Montag, 28. September 2009

Kleine Urlaubsanekdote aus der Dom. Rep!

Mein Virus bestand darin, dass ich Bauchweh hatte und ich bei jedem Versuch Flüssigkeit zu mir zu nehmen kotzen musste.

Angefangen hatte die Krankheit aber schon im in der Wartehalle in Paris. Hätte die dämliche Air France net die glorreiche Idee gehabt streiken zu müssen, wäre ich erst gar nicht krank geworden. Halsweh, Kopfweh und Schuettelfrost den ganzen Flug über.

Keine gute Sache und an Schlaf war kaum zu denken. Und wenn doch, dann träumte ich ständig das gleiche in einer Endlossschleife. Und es waren nicht mal besonders schöne Träume. "Und taeglich grüßt das Murmeltier!"

In der Dom Rep. angekommen war ich die einzige die mit einer dicken bunten Wollstrickjacke rumlief. Sehr exotisch, aber mir war hundeelend.

Es folgte eine endlos scheinende Nacht mit noch mehr träumenden Endlosschleifen.
Am nächsten Morgen hatte ich Bauchkrämpfe, als wuerden meine Eingeweide sich ständig verknoten und entknoten, aber bisher kam noch nix.

Dann war Arztbesuch angesagt. Sehr junger Arzt. Gutaussehend. Sehr vorsichtig. Er hat mir eine Spritze in den Allerwertesten verpasst. Kurz davor hat er mich gefragt wie alt ich bin. Als ich sagte, ich seie 27, war ihm das Erstaunen doch deutlich anzumerken und er sagte auch, dass ich viel jünger aussehen wuerde.

Die Spritze hat ein paar Stunden gewirkt. Ich verliess kurz das Arztzimmer, um was zu trinken. Grosser Fehler. Ganz grosser Fehler, obwohl lebensnotwendig. Ich begann im Arztzimmer zu würgen und geistesgegenwärtig hielt mir der junge, liebenswürdige Arzt den Papierkorb entgegen. Habe ich schon erwähnt, dass er gut aussah?
Ich kotzte weissen Schaum. Ich kam mir vor wie eine tollwuetige Huendin.

Nach dem Kotzen ging es mir besser und Tabletten bekam ich mit auf den Weg...

War damit das Ende der Kotzerei angesagt? Schön wäre es gewesen! Ich lag also im Bett und schwitzte die Laken voll und fing bei jeder Flüssigkeitsaufnahme an zu weißen Schaum zu kotzen. Am nächsten Tag gestellte sich noch Sprühnebeldurchfall allererster Güteklasse und noch dazu hatte ich fast 40° Grad Fieber. Im Krankenhaus wurde mir dann von einer Schwester der Zugang gelegt und der Klinikarzt war ebenfalls überrascht über mein Alter - er scherzte, dass er den Kinderarzt schon holen wollte. ;-) Außerdem hätte ich schöne Augen. *hihi*

Ich lag dann in einem Einzelzimmer und mußte irgendwann dringend aufs Klo, der Rollwagen, an dem der Tropf hing, war bisschen langsamer als ich und so riss ich mir auf dem Klo den Zugang raus, was ein Blutbad im Bad zur Folge hatte. Glücklicherweise habe ich überhaupt kein Problem damit, Blut zu sehen, was mich jetzt fragen lässt, was Frauen eigentlich machen, die damit ein Problem haben und ihre Tage haben?

Ich hab dann nach den Schwestern geklingelt, die mir dann an der anderen Hand den Zugang neu legten und so konnte ich schlafen gehen.

Am nächsten Morgen kam eine Ärztin rein, begleitet von einer Pressesprecherin, die der deutschen Sprache kundig war. Die Ärztin, übrigens auch noch eine sehr junge, wollte übrigens gar nicht glauben, dass ich nicht hören kann und nach einem Test hat sie es auch endlich geglaubt. Auf meine Nachfrage, wieso sie mir das nicht geglaubt hat und ob die Gehörlosen in der Dom. Republik nicht reden könnten? Sie hat bestätigt, dass diese kaum reden und sich eigentlich nur über die Gebärdensprache
verständigen.

Der Urlaub wurde doch sehr schön trotz des miesen Start und noch heute vermisse ich die wilde Schönheit der Insel!

Mittwoch, 23. September 2009

CI-Werbefilm auf YouTube gefunden!

Der Film zeigt ein Elternpaar am Generalkrankenhaus in Wien, wo auch in großem Umfang das Cochlear Implantat (CI) implantiert wird.

Ich habe ja nichts gegen die Einstellung der Eltern von Sophie, aber mir gefällt es nicht, was die Mutter sagt:"Wenn mich heute Eltern von gehörlosen Kindern fragen, ob sie ihr Kind operieren lassen sollen, dann kann ich nur sagen: Schaut euch Sophie an, sie ist sprachlich ganz normal entwickelt, also es ist einfach der beste Weg."

Etwas später sagt sie noch, dass sie froh ist, dass Sophie das CI hat und auch wie ein normal hörendes Kind spricht und auch so entwickelt ist.

Etwas misslungen, der Satz! Könnte man in diese Richtung verstehen, dass gehörlose Kinder ich ohne ein CI nicht richtig entwickeln. Die Mutter vergisst total, das Sophie bei Abnahme des CI's taub ist und es auch bleiben wird. Was ist im Schwimmbad? Oder in anderen Situationen wie beim Sport, wo das CI Schaden nehmen könnte?

Außerdem kommt es auf viel mehr Faktoren an, ob die Implantierung zufriedenstellend verlaufen wird - man kann einfach nicht ein Kind zeigen und sagen :"Seht her, lasst eure Kinder operieren, der Erfolg ist garantiert." Niemand hat in dem Film gesagt, dass es im optimalsten Fall so laufen KANN wie bei Sophie.

Was ich auch noch interessant finde: Die Medizinische Hochschule Hannover taucht auf der Landkarte im Clip nicht auf - oder wurde sie etwas zu tief auf der Karte angezeigt? Die Medizinische Hochschule Hannover ist international bekannt für das weltweit größte Cochlear-Implantat-Programm.

Die Diskussion um das Cochlear Implantat wird immer ein Brennpunkt bleiben und Grabenkämpfe auslösen - beide Seiten müssten sich hier noch mehr in der Kommunikation miteinander üben.

Dienstag, 22. September 2009

Dialekt total!

Spaziergang mit 5 Hunden und Tante sowie deren Schwester.

Wieder mal führt Maja den Vorführeffekt von ihrem Gehorchsam prächtig vor oder lag es daran, dass sie äußerst bestechlich ist, sprich: "Keine Leckerlis zur Hand!"?!

Ich schimpfte sie lachend: "Du total verzogene Göre" und sah meine Tante und deren Schwester sich kringeln vor Lachen, nahm aber an, dass sie über den Vorführeffekt lachten.

"Du redest normalerweise gar keinen Dialekt, aber das Wort "total" sagst du total schwäbisch."

Das zu hören war ziemlich interessant, denn wer mich kennt, weiß dass ich öfters ohne CI unterwegs bin als mit - dass sich der Dialekt bei mir bei dem einen Wort so durchschlägt, hätte ich nicht gedacht.

Wie sich mein Gehirn diese Aussprache gemerkt hat? Mir schleierhaft.

Montag, 21. September 2009

ABI? ABI!

Nein, kein Abitur, sondern ein Hirnstammimplantat verbirgt sich hinter dieser Abkürzung: Auditory Brainstem Implant.

Gestern bekam ich eine sehr interessante Mail von einem ABI-Träger, der schon öfters mal hier seinen Senf per Commentarfunktion abgeben wollte, was aber nicht klappen wollte - die Ursache dafür habe ich immer noch nicht rausgefunden - und das eben nun per Mail getan hat!

Es war wirklich sehr interessant und ich wußte zwar schon seit längerer Zeit vom ABI, aber es war bei mir in Vergessenheit geraten, weil es eben nicht so populär ist wie ein Cochlear Implantat. Auch wegen der Richtlinie, dass ein ABI erst ab dem 15. Lebensjahr implantiert werden kann.

Der Unterschied zwischen dem ABI und dem CI ist, dass beim ABI der Hörkern direkt elektrisch stimuliert wird - beim CI wird das Innenohr elektrisch stimuliert.

Wikipedia hier hilft ganz schön weiter: ABI - Hirnstammimplantat

Ganz schön verrückt, was die moderne Medizin alles kann, was?

Sonntag, 20. September 2009

Ausbeute der deutschen Athleten bei den Deaflympics

Seit einigen Tagen sind die Deaflympics schon zu Ende und ich habe es ganz versäumt von der Medaillenausbeute zu berichten!

Ingesamt gab es 3 Goldmedaillen, 8 Silbermedaillen und 12 Bronzemedaillen für die deutschen Athleten - bei den Deaflympics vor 4 Jahren in Australien war man zwar erfolgreicher, dieses Jahr war die Konkurrenz etwas stärker.

Es gibt ein interessantes Video, woraus ersichtlich wird, das die gehörlosen Athleten in anderen Ländern stärker gefordert und auch stärker belohnt werden für eine Medaille:

Interview mit dem Präsidenten des deutschen Gehörlosen Sportverbandes.

Samstag, 19. September 2009

Die moderne Medizin kann vieles, aber nicht alles!

Einem gehörlosen oder schwerhörigen Menschen sieht man seine Behinderung nicht an, einem sehbehinderten Menschen schon.

Eine leichte Sehbehinderung kann durch eine Brille ganz gut ausgeglichen werden und ist auch gesellschaftlich gesehen sogar ein schickes Accessoire geworden.

Bis heute dachte ich, es sei leichter eine Taubheit zu "reparieren" mittels einem Cochlear Implantat, natürlich kommt es auf dem Menschen und sein Umfeld an, wie gut die Reperatur gelingt, als eine Blindheit zu reparieren.

Ich habe mich wohl geirrt - die moderne Medizin hat einer Blinden durch das Einsetzen eines Zahnes mit einer künstlichen Linse in ihr Auge tatsächlich ihr Augenlicht wieder herstellen können! Es wird berichtet, dass die Blinde nach 9 Jahren Blindheit wieder so gut sieht, dass sie sogar lesen kann.

Blinde kann dank Zahn im Auge wieder sehen

Der Anblick des getunten Auge ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig, geht wohl nicht nur mir so, aber warum hat man eigentlich keinen künstlichen Augapfel nehmen können? Vielleicht weil der Zahn nicht abgestoßen werden kann?

Die Frau wird jetzt immer sehend sein, aber jemand der sich ein Cochlear Implantat verpassen lässt, wird immer taub oder schwerhörig bleiben. Die Fähigkeit zum Hören ist also viel größeres Wunderwerk - bis heute hat man die Hörfähigkeit nicht naturgetreu widerherstellen können.

Klar, ein Ertaubter wird in den meisten Fällen sagen, dass sich das Hören mit dem Cochlear Implantat sich wie früher anhört, aber doch nur, weil das Gehirn die Hörinformationen bereits abgespeichert hat und diese Erinnerung wieder anzapft - nicht das Implantat sorgt für das Gehör - sondern das Gehirn!

Ein Ertaubter kann also wohl nicht sagen, ob das Implantat WIRKLICH naturgetreu arbeitet.

Mich freut es für die Frau, dass sie wieder lesen kann und Sonnenaufgänge wieder betrachten kann.

Aber was das Cochlear Implantat und die Arroganz der modernen Medizin in der Gehörlosenkultur angerichtet hat, kann man nur schwer beschreiben.

Die Gehörlosenwelt ist eine eigene Kultur mit einer eigenen Sprache - keine andere Behinderung hat eine eigene Sprache hervorgebracht. Und keine andere Behinderung ist eigentlich so unproblematisch wie die Schwerhörigkeit/Gehörlosigkeit, denn wir sind gesund. Wir können halt alles, außer Hören.

Die Gehörlosigkeit/Taubheit wird aber von der Gesellschaft zu einem Makel gemacht, den es auzumerzen gilt mit Hilfe des Cochlear Implantats.

Ich kenne Fälle von gehörlosen und hörenden Eltern, denen man nahegelegt hat, sie sollten ihre gehörlosen Kinder implantieren lassen - sogar mit Androhung des Sorgerechtverlustes!

2006 war ich für eine Woche an der MHH Hannover untergebracht, weil ich eine etwas problematische Mittelohrenentzündung hatte, die einfach nicht verschwinden wollte und traf dort auf einen kleinen gehörlosen Jungen im Alter von 2 Jahren.

Der Kleine war wirklich sehr süß und echt witzig - ich fand heraus, dass er und sein Zwillingsbruder im Kinderheim leben. Beide hatten einen etwas schwierigen Start ins Leben, wurden zu früh geboren, daher resultiert auch die Gehörlosigkeit des einen Zwilings und seine anfänglichen Motorikprobleme, sein Bruder hat aber sonst keinen bleibenden Schaden abbekommen.
Der Junge war zur Vorsorgeuntersuchung auf ein Cochlear Implantat dort - die Betreuerin vom Jugendamt meinte, dass er dann bessere Chancen hätte auf eine Vermittlung in eine Pflegefamilie oder auf eine Adoption. Das Problem wäre, dass die Mutter eine Adoption der beiden bis heute nicht zugestimmt hätte und sie daher lediglich in eine Pflegefamilie kommen würden.

Aber welche Pflegefamilie würde schon einen gehörlosen Jungen wollen? Das war die Einstellung der Betreuerin, was mich traurig und wütend werden liess.

Der Kleine wurde für geeignet befunden und ist wohl implantiert worden. Heute frage ich mich immer noch manchmal, was aus dem Kleinen geworden ist. Haben sich seine Chancen tatsächlich verbessert in dem man ihn der Gesellschaft angepasst hat?

Ich wünsche es ihm so so sehr.

Warum kann die Gesellschaft nicht sagen, dass Behinderungen keine Behinderungen sind, sondern eine Gelegenheit sind, die eigene körperliche Unversehrtheit zu schätzen und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen selbstverständlich werden zu lassen?

Versteht mich nicht falsch, ich finde es nach wie vor nicht schlecht, was die moderne Medizin alles kann, aber es muss auch eine Anpassung andersherum stattfinden!

Mittwoch, 16. September 2009

Deutschland, Deutschland - du Weltmeister

im Aussortieren von Menschen mit Behinderungen!

Vor einiger Zeit fand ich einen Artikel, der die Überschrift trug: "Deutschland - Weltmeister im Aussortieren von behinderten Menschen." Leider finde ich diesen Artikel nicht mehr, aber ich gebe die Suche nicht auf.

Inzwischen stiess ich auf einen anderen Artikel:

Integrationsschule: Ausgessondert auf zeit.de

Der Artikel ist ziemlich gut und er hat am Schluss einige interessante Links.

Aber nicht nur schulisch sondert Deutschland Menschen mit Behinderungen aus, sondern auch informationstechnologisch. Wie schon mal erwähnt, haben die Parteien des Bundestags zwar Gebärdensprachvideos online gestellt - 7 Jahre nach der Anerkennung der Gebärdensprache 2002 scheint sich das so langsam durchzusetzen, aber leider wird die Untertitelung zu 99% vergessen.

Auch den Blinden wird der Weg zu wichtigen Informationen erschwert oder abgeschnitten. Der BITV-Test vom Projekt BIK hat ergeben, dass die Websites der Parteien wie CDU/CSU, Grünen, FDP nur erschwert für Behinderte zugänglich ist. Wörtlich heißt es in dem Artikel:"Die Testergebnisse der CDU, FDP, Linkspartei und der Grünen sind so schlecht, dass davon ausgegangen werden muss, dass die Zugänglichkeit für behinderte Nutzer bei der Entwicklung der Parteienauftritte überhaupt keine Rolle gespielt hat. "

Einzig der Internetauftritt der SPD wurde mit "gut" bewertet.

Websiten der CDU/CSU, Grünen und FDP sperrt Menschen mit Behinderung aus.


Warum ist das so, dass der Zugang an Informationen für behinderte Nutzer im Internet und anderswo erschwert ist oder nur teilweise möglich ist?

Ganz einfach: Inklusion, also das normale Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten von Kindesbeinen an im Alltag findet in Deutschland kaum statt und damit auch keine Auseinandersetzung und eine Selbstverständlichkeit im Miteinander.

Bahnhöfe sind oft nicht rollstuhlgerecht, das ist bekannt - da wurde eine ziemlich blöde Richtlinie erschaffen, wieviele Ein- und Ausstiege ein Bahnhof haben muss, damit dieser mit einem Aufzug oder einer Rampe versehen wird. 1000 am Tag müssen es sein!

133 Millionen Euro haben der Bund, die Länder und die Bahn bereitgestellt, damit die Bahnhöfe saniert werden. Nur haben Behinderte oder Mütter mit Kinderwagen nicht oft etwas davon.

Steht alles in diesem Artikel: http://www.wdr.de/themen/verkehr/schiene/bahn/modernisierung/080617.jhtml

Gestern habe ich mir die Sendung "Quarks & Co" angeschaut, Thema der Sendung war "Was Karten verraten und wie sie lügen". Allein der Titel hat mich schon sehr neugierig gemacht und die gesamte Sendung war wie immer sehr gut gemacht und ich wollte das Sendungsthema eigentlich gesondert bloggen, aber es passt gerade so gut zu dem, was falsch läuft in Deutschland im Bezug auf den Umgang mit Menschen mit Behinderung.

http://www.wdr.de/tv/quarks/videos/uebersicht.jsp?medium=webtv
Der WDR hat übrigens ein ganz tolles Angebot: Web-TV mit Untertiteln und Gebärdensprachdolmetscher! Zwar nicht für alle Sendungen, aber für sehr viele Sendungen und ich nutze dieses Angebot auch sehr gerne.

Also, das Thema der Sendung war also "Karten". Heutzutage ist das altbekannte Streitthema zwischen Weiblein und Männlein dank dem Navigationssystem aus der Welt geschaffen. Aber was ist, wenn du im Rollstuhl sitzt und nicht alle Straßen rollstuhlgeeignet sind, so dass du nicht selbstbestimmt zu wichtigen Orten kommen kannst?

Da haben Freiwillige der Stadt Bonn die Stadt vermessen und mit einer Rollstuhlfahrerin die Routen beurteilt nach Geländefähigkeit für Rollstuhlfahrer und die Daten in OpenStreetMap eingetragen.

Ein schönes Projekt und ein großes Lob an die Freiwilligen, die diese Arbeit auf sich genommen haben und werden!

Aber: Wenn es selbstverständlicher wäre in Deutschland, dass man an Barreriefreiheit denkt, dann müsste man nicht hinterher für die Anpassung Geld ausgeben - Geld, welches man beim Bauen besser anlegen hätten können!

Es muss dringend ein Umdenken in Deutschland stattfinden in diesem Punkt!

Deutschland, Deutschland...

du bist eine stolze Industrienation und wirst als Land der Ideenköpfe gelobt. Nur leider meinst du manchmal deine guten Eigenschaften an der Haustüre abgeben zu müssen - um unser Gesundheitsystem und die soziale Markwirtschaft beneidet uns so mancher in der Welt, dennoch schaust du eher Amerika als Vorbild an als das europäiische Ausland - Stichwort: Mindestlohn.

Du bist Exportweltmeister - noch vor China!

Du bist aber auch Weltmeister im Aussortieren von Menschen mit Behinderungen! Das ist wirklich kein Weltmeistertitel, auf den man stolz sein kann.

Christiane vom Behindertenparkplatz hat da eine gute Zusammenfassung geschrieben, welche Art von Aussonderung Deutschland sich im Sommer 2009 geleistet hat, in einem einzigen Sommer, will heißen: Diese Fälle sind nichts besonderes mehr, denn es passiert tagtäglich. Tagtäglich werden Behinderte daran gehindert, selbstbestimmt zu leben zu dürfen.

Mich erinnert diese Praxis irgendwie an die Deutsche Bahn und ihre Art, Kinder und Behinderte aus den Zügen zu werfen mit fadenscheinigen Begründungen - Mitnahmegesetze vor dem allgemeinen Verantwortungsgefühl.

Kriegen die Schimmelreiter in den Ämtern auch irgendwelche Kopfprämien für jeden, den sie erfolgreich aussortieren konnten?

Hier also Christianes Zusammenfassung: Deutschland im Sommer 2009

Bei Not quit like Beethoven hat sich eine interessante Diskussion entwickelt, aus der Frage, ob Schwerhörige arrogant sind: "Sind Schwerhörige arrogant?"
Wenn man sich die Kommentare anschaut, wird einem klar, dass die Ämter über eine gewisse Einstellung verfügen, die sich aus einer gewissen Arroganz gegenüber Behinderten ableitet.


Ich könnte sovieles aufzählen, welche Einstellungen du neu justieren müsstet - jeden Tag.

Zum Beispiel war ich gestern auf dem Wahlkampf der Grünen. Jürgen Trittin sprach eine bewegende Rede - dank meiner ziemlich guten Ablesefähigkeiten konnte ich ziemlich viel verstehen.
Es war aber kein Gebärdensprachdolmetscher oder Schriftdolmetscher da - in den USA ist das längst eine Selbstverständlichkeit! Hier macht man es einfach nicht, weil man einfach nicht daran denkt - es gibt immer noch eine unsichtbare Mauer zwischen Behinderten und Nichtbehinderten!

Deutschland, Deutschland - wann änderst du dich in diesem Punkt endlich?

Freitag, 11. September 2009

Die Politik hat die Gehörlosen als mündige Wählerklientel entdeckt!

Derzeit erleben wir gerade eine Schwemme von politischen Gebärdensprachvideos sämtlicher Parteien.

Ich habe darüber schon so einiges gebloggt, hier eine kleine Auswahl:

Kleine Wahlhilfe nicht nur für Gehörlose&Schwerhörige
- hier hat der Landesverband der Gehörlosen in Sachsen einen Fragebogen an sämtliche Parteien geschickt - alle bis auf die CDU haben darauf reagiert und den Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt. Die CDU hatte die Kraft dazu wohl nicht...

Politische Gebärdensprachvideos - hier hat die CDU den bekannten Gebärdensprachpoet Jürgen Endress für ihr Video enagiert und die SPD ebenfalls bekannte Größen aus der Gehörlosenszene: Dr. Christian Rathmann, welcher der erste gehörlose Professor in Deutschland ist und Dr. Weinmeister. Meine Kritik daran war, dass die Videos zu diesem Zeitpunkt lediglich gebärdet wurden und nicht mit Untertiteln versehen waren, damit auch weniger gebärdensprachkompetente Gehörlose und Schwerhörige etwas davon haben.

Heute hab ich mir mal das Vergnügen gemacht und geschaut, welche Parteien die Gehörlosen ebenfalls noch so entdeckt haben.

Kommen wir zur der FDP und zur DieLinke Auch sie haben ein Gebärdensprachvideos online gestellt und den gleichen Fehler begangen wie die CDU und die SPD - die Untertitel total vergessen!

Gebärdensprachvideo der FDP

Gebärdensprachvideo DieLinke

Der Preis für WIRKLICH 100% barreriefreien Gebärdensprachvideos geht an..... BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, denn sie haben als einzige Partei Untertitel mit eingeblendet! Die SPD hat zwar ihren Wahlwerbespot mit Untertiteln in ihrem Wahlwerbespot versehen, aber das reicht eben nicht!

Bitte genießen Sie mit mir 100% Barrierefreiheit: Aus der Krise hilft nur Grün!

Es gibt zwar auch ein anderes Video mit Gebärdensprache, wo die Untertitel ebenfalls vergessen worden sind, aber das fällt jetzt nicht so ins Gewicht, da es sich um eine kommunalpolitische Erklärung Ba-Wü's handelte.

Interessanter Kommentar unter dem Gebärdensprachvideo der Grünen von einem Gehörlosen: "Hier finde es Darstellerin als Dolmetscherin, werde ich nicht akpiziere! Weil für Deaf diskriminierung werden. Wo bleibt es als Darsteller von Gehörlosen?

Ich werde nie Grüne gewählt! "

Der Gehörlose hier hat sich hier von den prominenten Gehörlosenvertreter in den Videos der CDU und der SPD beeindrucken lassen, was ja auch nebenbei gewollt war von den Parteien. Meine Antwort habe ich ihm woanders bereits zukommen lassen - nämlich im Blog von Sarah Benke:
Bericht von Sarah Benke samt Gebärdensprachvideo.

Meine Antwort war also wie folgt:

"Toll, dass die Grünen ein wirklich barreriefreies Video zur Verfügung stellen: mit Untertiteln UND Dolmetschern! +

So haben wirklich alle Hörbehinderten etwas davon!

Man kann es auch übertreiben mit der Empfindung einer Diskrimination – es ist keine Diskrimination, dass die Grünen keine bekannte gehörlose Führungsperson gewählt haben, es spricht sogar für die Grünen.
Frage: Ist ein Parteienwerbespot mit NUR Gebärdensprache ein wirklich barreriefreies Video? Die Darstellung eines Promis ist besser als ein neutrales, aber wirklich 100% barreriefreies Video?! So ein Quatsch.
2. Bei der WAHL kommt es nicht DARAUF an, WER gebärdet, sondern WAS gebärdet wird. Es kommt auf den Inhalt an!

Also bitte Gehirn einschalten !"

Meiner Meinung nach lassen sich leider viele Menschen, nicht nur Gehörlose, davon beeindrucken, wenn sich jemand Prominentes politisch Farbe bekennt, dabei ist die Stimme eines Prominenten nicht weniger wert wie die Stimme eines Unbekannten. Es geht darum, was die Parteien für das Volk tun wollen und nicht, welcher Promi für welche Partei stimmt.

Denken muss man schon selbst - man muss schon selbst sich mit der Parteienlandschaft auseinandersetzen und die Partei finden, die mit den eigenen Wünschen soweit wie möglich übereinander stimmt.

Mir persönlich gibt es zu denken, dass die CDU, die vollmundig behauptet: "Wir haben die Kraft", nicht in der Lage ist einen simplen Fragebogen auszfüllen und an den Absender zurück zu schicken. Fehlt da die Kraft dazu?

Was mich unter anderem auch brennend interessiert: Wie ist das eigentlich passiert, dass die Parteien plötzlich die Gehörlosen als mündige Wahlklientel entdeckt haben? Leider scheint das Interesse etwas einseitig zu sein seitens der Parteien - sie produzieren Gebärdensprachvideos, vergessen aber alle bis auf die Grünen die Untertitel und lassen dabei noch etwas wichtiges unter den Tisch fallen: Warum werden diese Videos auch nicht im Fernsehen gezeigt? Hat man Angst mit diesen Videos die andere Wählerschar zu verschrecken?

Im Ernst: Viele private und öffentliche Fernsehanstalten begründen das Fehlen von Gebärdensprachdolmetschern und (festen - nicht selber einschaltbaren) Untertiteln damit, dass sie die Einbindung solcher störend auf die Zuschauer wirken könnte.

Gestern abend kam auf im "mag's" auf SR ein Bericht über die gehörlose Familie Ridder-Schmitt. Der Bericht war am Anfang mit einblendbaren Untertiteln untertitelt, dann wechselte man zu festen Untertiteln über, dann wurde aufeinmal nur noch gedolmetscht und die Untertitel fehlten im Gespräch mit der Pädagogin. Hier hat man alles in einen Topf geschmissen und wild rumgerüht. War das ein Test für die Zumutbarkeit des Zuschauers?

Zurück zur Politik: Untertitel und Gebärdensprache gehören ins Fernsehen und zwar in hoher Qualität.

Denn: Untertitel stellen Informationen sicher!

Die Barreriefreiheit im Fernsehen sollte so aussehen: Nachrichtensendungen mit Gebärdensprachdolmetschern UND Untertiteln.

Alle andere Sendungen sollten mit Untertiteln in hoher Qualität versehen werden, keine Vereinfachungen, keine Verkürzungen. Eben vollwertige 1:1-Untertitelung!



Samstag, 5. September 2009

Paralympics versus Deaflympics

Die Paralympics sind heute anerkannt im öffentlichen Gedächtnis und werden mittlerweile ganz selbstverständlich im Fernsehen übertragen und haben ihren Weg in die Berichterstattung der Zeitungen gefunden.

Doch was ist mit den Deaflympics? Kein Wort findet man dazu im Fernsehen. Heute war die Eröffnungsfeier - diese Spiele finden also in aller Stille statt. Google spuckt zwar mit dem Stichwort "Deaflympics" einige nette Berichte aus. Einige Berichte bemängeln auch die "Weigerung" der Medien den Deaflympics die gleiche Berichterstattung wie den Paralympics einzuräumen.

Die Deaflympics hätten diese Würdigung allemal verdient - denn sie sind das älteste Ereignis im Behindertensport - erstmals fanden diese 1924 in Paris statt. Dennoch blieben sie eine Randerscheinung unter den Veranstaltungen im Sport der Menschen mit Behinderungen. (Ich habe lange überlegt, ob ich Behindertensport schreiben soll, aber irgendwie klang das so abwertend und nicht gleichwertig mit "normalem" Sport.)

Ein alter Zirkusspruch sagt: "Der Applaus ist des Artisten Brot." Die gehörlosen Athleten aller Welt haben die gleiche Wertschätzung verdient wie die Athleten der Paralympics, die der Special Olympics aber auch!

Meiner Meinung nach ist es wichtig nicht nur über die Paralympics zu berichten, sondern auch über die Deaflympics oder über die Special Olympics, denn das hilft beim Brückenschlag zwischen Nichtbehinderten und Menschen mit Behinderungen.

Steffi Nerius, die derzeitige Weltmeisterin der Speerwerferinnen, die jüngst ihre Karriere beendet hat, betreut in ihrem Heimatclub den Behindertensport und betreute bei den Paralympics in Athen 2 Spitzensportler. Sehr sympahtischer Zug von ihr, denn öffentlich wird diese Förderung des Behindertensport zwar als sympahtisch wahrgenommen, aber darüber hinaus besteht kein Interesse daran.

Schade um diese vertanenen Chancen!

Artikel in der SZ über Christoph Bischlager!

Aktuell habe ich grad einen Bericht über Christoph Bischlager, den amtierenden gehörlosen Weltmeister der Zehnkämpfer gefunden, leider liegt mir nicht der ganze Artikel vor.

http://www.sueddeutsche.de/K5538d/3035806/Hohe-Ziele-in-Taipeh.html

Nett geschrieben, aber leider mit einiger Unkenntnis, auch wenn mir nicht der ganze Artikel vorliegt, denn der Satz hier entblößt die ganze Unkenntnis:

"Er kommuniziert mit seinem Trainingspartner Manuel Rapp mit Hilfe der Gebärdensprache. Oder sie erklären sich einfach gegenseitig die Hürdentechnik, indem sie sie sich vormachen. Wenn sie sich unterhalten, schauen sie sich nicht in die Augen, sondern auf die Hände."

Falsch. Gehörlose schauen sich absolut IMMER in die Augen während einer Unterhaltung. Fehlt der Sichtkontakt, wird das als eine Störung des Gesprächs empfunden bzw. als Zeichen, dass der andere ihm nicht zuhört. Auch ist das Mundbild und die Mimik ein unabdingbares Instrument der Gebärdensprache. Die Aufrechthaltung des Augenkontakts während einem Gespräch mit einem Gehörlosen ist für einen Hörenden am Anfang etwas verwirrend, aber es ist eine wertvolle Hilfe für den Gehörlosen zu wissen, ob man seinem Gespräch folgt.

Schade, dass die Medienschaffenden so unwissend sind oder nicht genau beobachten/recherchieren.