Freitag, 29. Mai 2009

Der Zeit-Artikel über das Wörterbuch der Gebärdensprache hat auch ein Gebärdensprachvideo in petto!

Vielleicht ist es dem einen oder dem anderen Leser bereits aufgefallen, aber ich möchte gerne noch mal gesondert darauf hinweisen.

Gebärdenvideo aus dem Zeitartikel

Besonders hübsch finde ich die Gebärde für die Eulenart Uhu - das kann man sich richtig gut vorstellen, ne? :-)

Zwei lesenswerte Artikel aus der ZEIT !

Der eine Bericht ist sehr aktuell vom 28.05.2009 und dreht sich um das jüngst erschienene Wörterbuch der Gebärdensprache. Sinn und Zweck der Sache ist, die Gebärdensprache etwas zu vereinheitlichen und aktualsieren. Halt ein kleiner Duden für Gebärdensprachbenützer. ;-)

Hier der Link dazu: http://www.zeit.de/2009/23/Zeichensprache

Und hier komme ich auf einen älteren Artikel zu sprechen - was in der Medizintechnik möglich sein kann, aber keine Garantie ist. Maike Stein kenne ich persönlich - sie ist einfach eine wunderbare Frau und total sympahtisch.

Die Erhörte - Zeitartikel vom 12.08.2004

Mir persönlich gefällt der Prolog des Artikels nicht, denn er lautet wie folgt:
"Hören ist das erste und letzte Tun des Menschen. Wer auf die Welt kommt, kennt die Stimme seiner Mutter längst. Wer im Sterben liegt, hört, was um ihn geschieht, bis zum letzten Atemzug. Wenn er 0,9 Millimeter groß ist, wachsen dem Menschen die Ohren. Am 135. Tag hat das Hörorgan, die Innenohrschnecke Cochlea, ihre definitive Größe erreicht. Sie wird nicht mehr wachsen. Später zieht durch sie die Seele ein. Die Musik, die Liebe gehen durchs Ohr. Auch die Gedanken: Vernunft kommt von vernehmen."

Die Musik und die Liebe gehen durch das Ohr?! Nein, damit kann ich nicht einverstanden sein, diesr Vergleich hinkt für mich deratig, denn das ist als würde man behaupten, dass Blinde nicht fähig sind zu wissen, was Liebe ist, denn sie können sie ja nicht sehen.

Was nützt es einem, wenn man "hört", dass man geliebt wird, aber selbst nichts davon spürt? Liebe fühlt man, egal was man ist.

Und man ist nicht vernuftbegabt, wenn man nicht über das Gehör erreicht werden kann? Seltsame Gedankenverbindung der Autorin.

Aber sonst kann ich den Zeitartikel über Maike Stein empfehlen und auch den aktuellsten, denn beide Artikel stecken voller lesenswerter Informationen. :-)

Dienstag, 26. Mai 2009

In den USA sind Dolmetscher und Untertitel eine Selbstverständlichkeit geworden.

Das beste Beispiel dafür war die Amtseinführung von Obama am 21.Januar 2009, welche ganz selbstverständlich VOR dem Kapitol auf den Leinwänden und im Fernsehen mit Live-Untertitlung und Gebärdensprachdolmetscher stattfand.

Und zwar 1:1 untertitelt. Komplett. Ohne Hänger. Ohne Kürzungen.
Interessanterweise sind die Untertitelungen oben im Bild anstatt unten im Bild, um die Einblendungen unten nicht zu überdecken. Im deutschen TV sind die Untertitelungen unten im Bild zu finden und wenn da eine Einblendung kommt, lässt man lieber die Untertitel etwas hängen oder gar ausfallen, bestenfalls kommt er stark verkürzt vor an dieser Stelle.

Den Link dazu will ich euch nicht vorenthalten. Die Gebärdensprache, welche unten rechts im Bild zu sehen ist, ist American Sign Language (ASL).

Auf den ganzen Fernsehsendern in sämtlichen Bars wurde ganz selbstverständlich Untertitel eingeblendet, auch auf den Leinwänden vor dem Kaptitol während der Inauguration/Amtseinführung Obamas.

Schaut es euch an - spätestens an diesem Punkt sollte sich das in Deutschland, was die Fernsehanstalten hier Live-Untertitelung nennen anfangen zu schämen.

Und von einer solchen Liveuntertitelung während einer Rede oder im deutschen Fernsehen allgemein können die Gehörlosen in Deutschland hier nur träumen. Das ZDF hat es zwar versucht, aber es war eher eine Mituntertitelung als eine vollständige Live-Untertitelung.

Wenn man sowas in Deutschland anregt, dann bekommt man ständig zu hören, das dies nicht realisierbar wäre.

Ich schäme mich da für die Fernsehanstalten in Deutschland, wenn ich sehe, dass sogar in der Dom. Republik oder in Kroatien Untertitel völlig selbstverständlich zugeschaltet werden. Achja, ich habe in der Dom. Republik an der untertitelten Sendung über das Skigymnasium in Furtwangen gemerkt, wieviel ich schon verstehe auf Spanisch.

Untertitel sind eine wunderbare Möglichkeit nebenbei eine Sprache zu lernen und sind daher auch etwas für Ausländer in Deutschland, was übrigens alles schon festgestellt wurde.

Aber: Lieber gar keine Untertitel als DAS, was man uns HIER als LIVE-Untertitelung ZU VERKAUFEN VERSUCHT! Die Sender sollten sich mal ein Beispiel an der BBC oder an den Fernsehanstalten in den USA und Kanada nehmen - es kann doch nicht so schwer sein, fähige Schriftdolmetscher in Livesendungen einzusetzen?!

Ich sag's jetzt mal mit Martin Luther King: "I have a dream..."

Ich träume von einem weitgehend komplett untertiteltem Fernsehprogramm, welches 1:1 untertitelt ist und ich wünsche mir, dass bei öffentlichen Veranstaltungen in Deutschland ganz selbstverständlich an Untertitel durch Schriftdolmetscher und/oder an Gebärdensprachdolmeter gedacht wird.

Untertitel in Deutschland sind furchtbar, es wird so oft so sinnlos gekürzt und der Wortwitz völlig unbeachtet gelassen. Die Untertitelungswerkstatt Münster sollte sich mal ein Beispiel an der Untertitelung im ORF nehmen. Gestern abend habe ich CSI:NY angeschaut und die Untertitel waren toll! Wenn das Öschiland und die Schweiz das ebenfalls das fertigbringt, warum dann nicht wir?

Da passt jetzt mal Heinrich Heines Spruch dazu: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“

Wer mal die Untertitel im deutschen Fernsehen testen will:

Untertitelvorschau im Videotext für ARD: 398 <- Übersicht der untertitelten Sendungen.
Untertitelanwahl im Videotext für ARD & wie Bayern, SWR, NDR, HR, usw: 150

Untertitelvorschau im Videotext für ZDF: 776 <- Übersicht der untertitelten Sendungen.
Untertitelanwahl im Videotext für ZDF: 777

Untertitelanwahl im Videotext im ORF und der Schweiz: 777

Untertitelvorschau bei Pro7: 148
Untertitel bei Pro7: 149

Untertitelvorschau bei Kabel: 149

Die Tagessschau im Ersten und die heute-Nachrichten auf ZDF werden täglich untertitelt, im österreichschen und Schweizer Fernsehen ebenfalls.

Schaut mal bitte rein, meiner Meinung nach schwankt die Qualität zwischen Hilfe und Zumutung.

Würde mich freuen, wenn ich eure Meinung dazu hören könnte. :-)

Kleines Problem aufgetaucht bei Googlemail!

Googlemail scheint unzuverlässig zu sein derzeit. E-Mails, auf die ich geantwortet habe, scheinen gar nicht erst anzukommen beim Empfänger oder auch E-Mails an mich..

Woran liegt's? Bin ratlos.

Montag, 25. Mai 2009

Bericht der Berliner Morgenpost vom 14. Januar 2009 über Gehörlose Spitzensportler

Die Berliner Morgenpost hat eine interessante Information über Gehörlose Spitzensportler verfasst, auch wenn der Grund dafür nicht ersichtlich ist:

Information der Berliner Morgenpost vom 14. Januar 2009

Über den gehörlosen Fußballspieler Stefan Markolf habe ich bereits einen Artikel verfasst, neu war mir allerdings, dass der Skispringer Gregor Schlierenzauer auf einem Ohr taub ist. Vielleicht kommt seine Nervenstärke von daher, denn Jürgen Klopp bescheinigte Markolf ja auch diese Nervenstärke auf dem Platz.

Weiter unten wird über Terence Parkin berichtet, über den ich bereits hier berichtet habe. Aber im Artikel wird Parkin als taubstumm bezeichnet und Stefan Markolf lediglich als jemand, der zu 90% nichts mehr hört. Vielleicht hätte der Autor sich auf die Schwarmintelligenz im Wikipedia-Artikel zur Gehörlosigkeit verlassen sollen, wie die Defination von Gehörlosigkeit festgelegt worden ist.

Markolf ist genauso gehörlos wie Parkin - ohne Hörgeräte ist Markolf genauso taub wie Parkin. Natürlich helfen bei Markolf die Hörgeräte den letzten Rest der vorhandenen 10% Hörfähigkeit herauszukitzeln, aber trotzdem ist das kein Grund, Markolf im Artikel über Parkin zu stellen.

Hier wird mit zweierlei Maß im Artikel gemessen.

Also bitte, Berliner Morgenpost: Den Artikel könnt ihr ruhig so lassen wie er ist, aber bitte streicht das Wort "taubstumm" aus dem Artikel und ersetzt es durch das zutreffendere Wort: "gehörlos."

Warum? Meine Begründung hierfür könnt ihr hier lesen:
Ein wichtiger Hinweis für die Medienbranche!

Gehörlose haben ihre eigenen olympischen Spiele!

Jeder hat bestimmt mal was von den Paralympics, den Olympischen Spielen für Menschen mit körperlicher Behinderung gehört, denn darüber wird schon berichtet im Fernsehen, denn die finden im gleichen Jahr kurze Zeit vor oder nach den "echten" Olympischen Spielen statt und rutschen somit in den Fokus der Berichterstattung hinein.

Aber wer hat mal was von den "Deaflympics" gehört? Früher nannte man diese Spiele der Gehörlosen: "Silent World Games for the deaf - Stille Weltspiele der Gehörlosen", dann folgte die Umbennung in "World Games for Deaf - Gehörlosen-Weltspiele.

Nach der Anerkennung der Gehörlosen-Weltspiele durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) wurde der Name umgeändert zu "Deaflympics", einem Wortspiel zwischen "deaf - taub" und "Olympics".

Aber warum starten die Gehörlosen nicht bei den Paralympics?

Der Grund ist, dass die Gehörlosen bei den Paralympics als "kommunikationsbehindert" gewertet werden, aber sonst körperlich alles im Bereich der hörenden Sportler ist im Vergleich zu den Paralympics-Sportler. Aktuell finden die Deaflympics dieses Jahr vom 31.8 – 18.09 in Taipeh statt.

Der bekannteste Sportler bei den Deaflympics der letzten Jahre ist sicherlich Terence Parkin, ein gehörloser Schwimmer aus Südafrika, der bei den Olympischen Spielen im Jahre 2000 in Sydney die Silbermedaille holte über 200m Brust! Danach holte er sich den Sieg 2001 bei den Deaflympics in Rom.

Ausgetragen werden die Deaflympics alle 2 Jahre - sie folgen immer im Jahr nach den Olympischen Spiele. Es werden abwechslend Sommer- und Winterspiele ausgetragen.

Nachtrag zu:"Darfst/Kannst du Auto fahren?"

Der Artikel "Darfst/Kannst du Autofahren?" liefert ja schon eine Erklärung von mir, warum ich das kann und es sogar gerne mache. ;-)

Mir ist neulich im Gespräch mit einer neuen hörenden Bekannten bei der Erklärung, warum das Autofahren für Gehörlose kein Hindernis darstellt und beim Überfliegen des eben verlinkten Artikels aufgefallen, dass ich eine wichtige Erklärung ganz vergessen habe.

Wie schon mal erwähnt, sind Gehörlose Augenmenschen. Die Augen achten also viel mehr und viel stärker als sonst auf optische Reize.

Viele Gehörlose, zu denen ich auch zähle, haben einen etwas weiteren Blickwinkel nach hinten, d.h. es ist oft nicht möglich, sich von hinten an die Person zu schleichen und sie zu erschrecken, auch wenn man lautlos läuft. Das ist auch beim Autofahren hilfreich, denn damit nimmt man das Blaulicht oft schon wahr, bevor er akkustisch überhaupt in Erscheinung tritt.

Augen auf in jeder Situation! :-) Bei uns buchstäblich in jeder Situation, aber natürlich können wir auch mal was übersehen oder uns ganz normal tollpatschig verhalten.

Samstag, 23. Mai 2009

Die Kritik am Zeit-Artikel und die schönen Folgen davon

Verblüfft konnte ich gestern meine Zugriffszahlen aus aller Welt auf mein Blog betrachten. Wirklich aus fast jeder Weltecke, sogar Nepal war vertreten. Das zeigt mal wieder, wieviele Leser die Zeit in aller Welt hat und die Bereitschaft der Menschen für Neues.

Und über die E-Mails zu meinem Beitrag habe ich mich auch sehr gefreut. :-) Jeder einzelne wird eine Antwort erhalten.

Ich denke, ich werde diese Art zu bloggen beibehalten, denn bis vor kurzem habe ich diesen Aspekt meines Lebens kaum bloggend erwähnt im Hauptblog. Erst der Anstupser eines befreundeten Journalisten, dass dieser gerne mehr erfahren würde, wie dieses Leben so ist, weil es für ihn und Seinesgleichen so weit weg ist, hat mich nachdenken und schließlich bloggen lassen.

Gestern bekam ich die lobende Meinung eines alten Freundes von mir zu hören, der auch mein Hauptblog kennt: "Mir gefällt dein neues Blog viel besser als das alte. Es ist authentischer, es ist mehr DU. Du bringst das Fremde recht nachvollziehbar rüber, es werden kaum externe Quellen herangezogen, weil DU das alles erfahren hast."

Ja, damit hat er recht. Die bereits geschilderten Erfahrungen, von denen ich annehme, dass sie interessant sein könnten für die Leser hier, habe ich alles erlebt.

Ich wünsche mir und meinen Lesern hier noch viel Freude an diesem Blog!

Donnerstag, 21. Mai 2009

Furchtbarer Artikel in der Zeit - meine Meinung dazu!

Es gibt gute journalistische Artikel über Behinderungen, wo man dem Autor anmerkt, dass er sich wirklich mit der Materie befasst hat und solche, wo man merkt, dass der Autor sich höchst zweifelhaften Quellen erschlossen hat.

Ein solches Beispiel ist der aktuelle Artikel in der ZEIT - ausgerechnet in der ZEIT, die vor einigen Jahren eine Strecke mit den aktuellen Gebärdennamen für die Politiker herausgegeben hat, die großen Anklang gefunden hat.

Hier der LINK zum ZEIT-ARTIKEL!

Was am aktuellen Artikel der Zeit furchtbar ist? Viele Fakten stimmen erst mal gar nicht und Blindheit und Gehörlosigkeit kann man nicht miteinander vergleichen, denn die Vorteile der jeweiligen Behinderung wiegen die Nachteile der anderen Behinderung nicht unbedingt auf in diesem speziellen Fall Gehörlosigkeit vs. Blindheit.

Es fängt schon auf der ersten Seite an, als behauptet wird, dass es nichts bringen wird, wenn die Blinde zum Gehörlosen "Hallo" sagen würde - der Gehörlose ist NICHT blind, er wird es sehen, falls er nicht zufällig mit dem Rücken zur der Blinden stehen würde.
Und die Blinde würde es merken, wenn der Gehörlose vor ihr stehen würde und ihr winken würde durch den Luftzug, außerdem durch den Körpergeruch.

Wenn ein Sinn fehlt, dann schärfen sich die anderen Sinne.

Aber der Hammer ist die Dolmetscherin Rita Springe: Die Dolmetscherin ist keine richtige Dolmetscherin, sie ist lediglich eine CODA. CODA? Children Of Deaf Adults, also das hörende Kind gehörloser Eltern. CODAS haben in den überwiegenden Fällen die Gebärdensprache als Muttersprache, jedoch empfinden nicht alle so. Und CODAS sind keine ausgebildeten Dolmetscher, obwohl viele Codas bei offiziellen Behördengänge für ihre Eltern als Dolmetscher einspringen von Kindesbeinen an. Warum? Ein Dolmetscher ist manchmal nicht so auf die Schnelle zu beschaffen. Manche CODAS sagen dadurch, dass sie so zu schnell erwachsen geworden sind.

Für mich ist es so, dass ich dank meiner guten Kommmunikationsfähigkeiten keinen Dolmetscher beim Arzt, Bank oder sonst was brauche, was ich als sehr befriedigend empfinde, da es auch Unabhängigkeit und eine gewisse Flexibilität bedeutet.

Die Frage der Blinden Katarina Wuttke, wie denn Gebärdensprache aussehe und ob sie nicht mit Händen gesprochen wird und ob man damit alles sagen könne, wird von der "Dolmetscherin" beantwortet, dass man vieles sagen könne, wenn auch nicht soviel wie die Sprechenden.

Aha. Welcher Eindruck wird hier dem Leser des Artikels schon nach den ersten Zeilen suggestiert? Gebärdensprache sei keine vollwertige Sprache.

Außerdem dolmetscht die "Dolmetscherin" nicht komplett für den Gehörlosen mit wie sich das eigentlich für eine Dolmetscherin gehört. Wäre eine kompetente vollausgebildete Dolmetscherin am Tisch gesessen und hätte alles 1:1 mitübersetzt, dann wäre der Gehörlose nicht so negativ rübergekommen und Mario Torster hätte keine Zeitverzögerung erlebt im Gespräch. Das Zeitmagazin hätte die Zeitverzögerung auch nicht als eine solche empfunden.

Und Dvds haben fast immer Untertitel? Das ist auch eine Desinformation. Deutsche Untertitel fehlen häufig auf DVDS und deutsche Filmproduktionen vergessen in schönster Regelmässigkeit deutsche Untertitel auf der DVD anzubieten, was übrigens eine Schande ist, da diese Produktionen von den Filmförderungsgesellschaften unterstützt werden. Meiner Meinung nach sollte es eine Klausel geben, dass wenn eine Filmproduktion aus Deutschland geldtechnisch unterstützt wird, die DVD dann barrierefrei angeboten werden! Außerdem wird gar nicht berichtet, dass für Gehörlose höchstens etwa 3% des gesamten Fernsehangebot in Deutschland untertitelt wird. Es wird versucht zu informieren, aber gleichberechtigt informiert sind Gehörlose nicht in der Fernsehlandschaft. Dadurch lässt sich auch eine gewisse Politikverdrossenheit des Mario Torster erklären. Aber es sind NICHT ALLE Gehörlose so. Er ist nur einer von vielen.

Und die Blinden haben mit anderen Barrerien kämpfen als Gehörlose, was aber den Blinden nicht so sehr beeinträchtigt wie den Gehörlosen. Versteht man Sprache, hat man den "normalen" Zugang zur Sprache, dann hat man einen Bildungsvorteil. Aber es gibt auch Gehörlose, die GERNE LESEN und GERNE mit den Wörtern spielen, die die Erotik der Wörter lieben und sich durch Bücher wälzen und politische Diskussionen führen.

Aber es stimmt und es lässt sich nicht wegdiskutieren: Gehörlose haben es im Arbeitsleben schwer - viele Firmen sind gar nicht offen für die Einstellung eines Gehörlosen. Da hat es der Blinde einfacher - er kann ja "noch" telefonieren. Und es wird behauptet, dass Gehörlose die klassischen Berufe erlernen wie Schneider, Mechatroniker, Zahntechniker und Schreiner erlernen, was einem Teil stimmt. Aber kein Wort davon, dass Gehörlose Abitur machen, studieren und es sogar gehörlose Ärzte, Juristen, Ingenieure usw. gibt - das ist eine unnötige Verzerrung der tatsächlichen Realität!

Was ich übrigens am Interview durch die "Dolmetscherin" immer wieder bemängeln muss: Mario Torster sitzt daneben und MUSS warten, bis die "Dolmetscherin" etwas übersetzt. So kommt ein völlig falscher Eindruck daneben. Außerdem versucht der Journalist nicht selbst aktiv in Kommunikation zu treten mit Torster - er stellt ihm die Fragen nicht selbst..

Fazit: Hätte man deutlich besser machen können, sehr viel besser. Schon alleine die Auswahl des "Dolmetschers" war ein RiesenFauxPax - wollte man hier Kosten sparen? Ein vollausgebildeter Dolmetscher sorgt dafür, dass die Gesprächspartner MITEINANDER sprechen und nicht ÜBEREINANDER!
Außerdem hätte der Journalist, wenn er gründlich recheriert hätte, herausgefunden, dass es den "typischen" Gehörlosen gar nicht gibt, bzw. er nicht mehr überwiegend auftritt wie früher noch.

Ich würde mich gerne mal mit dem Journalisten Henning Suessebach unterhalten, damit er einfach mal über den Tellerrand blicken kann, denn es ist einfacher sich vorzustellen, nicht sehen zu können als taub zu sein - die Geräuschkulisse dominiert sehr.

Die Umfrage auf Twitter hat ja auch ergeben, dass die Mehrheit sich für ein Leben in Blindheit entscheiden würde, weil sie dann nicht so desinformiert wären durch die Bank hindurch.

Ich für mich selbst, würde trotz aller sich manchmal auftürmenden Schwierigkeiten im Leben durch den "Umstand" gehörlos zu sein, dafür entscheiden, stünde ich vor dieser Wahl: "Taub oder blind zu sein."

Wieses Kommentar zum Tor in Nahaufnahme

Gestern abend verloren ja die Bremer das UEFA-CUP-Finalspiel etwas unglücklich durch einen eigentlich vermeidbaren Gegentreffer.

Was mich wirklich überrascht hat, war die "Schlaftablette" Wiese über einen längeren Zeitraum während des Spieles, ist ansonsten nicht sein Stil. Hallo? Das war ein Finalspiel!

Auch sein lahmer Kommentar direkt nach dem Tor, als die Kameras auf sein Gesicht zoomten in Nahaufnahme war alles andere als typisch für ihn: "Mönsch, das kotzt mich jetzt so an." Ich hätte etwas deftigeres erwartet.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Nachtrag zu Marlee Matlin und die Beantwortung der Frage: Können Gehörlose tanzen?

Schon hier im Beitrag "Gottes vergessene Kinder" habe ich über die gehörlose amerikanische Schauspielerin Marlee Matlin berichtet, die für ihre Rolle in dem Film zuerst einen Golden Globe und dann den Oscar gewann mit 21 Jahren.

Marlee Matlin bekam diesen Monat den Stern auf dem Falk of FAME! Als erste Gehörlose überhaupt.

Hier ein Video über die feierliche Verleihung - die Untertitel sind diesmal wie immer "hier" für Hörende. ;-)



Und hier das Video von der Oscarverleihung von 1987, wo sie ihren Oscar bekam mit 21 Jahren. Man beachte mal die schrecklichen Frisuren! *lach*

Aber warum berichte ich so über Marlee Matlin und meine in einem Atemzug mit ihr die Tanzfrage beantworten zu können?

Ganz einfach - Marlee Matlin hat in der amerikanischen Version von "Dancing Stars" letztes Jahr mitgetanzt und verblüffte alle durch ihre Art zu tanzen, denn wohlgemerkt: Wüsste man nichts von ihrer Gehörlosigkeit, wäre man nie darauf gekommen.
Tanzen funktioniert ja so, dass der Mann auf dem Parkett das Sagen hat und die Frau sich das gefallen lassen muss. ;-) Ich kenne das von mir, dass ich mich beim Tanzen total fallen lassen MUSS, weil es nicht anders geht, aber das nicht widerwillig tue, sondern gerne. Und das wiederum kommt dem Tanzpartner entgegen und damit auch mir.

Hier sind die Videos von Marlee Matlin bei "Dancing Stars"! Der Partner von Marlee war Fabian Sanchez - der Weltmeister 2006 im Mambo.

In einem der Videos sieht man die Musiklautsprecher/Subwoofer auf dem Boden liegen - klar in einem Tanzstudio ist das auch sehr sinnvoll, um den Bass zu spüren. Wenn ich ausgehe, dann bin ich in der Nähe der Lautsprecher/Subwoofer zu finden, aber nicht immer direkt davor. Kommt darauf an, wie sehr ich das gerade benötige. ;-)

Gehörlose lassen sich gerne optisch führen und orientieren sich gerne an ihrem Gegenüber, was denn gerade getan werden muss und das ist das, worauf es beim Tanzen ankommt. :-)

Dienstag, 19. Mai 2009

Nicht nur Lippen lesen...

hilft mir bei der Kommunikation, sondern auch die Körpersprache, die sehr verräterisch sein kann.
Und dazu muss man sich nicht mit Samy Molcho auseinandergesetzt haben. ;-)

Wenn man den Leuten buchstäblich alles von den Lippen liest, dann sei noch gesagt, dass dabei die Mimik selbstverständlich eine große Rolle spielt und dann addet sich natürlich noch die Körpersprache dazu zu einem Gesamtbild und Verständnis.

Hörende Freunde von mir sind immer ganz überrascht und teilweise auch etwas befremdet, wenn ich nach einer kleinen Musterung auf einer Party sagen kann, wer grad ein Auge auf wen geworfen hat oder eben so banales Zeug. Leute einschätzen, die man live vor sich hat, ist leicht, wenn man daran gewöhnt ist und jeden Tag darauf angewiesen ist. Mit der Zeit kriegt man ein Gespür dafür, was oder womit dein Gegenüber im Gespräch wirklich beschäftigt ist. Dies mag auf einige Menschen unheimlich wirken, aber es ist nicht wirklich eine Zauberei.

Man liest die Leute. Und es ist immer wieder überraschend, was Fotos oder ein Liveauftritt eines Menschen alles verraten kann.

Es gelingt mir oft mit einem einzigen Blick auf einen Menschen zu wissen, was er gerade fühlt oder denkt oder eigentlich sagen will. Sehe ich z.b. jemanden lässig dastehen mit einer Hand in der Hosentasche und einer Person zuhörend, dann weiss ich, dass die Person eigentlich nur lässig sein will, es aber gerade nicht ist. Warum? Vielleicht fühlt sie sich grad unwohl oder unter Beobachtung? Die Körpersprache sagt doch aus, dass sie sich grad unsicher fühlt und sich an sich selbst festhält, um Bodenhaftung zu spüren.

In meiner Beziehung mit meinem hörenden Ex bekam ich auch immer mal wieder zu hören: "Woher WEISST du das denn jetzt schon wieder?"
Mit Wörtern kann man soviel Schindluder treiben, wie man will. Aber die Körpersprache lügt nicht.

Manchmal bin ich richtig erschrocken darüber, dass ich weiss, dass die Person gelogen hat und unverblümt weiterlügt, obwohl die Körpersprache alles verrät. Schamlos. Offensichtlich.
Die eigene Körpersprache unter Kontrolle zu bringen, mag einigen Menschen gelingen, aber selbst dann gibt es immer Mosaikfetzen, die nicht zum Gesamtbild passen.

Ist es nicht schon mal vorgekommen, dass man von jemandem begrüsst wird und man vorgibt, den anderen auch wieder zu erkennen oder ihn begrüssen zu müssen, obwohl man nicht will?Dann ist die ganze Art, wie man begrüsst und "erkannt" wird total falsch. Die Augenbrauen bewegen sich nicht so erkennend, wie es der Fall sein sollte und das Lachen strahlt nicht bis zu den Augen hinaus.

;-) Aber bevor es zu ernst wird: Viele Gehörlose sind begeistert von einem Urlaub in Italien, weil da richtig gestikuliert wird und die Körpersprache eingesetzt wird - das ist dort einfach ein ganz normales Straßenbild. Und immer wieder schön anzusehen.

Übrigens riecht man auch den Körpergeruch anderer Menschen viel stärker, finde ich. Das, was sich alles verbindet in dem Kommunikationsgesamtbild, ist immer wieder fazinierend. Für mich ist ein Mensch richtig schön und anziehend, wenn das komplette Gesamtpaket stimmt. Und kleine Fehler in der Optik kann ein Lachen oder eine wunderbare Körpersprache ausbügeln.

Und schön, wenn man als Frau sieht, dass das Gegenüber, welches eigentlich lässig wirken möchte, eigentlich unsicher ist.. :-) Als Frau - nicht als Gehörlose. Man möchte ja einen Eindruck hinterlassen bei den Menschen.






Nachtrag zum Date!

Eine Leserfrage von MissyCola:

Danke für diese kleinen Einsichten in Dein Privatleben. Jeder Eintrag ist wirklich interessant und wird von mir verschlungen. Weiter so!
Liest Dein Date hier eigentlich mit? Oder hast Du einfach mal so in den blauen Dunst hineinge
fragt?

Ja - das Date liest hier ab und zu mit. Ihm hat das Date auch ziemlich gut gefallen.

Meine Körpersprache sei die eleganteste, die er zu sehen bekommen hätte. :-)

Donnerstag, 14. Mai 2009

Diana war nicht nur die Königin der Herzen, sondern auch die Prinzessin der britischen Gehörlosen!

Wer kennt sie nicht? Diana, the Princess of Wales, vielgerühmte Königin der Herzen?

Die meisten Menschen wissen, dass Diana sehr aktiv enagiert war in Sachen Charity, ihr Einsatz zum Beispiel für AIDSkranke begann bereits in den frühen 80ern, als AIDS noch nicht so weit erforscht war wie heutzutage oder ihr Einsatz für das Verbot der Landminen.

Aber sie hat sich auch erfolgreich für die Gehörlosen enagiert - die britischen Gehörlosen bezeichnen Diana als "IHRE" Prinzessin. Aus gutem Grunde - Diana lernte freiwillig und mit hohem Einsatz die "British Sign Language (BSL)" und kommunzierte, wo immer es ihr möglich war, mit Gehörlosen. Ein Neffe von Dodi al Fayed ist übrigens gehörlos - in einem Bericht kurz nach dem Unfalltod las ich, dass dieser sich immer auf die Treffen mit Diana gefreut hat und sehr traurig darüber war, dass die gemeinsame Zeit nur so kurz sein durfte.

Dank ihr konnte damals das Gebärdensprachlexikon der Britischen Gebärdensprache auf den Weg gebracht werden - die Anerkennung der BSL im Jahre 2003 durch die britische Regierung durfte sie leider nicht mehr miterleben.

Übrigens bekam das RNID (Royal National Institute for Deaf People) nach dem Tode Dianas eine Anfrage vom Fernsehen und der Presse: "Ob man nicht während der Beerdigung Dianas Lippenleser zur Verfügung stellen könne, um zu wissen, was die königliche Familie untereinander spricht?" Die gehörlosen Journalisten dort lehnten diese Bitte ab, da es eine Störung in die Privatsphäre darstellte und außerdem vor Respekt vor dem Wirken Dianas für die britische Gehörlosenkultur. Sie warnten die Medien vor dem Einsatz der Lippenleser anlässlich der Beerdigung und stellten sicher, dass sich keine Lippenleser zur Verfügung stellten.

Hier kann man Diana in Action sehen - voller Gebärden! :-) Und für die Hörenden gibt es diesmal die Untertitel - normalerweise ist es ja andersherum. *schelmischzwinker*

P.S. Diana ist bis heute das einzige Mitglied der englischen Königsfamilie mit Kenntnissen der BSL.
Von der schwedischen Königsfamilie ist überliefert, dass Königin Silvia die deutsche & schwedische Gebärdensprache gelernt hat.

Nachtrag vom 01.10.09: Habe grad gesehen, dass das Video von YouTube wegen einem Verstoß gegen die Nutzungsrechte entfernt wurde. Als Entschädigung habe ich hier das Manuskript von "Sehen statt Hören" gefunden, wo diese Sendung über Diana auch lief - ist zwar kein Video, aber man kann es nachlesen, was gesagt wurde. Zuerst geht es um London, die britische Hauptstadt und dann kommt die Sprache auf Diana!

Bitte anklicken: Sendung "See Hear" von BBC

Update vom 13.Januar 2011:


HURRA, ich habe auf YOUTUBE das Video wieder gefunden, leider ist es etwas kürzer als das Originalvideo, da nicht gezeigt wird, wie die britischen Gehörlosen erzählen, wie die Fernsehanstalten einen Lippenleser von ihnen haben wollten für die Beerdigung, aber ein netter Bericht über Diana:


 Update vom 26. Februar 2013: Es scheint so, als ob Prinz Harry, ihr Sohn, jetzt auch die Gebärdensprache gelernt hat oder zumindestens den Versuch macht. Er hat gestern in Lesetho eine Schule für Gehörlose besucht und dort versucht Gebärdensprache zu sprechen. Später besuchte er noch eine für Blinde.

Hier ist das Video dazu: Er kann jedenfals das Fingeralphabet. Aber: Es ist nicht das britische Fingeralphabet, denn dieses wird mit beiden Händen buchstabiert. In Deutschland und in weiten Teilen der Gehörlosenwelt verwendet man das einhändige Fingeralphabet zum Buchstabieren, welches man auch im Video sieht: 
http://www.youtube.com/watch?v=VNJSfJGr6h4

"Musik nur, wenn sie laut ist" - Oder: Wie Herbert Grönemeyer mal nur für mich sang!

Ich weiss nicht mehr, wann genau es war - es muss im Zeitraum von 1990-1992 gewesen sein: Herbert Grönemeyer gab ein Open-Air-Konzert und meine Mutter nahm mich mit, was also mein erstes Konzert wurde.

Ungeheuer viele Menschen. Ungeheuer gute Stimmung. Und ich hangelte mich durch die Menschen ganz nach vorne und setzte mich auf die Absperrung mit Erlaubnis der Securityleute, da ich so klein war.

Irgendwann vor dem Titel: "Musik nur, wenn sie laut ist" bemerkte Grönemeyer himself oder jemand hat ihn auf die etwas zu großen Hörgeräte hinter meinen Ohren aufmerksam gemacht und er kam immer wieder zur mir rüber und sah mich an, wo ich dann natürlich meinen Welpencharme auspackte und ihn anstrahlte.

Bei dem Titel: "Musik nur, wenn sie laut ist" beugte er sich zu mir, sah mir in die Augen, ging in die Hocke und sagte das Lied an. :-)

Natürlich war ich total begeistert, dass er mich so registierte während einem Konzert inmitten all der Menschen und es war neben dem Robbie-Konzert das schönste Konzert, auf dem ich bisher war.

Seitdem mag ich Grönemeyer noch lieber. :-)

Nachtrag: Ich habe mich übrigens nicht nur wegen der Körpergröße und der daraus resultierenden besseren Sicht auf die Absperrung gesetzt, sondern auch weil Metall wunderbar alle Schwingungen überträgt. Die Musik konnte ich zwar teilweise hören, aber eben nicht alles, aber dank der Schwingungen war ich voll mit dabei!

Dienstag, 12. Mai 2009

War das schon immer so?

Neulich bekam ich eine Frage zugemailt, die mir bis jetzt merkwürdigerweise noch keiner gestellt hat: "Bist du von Geburt an taub oder kam das erst später?"

Die Ursache, weshalb ich denn nun als einziges Familienmitglied in einer Großfamilie nicht hören kann, ist nicht ganz zweifelsfrei geklärt. Mein Großvater hatte einen gehörlosen Halbbruder und eine leicht schwerhörige Schwester - da aber im zahlreichen Familienclan außer mir keiner davon "betroffen" ist, kann es nicht eindeutig Vererbung sein, zumal ich bei der Geburt die Nabelschnur um den Hals hatte und etwas blau angelaufen war.

Die wirkliche Ursache ist wohl der Sauerstoffmangel bei der Geburt dadurch. Und ich glaube wirklich, dass dem so ist, denn fast alle meiner gehörlosen Freunde, die ebenfalls als einzige in ihrer Familie gehörlos/schwerhörig sind ohne eindeutige Familienanamnese, hatten die Nabelschnur bei der Geburt um den Hals. In einigen Fällen war es so, dass die Mutter Röteln in der Schwangerschaft hatte.

Damit wäre die Frage beantwortet: Ja, ich bin seit meiner Geburt an taub und daher kann ich auch so gut damit leben. Was man nicht kennt in der "Echtheit", kann man auch nicht vermissen.

Und wie wurde das nun bemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmt? Ich wurde Ende 1981 geboren und mittlerweile schrieb man das Jahr 1982. Ich wuchs heran und alles war bei den Untersuchungen in Ordnung. Alles in der Norm, so wie es sein soll.

Wirklich alles? Mit etwa 6 Monaten entdeckte entdeckte meine Mutter, dass ich zwar reagierte, wenn jemand sich von hinten mir näherte, aber nicht auf die helle Glocke, die mich total unbeeindruckt liess.

Bei einem Arztbesuch schilderte sie dann diese Tatsache und sie wurde abgefertigt: "Das gibt sich schon. Manche Kinder sind einfach verträumter als andere."

Doch sie liess diese Entdeckung nicht los. Es war ganz offensichtlich, dass ich nicht reagierte auf die Glocke, aber weshalb reagierte ich darauf, wenn man von hinten an mich herantrat oder auf Ansprache von hinten?

Meine Großeltern, in deren großem Haus wir zu dieser Zeit lebten, hatten im Wohnzimmer Parkettboden, was mir akkustisch eine große Hilfe war. Ich konnte so bemerken, ob und wo jemand stand und ob er sich mir näherte. Die Schwingungen des Bodens übermittelten mir all diese Informationen und nicht zu vergessen der Luftzug auf meiner Haut.
Und das mit der Ansprache von hinten? Wieder der hilfreiche Luftzug auf der Haut.
Nicht zu vergessen, dass ich aufgrund meiner Taubheit einen vergrößerten Blickwinkel nach hinten habe und sehr stark auf visuelle Reize reagiere.

Doch bei den Ärzten wurde ihr erklärt, dass alles ganz normal wäre bei mir. Wie jedes Kind durchlief ich die "Brabbelphase" und war augenscheinlich fit und fiedel. Heute weiss man, das taube/schwerhörige Kinder die "Brabbelphase" wie alle andere Kinder durchlaufen und dann nach Ansicht der Fachleute mit etwa einem Jahr lautsprachlich verstummen. Das MUSS aber nicht zutreffen.

Tja, da meine Mutter den Ärzten keine Ruhe liess, wurde ich an die Uniklinik Tübingen überwiesen. Dort mußten wir sehr lange warten und mittlerweile war ich 8 Monate alt. Trotz langer Wartezeit und Geschreie von mir wegen dieser Wartezeit fielen die Ergebnisse eindeutig aus: "Hochgradige Schwerhörigkeit beiderseits an der Grenze zur Taubheit."

Das war schon ein Schock trotz vorhandener Vermutung für meine Mutter und die Familie.
Der Schock war so groß, dass meine Mutter für eine Woche aufhörte lautsprachlich mit mir zu kommunzieren: "Sie hört mich doch nicht..." Aber dann wurde ihr klar, dass ich durch die Viberationen ihres Körpers, wenn sie mich auf dem Schoß hatte, ihre Stimme spüren kann und so ging sie mit mir wieder ganz normal herum.

Ich bekam meine ersten viel zu großen Hörgeräte angepasst und hörte ein bisschen was, aber zur der Zeit war das eben nicht so ausgereift.

Trotzdem kam ich zur Sprache, als wäre nichts gewesen. :-) Mein erstes Wort war "Ball" und ich erinnere mich noch an die Sprachübungen vor dem Spiegel mit einhalb Jahren mit meinen Tanten. Lange Zeit sagte ich übrigens "Papa" selbst zu meiner Mama, da Mama und Papa vom Mundbild für mich gleich waren, bis ich eines Tages schnallte, das Mama viel weicher ausgesprochen wurde.

Mit 5 wollte ich unbedingt pfeifen können und übte so lange, bis ich es endlich konnte, obwohl mir die Hörgeräte absolut keine Hilfe waren. Mir pfiffen die Familienmitglieder vor und ich kopierte die Mundform und das das Herauspressen der Luft solange, bis ich einen Pfeifton von mir gab. Begeistertes Nicken und der Satz: "Jaa, grad eben hast du es geschafft - Mach nochmal.." motivierten mich ungemein.

Ja, das war schon immer so. :-)
Ich bin zwar taub, habe aber die Identität einer Hörenden. Deutsch zu sprechen, zu denken und zu schreiben - das ist meine Muttersprache!
Mein Hörstatus ist zwar: Ohne Cochlear Implantat, bin ich eine Gehörlose, von der Hörfähigkeit mit dem CochlearImplantat bin ich eine Schwerhörige. Selbst das CochelarImplantat macht aus keinem Gehörlosen/Schwerhörigen oder Spätertaubten für immer ein Guthörenden. Ohne das Implantat oder bzw. Hörgerät kannst du nicht hören, egal wie gut oder wie schlecht.

Ich bin taub, aber nicht doof. ;-)

Samstag, 9. Mai 2009

Wie das Date war?

Gut. Gutes Essen, gute Gespräche und nen sympahtischen Typen kennengelernt. :-) So könnte man das Date in einem Satz zusammenfassen.

Fast kam es gar nicht zum Date, da die Deutsche Bahn über eine Stunde Verspätung hatte und er mir seine Handynummer falsch übermittelt hatte. Aber gottseidank kannte ich mich am Ort des Treffens aus und suchte flugs just ein Internetcafe auf und konnte ihn so kontaktieren. So kam es doch noch zum Date.

Ich sollte nach nem großen Kerl Ausschau halten. Also, für mich ist alles groß ab 1,80 Gardemaß..

Nach der ersten Begrüßung war ich kurz verwirrt, weshalb mir sein Mundbild so vertraut vorkam, dann fiel es mir siedendheiß ein: Er hatte das gleiche Mundbild und die gleiche Art zu sprechen wie eine ehemalige Äffäre von mir. Und wir konnten uns so wirklich super unterhalten.

In der Schlange vom Vapiano bei der Essensausgabe machten wir klar, dass wir zusammen einen Salat essen und Pasta bestellen. Ich suchte mir Pasta Carbonara aus - er auch!

Wir saßen da am Tisch, ich registierte mit einem Lächeln, wie er sich kurz beiläufig mit einer anderen Frau am Tisch unterhielt und dann sich weiter mit mir.

"Also, Maja ist soooo süß - die möchte ich echt gern mal kennenlernen." Oha - wir kennen uns gerade mal 15 Minuten und er stellt mir ein weiteres Treffen in Aussicht? Danke, Maja! :-) Maja ist gerade mal 5 Monate alt und wickelt mit ihrem Welpencharme wirklich auch den härtesten Kerl um den kleinen Finger im Nu!

Und natürlich haben wir uns nicht nur über Maja unterhalten, sondern über Essen, Menschen und all das, was man halt so beredet.

Es war wirklich ein schöner netter Abend und ich war einmal mehr überrascht von der reibungslosen Kommunikation bis auf einige Momente, aber da halfen wir uns einfach mit der Schreibfunktion seines Iphone aus. So hatte ich die Gelegenheit mal mit einem Iphone herumzuspielen..

Sag mal, du Date - hab ich irgendetwas vergessen, worüber ich ausführlicher schreiben hätten sollen? ;-)

Ich glaube nicht, das dieses Date für ihn ein großer Unterschied war zu einem Date mit einer hörenden Frau - der einzige Unterschied war halt, dass ich ihm dauernd in die Augen und auf den Mund geschaut habe.

Freitag, 8. Mai 2009

Ein intimes Geständnis

Heute steht ein Date an.

Natürlich ist es ein hörender Mann. Ich hatte noch nie ein Date mit einem gehörlosen Mann, weil mich diese Männer einfach nicht ansprechen, was nicht abwertend gemeint ist. Und im Bett war ich auch noch nie mit einem gehörlosen Mann aufgrund dieser Tatsache. Nur leicht Schwerhörige hatten bisher das Glück neben hörenden Männern.

Warum das so ist? Ich mag Männer, die eloquent sind und die Erotik der Wörter einsetzen können und gerne damit spielen. Das geht nur, wenn man einen gewissen Wortschatz hat und eine gute Schriftsprache hat. Nicht viele Gehörlose Männer haben das und damit fallen sie durch mein Raster.

Aber jetzt bin ich mal gespannt auf mein Date - vielleicht folgt ja ein Bericht! :-)

Leserfrage zum Thema Lippenlesen

missycola aus DownUnder hat mir eben den Kommentar samt Fragen hinterlassen:

"Sehr informativ und wirklich interessant wie das funktioniert! Vor allem das mit den Fremdsprachen...echt bemerkenswert! Wie ist ist bei Sprachen, die Du nicht kennst, kannst Du trotzdem erlesen, um welche Sprache es sich handelt?
Ist Lippenlesen für Dich anstrengend? Schaust Du dann von den Lippen zu den Augen immer quasi hin und her oder hast Du beides gleichermassen im Blick?

Sorry, für die vielen Fragen.
LG aus down under"

Ich kann erkennen, ob jemand gerade französisch, englisch oder spanisch spricht, wenn wir mal bei den geläufigen Weltsprachen bleiben im europäiischen Raum.

Französisch erkenne ich daran, dass es kaum ein Mundbild gibt, da das französische ziemlich nasal ist. Französische Gehörlose, da die mit Französisch als Muttersprache oder Zweitsprache aufgewachsen sind, werden mir in diesem Punkt heftig widersprechen, da sie mit der Sprache aufgewachsen sind und somit keine Probleme damit haben. Ich habe mal versucht Französisch zu lernen, aber es ist unglaublich schwierig, Französisch korrekt abzulesen und auseinander zuhalten. (Kleine Anmerkung: Ich werde demnächst mal erklären, warum Gebärdensprache für 95% aller Gehörlosen die Muttersprache ist und erst dann die lautsprachliche Sprache an zweiter Stelle folgt.)

Da waren die paar Brocken Spanisch, die ich für meinen Urlaub in der Dominikanischen Republik gelernt habe, wesentlich einfacher zu lernen und zu kapieren. Spanisch ist ziemlich einfach abzulesen und zu erkennen. Man erkennt es daran, dass Spanier aus Spanien ziemlich schnell Spanisch reden, als wären sie auf Estacy, während das Spanisch aus dem Lateinamerikanischen Raum eher dem gemütlichen "
Mañana" zuzuschreiben ist.

Englisch kann ich ganz gut, wenn auch es etwas eingerostet ist - ich spreche es auch, aber manchmal vergesse ich die korrekte Aussprache, worüber ich mich immer ärgere. ;-)
Grundsätzlich gucke ich mir DVD's immer mit dt. Untertiteln an: Ich sehe also, dass die Protagonisten Englisch reden, falls es ein englischsprachiger Film ist und lese die Untertitel dazu mit.

Sprachen erkennt man wirklich an den Lippenbewegungen, auch an den nicht vorhandenen. ;-)

Während der Fußball-WM oder während einem Fußballspiel im Fernsehen amüsiere ich meine hörenden Freunde immer damit, dass ich sagen kann, was der Trainer grad dem Spieler ins Ohr geflüstert hat oder aufs Feld gebrüllt hat.
Bei der WM '06, als Podolski fast vor einer Auseinandersetzung stand mit gegnerischen Spieler, rief Klinsi wie ein gestrenger Vater übers Feld: "LUKAS! Der ist es doch nicht wert, lauf weiter."
Und Poldi drehte brav ab.
Auch die Spitznamen der Spieler sind ganz lustig: Metzelder wird von seinen Teamkollegen meistens nur Metze gerufen oder Odonkor nur Odo.

Bei der EM '08 gegen Österreich flogen ja jeweils unser Jogi und der Ösi-Trainer vom Spielfeld. Jogi zog ja mit dem Ösi-Trainer ab und soweit ich mich erinnere, sagte er zu seinem Kollegen: "Komm, wir gehen."
Als er dann beim nächsten Spiel von der Lounge oben zuschauen mußte, sah die ganze Welt einen nervös rauchenden und herumwandernden Jogi durch die verglaste Wand, welcher immer mal wieder vor sich hin murmelte. Durch die spiegelnde Verglasung verstand ich auch nicht viel, aber ich meine abgelesen zu haben, dass er sagte: "Lasst den Ball laufen."

BTW: Beim verlorenen Spiel der Bayern gegen Barca im Camp Nou unterhielten sich Franck Ribery und Thierry Henry nach dem Spiel, bedeckten aber ihren Mund mit den Händen. Warum? Im spanischen und im italienischen TV ist es ganz normal, dass Lippenleser hinzugezogen werden, um den Leuten einiges abzulesen, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Anstrengend ist es für mich wirklich nicht - ich bin es gewöhnt abzulesen. Für mich ist es viel mehr anstregend gebärden und gleichzeitig die Gebärden der Gehörlosen zu verfolgen, weil es eben nicht meine Muttersprache ist.

Ich gucke meinen Mitmenschen IMMER in die Augen, ich habe sozusagen das Dreieck: Augen-Nase-Mund fest im Blick, was anfangs für einige Hörende etwas irrtierend wirkt.

;-)

"Gottes vergessene Kinder"

Das ist wohl neben dem Film "Jenseits der Stille" wohl der häufigste Film, von dem Hörende mir begeistert erzählen, sie hätten ihn gesehen und der Film wäre ja so toll. :-)

Was die wenigsten wissen: Die Rolle der "Sarah" aus "Gottes vergessene Kinder" wurde von Marle Matlin gespielt, einer amerikanischen Schauspielerin. Sie ertaubte durch das 3-Tage-Fieber in ihrer Kindheit nahezuvollständig - sie ist eigentlich eine Spätertaubte, wenn man es so nennen will. Jedoch identfiziert sie sich, anders als die meisten Spätertaubten mit ihrer Gehörlosigkeit und daher ist sie eine Gehörlose.

Marlee Matlin hat die Filmwelt mit ihrer Darstellung der "Sarah" 1986 so sehr beeindruckt, dass sie zuerst den Golden Globe und 1987 mit 21 den Oscar für ihre Rolle erhielt.

Ein schönes Beispiel dafür, das Gehörlose alles können, nur eben nicht hören!

Marlee Matlin bei Wikipedia

Marlee Matlin bei IMDb

Donnerstag, 7. Mai 2009

Ein wichtiger Hinweis für die Medienbranche!

Liebe Medienschaffende,

dank der Zugriffe auf mein Blog konnte ich sehen, dass ich einige Zugriffe aus der Medienbranche habe - danke dafür! :-)

Ich dachte mir, dass dies eine gute Gelegenheit sein könnte, mal ein Wort für die Medienbranche auf die "Blackliste" zu setzen, damit es nicht mehr verwendet wird.

Es handelt sich um das Wort "taubstumm", welches leider immer noch in Berichten verwendet wird, wenn es sich um Gehörlose handelt.

Dazu muss ich folgendes sagen: Gehörlose sind nicht stumm. In keinster Weise. Der Anteil der Gehörlosen unter den Gehörlosen, die wirklich nicht lautsprachlich kommunzieren können, ist verschwindend klein. Dennoch sind diese Gehörlose ohne lautsprachliche Kommunikationsfähigkeit nicht stumm - sie haben immer noch die Gebärdensprache.

Das Wort stumm sagt doch aus, dass man ohne jede Sprache ist, was in dem Fall und auch auf lautsprachliche Gehörlose nicht zutreffend ist.

Gehörlose können in der Regel lautsprachlich kommunzieren, doch ist ihre Stimme je nach Hörfähigkeit nicht melodisch, sondern eher monoton und grell. Anders eben. Aber die Sprache ist vorhanden. Über das Niveau dieser Sprache zu urteilen, ist wieder ein anderes Thema, aber es bessert sich dank dem besseren Bildungsniveau für Gehörlose.

Verwendet doch besser den Begriff "gehörlos" oder "taub." Damit kann man sich besser identfizieren und empörte Leserbriefe an die Redaktion bleiben auch aus. ;-)

Ich würde mich freuen, wenn es ein Anstoß für den einen oder den anderen war! :-)

Nachtrag vom 09 April 2010: Fast ein Jahr später erlaube ich es mir noch einen anderen Hinweis einzubauen! Oft liest man in den Artikeln von einem "Gebärdendolmetscher", was so nicht stimmt. Die Sprache der Gehörlosen heißt Gebärdensprache, also heißt der Dolmetscher auch Gebärdensprachdolmetscher!

Nachtrag vom 18.April 2011: Hier der Kauf und Lese-Tipp Hinweis zum Duden, der auch die Empfehlung ausspricht statt "taubstumm" das zutreffendere "gehörlos" zu verwenden!

Und im Dialog mit meinen Followern habe ich gelernt, dass "taub" bei den meisten Menschen Erinnerungen an "taube Nuss" weckt, was eher negativ besetzt ist. Bei den meisten Gehörlosen ist das Wort "taub" aber neutral besetzt, weil es nur sagt: "Man kann nicht hören, fertig." Also ist es nicht so ein schlimmer Fettnapf eigentlich, aber die Assoziation unter Hörenden mit "taub" ist negativer besetzt als unter gehörlosen.

Völlig fettnapffrei in der Berichterstattung wäre also "gehörlos". Nur zu, verwendet ihn, seit mutig und fortschrittlich, liebe Medien! :-)

Nachtrag vom 14.09.2011: Und da in der Kürze die Würze liegt:

NoGo's: Taubstumm, Taubstummensprache, Gebärdendolmetscher, Zeichensprache

Go's: taub, gehörlos/Gehörlose, schwerhörig/Schwerhörige, hörgeschädigt, hörbehindert, Gebärdensprache, Gebärdensprachdolmetscher...

"Darfst/Kannst du Auto fahren?"

Ja! Und ich kann es auch.

Vielleicht ist das für einige ein Widerspruch, dass man als tauber Mensch Auto fahren darf.

Man braucht kein Gehör, um das Auto und sich selbst ohne Selbstgefährdung und der anderen durch den Verkehr zu schaffen.

Alles andere wird früh genug gesehen, bevor man es hört. Blaulicht zum Beispiel ist unübersehbar, oder?

Auch die Reaktionen der anderen Autofahrer auf der Autobahn in einem Stau sind hilfreich. Wenn plötzlich alle an den Rand fahren, um einem Polizeiauto oder einem Krankenwagen freie Fahrt durch die Gasse zu verschaffen, dann weiß man, woran man ist. Ich war übrigens schon öfters mal die Erste, die gesehen hat, dass man eine Rettungsgasse schaffen muss, weil ich als visueller Mensch Blaulicht von weitem hinten im Rückspiegel flackern sehen habe.

Ich kenne Gehörlose, die unterhalten sich während der Autofahrt ganz munter mit Gebärden, sogar der Fahrer selbst. Alles Übungssache! ;-)

Aber ich will lieber diesen Artikel der AutoBild sprechen lassen:

Bericht in der AutoBild, Teil 1

Bericht in der AutoBild, Teil 2

Noch ein Blogeintrag zum Thema Autofahren von mir:

Nachtrag zu: "Darfst/Kannst du Autofahren? 

Sonntag, 3. Mai 2009

Lippenlesen - wie funktioniert das überhaupt?

Häufige Blogbesucher hier sind schon das eine oder das andere Mal über die Worte wie "freies Hörvermögen", "Lippenlesen", "Mundbild" gestolpert.

Wer nicht hört, der sieht mit den Augen. Meine Augen, obgleich sehr hübsch, sind nicht nur zum Sehen und zum Eintauchen in ihnen auf dieser Welt, sondern auch um MIR Informationen mitzuteilen. Puuh, ich stinke jetzt bestimmt meilenweit gegen den Wind, denn wie sagt man so schön: "Eigenlob stinkt." ;-)

Okay, kommen wir mal zum Lippenlesen und einer interessanten Studie dazu. Englische Forscher haben Babys im Alter bis zu 7 Monaten ein Video ohne Ton vorgespielt. Einmal war das Video mit der Muttersprache der Babys, also in dem Fall Englisch und einmal auf Französisch. Sie konnten eine gesteigertes Interesse der Babys nachweisen, wenn die Muttersprache im tonlosen Video zu sehen war, aber dagegen totales Desinteresse, wenn im Video französisch gesprochen wurde.

Wie schon eingangs erwähnt, das Video wurde ohne Ton vorgespielt, was die Schlussfolgerung logisch erscheinen lässt: Alle Babys, sofern sie nicht blind oder anderweitig stark sehbehindert können durch die Bewegungen in den ersten 7 Lebensmonaten bereits anhand der Lippenbewegungen unterscheiden, welche Sprache gesprochen wird. Ab dem 6.Lebensmonat verliert diese Fähigkeit durch die Dominanz der erlernten Fähigkeit des Gehirns Geräusche im Nu auseinander halten und zuordnen zu können, sofern das Baby hörend ist.

Gehörlose und Schwerhörige Babys haben also schon in den ersten Lebenswochen einen sehr stark visuell ausgeprägten Sehsinn.

Lippenlesen ist nichts anders als das visuelle Erkennen von gesprochenen Informationen über die Lippenbewegungen des Sprechers. Ich lese also jemandem buchstäblich alles von den Lippen ab im wahrsten Sinne des Wortes!

Wie das funktioniert? Die bei den verschiedenen Lauten jeweils unterschiedlichen Stellungen der Lippen und der Mundregionen einschliesslich der von außen sichtbaren Zungenstellung formieren sich zu dem Mundbild.

Hört sich im Prinzip eigentlich ganz einfach an - für mich jedenfalls und das ist es auch für mich, wenn mein Gegenüber so einiges beachtet, was ich hier schon mal erklärte.

Jetzt kommen wir zu den Tücken. Deutsche Sprachforscher haben herausgefunden, dass nur etwa 15% der deutschen Sprache ablesbar sind für Lippenleser, was daran liegt, dass im Deutschen vielfach lautsprachlich ähnliche Wörter existieren, die aber eine unterschiedliche Bedeutung haben.
Man denke nur mal an: "Butter-Mutter", "Tisch-Fisch.", "Greifen-Reifen.", "Achtzig - hat sich" und noch so einige andere Wörter.

Sprachforscher schätzen deshalb, dass geübte Lippenleser daher etwa nur 30% von den Lippen ablesen können, was ich aber nicht so bestätigen kann aufgrund der Tatsache, dass Laborbedingungen nicht vergleichbar sind mit den tausend verschiedenen Faktoren im wahren Leben.

Ich kenne sehr viele Gehörlose, die auch sehr gut Lippenlesen können, aber was heißt in dem Fall gut lippenlesen? Ab wann sind Informationen wirklich informativ, bzw. wieviel Prozent von einer Information muss man mitbekommen haben, damit sie wirklich informativ ist, ohne dass allzuviel von der Information verloren geht?

Es kommt beim Lippenlesen auf sehr viele Faktoren an, um auch als oder gerade als Gehörloser/Schwerhöriger Mensch gut darin zu sein.

1. Verhältnis zum Gegenüber: Wie gut kennt man sich und dessen Mundbild?
2. Lichtverhältnisse
3. Situation: Einzeltrefffen oder größere Anzahl von Personen?
4. Handelt es sich um einen Vortrag oder ähnliches?
5. Wie "wach" ist man gerade?
7. Wortschatz/Allgemeinwissen der lippenlesenden Person (gerade dieser Faktor ist einer der wichtigsten, wenn nicht der allerwichtigste neben der Verhältnisfrage!)
6. Es gibt noch einige andere Faktoren, die man ins Feld führen könnte, aber die 5 reichen vorerst mal aus.

Ich hatte vor gut 2 Jahren an der MHH in Hannover, der Klinik, die mir damals Anno 1994 ein Cochlear Implantat verpasste, ein lustiges Erlebnis.
Ich mußte einen Test machen, weil die sehen wollten, wie gut ich Sprache verestehe. Ich wies die Professorin darauf hin, dass ich über kein freies Hörvermögen verfüge, d.h. ohne Absehen geht bei mir gar nichts! Daraufhin einigten wir uns, dass ich mal online mit dem Implantat und einmal offline ihr von den Lippen ablesen solle. In beiden Fällen erreichte ich 100% des vorgelesenen Textes und die arme Frau fragte mich ganz verzweifelt: "Wozu haben Sie eigentlich das Implantat, wenn sie so perfekt darin sind?"

Ich kann ganz gut lippenlesen, da ich sehr oft mit Hörenden Kontakt habe und quasi daran gewöhnt bin, dies pausenlos zu tun. Auch das Englische kann ich ganz gut lippenlesen, wenn man mich vorher darauf hinweist, dass man aufs Englische umschaltet, weil ich dann mein Gehirn dann entsprechend daruf hinweisen kann, dass ich darauf achten muss, wie man im Englischen redet. ;-)

Wikipedia erklärt das Lippenlesen schon ganz gut: http://de.wikipedia.org/wiki/Lippenlesen