Mittwoch, 22. April 2009

Gehörloser Fußballprofi Stefan Markolf

Na, diese Links hier sind für den einen oder den anderen Fußballfan vielleicht ganz interessant.

Bis vor kurzem war Stefan Markolf beim SV Mainz 05 als Abwehrspieler tätig. Gut, das wäre vielleicht keine Sensation gewesen, wenn da nicht eine kleine Tatsache wäre: Markolf ist auf beiden Ohren zu 90 % taub von Geburt an.

Doch wie hört er den Schiedsrichter? "Gepfiffen ist halt, wenn alle anderen stehenbleiben." sagt Markolf selbst.

Es gibt einige Links zu Markolf:

http://www.welt.de/sport/article1570944/Ein_Fussball_Profi_der_mit_den_Augen_hoert.html

http://www.zeit.de/online/2007/30/markolf-mainz/seite-1

http://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga2/stefan-markolf_aid_66193.html

Und hier ein richtig aktuelles Interview vom 24. März 2009

Update vom 21. April 2012: Jürgen Klopp hatte da richtig Mut bewiesen, als er Stefan Markolf für acht Zweitligaspiele in der Saison 2007/08 aufstellte. Bis heute ist Markolf der erste und der einzige Gehörlose, der es in die Bundesliga schaffte, wenn auch "nur" in die zweite Liga.

Mehr Links zu Markolf:  http://www.krone.at/Sport/Gehoerloser_Fussballprofi_in_zweiter_deutscher_Liga-Ich_lese_das_Spiel-Story-73462

Ich bin gespannt, ob es denn wieder je einen gehörlosen Fußballprofi in der zweiten Liga oder in der zweiten oder überhaupt in der (hörenden) Nationalmannschaft geben wird.

Samstag, 18. April 2009

Gebärdensprachdolmetscher im Fernsehen und Gebärdennamen

Wer mal Gebärdensprachdolmetscher in Aktion erlebt hat, hat dies sicherlich bei Phoenix getan.

Es gibt mit den Dolmetscherinnen ein interessantes Interview, welche hier zu lesen sind:

Kira Knüh-Stengel im Interview

Bastienne Rehe im Interview Es gibt übrigens auch ein Video dazu. ;-)

Und die Gebärdensprache ist eine vollwertige Sprache, keine Hilfssprache, keine Sprachkrücke. Sie funktioniert nach ihren eigenen Gesetzen, sie hat ihre eigene Grammatik und Syntax und vor allem funktioniert sie im Zusammenspiel mit der Mimik und im dreidimensionalen Raum.

Hier ein interessanter Bericht dazu, wie Gebärdensprache im Gehirn verarbeitet wird:

Verarbeitung der Gebärdensprache im Gehirn

Gut gemachte Sendung über Gehörlose bei Planet Wissen:

Gehörlos - Leben in der Stille

Die Zeit hatte mal eine lange Bilderstrecke zu den Gebärdennamen, die aber gerade nicht abrufbar ist. Werde mal nachfragen, was los ist.

Ich hoffe, die zwei Artikel heute entschädigen etwas für die artikellosen Tage.

Probleme bei der Kommentarfunktion aufgetaucht!

Liebe Leser,

einige von euch haben sich darüber beschwert, dass die Kommentarfunktion manche von euch einfach ignoriert, woran das liegt, konnte ich bisher nicht herausfinden.

Ich habe mich bei Wordpress umgeschaut und finde es dort unübersichtlicher als hier, weshalb das Blog auch hier weitergeführt wird.

Aber: Falls die Kommentarfunktion NICHT tut, dann schaut doch auf meine E-Mailadresse rechts in der Infoleiste und mailt mir einfach euren Kommentar mit dem Betreff zum zugehörigen Artikel oder hinterlasst mir eine DM. Okay? :-)

Mittwoch, 15. April 2009

Ein Interview mit dem ersten deutschen gehörlosen Professor Deutschlands.

Vielleicht interessiert euch dieser Artikel?

Es geht um den ersten gehörlosen Professor Deutschlands, Dr. Christian Rathman, welcher am Hamburger Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation tätig ist.

Ich denke, vor allem für die Journalisten dürfte ein ganz spezieller Abschnitt interessant sein.

Interview mit Dr. Rathmann

Ich hatte das bereits das Vergnügen eine Unterhaltung mit Dr. Rathmann führen zu dürfen und war beeindruckt von seiner Intelligenz, auch hat er einen sehr guten Vortrag über Audismus gehalten.



Jetzt mal eine Frage von mir an Euch!

Sicherlich habt ihr schon mal dann und wann Gehörlose gesehen, die sich in der Gebärdensprache unterhielten.

Welche Gedanken gingen euch dabei durch den Kopf?

Kommunikationsmöglichkeiten der Gehörlosen vor dem digitalen Zeitalter

Auch hier kann ich sagen, dass ich keine typische Gehörlose bin - die damals typischen Möglichkeiten der Kommunikation für Gehörlose habe ich erst sehr spät genützt im Alter von 16 aufwärts. Internet gab es damals schon, aber es war erst ab 18 Uhr billiger. Erinnert sich noch wer daran? ;-)

Außerdem war es damals noch nicht flächendeckend verbreitet. Ich sass da also ab 18 Uhr vor dem PC und chattete mit meinen hörenden Freunde (damals hatte ich noch keine gehörlosen Freunde) und machte so die Termine aus. Spontan ging allerdings nichts, aber da wir im gleichen Ort lebten, war es weiter nicht so schlimm. Aber der Chat an sich ist genau das richtige für mich!

Die typischen Kommunikationsmittel vor dem digitalen Zeitalter des Internets und der Handys waren das Faxgerät und das Schreibttelefon. Das Faxgerät ist ja jedem bekannt, also muss hierzu keine Erklärung erfolgen.

Doch wie war das mit dem Schreibtelefon? Ich hatte keins, da ich bis zu meinem 17. Lebensjahr keine gehörlosen Freunde hatte, sondern nur hörende und ein paar schwerhörige Freunde hatte und mit denen löste ich das Problem so: Bei den schwerhörigen Freunden rief meine Mutter die Eltern an, falls deren Hörfähigkeit nicht ausreichte für ein eigenes Telefonat. Meine reichte nämlich nicht aus, bzw. nur in bestimmten Fällen. Aber davon wird ein anderes Mal berichtet.

Gottseidank verlebte ich meine Teenagerzeit in einem Internat und so musste meine Mutter nie bei meinem Objekt der Begierde anrufen - das wäre ja auch zu peinlich gewesen, ne?

Das Schreibtelefon wird ganz gut bei Wikipedia beschrieben, ausprobiert habe ich es nur einmal, obwohl ich die Idee dahinter toll fand. Nutzen hatte es für mich aber nicht - da ich wirklich damals noch keine gehörlose Freunde hatte. Und dann war das Faxgerät optimaler, weil schon vorhanden in der Familie. Auch das Internet war auf dem Vormarsch.

Kurze Zeit vor dem Durchburch das Handys war damals der Zweiwegepager unter den Schwerhörigen schwer im Trend - für die Gehörlosen war es damals allerdings nichts.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals noch handylos, die Handynummer meines ODB von ihm bekommen habe und mir das Handy meiner Tante auslieh und ihm smste. Daraufhin smsten wir stundenlang miteinander und ich benahm mich wie ein typischer Teenie mit entsprechendem Beschlag des Handys.

Im Sommer vor meinem 18. Geburtstag kriegte ich endlich mein eigenes Handy und es war optimal, weil wirklich jeder ein Handy hatte und meine Mutter zurück in ihre alte Heimat zog und ich ins Münchner Internat kam. Mein eigenes Handy bedeutete für mich grenzenlose Freiheit, selbständig Termine ausmachen und eben mal nur schnell nachfragen können ohne große Umstände..

Heute ist immer noch das Handy von elementarer Bedeutung, aber das Internet mit seinen Kommunikationsmöglichkeiten wie E-Mailaustausch, Chat und unzähliger Kommunikationsplattformen vereinfachten das Leben der Gehörlosen wirklich auf einen Schlag.
Noch nie war es so einfach wie heute in Kontakt zu treten miteinander und in Kontakt zu bleiben.

Jetzt komme ich zur der Frage per Kommentar: "lässt sich sowas wie videotelefonie eigtl. sinnvoll einsetzen? vmtl. nicht oder? ich meine jetzt videotelefonie am handy, in der üblichen UMTS-qualität."

Videotelefonie am Handy habe ich selbst noch nicht genützt, aber natürlich kommt es auf die Qualität an wie immer.
Ich könnte mir theorhetisch ein Bildtelefon finanzieren lassen von der Krankenkasse, aber ich brauche es nicht, da ich erstens nicht genügend gehörlose Kontakte mit Bildtelefon habe, damit es sich lohnt und eine gute Webcam und ein entspechendes Chatprogramm reicht mir völlig aus. Lippenlesen ist damit möglich, wenn die Übertragung in guter Qualität stattfindet. Aber meistens guckt man sich an und schreibt weiterhin. Also bei mir zumindestens. Ich schreibe während dem Videochat lieber als zu gebärden, aber wenn mein Gegenüber gehörlos ist, dann mache ich es auch. ;-)

Aber lebensnotwendig für die Gehörlosen vor dem digitalen Zeitalter war das Vereinsleben. Dort traf man sich regelmässig, dort erfuhr man allen notwendigen Klatsch und dort erhielt man auch Hilfe, falls welche benötigt wurde. Das ist auch der Grund, warum Gehörlose zusätzlich zu ihrem Schwerbehindertenausweis eine Wertmarke erhalten, mit der sie die (langsamen) Nahverkehrszüge der Bahn und alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei nutzen dürfen, damit sie zu ihren Vereinen oder zu ihren Partys fahren können. Natürlich können Gehörlose auch mit dem Auto fahren, sofern sie alt genug sind. Aber davor und sonst kommt dieser Freifahrtschein den Gehörlosen sehr zugute, denn man muss sich vor den Augen halten, dass nicht in allen Orten, vor allen auf dem Land, Gehörlosenvereine ansässig sind.

Die Orte, wo aktives Vereinsleben wie auch kulturell stattfindet, sind meistens auch dort, wo es Schulen und Berufsbildungswerke für Gehörlose& Schwerhörige gibt. Absolute Spitze ist München, wo regelmässig Veranstaltungen und legendäre Partys stattfinden.


Dienstag, 14. April 2009

Mißverständnisse können so lustig sein!

Vor gut 3 Jahren im Sommer besuchte ich meine Sandkastenfreundin samt Freund und trug dabei nen Rock und Top. Beide übrigens hörend. Sandkastenfreundin kenne ich wirklich schon seit der Geburt und unsere Kommunikation ist äußerst fliessend, worunter ihr Freund manchmal etwas leidet, was auch aus dieser lustigen Geschichte deutlich wird.

Freundin K. guckte mich an und sagte: "Das ist das erste Mal, dass ich dich im Rock sehe. Oh, deine Beine sind ja streichelzart. Aber guck mal, mein Freund muss sich von Natur aus nicht rasieren." sprach sie und packte das Hosenbein ihres Freundes und schob es rauf - keine Haare und wenn dann nur zarte blonde Haare. Ich hab dann gefeixt: "J. muss in seinem früheren Leben wohl eine Frau gewesen sein und mit Kaltwachs gearbeitet haben." Und da sie damals noch nicht so lange mit ihrem Freund zusammen war und er mich manchmal immer noch falsch versteht, hat sie bei ihm nachgefragt, ob er verstanden habe, was ich gesagt habe.

Er sagte ganz artig: "Ich muss in meinem früheren Leben eine Frau gewesen sein und in einem Kalkwerk gearbeitet haben."

Meine Freundin und ich brachen lachend zusammen und konnten überhaupt nicht mehr aufhören zu lachen für eine gute Weile.

"Aber hihi, wie kommst du auf Kalkwerk?" war unsere Frage, als wir unsere Fassung wieder gewonnen hatten.

J.: "Na, weil ich so kalkweisse Beine habe." Da war es wieder um unsere Fassung geschehen.

Hier der versprochene Gehörlosenwitz und ein paar Regeln zur Kommunikation.

Bekam eben einen zugesendet, sicherlich werden noch mehr folgen.

Warum treffen sich alle Bienen abends an einer Straßenleuchte? Die sind alle gehörlos und brauchen somit Licht! :-)

Was? Du lachst nicht? Klar, für Hörende ist der Witz nicht nachvollziehbar - es fehlt einfach das Hintergrundwissen über Gehörlosigkeit und die Mentalität der Gehörlosen die eigene Behinderung und die daraus manchmal entstehende Nachteilen zum Witz zu machen.

Gehörlose sind Augentiere oder anders ausgedrückt visuell ausgerichtet. Für ein gutes Ableseverständnis oder auch zum Gebärden brauchen Gehörlose gute Lichtverhältnisse.

Für eine erfolgreiche Kommunikation muss der Hörende so einige Regeln beachten - der Gehörlose aber auch - er wird sich meistens auf den Hörenden einstellen, weil er von Anfang an weiss, dass der Hörende Zeit braucht, um sich umzustellen. Gehörlosigkeit sieht man einem NICHT an, außer man sieht vielleicht die Hörgeräte oder das CI an den Ohren.

Spricht ein Hörender einen Gehörlosen von hinten, wo dann in 90% der Fälle eine Reaktion ausbleibt - es kommt auf die Hörfähigkeit des Gehörlosen an, kann der Hörende nicht wissen oder nicht kombinieren, dass dieser nicht stur ist, sondern schlicht und einfach nichts gehört hat.

Oder ein Hörender fragt jemanden nach dem Weg und der Angesprochene antwortet zwar, aber die Stimme klingt für den Hörenden völlig verzerrt und monoton-grell.

Für sehr viele Gehörlose ist es unglaublich schwierig, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten - ich bin da auch keine Ausnahme, wenn ich "offline" bin. Mir passiert es manchmal, dass ich immer lauter werde im Gespräch und es nicht merke im Offline-Modus oder ich kann einfach nicht ohne Stimme reden, was mir immer sehr peinlich ist, wenn ich darauf hingewiesen werde.

Nur wenige Gehörlose schaffen es ihre Stimme unter Kontrolle zu halten, da kommt es auch auf die Hörfähigkeit an, aber auch auf die Kontrolle über die eigene Stimme. Ich kenne sehr viele Gehörlose, die automatisch beim Gebärden ihre Stimme einfach ausschalten, wenn diese in ihre Welt, die der Gehörlosen abtauchen. Ich selber kann das einfach nicht immer, weil dies nicht meine Welt ist.

Aber nun zurück zu den Regeln, die der Hörende beachten sollte:

Schau, dass genügend Licht auf eurer Gesicht fällt und die Umgebung nicht allzu schummrig ist - das kann man sich für später aufbewahren, wenn beide geübter sind mit der gegenseitigen Kommunikation. Gegenlicht blendet übrigens und ist daher zu vermeiden.

Vielleicht seid ihr irrtiert, weil wir Gehörlosen euch stets im Gespräch in die Augen und auf den Mund schauen - wir lesen von den Lippen ab. Von daher ist es eine große Hilfe für uns, wenn der Hörende, während er redet, an seinem Platz bleibt und möglichst nicht hin und her läuft. Und ganz schlimm für uns ist es auch, wenn wir z.b. reden und der Hörende woanders hinschaut als zu uns hin, denn für uns ist das das Signal, dass man uns nicht zuhört und es ist eine Irrtation. Sowas kann man machen, wenn man vertrauter ist, wie schon oben erwähnt. ;-)

Und was auch zu vermeiden ist: Kaugummi kauen, keine Zigarette oder einen ähnlichen Gegenstand im Mund - es verzerrt das natürliche Mundbild. Ich wiederhole mich ungern, aber sowas geht wirklich nur, wenn man vertrauter ist. Ist eben alles Gewohnheitssache!

Und das Sprachtempo sollte nicht auf dem eines Maschinengewehrs basieren, sondern langsamer sein. Es hat überhaupt keinen Zweck zu brüllen oder zu schreien, denn es verzerrt das Mundbild. Viel besser ist für uns eine natürliche Lautstärke oder stimmlos. Einfach daran denken, langsam und deutlich reden, dann klappt es auch! Und falls die Kommunikation trotzdem hapern sollte, kann man immerhin noch auf Blatt und Kuli ausweichen, was aber äußerst selten geschieht in meinem Fall.

Achja, hilfreich ist auch, wenn man Hochdeutsch redet. Dialekte werden am Anfang kaum verstanden.

Und vergiß einfach für einen kurzen Moment, wie gross die Verachtung auf die Italiener ist seit dem verlorenen Halbfinale der WM '06 und werde kurzzeitig zu einem Italiener: Lass deinen Körper mitreden, setz deine Mimik ein. Natürlich ohne zu übertreiben und sich selber zum Affen zu machen.

Aber vor allem: Finger weg von eurem Mund - bedeckt euren Mund während dem Gespräch mit uns NICHT mit der Hand oder einem anderen Gegenstand!

Ist jetzt eigentlich klar geworden, wo der Witz liegt bei dem Bienenwitz? ;-) Dann darf jetzt gelacht werden - die Verzögerung ist nicht schlimm, DAS passiert mir öfters, wenn unter Hörenden ein Witz erzählt wird da ich gesprächsmässig eh immer paar Sekunden hinterherhänge, lache ich auch meistens immer verzögert.

Lachend beantwortet!

Im vorherigen Post habe ich ja schon lachend erzählt, dass ich selbstverständlich lache. Auch laut und auch manchmal im Schlaf. Dazu bekam ich vorhin wieder nen Kommentar von dem selben Fragesteller:
"selbstverständlich war mir klar DASS du lachst. ;) ich beobachte nur bei mir selber, dass ich praktisch nur in gesellschaft LAUT lache! und ich frag mich schon immer WARUM?! hab das als eine form der kommunikation gedeutet, die bei gehörlosen ja keine zusätzliche funktion hätte ... deshalb die frage! :)"

Vorsicht, Vorsicht - das ist mal wieder ein nicht sichtbares Detail für die Hörenden, wieviel die Mimik eigentlich mit der Kommunikation zu tun hat. Leute, ganz ehrlich: Ich hasse es selbst, wenn ich Menschen einteilen muss in Schubladen: Da die Gehörlosen/Schwerhörigen mit den typischen Macken und Denkweisen, da die Hörenden mit denen für sie typischen Macken oder Denkweisen. Aber manchmal geht es leider nicht anders, da eine komplett andere Sichtweise auf die Welt auch ganz andere Perspektiven bietet, was sehr interessant sein kann. Nochmal:

Hörende sind oft überrascht, wieviele versteckte Botschaften ein gehörloser Mensch aus der Mimik und Körpersprache herauslesen kann. Das geht auch ohne ein Lachen. *g*

Steinzeitlich ausgedrückt ist Lachen eine freundliche Form des Zähnebleckens, womit man zeigen will, dass man dem anderen freundlich gesinnt ist. Auch ohne Ton - selbst ich verzichte nicht völlig auf eine lautlose Welt - wenn ich mich mit hörenden Freunden treffe, bin ich selbstverständlich "online", merkt man, dass jemand lacht. Warum sollte Lachen keine zusätzliche Funktion bei Gehörlosen haben? Wie soll man denn sonst auf Gehörlosenwitze reagieren? Tonlos lachen?

Spontan fällt mir jetzt leider kein Gehörlosenwitz ein - da muss ich mal meine gehörlosen Freunde fragen. Der Grund, warum mir kein Gehörlosenwitz einfällt ist: Ich bin keine typische Gehörlose, sondern eine gehörlose Hörende und damit nicht in der Gehörlosenwelt zuhause, denn auch die Gebärdensprache, obwohl ich sie kann und verstehe, ist nicht meine Muttersprache. :-)

Kompliziert nicht? Die Gemeinschaft der Gehörlosen ist soviel ich weiss, die einzige behinderte Minderheit, die über eine eigene Kultur und Sprache verfügen. Die Gehörlosenkultur unterscheidet sich sehr von der Kultur, in der wir uns alle hier bewegen, trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten.

Die Lieblingsfrage aller Hörenden dreht sich um die Musik.

Wahrscheinlich ist den meisten Hörenden gar nicht bewußt, wie fixiert sie eigentlich auf die Geräuschkulisse um sie herum sind und daher ist es schon eine logische Selbstverständlichkeit nach meinem "Outing" zu fragen: "Aaaaber, wenn ich dich mal fragen darf, wie empfindest du die Musik?" Und dann das gespannte Gesicht des Fragenden - man sieht ihm deutlich an, wie weit das alles weg ist von ihm und wie er sich im Hinterkopf versucht die Vorstellung von einer "tauben" Welt aufzubauen und es ihm einfach nicht gelingen will.

Die ersten Kommentare gestern im ersten Posting betrafen fast alle die Musik.

Aber es gab auch eine Premiere für mich: Jemand fragte mich, ob ich laut lache. Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen deutlich aufgelacht habe und mich über diese noch nie gehörte Frage gefreut habe, weil diese wirklich noch nie gestellt worden ist. Natürlich lache ich - ich kann sogar sprechen. ;-) Es gibt keine doofen Fragen, nur doofe Antworten. Und die Antwort eben war doof von mir - also nochmal von vorne: Ja, ich lache gerne. Auch laut. :-) Manchmal lache ich sogar im Schlaf.

Okay, nun zurück zur Ausgangsfrage, wo die Musik spielt. ;-)

Ich hoffe es ist okay, wenn ich den Namen des Fragenden, soweit er/sie die Angabe gemacht hat, miterwähne, wenn nicht, einfach nen Kommentar hinterlassen.

stillahomegirl schrieb:
"hi jule,
auch von mir die blöde frage: wie hörst du musik? du hast ja eine reihe von bands aufgelistet. ich selbst bin auf einem ohr taub, was natürlich nicht vergleichbar ist mit einer beidseitigen taubheit. aber was das musikhören betrifft: stereo geht nie. allerdings vermisse ich es auch nicht, weil ich es ja nicht anders kenne.
bin gespannt auf deine antwort!!"

Guten Morgen, stillahomegirl!

Da haben wir was gemeinsam - stereo Musik hören geht für mich ebenfalls nicht. Ich bin auf einem Ohr mit einem Cochlear Implantat versorgt worden im Alter von 12 Jahren, was aber eigentlich zu spät war, aber dazu komme ich später in einem eigenen Beitrag zu sprechen.

Das Implantat, kurz CI genannt, hilft mir ganz gut beim Hören. Ich kann unterscheiden, ob da ein Mann oder eine Frau spricht oder singt - manche Instrumente kann ich heraushören. Aber natürlich kann ich nicht sagen, ob sich das genauso anhört wie für einen Hörenden, weil ich diesen Vergleich nicht kenne. Unterscheiden ist also bei mir drinnen, aber ich kann nicht verstehen, was da gesungen wird, weil es bei mir eben ohne Lippenlesen nicht geht. Daher lese ich mir immer die Songtexte an. Aber ich kann gute Musik von schlechter unterscheiden, was natürlich wieder geschmacksabhängig ist. ;-)

Die Frage: WIE wäre also beantwortet. ;-)

lg, jule

Die allererste Frage dazu aber kam von Anonym:
"die frage ist bestimmt SAUblöd, aber sie brennt einfach: was stellst du dir unter musik vor?!?!?
hat es irgend einen sinn musik zu "spüren" (vibrationen durch lautsprecher bspw.)??"

Hallo Anonym,

vielleicht kennst du das Lied: "Musik nur, wenn sie laut ist" von Herbert Grönemeyer ? Grönemeyer ist ja schon fast deutsches Volksgut, wenns um die hiesige Songlandschaft geht. :-)
Natürlich hat es einen Sinn, Musik zu spüren, sonst würde ich z.b. in der Disco ohne Ende gegen den Takt tanzen, aber ab und zu Taktaussetzer fallen nicht so auf wie endlose. ;-) Und ich tanze sehr gerne. Dazu fällt mir eine lustige Episode ein. Ein Kumpelvon meinem Exfreund konnte sehr gut tanzen, auch die Standardtänze. Einmal waren wir zusammen auf einer Party ohne meinen Exfreund und laute Musik spielte und einige tanzten sogar. "Kannst du tanzen?" "Bisschen schon, Rumba, kleiner Walzer krieg ich noch zusammen, aber cha-cha-cha nicht mehr." Darauf hin schleppte er mich auf die Tanzfläche und begann mich FREIWILLIG, was allein für einen Mann schon sehr ungewöhnlich ist, durch die Gegend zu wirbeln. Am Ende der kleinen Tanzsstunde meinte er zu mir: "Also, ich hatte ja schon viele Frauen als Tanzpartner, aber keine hat sich so toll führen lassen wie du und du kannst besser tanzen als viele Frauen, obwohl du nicht hören kannst." Einige Wochen später waren wir wieder mal verabredet in einer irischen Kneipe und dem fiel schlagartig ein, dass ich ja auch tanzen kann und so schleifte er mich abermals wieder auf die Tanzfläche - wir waren die einzigen auf der Tanzfläche und alle Frauen ringsum an den Tischen seufzten: "SO einen Freund hätte ich auch gerne, WIE er sie auf die Tanzfläche geschleift hat und sie hin und her wirbelt..."
Merkt euch das, Männer! Lernt tanzen! :-) Schon Kaiser Augustinus sagte: "Ich lobe den Tanz, denn er.."

Für viele Gehörlose ist Musik ein sehr wichtiger Bestandteil ihres Lebens, auf Gehörlosenpartys wird selbstverständlich auch volle Pulle Musik gespielt und es geht auf der Tanzfläche ab! :-)

Wäre damit die Frage beantwortet?


Dann gab es dann noch diese Frage hier:

Ich glaube, die Summe meiner bisherigen Antworten beantworten diese Frage hier:
"wie willst du vergleichen, wenn du das eine gar nicht kennst? schwierig, aber sehr interessant! hab dir ja schonmal gesagt, dass ich deinen ausdruck außerordentlich gut finde (;"eigentlich quasi von selbst. Wie schon erwähnt, verfüge ich über ein CI, was ich aber nur im bestimmten Situationen benütze, wo es hilfreich sein könnte für mich. Ich kenne also das "Online" sein in einer Welt mit tausend Geräuschen und Stimmen ganz gut. An dieser Stelle sei verraten, dass das Singen der Vögel wirklich auch für mich zu den schönsten Geräuschen der Natur gehört. :-)

Ich schätze es wirklich sehr, dass ich entscheiden kan, ich "Online" oder "Offline" sein will und diese Tatsache hat auch schon bei vielen Hörenden etwas Neid oder auch Verwunderung hervorgerufen.

Ansonsten vielen Dank für alle Kommentatare! Über die Feststellung, dass ich über einen guten Ausdruck verfüge, habe ich mich wirklich sehr gefreut!

Montag, 13. April 2009

Nach längerem Zögern auch nun ein Blog von mir über meine "Behinderung".

Eine unsichtbare Behinderung - klingt gar nicht so dramatisch. Ist es auch gar nicht, aber einschränkend aufgrund dieser Tatsache.

Und diese Behinderung teile ich mit 16 Millionen Schwerhörigen und etwa 80tausend Gehörlosen in Deutschland. Ich kann von Geburt an nicht hören. Und ich vermisse es auch nicht - was man nicht in einem normalen Verhältnis kennt, kann man auch nicht vermissen. ;-)

Imanuel Kant sagte mal: "Nicht sehen trennt von den Dingen. Nicht hören trennt von den Menschen." Dieses Zitat wird übrigens irrtümlich Helen Keller zugeschrieben.
Damit hatte Kant bis zu einem gewissen Punkt recht. Für mich selbst wäre es viel schlimmer, die ganzen Farben, die ganze optische Vielfältigkeit meiner Umgebung nicht wahrnehmen zu können.

Aber Nichthören schränkt einen in der Gesellschaft ein, die sehr auf Hörinformationen fixiert ist. Das Ohr leistet ziemlich viele Aufgaben, die einem gar nicht bewußt sind - es ist ein kleines technisches Wunderwerk.

Aber: Man braucht nicht unbedingt hören zu können, um unbeschadet durch das Leben zu kommen. Es lastet auf der Gehörlosengemeinschaft ein Druck durch die Auffassung, dass am besten alle gehörlosen Kinder ein Cochlear Implantat verpasst bekommen sollten.

Meine Meinung dazu ist nur: "Man ist nicht behindert, man wird behindert gemacht."

Ich fürchte, ich muss jetzt mal an dieser Stelle diesen Betrag unterbrechen. Es ist nämlich gar nicht so einfach über etwas zu schreiben, womit man sich nicht oder nur oberflächlich befasst hat, obwohl es einen selbst betrifft oder vielleicht liegt die Schwierigkeit gerade darin?!

Für das erste wünsche ich mir viele Kommentare mit vielen Fragen, die ich dann mittels weiteren Blogbeiträgen beantworten kann.

Danke für das Zuhören... äh Lesen.. ;-)