Donnerstag, 7. Mai 2009

Ein wichtiger Hinweis für die Medienbranche!

Liebe Medienschaffende,

dank der Zugriffe auf mein Blog konnte ich sehen, dass ich einige Zugriffe aus der Medienbranche habe - danke dafür! :-)

Ich dachte mir, dass dies eine gute Gelegenheit sein könnte, mal ein Wort für die Medienbranche auf die "Blackliste" zu setzen, damit es nicht mehr verwendet wird.

Es handelt sich um das Wort "taubstumm", welches leider immer noch in Berichten verwendet wird, wenn es sich um Gehörlose handelt.

Dazu muss ich folgendes sagen: Gehörlose sind nicht stumm. In keinster Weise. Der Anteil der Gehörlosen unter den Gehörlosen, die wirklich nicht lautsprachlich kommunzieren können, ist verschwindend klein. Dennoch sind diese Gehörlose ohne lautsprachliche Kommunikationsfähigkeit nicht stumm - sie haben immer noch die Gebärdensprache.

Das Wort stumm sagt doch aus, dass man ohne jede Sprache ist, was in dem Fall und auch auf lautsprachliche Gehörlose nicht zutreffend ist.

Gehörlose können in der Regel lautsprachlich kommunzieren, doch ist ihre Stimme je nach Hörfähigkeit nicht melodisch, sondern eher monoton und grell. Anders eben. Aber die Sprache ist vorhanden. Über das Niveau dieser Sprache zu urteilen, ist wieder ein anderes Thema, aber es bessert sich dank dem besseren Bildungsniveau für Gehörlose.

Verwendet doch besser den Begriff "gehörlos" oder "taub." Damit kann man sich besser identfizieren und empörte Leserbriefe an die Redaktion bleiben auch aus. ;-)

Ich würde mich freuen, wenn es ein Anstoß für den einen oder den anderen war! :-)

Nachtrag vom 09 April 2010: Fast ein Jahr später erlaube ich es mir noch einen anderen Hinweis einzubauen! Oft liest man in den Artikeln von einem "Gebärdendolmetscher", was so nicht stimmt. Die Sprache der Gehörlosen heißt Gebärdensprache, also heißt der Dolmetscher auch Gebärdensprachdolmetscher!

Nachtrag vom 18.April 2011: Hier der Kauf und Lese-Tipp Hinweis zum Duden, der auch die Empfehlung ausspricht statt "taubstumm" das zutreffendere "gehörlos" zu verwenden!

Und im Dialog mit meinen Followern habe ich gelernt, dass "taub" bei den meisten Menschen Erinnerungen an "taube Nuss" weckt, was eher negativ besetzt ist. Bei den meisten Gehörlosen ist das Wort "taub" aber neutral besetzt, weil es nur sagt: "Man kann nicht hören, fertig." Also ist es nicht so ein schlimmer Fettnapf eigentlich, aber die Assoziation unter Hörenden mit "taub" ist negativer besetzt als unter gehörlosen.

Völlig fettnapffrei in der Berichterstattung wäre also "gehörlos". Nur zu, verwendet ihn, seit mutig und fortschrittlich, liebe Medien! :-)

Nachtrag vom 14.09.2011: Und da in der Kürze die Würze liegt:

NoGo's: Taubstumm, Taubstummensprache, Gebärdendolmetscher, Zeichensprache

Go's: taub, gehörlos/Gehörlose, schwerhörig/Schwerhörige, hörgeschädigt, hörbehindert, Gebärdensprache, Gebärdensprachdolmetscher...

Kommentare:

  1. Da ich nicht betroffen bin möchte ich nicht unbedingt in diese Debatte einsteigen, gebe jedoch zu bedenken dass derartige Neudefinitionen nur von kurzer halbwertszeit sind, auch "gehörlos" wird früher oder später einen negativen Beigeschmack bekommen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus-Tretm%C3%BChle

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  2. Das Problem, das Paul nennt, trifft per Definition ("Euphemismus-Tretmühle") nur auf Euphemismen zu.

    Weder "gehörlos" noch "Gebärdensprachdolmetscher" sind aber Euphemismen. Sie sind faktisch korrekt, im Gegensatz zu "taubstumm" und "Gebärdendolmetscher", wie Jule ja erklärt.

    Ich bin selber lesbisch und kenne das verwandte Problem, dass deutsche Medien, allen voran "Die Zeit", seit Jahren stur über "Schwule" und "die Schwulenehe" schreiben. Schwul sind nur Männer, der Begriff wird aber regelmäßig für Themen und Sachverhalte verwendet, die genauso lesbische Frauen betreffen. Leserbriefe bleiben idR unbeantwortet.

    Insgesamt sind die deutschen Medien leider durch die Bank ziemlich wenig bemüht, Vorschläge anzunehmen, die sie irgendwie unter das Thema "political correctness" schieben können, gegen welches es in Deutschland eine reflexartige Abneigung gibt.

    Ich wohne seit einigen Jahren im englischen Sprachraum -- erst in den Vereinigten Staaten, jetzt London. Hier scheint es zumindest in den Mainstream-Medien einen breiten Konsens zu geben, dass doch eigentlich nichts dagegen spricht, Menschen einer Minderheitsgruppe zuzuhören, wenn sie konstruktiv Kritik üben, und bei der Wortwahl ein bisschen Sorgfalt walten zu lassen. Sprache beeinflusst halt schon das Denken (http://www.nytimes.com/2010/08/29/magazine/29language-t.html).

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  3. Ich weiss nicht ob das stimmt, aber ich habe irgendwo mal gelesen, dass "taub" vom Althochdeutschen "thumb" kommt. Ach ja, "thumb" heisst "dumm". Korrekt oder ist das Quatsch?
    Dominik

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  4. Hier folgt die Antwort auf meine eigene Frage:
    taub kommt von Mittelhochdeutschen und Althochdeutsch: toup, toub = „stumpfsinnig, verwirrt, empfindungslos, betäubt, doof“ - http://de.wiktionary.org/wiki/taub

    Somit gilt: "taub" sollten wir auch nicht mehr verwenden.

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  5. Stumm heißt doch in erster Linie "nicht hörbar sprechen", oder? Ist man stumm, kann man sehr wohl mit einem Gänsekiel kritzeln oder in eine Tastatur klopfen. Ist also als stummer keinesfalls sprachunfähig. Ich kann am "stumm sein" nichts Anrüchiges finden. Aber letztlich lässt sich fast jedes Wort ob seiner Etymologie anfechten. Wir haben einfach zu viel Zeit für diese Hohlübungen.

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  6. @QuickSharpXL,
    Da bist du kein QuickSharp!

    Ein Wort bekommt eine negative Bedeutung erst im Satzzusammenhang. Eine taube Nuss ist entweder eine leere Nuss oder eine leerkoepfige Person, keine nicht-hoerende Person! Sowohl hoerende als auch taube Menschen koennen taube Nuesse sein!

    Wenn jemand sich 'taub' nennt, bedeutet stets "nicht hoerend" und/oder "einer tauben Person entsprechend, naemlich gebaerdensprachig und der Taubseinskultur zugehoerig" zu sein, wie angegeben in wiktionary.

    Im gl.cafe.de Forum wird ausgiebig ueber die Verwendung von 'taub' und 'gehoerlos' diskutiert. Beachten Sie bitte die sieben Begruendungen, warum 'gehoerlos' nicht gut ist, und dafuer 'taub' besser ist.
    Siehe http://www.gl-cafe.de/viewtopic.php?p=981487#p981487

    Wenn wir mutig 'taub' oefter verwenden, verliert 'taubstumm' allmaehlich an Bedeutung im Bewusstsein der Deutsch-Sprecher, wie geschehen mit 'deaf-mute' 'deaf and dumb' 'suerd-muet', 'doofstom' usw. in anderen Sprachen.

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  7. @fmfischer,
    leider bedeutet 'stumm', wie du angegeben hast, jetzt noch. In dieser Bedeutung wird die muendliche Form als das absolute und einzige sprachliche Mittel fuer Kommunikation aufgefasst. Die SprEchfaehigkeit wird betont. Ein stummer Mensch wird insgeheim als weniger Mensch angesehen, ein sprechender aber vollkommen. Was SprAchfaehigkeit anbelangt, ist niemand stumm.

    Das ist genau was das Wort audistisch macht. In keiner Gebaerdensprache gibt es eine Gebaerde fuer jemanden, der nicht gebaerden kann. Warum musste denn jemand als stumm bezeichnet werden. Diese Bezeichnung ist vollkommen unnoetig und diskriminierend in Wirkung auf taube Menschen.

    Aber uebertragen in der Bedeutung von "sprachlos", "baff" ist das Wort OK (nicht audistisch). Man kann auch stumm in Gebaerdenprache sein. "Der taube Hans wurde stumm aus Entsetzen" bedeutet vielmehr, er konnte nichts dazu sagen, eher in Gebaerden als in gesprochenen Worten.

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    1. Was soll denn bitte "audistisch" wieder heißen?
      Und wieso darf ich nicht Zeichensprache sagen?

      @Marianne: Nein, ganz im Gegenteil: Gerade in Deutschland nehmen wir es mit der political correctness viel zu genau. Man darf tatsächlich nicht Worte benutzen, die betreffende Leute diskriminieren (Bsp. Neger), weil es ein DISKRIMINERENDES WORT ist. Aber das ist etwas ganz anderes. In GB/den USA gibt es das Sprachproblem bei der Homo-Ehe (was für mich jetzt wieder diskriminierend klingt) einfach nur nicht, weil "gay" sowohl lesbisch als auch schwul heißt.

      Nichtsdestotrotz ist Sprache etwas lebendiges, darauf rumzuhacken macht keinen großen Unterschied. Taubstumm als anderes Beispiel war für mich bis jetzt immer ein gerade nicht diskriminierend gemeinter vermeintlicher "Fachausdruck". Gerade, wenn ich mir die Etymologie von taub angucke, wie sie QuickSharpXL gelinkt hat, bleibt taubstumm für mich nicht diskriminierend. Da schießt man sich doch ins eigene Knie, wenn jeder "taub", also ursprünglich "dumm" benutzen muss (gehörlos ginge auch, jaja...). Das ist doch eine total beliebige Festlegung und Diskussion, für mich könnte es in dem Zusammenhang auch darum gehen, das "taub" diskriminierend sei...!

      Und man kann taubstumm einfach nicht falsch nennen!
      "Das Wort stumm sagt doch aus, dass man ohne jede Sprache ist...", wie es in dem Artikel heißt:
      Ich schalte meinen CD-Player auch auf stumm, danach gibt er keine Töne mehr ab. Ich weiß, dass sich taube Menschen auch sehr gut lautsprachlich äußern können (ganz abgesehen von der Gebärdensprache), trotzdem tun die meisten, die ich kennengelernt habe es nicht.
      Zu unterstellen, man halte diese Menschen für vermindert intelligent oder nicht sprachfähig aufgrund der Verwendung von "taubstumm", ist schlichtweg eine dreiste Unterstellung. Trotzdem werde ich das Wort natürlich nicht mehr benutzen!

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    2. Was ich mich außerdem frage: Wie nennt man denn dann die, die weder hören noch sprechen können? Ist es nicht ebenso diskriminierend diesen Begriff (die sind doch eindeutig Taubstumm oder nicht?) so herabzustufen, dass man sich nun dafür entschuldigen muss, jemanden als etwas "beleidigt" zu haben, was ein anderer zweifelsohne ist?

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  8. ES IST eine Diskriminierung und eine Beleidigung, wenn man Gehörlose als Taubstumme bezeichnet, weil das einfach unzutreffend ist. Die Menge der Gehörlosen, die wirklich NICHT sprechen können, ist verschwindend klein und ist eher in Dritte-Welt-Ländern zu finden, da es dort kaum Bildungsmöglichkeiten für sie gibt. Dennoch: Die Gebärdensprache ist eine anerkannte Sprache und so sind selbst diese Gehörlosen nicht stumm.

    Ich würde diese Gehörlosen, die wirklich nicht sprechen können, einfach als stumme Gebärdensprachler bezeichnen. Fertig. Das ist treffend und passt und vor allem fühlt sich damit keiner beleidigt.

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  9. Das RBB Inforadio hats getan, ausgerechnet in einer Reportage über Inklusion:
    http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/bme/201312/11/praemierter_malerbetrieb.html

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