Freitag, 30. April 2010

Demnächst auf Augenschmaus!

Auf der Seite von Sport1.de findet sich dieser Bericht:

Köhler ehrt Olympioniken

Und folgenden Satz möchte ich euch nicht vorenthalten: "Wir haben während der Wettkämpfe mitgefiebert. Und ich sage Ihnen: Der Puls schlägt zu Hause vor dem Fernseher genauso hoch wie in einem Stadion. Bei den Olympischen Spielen genauso wie bei den Paralympics oder den Deaflympics", sagte Köhler.

Ja, Herr Köhler. Das ist richtig - Olympia 08 und die Paralympics wurden im Fernsehen übertragen. Aber die Deaflympics fristen ein Schattendasein abseits der Medien - das wird nicht übertragen, was ich persönlich sehr schade finde, denn diese Sportler kämpfen genauso sehr um Medaillen für Deutschland und für sich selbst wie alle anderen Sportler.

Umso mehr freut es mich, dass ich hier auf dem Blog demnächst ein Interview führen kann mit einer für euch unbekannten Olympiasiegerin - sie hat 2001 bei den Deaflympics in Rom 6 Medaillen geholt - 4 Einzelmedaillen (1 x Gold, 2 x Silber) und 2 Staffelmedaillen (1 x Silber, 1 x Bronze). Aber das ist noch nicht alles - bereits 4 Jahre zuvor bei den Deaflympics 1997 in Kopenhagen holte sie 2 Einzelmedaillen als jüngste Teilnehmerin mit 13 Jahren. Und das silberne Lorbeerblatt hat sie bereits 2 x erhalten.

Ich freue mich sehr auf dieses Interview mit meiner Freundin Katrin und ebenso freue ich mich auf das Interview mit einem Blinden auf meinem Blog, was auch sehr spannend ist für mich.

Donnerstag, 29. April 2010

TV-Bericht über das Cochlear Implantat

Puls vom 26.04.2010

Das Schweizer Fernsehen hat einen Bericht gesendet über das Cochlear Implantat, welcher aufgrund der Beschreibung von mir einen "Daumen hoch!" kriegt, denn der Bericht liest sich so:

"Cochlear Implantat gegen Gehörlosigkeit - doch nicht alle können von dem Wundergerät profitieren.

Seit den 80er Jahren wird das Cochlea-Implantat erfolgreich bei schwer- und gehörlosen Menschen implantiert. Die Resultate sind verblüffend. Viele Betroffene könne über das Ohr wieder kommunizieren. In der Schweiz gibt es aber auch Gehörlose, die ihr CI-Implantat wegen beträchtlicher Nebenwirkungen auch wieder herausoperierten. Nicht jede Implantation macht aus einem Gehörlosen wieder einen Hörenden."

Das ist das erste Mal überhaupt in einer Berichterstattung, wo das Implantat nicht total bejubelt wird, sondern ganz ehrlich gesagt wird, wie die Sachlage ist: Nicht jede Implantation macht aus einem Gehörlosen wieder einen Hörenden. Natürlich muss man sich fragen, warum das nicht schon früher den Eltern ganz klar gesagt wird: "Wir können IHNEN absolut keine Garantie dafür geben, dass ihr Kind vollkommen davon profitieren können wird." Das Gegenteil ist eher der Fall, es wird so getan in den allermeisten Fällen, dass das CI die einzig mögliche Rettung ist für ein normales Leben.

Klar steckt da auch eine gigantische Maschinerie dahinter, wenn man mal bedenkt, dass die Gesamtkosten einer einzigen CI-Operation mit 40.000 € veranschlagt wird und dazu kommen noch die Anpassungen, die REHA-Aufenthalte und der externe Sprachprozessor, der alleine noch mal etwa 8.888 € kostet. Es wird also ganz schön daran verdient, indem man darauf hinweist, dass die Bildungspolitik für Gehörlose nicht gerade gut aussieht und damit die Eltern verunsichert. Warum wird dann nicht die Bildungspolitik für die Gehörlosen entscheidend zum Besseren geändert und damit soziale Gerechtigkeit für alle geschaffen?

Im Bezug auf die CI-Träger sehe ich die Sache immer noch sehr zwiegespalten, denn das Problem ist für mich, dass die Patienten sehr oft nicht in der Lage sind, das selbst zu entscheiden, denn für den optimalsten Erfolg sollte die Implantation so früh wie möglich erfolgen. Und natürlich wollen, die Eltern das Beste für ihr Kind. Mir wäre es einfach am wohlsten, wenn die Kinder das selbst entscheiden dürften.

Bei den Transexuellen wissen wir, dass die Transidentität dem anderen Geschlecht zugehörig ist, mit dem man selbst biologisch ausgestattet wurde. Was nun, wenn einer der CI-Cyborgs eigentlich von Geburt an eine gehörlose/schwerhörige Identität hat und mit dem CI eine gute Hörfähigkeit erzielt?

Und weltweit gibt es etwa 600 Leute, die mit einem ABI-Hirnstammimplantat versorgt sind, der Versorgungmit einem ABI sehe ich absolut skeptisch entgegen, da die Operation für Kinder unter 12 Jahren viel zu gefährlich ist, außerdem bleibt es für mich unverständlich, wie die CI-Industrie einerseits sagt, dass eine CI-Implantation so früh wie möglich durchgeführt werden sollte aufgrund des normalen Spracherwerbs, aber beim ABI sich selbst bremst. Es ist ja schön, dass sie auf die Gefahren hinweist beim ABI, aber die CI-Operationen selbst sind auch nicht ohne.

Es ist einfach ein heißes Eisen und es gibt auch gute Argumente für eine CI-Operation und genauso gute dagegen.

Aber was mich wirklich wütend macht, ist dieser Bericht aus der Neurologie: "Haben gehörlose Kinder ein Recht auf ein Cochlear Implantat?" (PDF zum freien Download) Dort wird ganz unverhohlen davon gesprochen, dass der Staat in die Erziehung gehörloser Eltern eingreifen solle, wenn diese ihr Kind NICHT mit einem CI versorgen lassen wollen, da das Kind als Träger eigener Grundrechte Anspruch auf den Schutz des Staates hat. Okay, aber JEDES Kind, egal ob behindert oder nicht, hat auch ein RECHT auf eine vernüftige Schulpolitik, die einen nicht bremst, sondern fördert.

Interessanterweise werden CI-Gegner als Hardliner bezeichnet unter den Gehörlosen - es gibt sie, keine Frage, aber es ist kein Grund ihnen eine eigene Meinung abzusprechen und dagegen die Meinung der Forumsuser von der Deutschen Cochlear-Implantat-Gesellschaft e.v. lobend herauszuheben. Ich kann mich noch an diesen Thread erinnern, wo ich auch meine Meinung abgegeben habe und im Endeffekt fand ich es schade, dass soviel Energie verbraucht worden ist, jede Seite als die bessere darzustellen, anstatt gezielt dafür zu arbeiten, dass jede Seite von der anderen profitiert, denn wir Betroffenen sitzen doch alle im gleichen Boot! Jeder CI-Träger ist ohne das Implantat genauso schlecht hörend wie die Schwerhörigen/Gehörlosen und das sollte der Hauptgrund sein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Ist es aber leider nicht - ich kann nicht sagen, ob es inzwischen mittlerweile besser geworden sind oder die Fronten immer noch so verhärtet sind wie damals.

Aber gut lassen wir das Thema, dieses ewig heiße Eisen! Könnte mir vielleicht jemand hörendes eine kleine Zusammenfassung des Inhaltes vom Schweizer TV-Bericht übermitteln? :-)

Nachtrag von 21:02 Uhr: tboggi hat mir die Frage gestellt, warum ich als Inhaberin eines CI's frage, ob mir jemand eine Zusammenfassung liefern könnte? Nun ja, als interessierter Leser meines Bloges müsstest du doch längst wissen, dass ich über kein freies Hörvermögen ohne Lippenlesen verfüge und schon gar nicht mit Stimmen die mir unbekannt sind. Frage beantwortet? ;-)

Nachtrag vom 30.04.10: Vielen Dank an NQLB, Martl und Eule an die Zusammenfassung des Beitrags! :-) Und danke übrigens auch für das Lesen meines Blogs!

Mittwoch, 28. April 2010

Vom Plädoyer der Gleichheit auch bei Andersartigkeit

Der eine oder der andere weiß es längst: Seit einem guten Jahr hat Hundebaby Maja bei uns das Sagen. Neulich wurde sie 16 Monate alt und ist aber noch sehr verspielt wie das halt so ist bei Kleinkindern. ;-)

Warum ich das hier erwähne? Manchmal neige ich zu seltsamen, scheinbar weit hergeholten Zusammenhängen, die am Ende dann doch passen. Maja ist eine Dackel-Jagdhund-Dame - also von der Körpergröße ein "UntermKnieHund", da optisch mehr der Dackel rauskommt, aber an der Beinlänge merkt man den Jagdhundeinschlag.

Normalerweise bin ich auch nicht so der Fan von solchen kleinen Hunden, aber es kommt eben immer alles anders als man denkt.

Aufgrund dieser Tatsache konnte ich die Feststellung machen, dass die Allgemeinheit dazu neigt, kleinen Hunden nicht viel zutrauen. Einfach aus dem Grund, dass der Hund klein ist und gut auf den Arm genommen werden kann.

Aber ist Hund nicht gleich Hund?

Gehörlosen und Schwerhörigen wird auch oft nicht viel zugetraut, obwohl bloss die Ohren mehr oder weniger außer Betrieb sind. Aber ist Mensch nicht gleich Mensch?

Maja kann mit ihren 16 Monaten schon längst die Sachen, die ein gleichaltriger größerer Hund auch kann und darüber sind die Leute immer wieder so erstaunt: "Sie kann das? Aber sie ist doch ein kleiner Hund!"

Erinnert mich an solche Fragen wie:"Du darfst Auto fahren? Aber du hörst doch nichts!"

Maja rennt genauso locker neben dem Fahrrad mit wie ein großer Hund und bleibt auch stehen auf Zuruf, wenn wir die Straßenüberquerung erreichen. Und sie kann sogar ohne Leine vor einem Supermarkt warten, bis ich eben wieder rauskomme.

Sie kann das alles. Und warum? Wir behandeln sie nicht anders als ihren Vorgänger Paul, der schließlich ein belgischer Schäferhund war und damit ein "ÜberKnieHund".

Sie ist ein kleiner Hund - Na Und?

Gehörlose und Schwerhörige können nichts oder nicht viel hören - Na Und? Sie können das alles auch, was ein normalhörender Mensch kann - nur eben nicht telefonieren. Aber das ist kein Grund, anders behandelt zu werden von der Gesellschaft, sei es auf dem Gebiet der Schulpolitik bzw. Bildungspolitik, durch fehlerhafte Informationspolitik im Fernsehen durch fehlende Untertitel und Gebärdensprache oder auch im beruflichen Bereich.

Und hier lasse ich Marlee Matlin sprechen - es geht um soziale Gleichheit für alle - inklusive Menschen mit sämtlichen Behinderungen.



Die deutsche Fassung von Matlins Rede:

Was bedeutet Soziale Gerechtigkeit für Dich?
Für mich:
Es bedeutet dass jede Person jeglicher Behinderung ein Recht darauf hat, gleichberechtigt behandelt zu werden. Gleichberechtigt in den Bereichen Politik, Ökonomie / Wirtschaft oder auch Aufstiegsmöglichkeiten auf der Arbeit.

Weltweit leben 1 von 10 Menschen mit einer Behinderung, das sind fast 650 Millionen Menschen. Davon sind 3/4 im arbeitsfähigen Alter.

Welche sind zum Beispiel Ungerechtigkeiten für Menschen mit einer “behinderten Auffälligkeit”?
Behinderte Menschen haben weniger Chancen, aus der Armut auszusteigen. Behinderte Frauen sind eher von Armut betroffen als behinderte Männer sowie nicht-behinderte Frauen. In den USA verdienen Menschen mit Behinderungen wesentlich weniger als die ganzen ethnischen Minderheiten sowie sämtlichen Rassengruppen zusammen.
Mehr als 90% der behinderten Kinder in Entwicklungsländer besuchen keine Schule.

Soziale Gerechtigkeit ist für j e d e n von uns gedacht, inklusive Menschen mit Behinderungen. Und Menschen mit Behinderungen müssen in die Gesellschaft integriert werden. Sie sollen auf dem Arbeitsmarkt gleichwertig behandelt werden und brauchen Gesetze, die ihre Bedürfnisse berücksichtigen. Wir wissen aus Erfahrung, dass, wenn behinderte Menschen eine Arbeit finden, die zu ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten passen, sie ausgezeichnete Arbeitnehmer sind und einen außergewöhnlichen Beitrag auf ihrem Arbeitsplatz leisten.

Ist Soziale Gerechtigkeit möglich für alle?
Ja! – wenn wir auf jeden von uns zählen können. Das bezieht Menschen mit Behinderungen mit ein. Wenn wir alle zusammen arbeiten, helfen wir dadurch, dieses Ideal umzusetzen für Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen von Menschen auf der ganzen Welt in verschiedenen wirtschaftlichen Situationen.


Meinen besten Dank an Kerstin Braake für die Übersetzung des Videos - ich hätte das auch alleine hingekriegt, aber abschreiben ist doch viel einfacher - also ♥ Dank!

Dienstag, 27. April 2010

Hoppla, ich bin ja ein Cyborg!

Gratuliere - Sie lesen gerade das Blog eines Cyborgs.

Und der Cyborg ist nicht alleine auf der Welt.

Laut diesem Artikel "Menschen mit Tuning" in der Welt Online muss man so konsequent sein und Menschen mit Herzschrittmachern, Cochlear-Implantaten oder Beinprothesen bereits als Cyborgs betrachten. Frauen mit Brustimplantaten fallen aus diesem Schema heraus, weil sie eben keine Mischwesen sind zwischen Maschine und Mensch.

Wow, im Wikipedia-Artikel über Cyborgs lese ich, dass bereits 10 % der aktuellen Bevölkerung der USA als Cyborgs zu bezeichnen sind - die USA hat laut dem Stand von Dezember 2009 308.241.000 Einwohner, nach meinen bescheidenen mathematischen Künsten müssten 10 % davon 30.824.100 Cyborgs sein.

Mich würde es mal interessieren, wie hoch der Prozentsatz der Cyborgs in Deutschland bereits ist mit aller Technologie, die unter die Haut geht. Wenn man mal NUR die Zahlen der Cochlear-Implantationen pro Jahr nimmt, denn im Durchschnitt werden etwa 1.900 pro Jahr implantiert, damit kommt man auf zwischenzeitlich auf eine hübsche Zahl von 20.000 CI-Träger in Deutschland.

Ich bin mal gespannt, wie weit die Cyborg-Technologie gehen wird. Es gibt da einen interessanten Sportler namens Oscar Pistorius aus Südafrika, weitaus besser bekannt als der "Fastest Man on no legs" oder auch "Blade Runner. Er wollte sich für Olympia 2008 in Peking qualifzieren, aber man sprach ihm das Startrecht ab, da man durch ein unvollständiges Gutachten glaubte, er wäre im Vorteil durch seine High-Tech-Prothesen aus Karbon gegenüber den normalen Läufern. Er erhielt zwar das Startrecht nachträglich doch mit etwas Verspätung, aber er konnte sich nicht mehr ausreichend vorbereiten für die Qualifikation und blieb somit unter dem Zeitlimit dafür.
Im Januar 2009 wollte er sich für die Leichtathletik-WM in Berlin qualifzieren, aber er blieb über der Quali-Norm von 45,95 Sekunden.

Trotzdem bleibt die Frage, ob die Cyborgs irgendwann mal den normalen Erdlingen überlegen sein werden?

UPDATE vom 08.Januar 2011: Wir wissen ja jetzt alle, dass Oscar Pistorius bei der Leichtathletik-WM der "Normalos" eine sensationelle Leistung hingelegt hat. Ich hatte totale Gänsehaut bei seiner Perfomance, denn das war für mich Inklusion, er trat dort auf wie jeder andere Athlet und lieferte die gleiche Leistung ab. Er qualifizierte sich am 19. Juli 2011 in Ligano über die 400 m, die er in 45,07 sek lief. Dieses Rennen war ein Traum für Pistorius <- Bericht in der Tagesschau.
Pistorius gewann auch Silber mit der südafrikanischen Staffel über 4 x 400 m.

Da fällt mir noch ein anderer südafrikanischer Sportler ein, nämlich der gehörlose Schwimmer Terence Parkin. Er ist zwar kein Cyborg, weil er kein Cochlear Implantat hat, aber er trat bei Olympia 2000 in Sydney an und holte sensationell Silber über 200 m Brust! Das ist gelebte Inklusion, oder? Menschen mit Behinderungen und Nichtbehinderungen begegnen sich auf Augenhöhe, egal ob sie nun "angepasst" sind oder nicht.

Montag, 26. April 2010

"Rede bitte langsamer.."

Genau das bekomme ich als Gehörlose manchmal zu hören, wenn ich anfange zu reden und immer schneller quatsche, sei es aus Nervösität oder aus dem einfachen Grund, dass ich stinksauer bin, aber es kann auch sein, dass ich mich so wohl fühle, dass ich gar nicht mehr an ein normales Sprachtempo denke.

Aber natürlich sag ich das auch zu einem hörenden Gesprächspartner: "Könnten Sie/Könntest du bitte langsamer reden?" oder ich lächele einfach und mache auf kleines Mädchen: "Entschuldigung, könntest du das nochmal wiederholen bitte?"

Und Marlee Matlin hat eine grandiose Vorstellung geliefert in Desperate Housewives - und kurz sieht man auch die Problematik der CODA-Kinder (Children of Deaf Adults), sie als hörende Kinder, die die Gebärdensprache beherrschen, werden oft als Dolmetscher herangezogen für ihre gehörlosen Eltern und bekommen es manchmal mit Themen zu tun, wofür sie eigentlich noch zu jung sind.

Hier ist Marlee Matlin's Auftritt zu sehen:



Tausend dank an Not quit like Beethoven, der dieses Video fand! :-)

Montag, 19. April 2010

Die Folgen des Mailänder Kongresses von 1880

(Ich habe lange überlegt, ob ich den Artikel zu der Schulpolitik an Gehörlosenschulen am Schluss oder am Anfang meines ellenlangen Textes verlinke und nun erscheint es mir am optimalsten, diesen gleich ganz am anfang zu verlinken! Et voilà: http://www.nordkurier.de/index.php?objekt=nk.homepage&id=646353 Der Artikel zu Marion Arndt - die Fremde im eigenen Land findet sich im vorherigen Blogbeitrag: "Mittendrin statt nur dabei"
Ach du Scheiße - eben mußte ich festgestellen, dass der verlinkte Artikel offenbar nur für einen Tag vom Nordkurier online gestellt wird, aber gottseidank habe ich ein fotografisches Gedächtnis und weiß wichtige Passagen aus dem Artikel noch!)


Jetzt ist es mal an der Zeit, etwas tiefer in die problematischen Materie der Gehörlosenwelt zu steigen und es mag für Verwunderung sorgen, aber hoffentlich auch für mehr Verständnis.

Es gibt unter den Gehörlosen bildungstechnisch zwei Gruppen von Gehörlosen. Die eine Gruppe, die mit dem Schriftdeutsch keine nennenswerte Probleme hat, also auf dem gleichen Level diesbezüglich sind wie Hörende und die andere Gruppe aber hat ziemlich große Probleme, fast alles Geschriebene ist für sie Beamtendeutsch und dazu zählen in der Regel ganz normale Texte. Vor dem Beamtendeutsch verzweifelt ja nahezu fast jeder, aber wie kommt es, dass ganz normale Texte ohne Beamtendeutsch für die eine Gruppe der Gehörlosen eine gewaltige Barriere darstellen?

Trotz der hervorstechenden Eigenschaft Augenmenschen zu sein, lesen die meisten Gehörlosen ungern. Jedoch ist es aber so, dass wenn man gerne liest, automatisch zu einem besseren Wortverständnis kommt und somit die Bildung sich einem in einem größeren Maße erschließt.

Das Problem ist, dass die Bildungspolitik für Gehörlose bisher nicht weit genug vorsieht, dass die Kinder gleichzeitig auch in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Denn wie ich schon mal berichtete, sind nur etwa 15% der deutschen Sprache von den Lippen ablesbar, was daran liegt, dass im Deutschen vielfach lautsprachlich ähnliche Wörter existieren, die aber eine unterschiedliche Bedeutung haben.

Kleine Beispiele dafür: "Mutter-Butter", "Fisch-Tisch", "Greifen-Reifen", "Achtzig-hat sich".
Das kann jeder mal vor dem Spiegel ausprobieren und diese Worte aussprechen und dabei die Lippenstellungen sehen - für Ungeübte wird alles am Anfang aussehen wie ein Einheitsbrei, außer man hat eine Detailverliebtheit. ;-)

Mir fiel gerade bei der Erinnerung an den Winter da draußen noch ein Beispiel ein: "Eisberg-Eisbär" Aber mehr zum Thema "Lippenlesen - wie funktioniert es eigentlich" gibt es hier!

Aufgrund dieser Problematik können die hörgeschädigten Kinder sehr oft nicht im normalen "Aufschnappen" zu ihrem Wortschatz kommen wie normalhörende Kinder, sie müssen es sich anlesen! Aber was, wenn in der Schule die Möglichkeit den Kindern genommen wird durch den fehlenden billingualen Unterricht an den Schulen? Da können die Kinder die gängigsten Wörter sich erst gar nicht aneignen und verlieren daduch auch die Lust am Lesen, weil ihnen der Wortschatz dazu fehlt!

Das ist das fatale an der Schulpolitik für Gehörlose - es ist Schulpolitik von 1880. Der berühmt-berüchtigte Mailänder Kongress, wo beschlossen wurde, dass die Gebärdensprache verboten wird als Unterrichtssprache an Schulen. Dieses Verbot hat die Bildung der Gehörlosen wertvolle Jahre bis heute zurückgeworfen, denn es war auch gleichzeitig ein Berufsverbot für die damals unterrichtenden gehörlosen Lehrer.

Im Speisesaal meines Internats gab es mal eine Deutsch-Fördergruppe für solche Gehörlose, die Aufgabe war einen Text zu lesen und Fragen dazu zu beantworten. Eine Gehörlose hatte so eklatante Probleme mit dem Text, dass sie mich ganz hilflos ansah und gebärdete: "Was bedeutet das Wort hier: (buchstabiert im Fingeralphabet) heiraten"?
Es gelang mir ganz gut meine Fassung zu bewahren, denn es handelte sich um eine Jugendliche von etwa 16 Jahren und gebärdete ihr zurück: "Du kennst doch die Gebärde "heiraten", oder? Das bedeutet das Wort." Sie kannte die Gebärde dafür, weil sie es eben gelernt hat durch Aufschnappen, aber sie hatte nie gelernt, wie das WORT geschrieben aussieht. Jetzt brach der Damm und viele überfielen mich mit Fragen, was die jeweiligen Wörter bedeuten würden. Es waren in der Regel ganz einfache alltägliche Worte wie z.b. "Ankündigung", "erhalten", "Rabatt", "abgeben" - also solche Wörter, die einem tagtäglich in den Medien begegnen.

Im Artikel über Marion Arndt war ein Artikel über die Güstrower Landessschule für Gehörlose, die Direktorin der Schule wurde befragt, ob in Gebärdensprache unterrichtet wird. Die Antwort war sehr bezeichnend und dem Verfasser des Artikels gebührt Lob, dass er diesen Widerspruch erfasst hat: "Bei uns wird nicht in Gebärdensprache unterrichtet.." an dieser Stelle hat sich die Direktorin selbst verbessert und fügte hinzu, dass es derzeit 3 Schüler gibt, die in Gebärdensprache unterrichtet werden. Im Einzelunterricht vielleicht, um das oberste Ziel der Schule nicht zu stören: Die legen höchsten Wert darauf, dass die Kinder ablesen können und sich verständigen können. Das ist ja an sich nichts falsches, aber warum legt man dann weniger Wert auf die Bildung der Kinder?

Marion Arndt sagte selbst, dass das Unterrichtsniveau in Güstrow niedriger und einfacher war, aber an der Berufsschule war es für sie "Feierabend", weil sie einfach nicht mit dem Niveau mithalten konnte.

So sieht es aus. Das ist die praktisch-brutale Wirklichkeit an vielen Schulen für Gehörlose - langsam mehrt sich die Einsicht, dass bilingual unterrichtet werden sollte, aber bis heute ist die Gebärdensprache kein fester Bestandteil in der Lehrer-Ausbildung für Gehörlose.


Und jetzt ist dieses Jahr die internationale Konferenz zur Bildung und Erziehung Gehörloser (ICED) in Vancouver, Kanada. Die Gehörlosen Kanadas trugen dem Veranstaltungskomiteee des ICED ihren Wunsch vor, man möge auf der Veranstaltung offiziell anerkennen, dass der Beschluss von 1880 fatale Folgen auf die Bildungspolitik der Gehörlosen hatte, was sich widerum auch auf das soziale Leben auswirkte.

Ob diese Entschuldigung fallen wird oder zumindestens das Zugeständnis, dass man heute nicht nur Wert auf die Kommunikationsfähigkeit, sondern auch auf die Bildung der Gehörlosen legen wird? Wünschenswert wäre es jedenfalls!

Und jetzt sollte es auch klar sein, warum es Gebärdensprachvideos und Webseiten auf Gebärdensprache gibt - es ist der einzige Weg für diese Gruppe von Gehörlosen an Informationen zu kommen, diese Gruppe schaut sich auch ganz selbstverständlich die Nachrichten auf Phoenix mit Gebärdensprache an. Und je mehr untertitelt wird im Fernsehen, desto höher ist der Informationsgewinn für alle Gruppen der Gehörlosen, denn Untertitel stellen einfach Informationen sicher und Lesen erst recht für alle Menschen!

Für Iphone-User gibt es einen Miniwortschatz der deutschen Gebärdensprache zum Herunterladen.

Der Verlag Karin Kestner hat bereits vor einem Jahr das große Wörterbuch der deutschen Gebärdensprache auf DVD produziert und auf den Markt gebracht.

Man kann jetzt, falls man Iphone-User ist, sich 9 verschiedene Themenpakete zu je 9.99 € herunterladen, was kaum billiger ist als die DVD, aber dennoch ist das ziemlich praktisch, wenn man z.b. im medizinischen Bereich tätig ist und nur den Themenbereich Medizin braucht - unter diesem Gesichtspunkt spart man also deutlich und verbessert zudem die Kommunikation deutlich.

Und wer einfach nur mal reinschnuppern will in die deutsche Gebärdensprache, der kann sich einen kostenlosen Miniwortschatz mit 81 Gebärden herunterladen - einfach in der AppWorld den Suchbegriff "DGS" eingeben oder man klickt einfach hier:

Miniwortschatz mit 81 Gebärden for free


Ich selber kann nicht nachschauen, wie das Ganze so aussieht, weil ich ja eine stolze Blackberry-Besitzerin bin, aber dennoch stelle ich mir das sehr interessant vor für den einen oder den anderen Blogbesucher hier.

Samstag, 17. April 2010

Ipad-Fail by Apple!

Mich hat gestern die Nachricht erreicht, dass das Ipad für Gehörlose unbrauchbar ist, da die Untertitel auf dem Ipad gar nicht angezeigt werden trotz korrekter Einstellungen auf dem Ipad.

Auf You-Tube erklärt uns die Ipad-Besitzer Amy Cohen Efron, dass Apple auf diesen Mißstand aufmerksam gemacht werden sollte und bittet alle, sich an Apple zu wenden.

Ich bin gespannt, wie schnell Apple diesen Fehler beheben wird.

Freitag, 16. April 2010

Der Republica 2010 hätte ich auch gerne beigewohnt...

Sehr gerne sogar, denn alles was ich in meiner Timeline und in Blogs darüber lesen konnte, klang einfach horizonterweiternd!

Aber darauf habe ich verzichtet, weil die Re:publica 2010 eben noch nicht barrierefrei ist bis jetzt und ich es nicht leiden kann, wenn ich im Vorfeld vieles zu organisieren hätte, z.b. hätte ich versuchen müssen, den Vortragenden zu finden und fragen, ob er/sie daran denken kann, langsam und deutlich zu sprechen und mir außerdem einen Platz in der vorderen Reihe zu schnappen. Auch wenn das Cochlear Implantat geradezu als "HörendmachDingens" angepriesen wird und die Vorstellung unter Hörenden davon ist, dass man damit geradezu normalhörend durch das Leben schwebt, weil es ja soviele Erfolgsberichte darüber gibt - mit dem Cochlear Implantat bin ich bestenfalls schwerhörig und über ein freies Hörvermögen ohne Ablesen besitze ich nicht im Umgang mit Stimmen, die mir fremd sind.

Natürlich geht's dort in erster Linie um socializen - Leute kennenlernen eben und Gedankenaustausch, aber auch um das Kennenlernen neuer Ideen in den Vorträgen in einem sehr spannenden Programm übrigens.

Welche Vorträge mich interessiert hätten? Na, z.B. diese klitzekleine Auswahl hier:
"Wie soziale Medien das Fernsehen verändern"von Dr. Benedikt v. Walter & Yousef Hammoudah
"Google, Wikileaks und die Folgen" von Andreas Schmidt & Ralf Bendrath & Stefanie Sifft "Kleines Rechts-ABC für Blogs, Foren und soziale Netzwerke" von Udo Vetter
"Feministische Netzkultur" von Chris Köver & Helga Christina Hansen & Ina Freudenschuß& Rochus Wolff & Svenja Schröder
"Identitätskriege" von Christian Heller
"Sex and the Internet" von Melissa Gira Grant
"Kindernet" (betrifft den Jugendmedienschutzstaatsvertrag) von Alvar Freude
"Liebe ist für alle da" von Teresa Brücker
und einige andere wären sehr interessant für mich gewesen.

Ja und warum nehm ich nicht einfach einen Gebärdensprachdolmetscher mit? Wenn ich eins gelernt habe mit der Organisation eines Dolmetschers für meine politische Bildungsfahrt im November 2009, dann dieses: Es ist ganz schwierig für eine einzelne Person eine Kostenzusage für einen Dolmetscher zu bewilligt bekommen. Natürlich hätte ich mich eventuell mit einigen gehörlosen Personen zusammenschließen können, aber hätte das Intregationsamt verstanden, wie toll und interessant die Re:publica aufgrund ihres Inhaltes war?

Vielleicht werde ich für 2011 mal einen Aufruf starten in der Gehörlosenszene, denn ich habe gehört, dass für 2011 seitens der Organisatoren der Re:publica Livetranskription geben soll. Das wäre verdammt klasse, wenn das tatsächlich realisiert werden sollte und für die Orga habe ich einen heißen Tipp - kümmert euch doch um eine Kooperation mit VerbaVoice, den Spezialisten für Livetranskription für hörgeschädigte Menschen.

Vielleicht sieht man sich ja auf der Re:publica 2011!

Donnerstag, 15. April 2010

Es heißt nun mal korrekt so!

Worum geht's denn? Ich stelle in letzter Zeit verstärkt fest, dass in Artikeln über Gehörlosen der Beruf des Gebärdensprachdolmetschers falsch geschrieben wird: Gebärdendolmetscher.

Mir hat yewa in einem Kommentar geschrieben zum Artikel über die Blödzeitung, wo ich die Verwendung des Wortes "Gebärdendolmetscher" bereits beanstandet habe:
yewa hat gesagt…
Das Wort "Gebärdendolmetscher" mag falsch sein. Es ist aber kürzer und spart Platz ein.
Es ist einfach falsch und ich halte nichts von einer Einfalschung! (Einfalschung: man begegnet solange dem falschen Wort immer wieder in der falschen Form, bis einem die Richtigschreibung falsch vorkommt, obwohl diese korrekt ist.)

Nun ja, mir ist es schlicht egal, ob es kürzer ist und darum platzsparend ist, die Verkürzung ist in meinen Augen eine geradezu sinnenstellende Verstümmelung , da sie unter den Tisch fallen lässt, dass die Gebärdensprache eine eigene anerkannte Sprache ist.

So isses und nicht anders!

Und seufz: Der Presseartikel der Agentur für Arbeit verwendet ebenfalls Gebärdendolmetscher in einem sonst interessanten Pressetext: "Man muss sich nur mehr Zeit nehmen."

Nachtrag vom 15.März 2015: 

Es gibt den Berufsverband der Gebärdensprachdolmetscher, schon anhand dieser Bezeichnung kann man sehen, dass dies der korrekte Begriff ist.

Wenn man weiter denkt: Man sagt doch auch manchmal: "Er/Sie/Es hat sich wie verrückt gebärdet." - damit meint man aber lediglich, dass eine Person sich außer Rand und Band benommen hat, aber das hat nichts mit Gebärdensprache zu tun.

Dafür braucht es keinen Dolmetscher - nicht mal einen Gebärdendolmetscher. :-D

Also bitte benützt den korrekten Begriff Gebärdensprachdolmetscher, um klarzumachen, dass es sich um die Sprache der Gehörlosen handelt: Gebärdensprache. Und sie ist die schönste Sprache der Welt!

Kurzer Krankenhausaufenthalt und ein TO-DO für Krankenhauspersonal!

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch bin ich im Krankenhaus gelandet, weil ich plötzlich kein Wasser mehr trinken konnte, obwohl ich extremen Durst hatte. Alles Getrunkene habe ich wieder rausgekotzt mit weißem Schaum und hatte noch einige Beschwerden dazu.

Die Station war übrigens vollbelegt und so wurde ich an einer Infusionflasche hängend ins sehr geräumige Badezimmer gerollt, übrigens unter Quarantäne stehend, weil es eventuell was ansteckendes sein könnte.

Nun ja, irgendwann am Vormittag kam ein sehr junger Arzt ins Zimmer reingelatscht und es war wirklich sehr erstaunlich, dass ich sofort bei seinem Anblick wußte: "Total unsicher, null Selbstbewußtsein und bestimmt nuschelt er auch furchtbar. Er hat nur Medizin studiert, weil er ein Streber in der Schule war und sein Selbstbewußtsein mit dem tollen Image eines Arztes aufpolieren wollte." Das alles hat mir seine Körperhaltung gezeigt, er war sehr groß, aber auch sehr schlaksig und lief etwas vorübergebeugt. Seine Gesichtzüge waren auch sehr weich, große gleichmässige volle Lippen und unentschlossene Augen. Und meinen Hintern hätte ich darauf verwettet, dass er noch bei seiner Mutter daheim wohnt.

Sein Namensschild wies ihn bereits als leitenden Stationsarzt aus, hier hatte ich also die erste Bestätigung für die Strebervermutung. Er warf ein Blick auf meine Patientenakte und sah die Anmerkung, dass ich schwerhörig bin. Der Arzt sank sofort noch mehr in sich zusammen und ich las auf seiner Stirn: "Oh Gott, was jetzt mit der Kommunikation?" Es war eine Situation für ihn, auf die er gar nicht vorbereitet war und auf die er sich auch gar nicht reagieren konnte, weil ich an ihm irgendwie keine Empahtie ablesen konnte. Er hatte mich durch den Hinweis "schwerhörig" auf der Akte einer Kommunikation für nicht würdig befunden und bemühte sich auch gar nicht, die Situation zu verbessern. Kurzes Händeschütteln und ich wurde nach nuschelnd-verschwommen nach meinem Befinden gefragt. Ich gab brav Auskunft und der Arzt ordnete Schonkost an und sagte, man wisse noch nicht, was ich denn hätte und ging wieder aus dem Zimmer raus.

Mit den Krankenschwestern war die Kommunikation überhaupt kein Problem, die waren richtig nett. :-)

Da an meiner Türe ein Schild hing, dass man erst das Zimmer betreten dürfe, wenn man mit dem Arzt oder der Stationsleitung gesprochen hat, kam meine Mutter auch in den "Genuß" einer Unterhaltung mit dem besagten Arzt und sie war ebensowenig angetan von ihm wie ich. Die Richtigkeit der Vermutung mit "Hotel Mama" konnten wir leider nicht herausfinden, aber ich gehe davon aus, dass es so ist.

Wäre meine Mutter übrigens anwesend gewesen während der Visite, hätte er mich garantiert total ignoriert und die Kommunikation über sie laufen lassen. Dieses Verhalten generell ist ein sehr häufiges Phänomen, womit Gehörlose/Schwerhörige oder Menschen mit Behinderung zu kämpfen haben in solchen Situationen mit einer Begleitperson. Sogar Dolmetscher berichten darüber, dass die Kommunikation oftmals so läuft, dass man in der Regel eher den Dolmetscher anspricht als die Person, um die es in Wirklichkeit geht.

Ich bin wirklich froh, dass ich kommunikationstechnisch nur in richtigen Ausnahmefällen wie z.b. auf der Berlinreise einen Dolmetscher benötige und sonst nicht.

Und für alle Ärzte, die hier mal auf das Blog gucken, habe ich einen wertvollen Tipp, nämlich ein Video, wie man sich richtig verhält und die Kommunikation verbessern kann im Umgang mit schwerhörigen/gehörlosen Patienten:

http://diegesellschafter.de/video/film.php?uk=3tphb4yx0ndjm&z1=1271321502&z2=9bd76aa3a0c1ec311e370af931867d06&

Dienstag, 13. April 2010

Taubes aus der Tierwelt

Natürlich gibt es auch taube Tiere, warum denn auch nicht?

Bei der Hunderasse Dalmatiner z.b. ist die Gefahr, dass der Nachwuchs taub wird, ziemlich hoch, etwa 20% bis 30%, was dazu führt, dass die tauben Tiere eines Wurfes oft einfach eingeschläfert werden, weil ein Zuhause für sie schwerer zu finden ist. Zur Bekämpfung der Taubheit dürfen daher nur noch beidseitig hörende Dalmatiner verwendet zur Zucht verwendet werden, aber dennoch kann die Taubheit nie ganz ausgeschlossen werden.

Zum Beispiel gibt es eine Rückgabeklausel beim Kauf eines Hundewelpen, dass man den bei Taubheit zurückgeben kann. Doch was würde mit dem Welpen passieren? Genau das ist Angelika Schweitzer mit ihrer Dalmatinerhündin Jola passiert - sie konnte sie nicht einfach zurückgeben und versuchte ein ungewöhnliches Experiment mit der Ausbildung von Jola zum Rettungshund, Sparte Personenspürhund mantrailing.

Jola war sehr erfolgreich in ihrem Beruf, ihre Taubheit spielte überhaupt keine Rolle bei der Arbeit. Bei den Amerikanern hatte sie den Spitznamen "little spotted bloodhound".

Warum war? Jola lebt nicht mehr. Sie starb kürzlich und ihre Besitzerin hat einen sehr bewegenden Nachruf über Jola geschrieben, der sich hier findet:

http://www.einfach-taub.de/

Auch hat sie vor einigen Jahren ein Buch über die Zeit mit Jola geschrieben, welches sich ebenfalls auf der Homepage befindet inklusive einer Leseprobe!

Wenn mit einem Hund per Gebärdensprache kommunzieren kann, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann mit meinem alten Hund, warum dann auch nicht mit einem Fuchs?

In England wurde eine 18 monatige alte Füchsin nach einer dramatischen Hetzjagd durch aggressiven Jugendliche mit Schnittwunden und weiteren Verletzungen aufgefunden. Die Findefamilie konnte die verletzte Füchsin aber nicht selbst pflegen, außerdem hat man auch schon bereits erkannt, dass die Füchsin taub ist. Welche Möglichkeit lag da näher, die Füchsin zu einer Wildtierexpertin zu bringen, die zufälligerweise selbst auch gehörlos ist wie die Füchsin?

Nun hat Milly ein Zuhause bei Beth Tyler-King und folgt ihrem neuen Frauchen auf deren Handzeichen. Der Tierarzt hat mittlerweile auch bestätigt, dass Milly tatsächlich nicht auf akkustische Reize reagiert, also wirklich gehörlos ist.

Milly liebt übrigens geriebenen Käse, Coco-Pops und sieht gerne fern, außerdem versteht sie sich prächtigst mit den Hauskatzen. Nein, Füchse sind biologisch nicht verwandt mit den Katzen, auch wenn man meinen sollte, dass der Fuchs durch seinen prächtigen Fuchsschwanz eine Gemeinsamkeit mit dem Luchs aufweist, welcher wirklich zur der Familie der Katzen gehört, also ist diese Freundschaft zwischen Hauskatzen und der Füchsin Milly wirklich was besonderes!

Die Fotos von Milly finden sich übrigens hier zum Anklicken.

Happy Birthday!

Dieses Blog ist heute genau 1 Jahr alt und umfasst 165 Blogeinträge - vieles privates, aber auch viel kritisches aus meiner Welt.

Manchmal war es für mich nicht gerade einfach so sachlich zu schreiben, so dass der Blogeintrag wirkungsvoller wurde, gerade bei der Kritik an dem Zeit-Artikel oder über die bevormundeten gehörlosen Eltern, aber auch wenn es eine Anekdote aus meinem Leben ging. Ich hoffe, diese Gratwanderung war lesenswert für euch.

Und damit es auch so bleibt, habe ich mir darum etwas besonderes einfallen lassen für die nächsten Blogeinträge, haltet also die Augen auf! :-)

Freitag, 9. April 2010

Neues zu den den amerikanischen Mißbrauchsfällen an den gehörlosen Jungen

In den USA hat der Anwalt Jeff Anderson als einer der Ersten das ganze Ausmaß des sexuellen Mißbrauchs in der katholischen Kirche erkannt und bekämpft sowie den Opfern in den letzten 20 Jahren bereits Dutzende Millionen Dollar an Schmerzensgeld erstritten.

Aber es reicht ihm noch nicht - am liebsten würde er den Papst vor Gericht befragen, aber das wird leider nicht möglich sein, da der Papst als Staatsoberhaupt der Vatikanstadt Immunität geniesst. Trotzdem denkt Anderson nicht daran aufzugeben, denn Rom ist angreifbar geworden.

Nach der Darstellung der Wochenzeitung "Die Zeit" hat nämlich der damalige Sekretär der Glaubenskongregation, Tarcisco Bertone, der von 1995 - 2002 als dieses Amt ausübte und nicht der damalige Präfekt der Glaubenskongregation in den Jahren 1981- 2005, Joseph Ratzinger bzw. der heutige Papst Benedikt, die Aufklärung im Mißbrauchskandal um den US-Priester Murphy 1998 gebremst, da Bertone von einem Kirchenprozeß abriet. Der Skandal ist minimal kleiner als gedacht, denn vor 1965 war der Papst automatisch selber Präfekt.

Jedoch ist es hochinteressant, das Bertrone im Vatikan Magazin in der 4. Ausgabe von 2007 als die rechte Hand von Papst Benedikt bezeichnet wird - er hat ja auch seit 2003 die Stellung des Camerlengos inne und ist seit 2006 gleichzeitig auch Kardinalstaatsekretär.

Ob Anderson Bertone zu Fall bringen kann? Erst am 22. Januar 2010 wurde dieser im Amt des Kardinalsekretärs bestätigt. Ich konnte zuerst nichts darüber finden, ob ein Camerlengo oder der Kardinalstaatsekretär die gleiche Immunität wie ein Staatsoberhaupt, Diplomat oder Politiker geniesst, aber da hat mir Wikipedia im Artikel über die Vatikanstadt weitergeholfen. Dort wird nämlich gesagt, das Bertone der Regierungsschef und der Papst das Staatsoperhaupt seien, also ist doch eine politische Immunität vorhanden. :-(

Aber dieser Sonderstatus kann ja auch abgesprochen werden, das hat man sogar im Fall Berlusconi gesehen.

Ich bin gespannt, wie erfolgreich Anderson und alle andere Anwälte sein werden, die die Opfer des sexuellen Mißbrauches durch die Kirche vertreten werden.

Hier ist der Artikel zu Anderson

Hat Bertone den Mißbrauchskandal vertuscht?





Die BLÖD-Zeitung ist lernresistent!

Heute ist in der BILD ein Artikel über den Prozeß zwischen einem gehörlosen Ehepaar erschienen, der Mann wird beschuldigt, seine Frau so übel zugerichtet zu haben, so dass ihr Kopf zu 50% zerstört wurde.

Bild-Artikel aus der Region Köln zum Prozeß

Immerhin ist in der Bild nicht die Rede von Taubstummen, das ist schon mal ein enormer Fortschritt, aber dennoch hat sich ein eklanter Fehler in den Artikel eingeschlichen - der Gebärdensprachdolmetscher wird als Gebärdendolmetscher bezeichnet - das wäre doch so leicht zu ergooglen gewesen. Oder hat die Bild etwa ein hauseigenes Wörterbuch, wo einiges ziemlich falsch darin steht?

Und bitte, was hat das andere Ehedrama, worauf im Artikel verlinkt wird, mit dem gehörlosen Ehepaar zu tun? Ach, ich habs - die Bild sieht da eine Gemeinsamkeit, da sie den Gehörlosen-Prozeß als Gehörlosen-Drama bezeichnet! Auf diese Gemeinsamkeit muß man erst mal kommen...

Ach übrigens, für euch Medienschaffende habe ich noch einen anderen interessanten Link in petto:

Ein wichtiger Hinweis an die Medienbranche

Ich bin mal gespannt, ob der Fehler im Bild-Artikel beseitigt wird...

Update von 10:00 h: Sogar der Kölner Stadtanzeiger schreibt in seinem Artikel von einem Gebärdendolmetscher!

Artikel aus dem Kölner Stadtanzeiger

*seufz* Aber was ich mich nun frage aufgrund der höheren Informationsdichte des Stadanzeigerartikels - wer hat nun von wem abgeschrieben? Ich vermute mal stark, dass die Bild abgeschrieben hat, aber eigentlich ist es ja egal, wer von wem abgeschrieben hat, der Fehler bleibt der gleiche.

Donnerstag, 8. April 2010

Taub oder blind?

Gestern Abend wurde ich auf Twitter auf das Blog von Jürgen Siebert aufmerksam gemacht, da er in den "Genuß" kam für einige Tage fast vollständig taub sein zu dürfen und darüber einen interessanten Blogeintrag schrieb, der sich hier findet:

Taub oder blind?


Von meiner Warte aus war das schon sehr interessant zu lesen, denn ich kenne diesen Zustand von Geburt an und eine Mischung aus Wut und Resignation machte sich bereit aufgrund der erzählten Aussage eines Professor für Biophysik, dass das Ohr das wichtigste Sinnesorgan des Menschen seie und überhaupt könnten Blinde ganz normale Berufe ohne Probleme ergreifen - sicher sind Blinde nicht in dem Maße wie Gehörlose von der Kommunikationswelt ausgeschlossen, aber auch sie sind berufetechnisch etwas eingeschränkt oder haben Sie bereits mal von einem blinden Optiker gelesen? Weiter erzählte er, dass Gehörlose das Sprechen und Denken, was laut ihm ohne Gehör ja nicht geht, mit ganz speziellen Methoden erlernen und stets trainieren müssten.

Holla, die Waldfee - da mußte ich einen energischen, aber hoffentlich dennoch sympahtischen Kommentar hinterlassen im Blog:

"Guten Abend allerseits,

da möchte ich doch mal energisch widersprechen, was die Meinung des Professors über die Taubhheitangeht, denn damit bin ich nicht ganz einverstanden, weil es eben nicht die volle Wahrheit ist.

Die Wahrheit ist wie immer etwas komplizierter angesiedelt. Wieso sollten taube Menschen nicht ohne spezielles Training denken können? Versteh ich nicht – und das sag ich als Gehörlose von Geburt an. Aber ein Teil davon stimmt: Die Artikulation muss geübt werden . Muss man sprechen können, um zu denken? Mit dieser Argumentation spricht der werte Herr Professor auch sämtlichen Tieren die Fähigkeit zu logischen Handlungen ab.

Blinde haben es etwas leichter als Gehörlose in der Arbeitswelt, aber sie sind auch gehandicapt – allerdings haben sie den Vorteil, dass sie aufgrund ihrer funktionierenden Ohren nicht vom der akkustischen Kommunikationswelt ausgeschlossen sind und optisch fallen die Accesoires der Blinden viel mehr auf: Blindenstock, Blindenhund, Blindenarmband.

Für jemanden, der es NICHT gewohnt ist, nicht hören zu können, MAG die Welt still und gefährlich erscheinen, weil die Geräusche fehlen und die Augen die unzähligen Informationen erkennen können, die für Gehörlose selbstverständlich sind.

Und ja: Gehörlose dürfen Autofahren!

Ich würde jetzt saugerne noch mehr schreiben, aber das würde ellenlang werden und daher bitte ich einfach mal ganz lässig einfach auf meine Blogadresse zu klicken und selbst die Informationen zu erlesen! :-)"

Wie schon mal an anderer Stelle erwähnt, liebe ich es ganz lässig auf mein Blog zu verweisen und jetzt bin ich auch in der glücklichen Lage, auf einen interessanten Blogeintrag von mir zu verweisen können, wo ich bereits die gravierendsten Unterschiede zwischen der Blindheit und der Taubheit herausgerabeitet habe:

Furchtbarer Artikel in der Zeit - Meine Meinung dazu!

Vielleicht liest ja der erwähnte Professor für Biophysik ja mal meinen Blog und verbessert seine eigene Meinung über Gehörlosigkeit im Allgemeinen, aber zum Troste sei ihm gesagt, dass er ärztetechnisch vor allem nicht alleine mit dieser veralteten Meinung dasteht! Ärzte sind sehr oft zu optimistisch informiert seitens der CI-Industrie oder desinformiert.

Und es freut mich, dass mein Blog gern gelesen wird! :-)

Freitag, 2. April 2010

Neues von Marlee Matlin

Über die gehörlose Schauspielerin Marlee Matlin habe ich in der Vergangenheit schon mehrmals gebloggt - in Europa ist sie bekannt geworden durch die Darstellung der gehörlosen Sarah in "Gottes vergessene Kinder", wofür sie 1987 zuerst den Golden Globe und dann den Oscar erhielt.

Die Blog-Beiträge über Marlee Matlin finden sich hier:

Gottes vergessene Kinder

Können Gehörlose tanzen?

Eine kleine, aber wichtige Randnotiz: Marlee Matlin hat es sogar geschafft in der Serie "The L-World - Wenn Frauen Frauen lieben" für 2 Jahre die Rolle der Jordi Lerner zu spielen, dort stellte sie eine gehörlose lesbische Bildhauerin dar - das war überhaupt die erste solche Rolle der Fernsehgeschichte.

Nun hat Marlee Matlin sich als Dokumentarfilmerin an ein Thema gewagt, welches ihr von Haus aus liegt: Sie wollte das Leben einer gehörlosen Familie in einer Fernsehserie darstellen, die Produktion hat sie aus eigener Tasche vorfinanziert. Was für mich aber die größte Überraschung in dem ansonsten gehörlosenfreundlichen Amerika ist, ist dass die Produzenten den Pilotfilm klasse fanden, aber die Befürchtung hegten, dass sich zu wenige Hörende sich für das Thema begeistern könnten und lehnten ihn ab. Eine solche Reaktion hätte ich eher aus Europa erwartet, aber aus den USA?! Schon seltsam, aber Marlee Matlin hat sich nicht entmutigen lassen und den Film nun auf YouTube online gestellt.

Die gehörlose Familie in der "Reality Show" besteht aus 6 Familienmitgliedern, wovon 4 gehörlos sind außer dem ältesten Sohn Jared und dem jüngsten Sohn Elijah. Die Eltern sind beide gehörlos, der Vater aber wurde oral erzogen und kam erst im Teenageralter zur Gebärdensprache. Die CODAS (Child(ren) of Deaf Adults/Kinder von gehörlosen Erwachsenen) sind stolz auf ihre Eltern, aber manchmal wäre es schon einfacher, wenn diese auch hören könnten.

Die Reality Show heißt "My deaf family" und zeigt nicht nur "Deaf ist beautiful" sondern auch ungeschönte Problematik vom Nichthören.

Gelegentlich ist Marlee Matlin auch in der Reality Show zu sehen, aber eher am Rande als Moderatorin.

Hier ein Interview mit Marlee Matlin über ihre Reality Show in Englisch

Hier geht's zum Pilotfilm "My Deaf family" auf Youtube

Ich gucke mir jetzt den Film an und werde dann einen Nachtrag hier verfassen! :-)

Nachtrag: Hab mir das jetzt angeschaut und mir gefällt der Pilotfilm sehr, weil er eben sehr ungeschönt ist.