkeit.

Im Rundfunkstaatsvertrag werden die Fernsehsender zwar aufgefordert, dass diese über deren bereits bestehendem Engagement hinaus im Rahmen ihrer technischen und finanziellen Möglichkeiten barrierefreie Angebote vermehrt aufnehmen sollen.

Aber wenn sichtbar wird, dass den Fernsehsendern es am Willen dazu fehlt, dann muss eine gesetzliche Verpflichtung her zur Barrierefreiheit im Fernsehen, die wie folgt so aussieht im Falle der hörbehinderten Menschen: a) 100 Prozent an Untertitel im öffentlich-rechtlichen Programm von 6 Uhr morgens bis 23h abends, b) 5 Prozent Gebärdensprachdolmetschereinblendung, c) eine von Hintergrundgeräuschen befreite Tonqualität bei Fernseh- und Rundfunksendungen zur besseren Sprachverständlichkeit von schwerhörigen Menschen und d) auch eine Verpflichtung der privaten Fernsehsender zur Durchführung von Maßnahmen zur Barrierefreiheit

Ich appelliere an den Bundestag, an die Ministerpräsidenten und an die Bundeskanzlerin Angela Merkel eine gesetzliche Verpflichtung für ein wirklich barrierefreies Fernsehen für Gehörlose, Schwerhörige, Ertaubte sowie Blinde ins Gesetz aufzunehmen.

Das entspricht der UN-Konvention der Rechte von Menschen mit Behinderungen nach Art. 21 und Art. 30 und bereits 2007 kam der wissenschaftliche Dienst des Schleswig-Holsteinischen Landtags zu dem Ergebnis, dass die Einführung barrierefreier Angebote der geschützten Rundfunkfreiheit nach Art. 5 Absatz 1 Satz 2 GG nicht entgegensteht.

Mit freundlichen Grüßen

Julia Probst

Kontakt: julesblogspot@googlemail.com Blog: meinaugenschmaus.blogspot.com

Anlage: Ein paar Zahlen und Fakten zur Dringlichkeit der Sache

Untertitelquote einzelner Sender in Deutschland:

Hauptsender in %

Regionale Sender in %

Sparten-Sender in %

Private Sender in %

ARD

32,3

WDR 50,6

3sat

8,3

Kabel 1

1-1,5

ZDF 28,8

MDR 11,2

BR-alpha

5,5

Pro7

2,9

-

NDR 16,6

ARTE

7,1

RTL

0

-

BR

18,6

Phoenix

1,8

Super RTL

0

-

SWR 14,0

KiKa

0,8

Sat1

0

HR

12,9

Vox

0

RBB

14, 3

N24

0

DSF

0


Ein typisches Beispiel für den Unwillen der Sender:

Ein gutes Beispiel dafür ist das ZDF: Im Schweizer Fernsehen wird „Wetten, dass..“ mit Live-Untertiteln ausgestrahlt. In einer E-Mail an das ZDF brachte ich meine Verwunderung zum Ausdruck, warum das ZDF „Wetten, dass..“ nicht auch live untertitelt und bat um eine Stellungsnahme. Man teilte mir daraufhin mit, dass es aus vielerlei Gründen nicht möglich sei die Livesendung am Samstagabend zu untertiteln, die Kollegen würden aber die Wiederholung dementsprechend untertiteln. Außerdem verwies man mich auf die Mediathek, wo ja auch zahlreiche Informationen zur Sendung finden sind – ich muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnen, dass die Mediathek ohne Untertitel ist.

>Auch ein wichtiger Hinweis für die Produktion deutschsprachiger Filme auf DVD:

Viele Filme, in denen Deutsch gesprochen wird oder die aus deutscher Produktion stammen, sind ohne Untertitel auf DVD. Gute Beispiele dafür sind z.B. "Rosenstraße" oder "Das Leben der anderen." Interessanterweise wurden die Filme von den Filmförderungsanstalten der Bundesländer gefördert. Das Gesamtbudget dieser Filmförderungsanstalten liegt bei 228,5 Millionen Euro. Und da soll nicht genügend Geld für Untertitel vorhanden sein? In meinen Augen müssten die Filmförderungsanstalten damit beginnen schärfere Zügel anzulegen und eine Vorschrift in ihre Förderungsrichtlinien einbauen: "Wir fördern die Filmproduktion nur, wenn der Film später auf DVD mit deutschen Untertiteln und für Blinde mit einer Hörfilmfassung versehen wird." Außerdem würde ich den Fernsehanstalten vorschreiben, dass die Fernsehuntertitel die gleiche 1:1 Qualität wie auf der DVD haben müssen.

Ich hoffe sehr, dass Steffen Seibert und die Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie alle anderen, denen ich den Appell in die Hand gedrückt haben, diesen auch wirklich gelesen haben und ein kleines bisschen Bauchweh bei der Faktenlage gekriegt haben, denn diese Ausgrenzung kann so nicht mehr weiter gehen.

Fakt ist: In Deutschland gibt es, wenn man auf die unterzeichnete UN-Konvention der Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen schaut und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schaut, KEIN Gesetzgebungsdefizit, sondern ein Vollzugsdefizit!

Das Gesetz ist eigentlich vorhanden, nur wird es einfach nicht eingehalten oder per Gesetz verpflichtend genug für alle formuliert.

Aber nicht nur die Medienlandschaft hat ein Vollzugsdefizit, sondern auch die kulturelle Allgemeinheit, was man sehr gut beobachten konnte am Tag der offenen Ministerien:

Überall liefen Präsentationsfilme der einzelnen Ministerien ohne Untertitel. Nur der Werbefilm über die einheitliche Behördennummer war mit Untertieln, wohl aber deswegen weil es auch ein Gebärdensprachtelefon dazu gibt! Und es gab nur eine einzige Gebärdensprachdolmetscherin in den Ministerien - ich war aber auch nicht in allen, aber in 4 davon, weil die Zeit einfach nicht richtig ausgereicht hat und die Politiker meistens alle zur gleichen Zeit eine Rede gehalten haben.
Die Gebärdensprachdolmetscherin war übrigens im Familienministerium am Stand der Antidiskriminationsstelle und es war meine Dolmetscherin von der Bildungsfahrt im November! Die Freude war auf beiden Seiten riesengroß! :-)

Von der Antidiskriminationsstelle bekam ich übrigens eine Schultertasche überreicht, was ich später noch clever ausgenützt habe, aber davon später mehr!

Die Kosten für den Tag der offenen Türen belaufen sich übrigens auf 600.000 Euro und er war nicht barrierefrei! Die Rede der Kanzlerin war ohne Live-Untertitel, ohne Gebärdensprachdolmetscher und wie gesagt: Ich sah nur eine einzige Gebärdensprachdolmetscherin!

Immer, wenn es die Möglichkeit gab, habe ich mit den Leuten darüber gesprochen und sie darauf hingewiesen, dass die Filme ohne Untertitel ausgestattet sind. Die Reaktion war überall die gleiche: Man teilte mir mit, dass man einfach nicht daran gedacht habe und man werde versuchen es besser zu machen. Am Stand des Bundespresseamt des Kanzlerpark hatte ich die Gelegenheit zu beobachten, wie Lehrmaterialen für die Schulen über die Regierung mit einer beiliegenden DVD verteilt wurde und schnappte mir einen Mitarbeiter: "Entschuldigen Sie bitte, aber ich möchte Sie darauf hinweisen, dass die Werbefilme hier ohne Untertitel sind und die DVD für das Lehrmaterial vermutlich auch keine Untertitel hat." Der Mitarbeiter entschuldigte sich dafür und nahm meinen Appell gerne entgegen. "Werden Sie das auch an die Kanzlerin verteilen?" Ich entgegnete, dass ich es versuchen werde, wenn die Kanzlerin an der Bühne vorbeikommt." Er lächelte mich an und fand das eine gute Idee und gab mir den kleinen Tipp, dass ich, wenn ich es dort nicht schaffen sollte, um halb 4 an seinen Stand kommen sollte und er werde versuchen dafür zu sorgen, dass ich dort ihr den Appell überreichen könne!

Ich muss ehrlich sagen, alle Mitarbeiter, mit denen ich sprach, waren HÖCHST zuvorkommend und immer hilfsbereit und allen hinterliess ich die zwinkernde "Drohung", dass ich nächstes Jahr wiederkomme und schaue, ob eine Verbesserung eingetreten ist.

Und niemand war gegen Untertitel und Gebärdensprachdolmetscher, niemand war für Ausgrenzung. Nur: Niemand war dafür zuständig, dass an alles gedacht wird. Aber man begegnete mir wirklich sehr freundlich und nahm sich für alle meine Fragen Zeit.

Ich habe übrigens der Kanzlerin auf den Rücken getippt, als sie mit dem Rücken zur mir stand und ich die Befürchtung hatte, dass sie mir entwischt: "Entschuldigen Sie bitte, Frau Bundeskanzlerin..." Sie drehte sich um und sah mich an: "Ja bitte?" Ich: "Könnten Sie das bitte lesen, es handelt sich um Barrierefreiheit." Sie nahm den Appell entgegen und reichte ihn an ihren Bodyguard weiter, da ihr roter Blazer ja keine Taschen hatte und winkte mir noch mal zu.

Vielleicht hat Frau Merkel den Appell inzwischen ja gelesen, vielleicht auch nicht.

Aber meine Leser können dafür sorgen, dass sie und viele andere Politiker ihn lesen! Bitte leitet diesen Blogeintrag so oft wie es geht weiter, sorgt bitte für ein bisschen Wind im Internet!

Ich würde mich sehr darüber freuen, weil ich bisher einfach noch KEINE einzige ANTWORT bekommen habe seitens der Politik.

Mir ist völlig klar, dass man mit Behindertenthemen nicht besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann wie mit anderen Themen, die mehr Sprengstoff oder anders gesagt mehr Wählerstimmen garantieren kann, aber es muss damit ein Ende haben, dass die Politik-Parteien zwar mit Gebärdensprachvideos erkannt haben, dass dort auch Stimmen zu holen sind, aber sich nicht um die Verbesserung der Untertitelquote kümmern.

Ich habe übrigens noch einen Trumpf im Ärmel - den werdet ihr dann zu sehen bekommen. ;-)

Donnerstag, 26. August 2010

Lindenstrasse - Videostream nun mit Live-UT!

Die "Lindenstrasse" und die "Schwarzwaldklinik" waren die ersten Filme, die ich überhaupt mit Untertiteln sah.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich damals grad frisch eingeschult in der Grundschule für Hörende um die Ecke, ziemlich schnell begriff, wie das mit dem Lesen ging und nun alles gierig verschlang, was bedruckt war.

Irgendwann im Frühjahr 1990 bekamen wir einen neuen Fernseher, mit denen ich die Filme mit Untertiteln verfolgen konnte, aber auch die Tagessschau. Die Bilder vom Golfkrieg mit den ölverschmierten Tieren sind mir heute noch im Gedächtnis und dazu die starre Minie von Ulrich Wickert und mir wurde klar, dass es immer die Schwächsten in der Gesellschaft sind, die leiden werden, egal in welcher Situation.

Nun ja, nun zum erfreulichen Thema: Der WDR, überhaupt schon sehr vorbildlich mit seiner untertitelten Mediathek im Internet, stellt nun auch die bereits produzierten Untertitel für das Fernsehen zur Verfügung im Lindenstrassen-Videostream! :-)

Lindenstrasse-Videostream mit Untertiteln!


Wieder mal ein positives Zeichen dafür, dass mit gutem Willen alles möglich ist in der Fernsehlandschaft.

Aber: Es muss da noch viel für ein barrierefreies Fernsehen UND Internet getan werden und der Weg dazu ist noch ein langer Weg.

10,6% Untertitel sind weiterhin ein Armutszeugnis für die deutsche Fernsehlandschaft.

Dazu muss ich mal meinen Senf abgeben!

Das Thema, welches ich hier gleich aufgreife, ist zwar kein typisches Augenschmaus-Thema, aber im Endeffekt ist es ein gutes Beispiel dafür, wieviel in der sozialen Politik wirklich schiefläuft, weil man mit solchen Lösungen die vorhandenen Probleme nicht beseitigt, sondern erst recht neue Probleme schafft.

Der aktuellste Coup des Bundesfamilienministerium ist ein 12,5 Mio-Euro dotiertes Förderprogramm: "Mehr Männer in KITAS!" Damit will man die Quote von 2,4% Prozent der männlichen Fachkräfte in KITAS deutlich anheben.

Hört sich gut an, aber wenn man mal genauer darüber nachdenkt, sind das immerhin 12,5 Mio-Euro, die hier aus dem Fenster geschmissen werden, denn es geht doch gar nicht darum, dass Kinder mehr männliche Vorbilder brauchen ,was manauf gerechterem Weg viel einfacher erreichen kann: Höherer Lohn in sozialen Berufen und GLEICHER VERDIENST für Männer und Frauen. Ich bin mir sicher, dass dann MEHR Männer sich dann auch für einen sozialeren Beruf entscheiden würden. Übrigens:Meiner Meinung nach diskriminiert dieses Programm, welches 12,5Millionen Euro für Männern in KITAs ausgibt, die bereits ausgebildeten Erzieherinnen, die seit Jahren klagen, dass sie zu wenig Geld für ihre Arbeit bekommen. Im Grundgesetz und im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz steht, dass NIEMAND benachteiligt werden darf. Hier werden aber Frauen benachteiligt unter dem hanebüchenen Schulterblatt, dass Kinder mehr männliche Vorbilder brauchen. So ein Quatsch!

WAS die Gellschaft braucht, ist ein gleich hohes Gehalt für beide Geschlechter und sowieso einen höheren Verdienst in sozialen Berufen.


Und der Umbruch dazu muss sinnvoll sein - die Gesellschaft sollte es langsam aber sicher schon gemerkt haben, dass es nicht länger hinnehmbar ist, dass Menschen ausgegrenzt werden aufgrund ihrem Geschlecht oder gar Behinderung.

Mittwoch, 25. August 2010

Mein Erlebnis mit der Blundespendezentrale HAEMA in Berlin

Eigentlich sollte jetzt ein langer Artikel über meine Aktivitäten in Berlin hier stehen, aber der braucht noch etwas Zeit, daher schreibe ich jetzt was über dieses Erlebnis.

Aufgrund eines Platzregens flüchtete ich in die Wilmersdorfer Arcaden und stand da vor dem Werbeschild mit dem Slogan: "Heute ist ein guter Tag Leben zu retten." Hm, dachte ich mir und folgte der Beschilderung zum Blutspendedienst HAEMA.

Dort angekommen wurde ich erst mal zur Betriebsärztin weitergeleitet, die mir erklärte, dass ihre Vorschriften Gehörlose von der Spende ausschließen aufgrund Kommunikationsprobleme, falls man umkippen sollte. Meine Argumentation, dass auch Normalhörende bei gesundheitlichen Problemen während der Spenden erst mal nicht ansprechbar seien, wurde damit erklärt, dass es ja nur vorübergehenderweise seie. Und es seien ja nicht nur Gehörlose von der Spende ausgeschlossen, sondern auch Blinde und Rollstuhlfahrer.

Allerdings dürften Schwerhörige und leicht gehbehinderte aber schon spenden!

Diese Logik erschließt sich mir nicht so ganz, dennoch war das Gespräch mit der Betriebsärztin ganz interessant, denn dort zeigte sie mir den dicken Ordner, wo alles genau drinstand, wer alles NICHT spenden darf. HAEMA, so erzählte sie, sei ein privater Dienst und daher ziemlich streng, denn nur höchste Qualität würde sich gut verkaufen. Sie hätten in Sachsen angefangen und würden seit 2002 erfolgreich expandieren in weiteren Bundesländern.

Interessanterweise kann man auf der Seite von HAEMA ein PDF runterladen mit den "Allgemeinen Spenderbedingungen", dort lässt es sich erahnen, wie streng die Vorschriften sind, jedoch steht aber MIT keinem Wort, dass Blinde, Gehörlose und Rollstuhlfahrer von der Spende ausgeschlossen sind.

Ich bleibe jetzt mal dran und schaue, wie es andere Blutspendedienste diese Sache handhaben, denn es ist ein klarer Fall von Diskriminierung und es läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken, denn es scheint mir ein Relikt aus der Nazizeit zu sein, wo man Angst hatte vor Übertragungen der Erbkrankheiten per Blut.

Übrigens kapiere ich ja noch die europaweite Blutspende-Dauersperre bei Menschen, die im Zeitraum von 1985-1996 in Großbritannien gelebt haben, denn damals grassierte ja der Rinderwahnsinn BSE dort und bis heute ist es nicht geklärt, ob die tödlich verlaufende Krankheit Creutzfeld-Jakob, welche durch BSE ausgelöst werden kann, per Blut übertragbar ist. Mich würde es mal interessieren, ob selbst in Großbritannien die Einwohner, die in diesen Zeitraster fallen, auch dort dauergesperrt sind, aber das glaube ich nicht.

Mittwoch, 18. August 2010

Die Suche nach Christine

Ich bin in der Südwest Presse auf einen sehr schönen Artikel gestoßen, den ich euch nicht vorenthalten möchte.

Die Suche nach Christine

Schade nur, dass unklar bleibt, wie weit die Hörschädigung des Grafikers Wolfgang Herrmann zurückreicht: Hatte er bereits von Geburt an ein schlechteres Gehör oder ist es gar eine Kriegsverletzung? Es kann aber auch nur Altersschwerhörigkeit sein.

Trotzdem ist es eine nette Geschichte!

Dienstag, 17. August 2010

Eine Kritik an die Aachener Zeitung

Die Aachener Zeitung hat einen Bericht über die Gebärdensprachdolmetscherin Magdalena Meisen gebracht und verwendet darin das Wort "Gebärdendolmetschen".

Richtig ist: Gebärdensprachdolmetscherin.

Hier geht es zum Artikel über Magdalena Meisen:

Reden ohne Worte, hören mit den Augen

Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie man in einem Artikel das richtige Wort Gebärdensprache verwendet und aber dann die falsche Berufsbezeichnung verwendet.
Und dieser Fehler passiert den Journalisten immer wieder, was ich nicht nachvollziehen kann, wenn man eigentlich im Internet zuhause sein sollte von Berufs wegen.

Diesen Artikel hier habe ich auch schon kritisiert:

Kampf gegen Mißverständnisse

Dank der Interviews, die ich führen durfte in den letzten Wochen, ist mir noch eins aufgefallen: Man kriegt ja vor dem Druck ja noch mal das gesamte Interview bzw. den Bericht zum Gegenlesen. Warum gab es keinen Einspruch von Magdalena Meisen und dem Berufsberater Kai Wehner? Bei dem gehörlosen Berufsberater kann ich es ja noch ein Stück weit verstehen, aber bei einer Hörenden, die als Gebärdensprachdolmetscherin arbeitet?

Und noch mal als wichtigen Hinweis:

Es heißt nun mal korrekt so!

Ein wichtiger Hinweis für Medienschaffende

Und da in der Kürze die Würze liegt:

NoGo's: Taubstumm, Taubstummensprache, Gebärdendolmetscher!

Go's: taub, gehörlos, schwerhörig, hörgeschädigt, hörbehindert, Gebärdensprache, Gebärdensprachdolmetscher...

Sonntag, 15. August 2010

Hitler vom Mund abgelesen

Eva Braun hat ihren Geliebten Adolf Hitler sehr oft festgehalten auf Fotografien, aber auch in bewegten Bildern. Diese Zeitdokumente sind aber leider ohne Ton, aber da haben die Macher von der ZDF -Dokuserie "ZDF-History" sich an meine Bloggerkollegin Judith Göller vom Gehörlosblog gewendet mit der Bitte, dass sie doch bitte ablesen soll, was in den tonlosen Filmen der Eva Braun so alles gesagt wurde. Der Bitte kam Judith gerne nach und so weiß nun die Nachwelt, wovon in den Filmen die Rede ist.

LEIDER hat das ZDF es versäumt diese spezielle Folge von "ZDF History" im Fernsehen wie auch in der Mediathek mit Untertiteln auszustatten, was sehr schade ist, da "ZDF History" immer wieder interessante Beiträge bringt, die aber für Gehörlose ohne Untertitel nicht verfolgbar sind.

Hier die Folge mit Judith zu sehen ist sie aber nur ganz kurz ab der 20:10 und der 28:30 Filmminute!

Ein in interessanter Ableseservice der anderen Art! :-)

Samstag, 14. August 2010

Kampf gegen Mißverständnisse

So beginnt ein Artikel der Kreiszeitung.de und man denkt sich: "Oh toll, das ist mal ein interessanter Bericht." Die ersten Zeilen lesen sich noch ganz gut und dann zuckt man bei dem Wort: "Taubstummensprache" zusammen. Und am Schluß findet sich noch das Wort Gebärdendolmetscher.

Kampf gegen Missverständnisse

Die sehr unglückliche Formulierung "Taubstummensprache" erweckt den Eindruck, die Gebärdensprache wäre eine Affensprache und Gehörlose außerdem stumm, was einfach nicht die Realität ist.

Schade darum, dass ein sonst sehr gut geschriebener Artikel, der wirklich interessant ist, auf diese Weise verhunzt worden ist.

Für Medienschaffende habe ich schon einige Tipps verbloggt:

Es heißt nun mal korrekt so!


Ein wichtiger Hinweis für die Medienbranche

Okay? In aller Kürze sei gesagt bei folgenden Wörtern:

NoGo's: Taubstumm, Taubstummensprache, Gebärdendolmetscher!

Go's: taub, gehörlos, schwerhörig, hörgeschädigt, hörbehindert, Gebärdensprache, Gebärdensprachdolmetscher...

Freitag, 13. August 2010

Eine unerhörte Empfehlung der EU

Das EU-Parlament fordert ihre EU-Kommission manchmal auch zu sinnvollen Dingen auf, so geschehen am 09.04.2008.

Manchmal denke ich mir, dass ich diese Aufforderung des EU-Parlaments nur geträumt haben kann, da es sich um einen Gesetzesvorschlag handelte, wonach alle öffentlich-rechtlichen Fernsehsender innerhalb der Union ihr Programm komplett untertiteln müssen.

Dieser Gesetzesvorschlag wurde offenbar nie in Angriff genommen, was man unschwer daran erkennen kann, dass nichts passiert ist.

Hier die Meldung:

Untertitel-Pflicht für öffentlich-rechtliche Sender?

Meine Position ist hinlänglich bekannt - die Untertitelpflicht muss für alle Fernsehsender gelten, denn mit der jetztigen Situation der freiwilligen Aufforderung zur Barrierefreiheit kommt man leider nicht weit, so dass nun wirklich aber ein verpflichtendes Gesetz her muss.

Und dafür werde ich kämpfen, denn ich habe jetzt den Fuß in dieser Türe und ich werde nicht nachlassen.

Donnerstag, 12. August 2010

Ein Interview mit mir nun auch auf meedia.de

Deutschlands Medienportal meedia.de bat mich um ein Interview und dabei kam ein richtig schönes heraus, welches ich gerade auch noch mal und nochmal gelesen habe mit der größten Freude und der leisen Hoffnung, dass sich nun was ändert in der Medienlandschaft, was die Untertitelsituation betrifft.

Hier ist der Link:

Auch Hörende haben eine Behinderung

Viel Spaß beim Lesen! :-)

Nachtrag vom Freitag, den 13. August: Soeben trudelte der Kommentar hier ein:

"Wobei ich doch mal vermute, daß Hörende das auch lernen könnten - das Lippenlesen?
(Schließlich üben sie´s nicht, weil sie nicht müssen....?)"

Ja, natürlich können Hörende das auch lernen, aber sie sind darauf nicht angewiesen, das stimmt. Wie heißt es doch so schön? Übung macht den Meister. Ich habe hier schon mal gebloggt, wo Hörende einen Lippenlesekurs besuchen können:

Tomate = Dummheit oder auch: Die Kunst des Ablesens

Noch ein Nachtrag vom Freitag, den 13. August:

Der Kommentar von meinem hochgeschätzen Bloggerkollegen Not quit like Beethoven hat mich daran erinnert, dass die Antworten im Meedia-Interview genau die gleichen sind, die ich auch beim Fernsehauftritt bei SWR zum Besten gegeben habe. Das Fernsehinterview fiel aber leider der Schere zum Opfer.

Dienstag, 10. August 2010

Clevere Idee für das ZDF und alle anderen Fernsehsender

Gestern bekam ich eine verdammt clevere Idee auf dem silbernen Tablett überreicht, die in ihrer Einfachheit bestechend genial ist.

Bisher dachte ich immer, dass Schreibdolmetscher glänzend bei Fernsehstudios aufgehoben wären, weil sie die ganzen Filme untertiteln könnten und auch für Live-UT sorgen könnten, aber das Problem ist, dass es zu wenige Schreibdolmetscher gibt in Deutschland.

Arthur Ortega, der Schöpfer dieser cleveren Idee, sagte zu mir: "Die könnten alle Texte von einem gelernten Nachsprecher mittels z.B. "Dragon Dictate" einsprechen und einspielen. Sie bräuchten halt über den Tag über jeweils "Nachsprecher" die alles gesagte im Tonstudio auf "Dragon Dictate" einsprechen.

Eigentlich überhaupt nicht der Rede wert, zu erwähnen, dass Arthur Ortega ein blinder Diplom-Informatiker ist, der sich mit der Barreriefreiheit beschäftigt, aber genau dieser Aspekt zeigt immer wieder, wie wichtig es ist, das Behinderte ein Mitsprachrecht bekommen solch wichtigen Fragen, denn wir sind es gewöhnt um die Ecke zu denken und auf Lösungen zu kommen, auf die man sonst nicht gekommen wäre.

Dragon Dictate ist eine KOSTENLOSE Iphone-App, also schon mal ein kostenfreier Aspekt.

Im Fernsehen sollten nun wirklich gelernte Sprecher herumsitzen, denn dortige Angebot ist nicht so knapp wie bei den Schriftdolmetschern.

5 Vollzeitnachsprecher würden 40000 Euro im Jahr kosten, was 200000 Euro im Jahr macht, zusätzlich noch ungefähr 100000 Technikkosten, da kommt man auf NUR 300000 Gesamtkosten im Jahr, womit man auf 100% untertiteltes Programm wäre.

Wenn man das die 30000 Euro in Relation zu dem 30-Millionen-Nachrichtenstudio vom ZDF setzt, kommt heraus, dass umgerechnet 1 Jahr 100% Untertitelung im ZDF nur 1% der 30 Millionen Euro ausmacht.

Simple Mathematik und erschreckend logisch. Erschreckend erbärmlich, was simple Mathematik ans Tageslicht bringt.

Eigentlich wäre es überhaupt nicht nötig, dass die GEZ von uns Behinderten nun 6 Euro pro Monat Gebühren fordert, denn das Geld ist vorhanden bei den Öffentlich-Rechtlichen. Wohin fliesst dann das Geld? In Spartensender.

Die GEZ will ja aktuell, dass Gehörlose und Schwerhörige ab 2013 auch Gebühren in der Höhe von 6 Euro beisteuern müssen, nur lässt sich natürlich anhand der vorgerechneten simplen Mathematik natürlich fragen, ob manche Fernsehsender überhaupt nötig haben.

Wie seht ihr denn das?

Behinderte sollen nun auch GEZ-Gebühren zahlen

Schwerhörige und Gehörlose mit dem Merkzeichen "RF" sind bisher komplett von den Rundfunkprogrammen befreit, was ja auch sinnvoll ist.

Warum sollten wir für Inhalte bezahlen, die nur zu 10,6% zugänglich sind für uns?

Am 5. August 2010 haben die Ministerpräsidenten der Länder die Rundfunkgebührenordnung gemeinsam mit der GEZ überarbeitet und dabei kam diese geniale Lösung raus:
Menschen mit Behinderung sollen ab 2013 ein Drittel der Rundfunkgebühren zahlen, d.h. 6 Euro pro Monat.

Da haben nun Hörgeschädigtenvereine nun ganz schnell geschaltet und liessen in einer gemeinsamen und eigenen Erklärung verkünden, dass nur unter folgenden Bedingungen gezahlt wird, die bis 2013 erfüllt werden müssen:

- 100% Untertitel im öffentlich-rechtlichen Programm von 6 Uhr morgens bis 23h abends
- 5 Prozent Gebärdensprachdolmetschereinblendung
- eine von Hintergrundgeräuschen befreite Tonqualität bei Fernseh- und Rundfunksendungen zur besseren Sprachverständlichkeit von schwerhörigen Menschen
- auch eine Verpflichtung der privaten Fernsehsender zur Durchführung von Maßnahmen zur Barrierefreiheit

Und darauf besteht auch ein Recht, wenn man mal auf die UN-Konvention der Menschenrechte, Artikel 21 und 30 blickt, denn diese beinhalten die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen auf das Recht der freien Meinungsäußerung, Meinungsfreiheit und Zugang zu Informationen. Auch wird dort klargestellt, dass ein Recht darauf besteht mit anderen am kulturellen Leben teilzunehmen und alle geeigneten Maßnamen zu treffen, um sicherzustellen, dass diese Zugang zu Fernsehprogrammen, Filmen und Theatervorstellungen haben.

Die Ministerpräsidenten der Länder scheinen gänzlich uninformiert zu sein, was die Barrierefreigheit in der deutschen Fernsehlandschaft angeht. An dieser Stelle muss ich mich doch sehr fragen, wie die sich überhaupt vorbereiten auf solche Beschlüsse? Als einer der Ministerpräsidenten würde mich schämen müssen, diesem Beschluss ohne Hintergrundwissen zugestimmt zu haben.

Nochmal: Wir zahlen gerne, aber nur wenn unsere Forderungen erfüllt werden. Darunter geht gar nichts, denn darauf haben wir ein Recht.

Und wir wissen ja, dass die Mittel dazu in der deutschen Fernsehlandschaft vorhanden sind, wie das ZDF mit dem 30-Millionen-Euro-Nachrichtenstudio glanzvoll bewiesen hat.

Montag, 9. August 2010

Ich kann diese Ausreden nicht mehr hören/sehen!

Diese Sätze begegnen mir sehr oft, wenn ich eine Antwort auf meine E-Mail an einen Fernsehsender oder eine Filmfirma erhalte im Bezug darauf die Sendung, Serie oder Film im Fernsehen oder auf DVD zu untertiteln.

Man freue sich über meine Anregungen, doch leider könne man diese nicht umsetzen, weil:

(Achtung, Ironie: Zutreffendes bitte ankreuzen!)

a) die Zeit hätte nicht ausgereicht.

b) Man seie nur die Filmfirma und von daher nicht für die Produktion auf DVD oder im Fernsehen zuständig.

c) die Technik sei nicht ausgereift genug für 1:1 Untertitelung oder Live-Untertitelung im Fernsehen

d) dafür wäre leider nicht genügend Geld vorhanden

Diese Liste lässt sich beliebig oft fortsetzen, mit Phantasie ist ja alles möglich. Manchmal mache ich aber auch die erfreuliche Erfahrung, dass man wirklich erfreut ist über meine Anregungen und die Untertiteln auch realisiert werden, das durfte ich z.B. bei den deutschsprachigen Produktionen wie "Die Päpstin", "Krabat", "Berlin, Berlin" erleben.

Mit Phantasie lässt sich auch ganz einfach die Barreriefreiheit im Fernsehen umgehen, ein sehr gutes Beispiel dafür ist das ZDF.

Wie die treuen Leser meines Blogs bereits wissen, hat das ZDF 20 Millionen Euro für sein neues Nachrichtenstudio ausgegeben, wobei ich grad in der WELTONLINE lesen darf, dass es sogar 30 Millionen Euro waren:

HIGH-TECH im Zweiten: Neues ZDF-Studio kostet 30 Millionen Euro

Die Zahl stimmt sogar, also bin ich in einer falschen Zahl in einem Bericht aufgesessen, in dem es hieß, es wären 20 Millionen Euro, tatsächlich bestätigt das ZDF sogar die Summe von 30 Millionen Euro in einem Tagebuch:

ZDF-Nachrichtenstudio in neuem Design

Und die Untertitelquote im gesamten ZDF-Programm? 28,8% vom gesamten ZDF-Programm werden untertitelt. Was hätte man alles mit dem Geld machen können? Richtig, man hätte die Technik auf den Stand vom britischen Fernsehsender BBC bringen können, die ihr Programm komplett untertiteln und dieser Coup hätte dem ZDF ein gigantisches gutes Image verschafft - und das hätte nicht mal 30 Millionen Euro gekostet.

Achja, da wäre noch eine Kleinigkeit: Das Schweizer Fernsehen sendet "Wetten, dass.." mit Live-UT, das ZDF selbst bringt das nicht mal fertig, sondern sendet lediglich die Wiederholung mit Untertiteln.

Über das ZDF-Fail in Sachen "Wetten, dass.." habe ich bereits mal gebloggt:

Wetten, dass..mit Live-Untertiteln
vom 14. Juni 2009

Wetten, dass.. mit Live-Untertiteln morgen abend um 20:15
vom 02. Oktober 2009

In die Röhre geguckt bei "Wetten, dass.."
vom 04.Oktober 2009

Die unglaublich dreiste Antwort vom ZDF auf die ausgefallenen Live-Untertitel


Beim ZDF lässt sich also eine schon sehr lange Liste von Fails verzeichnen, aber der neueste Superfail:

Das ZDF lässt wie viele andere öffentliche Sender die GEZ-Gelder in neue Spartensender fliessen, was ja an sich nicht verwerflich ist, wären diese Spartensender so gut wie gar nicht untertitelt, siehe ZDFneo.

Dieser ZDFKanal, ZDFneo, bietet sehr viele interessante Dokumentationen an, denen ich gerne auch folgen würde, was mir aber verwehrt wird, da dort nicht untertitelt wird.

Das ist doch zum Schreien, oder?

30 Millionen Euro ausgegeben und die bringen es nicht mal fertig, Live-Untertitel zu senden und das gesamte Programm mit Untertiteln anzubieten oder kann ich dreisterweiste davon ausgehen, dass sie es einfach nicht WOLLEN?

Ich glaube mittlerweile wirklich, dass man davon ausgehen kann, dass die Fernsehsender schlicht und einfach zu bequem sind und unbequeme Stimmen einfach nicht angehört werden. Ich bekomme natürlich eine Antwort auf meine E-mails an das ZDF, aber auf Twitter überhört das ZDF ganz geflissentlich meine Tweets. Aber ich kann das ZDF trösten, es ist mit dieser arroganten Haltung nicht alleine: Auch Pro7 überhört meine Tweets einfach.

Was für Leute sitzen da eigentlich in den Fernsehanstalten oder auch in den Filmproduktionsfirmen? Leute mit Scheuklappen, die nur an den kurzfristigen Imagegewinn oder Geldsegen denken?

Wie gesagt: In Deutschland leben 80tausend Gehörlose sowie 16 Millionen Schwerhörige, die auf Untertiteln angewiesen sind. Natürlich sind nicht alle Schwerhörige auf Untertiteln angewiesen, aber dennoch schon ein sehr großer Anteil von ihnen.

DVD's mit deutschen Untertiteln, gerade bei deutschsprachigen Filmen, verschaffen sich eine größere Kaufkraft, wenn deutsche Untertitel verfügbar sind.

Nicht nur die Verfügbarkeit der Untertitel im Fernsehen ist wichtig, sondern auch die Qualität der Fernsehuntertitel, die leider SEHR oft nicht oft an die DVD-Untertitel-Qualität heranreichen, was aber üblich sein sollte. Die Begründung der Fernsehanstalten für die mickerige Qualität der Untertitel? Man müsse auch daran denken, dass das Deutsch der Gehörlosen ja nicht so gut seie, außerdem könne man nicht komplett 1:1 übersetzen, da es sonst zu schnell zum Lesen sei.

Das ist Diskrimination in seiner überheblichsten Form. Ich kann mich noch an einen Fall aus meiner Kindheit erinnern: In der Lindenstraße wurde Klaus zum Nazi und hat ziemlich geflucht. Die Untertitel zeigten aber zum Vergleich zu den Lippenbewegungen sehr abgemilderte Wörter.

Es gibt soviele Vorurteile beim Fernsehen gegen und über Untertitel, dabei sind Untertitel woanders in Europa längst Standart geworden, da die Synchronisation eine teuere Angelegenheit ist.

Ich hätte gerne den Job als Behindertenbeauftragten in der Medienlandschaft - in mir hätten die Medienlandschaft eine strenge, aber faire Person, die falls notwendig den zuständigen Leuten auf den Fingern klopft, aber auch Lob verteilen würde.

So wie ich das hier im Blog tue, denn es ist ja nicht so, dass ich nur über negative Sachen berichte, sondern auch mal sage: "Gut gemacht - gut mitgedacht."

Aber der deutschen Medienlandschaft kann ich bisher wirklich nur bis auf ein paar Ausnahmefällen die rote Karte zeigen und dieser Stillstand dauert schon seit Jahren an.

Kann ich auf eure Hilfe zählen, dass unsere Stimmen gehört werden?

Freitag, 6. August 2010

The blind side - Die blinde Seite

Diesen Film sollte man sich anschauen, weil er genau die Aussage aus diesem japanischen oder chinesischen Clip wiederspiegelt: "Don't underestimate the talent of your children." (Vielen Dank hier an Lilian Kura alias @textzicke, die dieses Juwel fand!)



The blind side - Die große Chance basiert auf einer wahren Geschichte, der Lebensgeschichte vom Footballspieler Michael Oher, welcher sein ganzes Leben zu Pflegefamilien gesteckt wurde, aber daraus immer weglief.

Jeder hielt ihn für unterentwickelt, bis er dank seiner außergewöhnlichen sportlichen Eigenschaften an eine private christliche Schule kam, aber lange Zeit hinderten ihn seine Noten daran in der Schulmannschaft mittrainieren zu können. Dann aber ergab das eine das andere: Er fand Unterschlupf bei der Familie Tuohy als Familienmitglied und eine Lehrerin an der Schule sah genauer hin als alle anderen bei ihm. Sie entdeckte, dass er wirklich nicht dumm ist, sondern seine schriftlichen Fähigkeiten hingen nur deshalb so zurück, weil er keine Fremdwörter kannte. Und dank dieser Lehrerin hatten die anderen Lehrer auch mehr Verständnis für ihn, aber seine Noten steigerten sich erst erheblich mit der Einstellung einer privaten Nachhilfelehrerin.

Hier ein sehr guter Bericht über Michael Oher zum Anlicken

Wie gesagt, an einer Stelle im Film entdeckt die eine Lehrerin, dass er nicht wußte, wie er mit seinem fast fotografischem Gedächtnis umgehen sollte, da er fast keine Fremdwörter kannte und auch keinen hatte, den er fragen konnte. Er wußte nicht, was das Wort Klassifikation bedeutet und hatte erstmals unter 4 Augen mit dieser Lehrerin den Mut danach zufragen.

Diese Problematik gibt es auch unter Gehörlosen - wie soll der Großteil der gehörlosen Kinder es schaffen, sich die Fremdwörter anzueignen, wenn der Unterricht an Gehörlosenschulen sehr oft nicht in Gebärdensprache abgehalten wird? Und wie sollen gehörlose Eltern ihren Kindern Fremdwörter erklären können, wenn die Bildungspolitik an den Schulen weiterhin auf so einem niedrigen Niveau bleibt wie bisher und das Fernsehangebot nur eine spärliche Untertitelquote von 10,6% aufweist in Deutschland und außerdem das Schriftdeutsch in den Untertiteln so vereinfacht wird?

Kinder brauchen Zugang und Förderung, damit sie Spaß am Lernen haben, das gilt auch ganz besonders für gehörlose Kinder, denn viele Gehörlose sind funktionale Analphabeten. Zur Überbrückung muss ein echter billingualer Unterricht her - die Fähigkeit zur Lautsprache und der Umgang mit der deutschen Sprache sollte genauso zur einer Selbstverständlichkeit werden wie die Benützung der Gebärdensprache werden unter den Gehörlosen.

Hoffen wir es, dass der Beschluss der internationalen Konferenz zur Bildung und Erziehung Gehörloser (ICED) vom 20.Juli 2010 diesen Zustan dan Gehörlosen- und Schwerhörigenschulen aufhebt, denn beschlossen wurde:
  • Alle Beschlüsse vom Mailänder Kongress, welche die Einbeziehung der Gebärdensprache in Bildungsprogrammen für gehörlose Studenten untersagten, werden zurückgewiesen.
  • Die negativen Folgen des Mailänder Kongresses werden mit Bedauern zur Kenntnis genommen.
  • Alle Nationen sind dazu aufgerufen, dass die Bildungsprogramme für Gehörlose alle Sprachen und alle Kommunikationsformen respektieren.
Desweiteren hat man weitere Punkte aufgestellt, die die Rechte Gehörloser Menschen weltweit stärken und bestätigen soll.

Über die Folgen des Mailänder Kongresses habe ich bereits in diesen Blogeinträgen berichtet:

Die Folgen des Mailänder Kongresses von 1880

Der Mailänder Kongress von 1880 ist Geschichte!

Und in diesem Blogeintrag frage ich mich, ob Rilke in diesem Gedicht die Gebärdensprache vor den Augen hatte:

Ein Gedicht von meinem Lieblingsdichter Rilke

Das Niveau der Gehörlosenschulen zwingt einige Eltern, egal ob gehörlos oder hörend, dazu ihre gehörlosen Kinder mit einem Gebärdensprachdolmetscher auf eine Regelschule zu schicken. Gerade diese Eltern wissen durch die harte Schule des Lebens NACH dem Abschluss auf einer gehörlosen Schule, dass das Niveau in Berufsschulen sehr viel höher ist und wollen ihre Kinder von Anfang an darauf vorbereiten.

Und was passiert diesen Eltern? Das Jugendamt schaltet sich ein mit Verdacht auf Kindeswohlgefährdung und versucht per Gerichtsbeschluss eine Versorgung mit Cochlear-Implant zu erzwingen. Das ist kein Einzelfall in Deutschland.

Hier ist der Bericht und in den nächsten Tagen werden weitere Infos dazu folgen, die zwar schon angekündigt waren. Die neuen Infos liegen mir zwar vor, aber dennoch möchte ich noch abwarten, was der Widerspruch eingebracht hat.

CI-Zwang für gehörlose Kinder?


Der Termin beim Rastatter Jugendamt

Nun, ich halte immer noch am Satz fest: Wenn für alle die gleichen Bedingungen geschaffen werden, dann wird es egal, ob man behindert ist oder nicht.